Ein großartiger Liebesfilm fernab jeglicher Koventionen. Ort des Geschehens ist ein altes Schloss mit seinen großen Hallen, gemütlichen Salons, verwinkelten Ecken und seinem großen Garten, das offensichtlich zu einem Hotel umfunktioniert wurde, so macht es zumindest den Eindruck. Der namenlose Protagonist und Erzähler (im Drehbuch nur als X bezeichnet) umgarnt eine hübsche Frau (auch sie bleibt namenlos, heisst im Script nur A). Er ist der festen Überzeung, dass die beiden im vergangenen Jahr am selben Ort eine Affaire hatten, sie ihn jedoch mit ihrer Entscheidung, ihren Ehemann zu verlassen, aufs nächste Jahr vertröstet hat. A kann sich daran jedoch überhaupt nicht erinnern.
Letztes Jahr in Marienbad erzählt diese Geschichte in Fragmenten, nie weiß man ob man sich in der Vergangenheit, der Gegenwart, in einem Traum oder der Realität befindet. Eine linieare Erzählweise sucht man hier ebenso vergeblich, wie einen Interpretationsansatz, geschweige denn eine Auflösung. Regisseur Alain Resnais wollte ganz bewußt einen Film inszenieren, der sich erst im Kopf des Publikums zu einer Geschichte formiert, eine Geschichte, die bei jedem Zuschauer anders aussehen kann. Dies gelingt ihm unter anderem durch die Kombination der großartigen, sehr atmosphärischen Bilder des Kameramanns Sacha Vierny und des stimmungsvollen Scores von Francis Seyrig.
"Letztes Jahr in Marienbad" ist ein wundervolles Erlebnis, das heute noch genauso frisch wirkt, wie damals bei seiner Uraufführung im Jahre 1961. Der Einfluss auf nachfolgende Generationen von Filmemachern ist unumstritten. Daher möchte ich Euch diesen Film unbedingt ans Herz legen. Wer auf ungewöhnliches, atmosphärisches Kino steht, kommt bei diesem Film voll auf seine Kosten.


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