Mein allererster Doris Dörrie, Elmar Wepper sei dankDenn ohne dessen Mitwirken hätte ich diesen Film sicherlich nicht einmal bemerkt. Zu Zeiten von "Männer" war mir "das deutsche Kino" schlicht schnurz und Ochse Uwenknecht und Lauter Heinerbach waren und sind auch nicht meine Sympathieträger, die mich den hätten sehen lassen wollen. Die nachfolgenden Dörrie-Filme habe ich dann gar nicht mehr beachtet.
Gut, ich bin ein wenig "befangen" in KIRSCHLÜTEN - HANAMI, weil mir Elmar Wepper, ganz im Gegensatz zu seinem "hol mal den Wagen, Harry" Bruder Fritz, schon immer enorm sympathisch war und ich seine Fernsehrollen wie auch seine Synchronrollen stets sehr bezwundert und ihn im Kreise meiner Lieblingsschauspieler wähne.
Sei's drum, da sitz ich nun in KIRSCHBLÜTEN - HANAMI, einem satten Zweistünder, weil der Film einen "Elmar Wepper-Bonus" genießt.
Boah, haben sie Hannelore Elsner auf alt getrimmt ist mein erster Gedanke. Eine grauhaarige, verärmte gealterte Frau, die sich ganz (im wahrsten Sinne des Wortes) in den Dienst ihres Mannes stellt. Wartet drauf, daß ihr Rudi von der Arbeit kommt, steht schon parat um ihm aus der Jacke in die Strickjacke zu helfen und aus den Schuhen in seine Pantoffeln. Sein Essen und sein Bier sind natürlich auch schon parat.
Ja, sie hat ihren eigenen Wünsche und Bedürfnisse, ja ihre eigene Existenz, ihre Träume, einmal Japan zu sehen und ihr Faible Butotatänze ganz hintangestellt. Und jetzt erfährt sie, daß ihr Rudi, der noch nichts spürt, nicht mehr lange zu leben hat, unheilbar krank ist. Man solle nochmal verreisen.
Sie erzählt ihrem Rudi nichts, gemeinsam fährt man auf Kurzurlaub zu den Kindern nach Berlin, anschließend an die Ostsee. Irgendwann findet sich der Rudi, der in seinem Wesen ganz Beamter ist mit aller festgefahren Lebensroutine alleine da und springt kurzerhand in Japan wieder bei seinem Sohn und versucht nun herauszufinden, was um alles in der Welt seine Frau nur an Japan, der Kultur an sich und den Butotänzen im Besonderen nur findet. In der vollkommen fremden Welt trifft er auf eine junge Butotänzerin..
Mehr will ich jetzt inhaltlich nicht erzählen.
KIRSCHBLÜTEN - HANAMI ist ein wunderwunderschöner Film, eine Tragikomödie, wie sie besser nicht gelungen sein könnte. Hannelore Elsner geht ganz in ihrer Rolle auf, auch das Bayerisch von ihr kommt als habe sie nie etwas anderes gesprochen. Elmar Wepper spielt hier die Rolle seines Lebens. Fernab seiner üblichen TV-Rollen an der Seite von Uschi Glas oder Christiane Hörbiger, obwohl auch er schon in anspruchsvolleren Fernsehfilmen gegen seinen Typus besetzt war, darf hier Wepper alles geben. Den eigenbrötlerischen genügsamen alten Grantler nimmt man ihm genauso ab, wie seine Wandlung in einem gänzlich fremdartigen Kulturkreis zurechtzukommen, Neugierde und gewisse "Abenteuerlust" zu entwickeln und die Bereitschaft seine Frau und ihre ingeheime Liebe zu Japan und Butotänzen verstehen zu lernen. Das Paar Wepper-Elsner ist ideal gewählt, bereits nach wenigen Szenen nimmt man den Beiden das seit Jahrzehnten aneinandergekettete aber nebeneinander herlebendem Paar ab und seine trotzdem innige Verbundenheit und Liebe. Erwähnenswert ist auch noch die junge japanische Schauspielerin Aya Irizuki mit ihrer erfrischenden Unbekümmertheit im Kontrast zu dem alten Bären.
Der Kulturschock, den Japan und seine ganze Fremdartigkeit bietet, die vielen andersartigen Riten und Gesellschaftsabäufe arbeitet KIRSCHBLÜTEN - HANAMI genauso gekonnt und einfühlsam heraus, wie auch die tiefe Liebe der Regisseurin in dieses Land. Die Schönheiten des Landes kommen genauso heraus, wie die z.T. eher unangenehm erscheinenden Gesellschaftsformen, die sich aufzeigen in diesem Film.
Der Einsatz der digitalen Handkamera wirkt sich überaus positiv aus, es entsteht eine geradezu intime Nähe zwischen dem Zuschauer, also der Kamera, und dem Hauptdarsteller, die mitunter sogar schmerzlich anzuschauen ist. Wepper geht hier mehrfach, als etabliertes TV-Gesicht, über Grenzen hinweg in seiner Darstellung des Rudi, Szenen, die in anderen Filmen unter anderen Gegebenheiten und anderen Schauspielern unter Umständen deplaziert und peinlich gewirkt haben könnten - hier jedoch in KIRSCHBLÜTEN - HANAMI sind sie durch und durch wahrhaftig und authentisch.
Wie überhaupt der ganze wunderbare Film mit seinen tollen Bildern und all seiner bewegenden, anrührenden Power, die Einen oft mit geöffnetem Mund sprachlos zurückläßt.
Das Spagat zwischen ehrlichem menschlichen Humor und Tragik, die den Zuschauer schlucken läßt, geht genauso auf, wie der Mut zur Langsamkeit der Erzählung (selbst in den gefühlten 2/3 des Films in denen der Film in der Hektik Japans spielt), die trotzalledem keine Minute Langeweile aufkommen läßt. "bast scho.."
Wenn dieser Film nicht (nach dem bayerischen Filmpreis) auch den deutschen Filmpreis, Grimmepreis, Bambi usw. erhalten wird, dann weiß ich auch nicht.



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Denn ohne dessen Mitwirken hätte ich diesen Film sicherlich nicht einmal bemerkt. Zu Zeiten von "Männer" war mir "das deutsche Kino" schlicht schnurz und Ochse Uwenknecht und Lauter Heinerbach waren und sind auch nicht meine Sympathieträger, die mich den hätten sehen lassen wollen. Die nachfolgenden Dörrie-Filme habe ich dann gar nicht mehr beachtet.
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