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Thema: Le scaphandre et le papillon

  1. #11
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    Re: Le scaphandre et le papillon

    Ich weiß nicht ob ich ohne die Stimmen auf Moviemaze überhaupt auf den Film gekommen wäre. Aber nachdem ich nur relativ wenig darüber gelesen habe kam schon das Interesse und diese Woche habe ich mir die DVD gekauft. Ein Kauf, den ich nicht bereue:




    Das erste Augenöffnen nach traumlosem Schlaf. Karge Wände. Ein Krankenhausbett. Zwei Personen in leisem Gespräch. Eine Stimme:"Er ist wach!". Spontane Geschäftigkeit bei der sich mehrere Personen in weißer Krankenhauskleidung vor das Gesicht beugen. Jemand leuchtet mit einer Lampe direkt in die Pupillen. So beginnt Schmetterling und Taucherglocke und lässt den Zuschauer diese Szenerie nicht nur beobachten, sondern versetzt ihn direkt in die Perspektive des Jean-Dominique. Jean-Dominique Bauby ist 42 Jahre alt und Chefredakteur der französischen Elle. Ein Schlaganfall unterbricht sein bislang aufregendes und abwechslungsreiches Leben und lässt ihn nach einer Zeit im Koma in genau der beschriebenen Szenerie aufwachen. Während er geistig bei vollem Bewußtsein ist, funktioniert sein Körper eigentlich nur noch als Hülle. Bis auf sein Gehör und seine Sicht ist ihm mit einem Mal alles genommen. Er ist selbst zu der kleinsten Bewegung nicht imstande und kann sich auch nicht mehr artikulieren. Gefangen in seiner Situation entwickelt Jean-Do ein reges Gedankenleben. Nur mit Hilfe einer Logopäden, die für ihn ein Buchstabensystem entwickelt, kann er durch Blinzeln kommunizieren. Aus dieser Situation heraus verfasst er ein Buch, indem er seine Gedanken beschreibt und sich in seiner Verfassung anderen mitteilt. Dabei handelt es sich um eine reale Person und ein Buch das wirklich so entstanden ist. Dies ist die Verfilmung des Buches.

    Es ist allein schon interessant einem Menschen, der sich in so einer Situation befindet zuzuhören. Selbst wenn man wie ich fast tagtäglich mit Menschen zu tun hat, die behindert sind und sich nur mehr oder (oft) weniger mitteilen können, kann man sich kaum vorstellen selbst in so einer Lage zu sein und häufig fragt man sich was wohl in derjenigen Person vorgeht. Hier ist so ein Mensch und er lässt mich teilhaben an seinem Leben. Bildreich und wortgewandt sind seine Beschreibungen. Allein sein Buch zu lesen ist sicher großartig. Den Film zu sehen ist nochmal so großartig, denn es gelingt ihm durch seine beispiellose Visualisierung das Kunststück mich in die Haut des Protagonisten zu versetzen indem ich als Zuschauer das sehe was auch Jean-Do sieht. Probleme mit der Blickfokussierung, Gesichter die ganz nah vor mich tauchen, die Begrenztheit des Blickfeldes, das sich nur über die Bewegung des Auges erstreckt. Die Perspektive wird mir so vollkommen vermittelt, wie sie in einem Film nur möglich sein kann. Kameraprofi Janusz Kaminski (Jurassic Park, Saving Private Ryan, AI, War of the Worlds) leistet hier Großartiges und zeigt Bilder auf eine Art wie ich sie im Film noch nicht gesehen habe. Schmetterling und Taucherglocke lässt mich an Erfahrungen teilhaben, die ich so nicht ohne weiteres machen kann und hat damit für mich dieses magische, was Film ausmacht (oder im Idealfall ausmachen sollte). Ich habe den Film heute gleich meiner Arbeitskollegin weiterempfohlen und überlege mir selbst ob ich es am Mittwoch schaffe ihn im Kino anzusehen. Da wird er für einen Tag nämlich nochmal aufgeführt.
    "If any of us get laid tonight, it's because of Eric Bana in 'Munich'."

  2. #12
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    Re: Le scaphandre et le papillon

    Copy&Paste

    Der Film hat mich echt beschäftigt wie lange keiner mehr. Auch jetzt noch, Tage nach Sichtung, kreisen meine Gedanken um Jean-Do und seinen so bemerkenswerten Leidensweg der Glückseligkeit. Immer wieder schwirrten und schwirren mir die schönen Bilder im Kopf umher. Immer wieder rufe ich mir die schönen Zitate ins Gedächtnis. Immer wieder höre ich die Songs mit denen diese Bebilderung und Worte einhergingen. Ich habe viel nachgedacht, über Gott und die Welt, über den Umgang mit unseren Mitmenschen, ob ich die selbe Kraft aufbringen könnte wie Bauby oder die Leute die ihn liebten. Ich habe mir jetzt nicht wirklich krampfhaft versucht vorzustellen wie es wohl wäre in seiner Haut oder in der seiner Nächsten zu stecken denn dies gelang ob der grandiosen Inszenierung auch ohne Anstrengung erschreckend gut. Zu gut. Das demprimierte mich. Das machte mir sogar zeitweise richtig Angst. Ich versuchte, u.a. während gesamter Laufzeit, diese schrecklichen Gedanken zu verdrängen die in regelmäßigen Abständen immer wieder Einzug in meinen Kopf hielten und die meinen Geist verdunkelten, um mich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, um die Lichten Momente voll auskosten zu können. Und ich rede jetzt eben nicht nur von den schönen Dingen im Film, sondern auch oder vorallem von schönen Dingen und Lichten Augenblicken im allgemeinen, im alltäglichen. Es gab Diskussionen im Kreise der Familie, während des Abendessens und weit darüber hinaus, meine Freundin wünscht sich das Buch zu Weihnachten, meine Mutter will den Film unbedingt sehen und mein Bruder interessiert das alles nicht die Bohne da er von der Existenz dieses Filmes und deren Geschichte nicht das geringste weiss.

    Die gesamte Darstelleriege spielt sich hier die Seele aus dem Leib.
    Die Regie- sowie die Kamerarbeit sind schlichtweg grandios. Julian Schnabel ist der Mann mit der Vision, der Idee und Janusz Kaminski ist der Maler, der Künstler der angedachtes zu Papier bzw. auf den Bildschirm zaubert. In Vollendung.

    Wie wunderschön waren doch die Szenen, in denen uns Jean-Do in seine Fantasiewelt und in seine Erinnerungen mitnahm. Wie herzhaft habe ich doch innerlich gelacht bei der "Marlon Brando-Verwechslung". Mindestens genau so wie Bauby selbst, bei dem "France Telekom-Joke" (was eine geniale Szene). Die zerfallenden Eisberge, das Skifahren (DAS bin ich!), der Besuch seiner Kinder, überhaupt alle Szenen am Strand. Der Fehlversuch seines Freundes Laurent, sich mit ihm über das speziell entwickelte Alphabet zu Unterhalten (Du musst mich dabei ansehen...). Einfach ein wunderbarer, herzerwärmender Humor. Das essen im Le Duc, die Rasur-Szene mit seinem Vater, das Vorführen der "Zungenübungen" und der darauf folgende Kommentar Baubys, das grunzende Gesinge, die Fliege auf der Nase, die Schmetterlinge und und und.

    Der Film bietet allerdings nicht nur solch schöne und traumhafte Sequenzen. Oft ist man den Tränen nahe. Der Telefonanruf von Papinou am Krankenbett seines Sohnes ist nur eine von vielen Szenen die einem wirklich zu Herzen geht, die auf den Magen schlägt und zutiefst anrührt. Da musste ich schon echt mit mir ringen als ich den alten Mann da bei seinem Zusammenbruch zusehen musste. Genau so die Szene, als Bauby den Besuch von seinen Kindern bekommt, als man seinen Sohn so bitterlich weinen sieht....das war echt grausam. Darauf folgen dann aber die Szenen, in der sein ältester ihm den Sabber aus dem Mundwinkel wischt, die singenden und tanzenden Töchter... das machte es erträglicher und zum Teil, wie oben bereits erwähnt, zu einem wirklich tollen und als durchaus positiv zu verbuchenden Abschnitt aber es ist eben auch ein schmaler Grad auf dem man hier "gefühlsmäßig" wandert. Man weiss oft nicht so recht, ob man den nun weinen oder lachen soll.

    A poet once said, "Only a fool laughs when nothing's funny" ...

    Schlussendlich überwiegt das Lachen. Das Lachen als Symbol für Freude, für die Freude an der Liebe und für die Freude am Leben. Im Film überwiegen letztlich die positiven Eindrücke, siegt der immense Lebenswille Baubys und die Liebe über die eigentliche Tragödie.


    Und jetzt noch was zum Träumen...
    "Ich hab drei Kinder und kein Geld! Warum hab ich nicht keine Kinder und drei Geld?!" - Homer Simpson

  3. #13
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    Re: Le scaphandre et le papillon

    Zitat Zitat von soulassassin
    Der Film hat mich echt beschäftigt wie lange keiner mehr. Auch jetzt noch, Tage nach Sichtung, kreisen meine Gedanken um Jean-Do und seinen so bemerkenswerten Leidensweg der Glückseligkeit.
    DAS geht mir ganz genauso. Vorgestern habe ich den gesehen und seitdem ganz oft Gedanken über den Film oder Gedanken, die er ausgelöst hat, gedacht. Habe schon allen möglichen Leuten von dem Film erzählt und ihn weiterempfohlen. Ich kann mich von vielen Filmen gut unterhalten lassen aber es ist selten dass ein Film mich so mit seiner Wirkung packt.
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  4. #14
    Regisseur Avatar von Thomas S.
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    Re: Le scaphandre et le papillon

    Usual ... wie konntest du nur :wink: ... Le scaphandre et le papillon wäre meine OMFE-Empfehlung an dich gewesen. Verdammt.
    Trotzdem ein sehr schöner Eintrag, den ich 1:1 unterschreibe. Unglaublich bewegender Film, und wie du richtig annimmst, dass Buch ist großartig zu lesen. Mich hat damals vor allem der Schreibstil und die liebe zum Detail beeindruckt. Hab des Buch mittlerweile auch schon ein paar mal gelesen. Genauso empfehlenswert wie der Film
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  5. #15
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    Re: Le scaphandre et le papillon

    Oh, das ist schon das zweite Mal in diesem Durchgang. Bei Keyzer ging auch schon ein Film flöten. Wenn das so weitergeht werde ich zum Empfehlungsschreck des Wettbewerbs. Sorry! :wink:
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