(MM-Review)
Es ist ja schon sträflich, dass es zu Tarantinos drittem Film kein Topic gibt. Diesen Umstand muss ich sofort ändern. Ich hatte letzten Montag die Gelegenheit den Film nochmal im Kino zu sehen. Ich habe das Gefühl dass Jackie Brown in Tarantinos Filmreihe allgemein gegenüber den anderen Filmen etwas unter den Tisch fallen gelassen wird. Nach beachtlichem Einstand von Reservoir Dogs wird Pulp Fiction sowieso unbestritten als Kult anerkannt. Wird in der allgemeinen Wahrnehmung Jackie Brown gefühlsmäßig übersprungen ist man schon bei Kill Bill, der natürlich ungleich mehr "flashy" ist. Spätestens hier sieht man dass Quentin Tarantino einen außergewöhnlichen Ruf genießt und gleichsam jedes seiner Folgewerke besondere Beachtung bei Fans wie Feuilleton findet. Es ist auch nicht so, dass Jackie Brown dagegen kritisiert wird, aber es scheint ein wenig die graue Maus in seinem Filmwerk zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass er weniger spektakulär aufgezogen ist als Tarantinos andere Filme. Kill Bill zog mit seinem imageträchtigen Kung Fu Einschlag alle Aufmerksamkeiten auf sich. Bei Death Proof übte das Grindhouse Flair einen besonderen Reiz aus. Und Inglorious Basterds adoptierte das Kriegsfilmgenre auf seine eigene dreckige Art. Wurde in diesem Sinne das Blaxploitation Genre zu dezent ausgenutzt? In dieser Richtung möchte ich lieber nicht argumentieren, denn Tarantinos Hommage diesbezüglich findet sehr liebevoll und mindestens ebenso leidenschaftlich statt wie man es entsprechend von seinen anderen Filmen her kennt. Ein Unterschied zum Rest seiner Filmographie liegt sicher darin, dass Tarantino sich hier auf eine Romanvorlage von Elmore Leonard stützt. Während man bei seinen anderen Filmen oft von einem Sammelsurium einzelner Szenen sprechen kann, folgt er hier deutlich wie nie der ausgelegten Plotlinie und inszeniert seine kreativen wie charakteristischen Feinheiten darum herum. Auf diesem Weg wirkt der Film vergleichsweise weniger bombastisch dafür aber sehr konzentriert und zeigt sich intelligent aufgearbeitet. Ich für meinen Teil mag Jackie Brown sehr gerne und sehe mich nach der erneuten Sichtung wieder in meiner Ansicht bestätigt. Dem Zuschauer wird eine gewitzte Story geboten, die Charaktere sind sehr lebendig entwickelt und werden allesamt unglaublich gut von jedem einzelnen Darsteller personifiziert. Pam Grier als titelgebende Hauptfigur Jackie Brown legt einen pfiffigen Auftritt hin und strahlt auf ihre eigene Art bemerkenswerte Attraktivität aus. Samuel L. Jackson spielt den fashionable gekleideten aber charakterlich dreckigen Kleingangster hingebungsvoll. Wie man auch mit passiven Charakteren brillieren kann sieht man bei Robert DeNiro, das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Bridget Fonda spielt die ambitionslose und schnippische White Trash Schlampe und hat fast nie besser ausgesehen wie hier. Die grandiosen Leistungen ziehen sich bis in die weiteren Nebenrollen hinein und offenbaren keine Schwächen. Bei dem ganzen Lob muss ich auch dem Soundtrack seinen Tribut zollen, der meiner Ansicht nach in dieser Kategorie zu dem Besten gehört was es so gibt. Der Score ist interessanterweise ständig in die Umgebung der jeweiligen Szene eingebunden, und wirkt genauso funky wie stimmungsvoll. Jackie Brown macht auf mich einen sehr ausgewogenen Eindruck, hat einen natürlichen Charme, viel Witz und in meinen Augen einer von Tarantinos Besten.


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