Ich weiß nicht ob ich ohne die Stimmen auf Moviemaze überhaupt auf den Film gekommen wäre. Aber nachdem ich nur relativ wenig darüber gelesen habe kam schon das Interesse und diese Woche habe ich mir die DVD gekauft. Ein Kauf, den ich nicht bereue:
Das erste Augenöffnen nach traumlosem Schlaf. Karge Wände. Ein Krankenhausbett. Zwei Personen in leisem Gespräch. Eine Stimme:"Er ist wach!". Spontane Geschäftigkeit bei der sich mehrere Personen in weißer Krankenhauskleidung vor das Gesicht beugen. Jemand leuchtet mit einer Lampe direkt in die Pupillen. So beginnt Schmetterling und Taucherglocke und lässt den Zuschauer diese Szenerie nicht nur beobachten, sondern versetzt ihn direkt in die Perspektive des Jean-Dominique. Jean-Dominique Bauby ist 42 Jahre alt und Chefredakteur der französischen Elle. Ein Schlaganfall unterbricht sein bislang aufregendes und abwechslungsreiches Leben und lässt ihn nach einer Zeit im Koma in genau der beschriebenen Szenerie aufwachen. Während er geistig bei vollem Bewußtsein ist, funktioniert sein Körper eigentlich nur noch als Hülle. Bis auf sein Gehör und seine Sicht ist ihm mit einem Mal alles genommen. Er ist selbst zu der kleinsten Bewegung nicht imstande und kann sich auch nicht mehr artikulieren. Gefangen in seiner Situation entwickelt Jean-Do ein reges Gedankenleben. Nur mit Hilfe einer Logopäden, die für ihn ein Buchstabensystem entwickelt, kann er durch Blinzeln kommunizieren. Aus dieser Situation heraus verfasst er ein Buch, indem er seine Gedanken beschreibt und sich in seiner Verfassung anderen mitteilt. Dabei handelt es sich um eine reale Person und ein Buch das wirklich so entstanden ist. Dies ist die Verfilmung des Buches.
Es ist allein schon interessant einem Menschen, der sich in so einer Situation befindet zuzuhören. Selbst wenn man wie ich fast tagtäglich mit Menschen zu tun hat, die behindert sind und sich nur mehr oder (oft) weniger mitteilen können, kann man sich kaum vorstellen selbst in so einer Lage zu sein und häufig fragt man sich was wohl in derjenigen Person vorgeht. Hier ist so ein Mensch und er lässt mich teilhaben an seinem Leben. Bildreich und wortgewandt sind seine Beschreibungen. Allein sein Buch zu lesen ist sicher großartig. Den Film zu sehen ist nochmal so großartig, denn es gelingt ihm durch seine beispiellose Visualisierung das Kunststück mich in die Haut des Protagonisten zu versetzen indem ich als Zuschauer das sehe was auch Jean-Do sieht. Probleme mit der Blickfokussierung, Gesichter die ganz nah vor mich tauchen, die Begrenztheit des Blickfeldes, das sich nur über die Bewegung des Auges erstreckt. Die Perspektive wird mir so vollkommen vermittelt, wie sie in einem Film nur möglich sein kann. Kameraprofi Janusz Kaminski (Jurassic Park, Saving Private Ryan, AI, War of the Worlds) leistet hier Großartiges und zeigt Bilder auf eine Art wie ich sie im Film noch nicht gesehen habe. Schmetterling und Taucherglocke lässt mich an Erfahrungen teilhaben, die ich so nicht ohne weiteres machen kann und hat damit für mich dieses magische, was Film ausmacht (oder im Idealfall ausmachen sollte). Ich habe den Film heute gleich meiner Arbeitskollegin weiterempfohlen und überlege mir selbst ob ich es am Mittwoch schaffe ihn im Kino anzusehen. Da wird er für einen Tag nämlich nochmal aufgeführt.


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