Meinen 100. Post wollte ich mir unbedingt für etwas ganz Besonderes aufsparen. Erst kürzlich bin ich auf ein Filmprojekt gestoßen, das sich z. Z. in einer sehr frühen Pre-Production Phase befindet. Basierend auf dem epischen Gedicht von John Milton (aus dem Jahre 1667) wird in Paradise Lost die Geschichte vom Fall des Menschengeschlechts erzählt. Tragischer Held des Geschehens ist Satan, der nach einer gescheiterten Rebellion gegen Gott mit seiner Horde in die Hölle verbannt wurde. Dort errichtet er das Pandämonium, die Heimstatt aller gefallenen Engel und beschließt, den Allmächtigen ab jetzt durch List und Trug statt auf offenem Schlachtfeld zu bekämpfen. Aus Rache infiltriert er die Erde, um Gottes neues Lieblingsgeschöpf, den Menschen, zu verführen.
Inszeniert wird das Ganze von Scott Derrickson, der uns Der Exorzismus der Emily Rose und das langweilige Remake zu Der Tag an dem die Erde stillstand beschert hat. Nicht besonders beeindruckend würde da nicht die Produktionsfirma Legendary Pictures hinter diesem Projekt stehen, die uns mit solch exquisieten Meisterwerken wie The Dark Knight, 300, Watchmen oder Clash of the Titans verwöhnt hat bzw. noch verwöhnen wird. Höhepunkt des Films wird die große Schlacht um die Vorherrschaft im Himmel, wenn die Legionen Satans und die Armee Gottes aufeinander treffen, in strahlenden Rüstungen gekleidet und mit Schild und Speer bewaffnet, auf ihren Feuerrossen und in ihren Streitwagen (sehr poetisch, ich weiß :wink: ). Und schließlich der Zweikampf zwischen Luzifer und Michael, die sich mit ihren Flammenschwertern gegenseitig erbittert bekriegen (und das alles höchstwahrscheinlich in 3-D).
Eine zweite Verfilmung mit schmalerem Budget steht ebenfalls in den Startlöchern. Zwei unbekannte Schauspieler, David Dunham und Patricia Li Bryan, werden hier in die Rollen von Adam und Eva schlüpfen. Für Satan soll ein hochkarätiger Charakter-Mime verpflichtet werden. Ich persönlich finde es etwas unrealistisch, einen solchen Stoff mit einem Budget von $35 Millionen zu verfilmen.
Angeregt von der Geschichte hab ich mir gleich das Buch gekauft und quäle mich seitdem durch die ca. 480 Seiten. Hier ein kleiner Auszug. Satan soll auskundschaften, ob Gott die geplante neue Welt mit den Menschen bereits erschaffen hat. Dazu muss allerdings erst die Hölle überwunden werden. Unermüdlich durchstreift er die Unterwelt nach einem Ausgang und findet schließlich die bewachte Grenze.
Hoch ragen bis ans fürchterliche Dach
Neunfache Pforten, deren drei von Erz,
Von Eisen drei und drei von Diamantfelsen.
Ein furchtbar Wesen saß auf jeder Seite
Der Pforten; eines schien ein reizend Weib
Bis an den Leib, doch endete sie hässlich
In vielen schuppgen, weit gewundnen Ringen
Als eine Schlange mit dem Todesstachel.
Rings um den Leib bellt, unaufhörlich, laut
Ein Rudel Höllenhunde mit Rachen
Wie der Zerberus und machte wilden Lärm;
Willentlich konnten sie bei jeder Störung
Sich in dem Bauch des Weibs verbergen, wo sie, immer
Fortheulend, wenn auch ungesehen, bellten.
Die andre Nachtgestalt, wenn man so nennt,
Was ohne Glieder und Gestalt sich zeigt,
Und wenn man Wesen nennt, was Schatten schien,
Ja, oder beides ganz vereint, erhob
Schwarz wie die Nacht sich, wie zehn Furien grimmig
Und wie die Hölle furchtbar; in der Hand
Schwang sie das fürchterlichste Wurfgeschoss;
Was etwa einem Haupte gleichen konnte,
Trug etwas einer Königskrone gleich.
Jetzt nahte Satan, und von seinem Sitz
Schritt ihm das Ungeheuer schnell entgegen,
Mit grausem Schritt, von dem die Hölle bebte.
Der unverzagte Feind erstaunte nur,
Was dieses sei, doch ferne blieb ihm Furcht,
Nur Gott und Dessen Sohn, sonst scheut er kein
Erschaffenes Wesen; und verächtlich sprach er:
"Was bist du und woher, verfluchtes Bild,
Dass du dich wider mich erhebst und mir,
Wenn grimmig auch und greulich deine Stirn,
Die missgeschaffne, vor den Weg der Pforte
Zu stellen wagst? Ich gehe doch hindurch,
Und ohne dich zu bitten um Erlaubnis.
Zurück! Sonst magst du eine Tollheit fühlen
Und aus Erfahrung lernen, Höllenbild;
Dass schlechtes Kämpfen ist mit Himmelsgeistern."
Mit voller Wut erwidert das Gespenst:
"Bist du nicht der Verräter, jener Engel,
Der jüngst zuerst den Himmelsfrieden brach
Und Treue, welche nie zuvor gebrochen,
Und der, mit stolzen Waffen sich empörend,
Der Himmelssöhne dritten Teil bewog,
Sich wider den Allmächtigen zu verschwören,
Für welchen Frevel du, sowohl wie sie,
Von Gott verstoßen worden und verdammt,
Die Ewigkeit in Qual und Pein zu leben?
Und du zählst dich selbst zu den Himmelsgeistern,
Verdammter du der Hölle, bietest Trotz,
Hier, wo ich König bin und dir zum Ärger
Dein Herr und König! Falscher Flüchtling du,
Zurück zur Qual und eile schnell beflügelt,
Damit ich nicht mit Geißeln von Skorpionen
Dich Zaudernden verfolgen muss, und wenn
Dich dieser Speer berührt, ergreift dich Angst
Und ungewohntes Weh, wie nie du fühltest."
So sprach das Schreckensbild und ward dabei,
So sprechend und so drohend, an Gestalt
Noch zehn Mal greulicher und hässlicher.
Von Zorn entflammt, stand Satan andrerseits,
Doch unerschrocken, wie ein Glutkomet,
Der längs dem ungeheuren Ophiuchus
Am Himmel flammt und aus den grausen Haaren
Pest schüttelt sowie Krieg. Ein jeder zielt
Mit Todesstreichen nach des andern Haupt.
Sie sannen nicht auf einen zweiten Schlag,
Verächtlich blickten sie einander an.
Wie wenn zwei schwarze Wolken, mit des Himmels
Geschütz beladen, rasselnd rücken über
Das kaspische Meer und, Stirn an Stirn gekehrt,
Ein Weilchen schweben, bis die Winde blasen,
Worauf in mittler Luft die Schlacht beginnt:
So finster blickten sich die Streiter an,
Dass von dem Groll die Hölle dunkelte.
Gleichartig waren sie, denn keinem sollte
Ein solcher Feind wohl jemals noch begegnen.
![]()


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen