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Thema: Madeo (Mother)

  1. #1
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    Madeo (Mother)

    Dachte eigentlich das es zu dem Film bereits ein Topic geben würde, konnte bei meiner Suche jedoch nichts finden. Falls ich da was übersehen haben sollte... sorry.



    Director: Joon-ho Bong
    Writers: Joon-ho Bong (story), Eun-kyo Park (screenplay)
    Stars: Hye-ja Kim, Bin Won and Ku Jin

    Trailer

    In meinen Augen ein weiterer großartiger Film von Regisseur Joon-ho Bong, dessen Handschrift hier unverkennbar ist, bewegt sich sein aktuellstes Werk doch in sehr ähnlichem Fahrwasser wie sein von mir so sehr geliebter Salinui chueok (Memories of Murder). Von der abstrusen, teils tölpelhaften Vorgehensweise der örtlichen Polizei, über gelegentlich aufblitzenden koreanischen Humor, welcher hier zwar spärlicher gesät ist aber wenn vorhanden dann immer voll ins schwarze trifft, bis hin zu den Charakterzeichnungen, den Kulissen, der Tragik, Stimmung, Musik.... ja, einfach sehr vieles erinnert eben an sein kleines Meisterwerk. Es lassen sich auch bestimmt einige parallelen zu Oldboy ziehen aber das soll mal jeder für sich entscheiden. Wer also mit MoM schon was anfangen konnte der kommt hier ohnenhin nicht drum rum aber auch diejenigen die damit nicht so glücklich waren (BOB!) sollten definitiv einen Blick riskieren, denn Madeo mag sich zwar ähnlicher Elemente bedienen, geht an das Thema aber aus einer völlig anderen, meiner Meinung nach überaus interessanten Sichtweise ran. Inszenatorisch makellos, storytechnisch schön rätselhaft und durchweg spannend und auch das Schauspiel aller beteiligten fällt hier durchweg positiv ins Gewicht. Absolut top!

    In Zahlen: 9/10
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  2. #2
    Tet
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    AW: Madeo (Mother)

    Jo, ein sehr guter Film ist das. Würde ich so unterschreiben.

    I will hurt you for this. The day will come.
    Your joy will turn to ashes and you will know the debt is paid.


  3. #3
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Madeo (Mother)

    Habe den Film an anderer Stelle besprochen, hier der Text:

    ahead!

    Ein Autounfall. Zerdrücktes Blech, drehende Reifen, Blut, Chaos. Ein Wagen liegt auf der Seite. Eine Mutter brüllt den Namen ihres Kindes. Weit aufgerissene Augen, hektische Blicke. Keine Antwort. Nach einigen panischen Momenten schält sich die Frau aus dem umgestürzten Auto und bemerkt, dass ihr Kind darunter eingeklemmt ist und zu ersticken droht. Noch im Schockzustand packt sie den Wagen ohne langes Nachdenken an, hebt ihn mit schier unmenschlicher Kraft hoch, schiebt ihn ein Stück zur Seite. Das Kind ist gerettet.

    Das ist keine Szene aus Mother, dem neuen Film von Bong Joon-ho, sondern eine Erzählung, die die meisten Menschen in ähnlicher Form schon einmal gehört haben dürften – die Erzählung von der Mutter, die angesichts einer lebensgefährlichen Bedrohung ihres Kindes über sich hinauswächst und eine Willenskraft entwickelt, die unter alltäglichen Umständen undenkbar gewesen wäre. Ob das Ereignis in der Standardvariante tatsächlich einmal stattgefunden hat, ist nebensächlich. Die Mini-Erzählung kondensiert die aus der Mutter-Kind-Beziehung keimende Tat in ein wirkungsvolles Bild, das zumindest der gängigen Intuition, wie Mutterliebe beschaffen sein sollte, entgegenkommt: Mächtig, unbändig, Grenzen sprengend, bedingungslos. Das ist nun tatsächlich der Kern von Mother.

    Unter einem Auto wird hier niemand eingeklemmt, aber zufälligerweise beginnt die Handlung tatsächlich auch mit einem Autounfall, in dessen Folge ein junger Mann, Yoon Do-joon, zusammen mit seinem Freund Jin-tae einer Gruppe fahrerflüchtiger Geschäftsleute auf den Zahn fühlt. Das führt zu nichts, außer zu Scherereien mit der Polizei. Yoon Do-joons geistige Trägheit und die merkwürdige, ödipal angehauchte Beziehung zu seiner Mutter evozieren in der Anfangsphase des Films eine Stimmung absurder Komik, die im Verlauf mehr und mehr gebrochen wird und in ein Vexierspiel um die erschreckende Archäologie der Erinnerung übergeht. Zu einigen Bildern gesellt sich ein rätselhafter Symbolgehalt, etwa wenn Yoon Do-joons Mutter ihm beim Pinkeln gegen eine Mauer Medizin einflößt – was oben reinläuft, scheint fast im gleichen Augenblick unten wieder rauszukommen. Das ist nicht nur auf burleske Art komisch wegen des unerwarteten Eindringens der Mutter in die Intimsphäre des Sohnes, das hat auch Gehalt: Da wird eine Simultaneität von Ereignissen suggeriert, die so gar nicht existiert, der augenfällige Wirkungszusammenhang täuscht. Das Bild sagt: Ursache und Effekt hängen oft nicht so unmittelbar zusammen, wie es den Anschein haben kann. Es passiert oft noch ziemlich viel zwischendrin, was man meist gar nicht mitbekommt.

    Das, was man nicht mitbekommt, ist der Mord an der jungen Frau Moon Ah-jung, der Yoon Do-joon nachts im betrunkenen Zustand nachstellt. Am nächsten Morgen wird sie tot aufgefunden, an exponierter Stelle, für die ganze Stadt sichtbar. Wollte der Mörder damit ein Zeichen setzen? Ganz sicher, aber welches? Yoon Do-joon wird als Hauptverdächtiger verhaftet und seine Mutter setzt alles daran, den wahren Schuldigen zu finden. Sie wird zur Ermittlerin, zur Zeicheninterpretin. Als Mutter hat sie natürlich das Problem, dass die Zeichen nicht im Dienst eines unvoreingenommenen Erkenntnisinteresses stehen, sondern auf das bereits gewusst Geglaubte verweisen müssen – die Zeichen werden in eine Pflicht genommen, die sie unter Umständen nicht erfüllen können. Erkenntnisprobleme sind vorprogrammiert.

    Dass Yoon Do-joon irrtümlicherweise die Verantwortung für das Abreißen eines Mercedes-Seitenspiegels übernimmt, ist die erste einer Reihe von Konfliktsituationen, die sich aus dem Umgang mit Erinnerung ergeben. Dabei scheint gerade die Korrektheit von Erinnerungen regelmäßig Probleme nach sich zu ziehen. Erinnern befeuert den Schmerz, denn gerade das Schmerzhafte – Versagen, Schuld und Unzulänglichkeit – wird mit Vorliebe vergessen. Gerne würde Yoon Do-joon etwa seine gesellschaftliche Außenseiterrolle hinter sich lassen, aber verbale Angriffe sind konstante Erinnerungen an diese ungeliebte Rolle. Wer sich an wirklich alles erinnert, und das auch noch mit einer Intensität der zeitlichen Nähe, der kann nicht gesunden, der kann seine Traumata nicht überwinden, der muss vielleicht sogar sterben, weil die Wahrheit zu bedrohlich ist – wenn nicht für den Erinnernden selbst, dann wenigstens für seine Umwelt. Das Gegenprogramm, so suggeriert der Film, liegt in einer Ars Oblivionalis, einer Kunst des Vergessens, die unbrauchbaren gedanklichen Ballast dem Nichtwissen anheim stellt. Ein Heilsversprechen? Womöglich ein falsches, denn die Fähigkeit zur Erinnerung bedeutet auch persönliches Wachstum. Am Ende kehren sich die Rollen und Machtverhältnisse um: Der Sohn wird zum Bewahrer des Wissens um das, was tatsächlich stattgefunden hat. Er wird zum Erinnernden, der das Dazwischen – jetzt ist es die Tat der Mutter – vielleicht nicht vollständig begreift, aber zumindest Zeugnis darüber ablegen kann. Das Kind kann erinnern. Das Kind ist gerettet.

    Nach The Host begibt sich Bong Joon-ho auch mit Mother auf eine sicher ausgeführte Genre-Gratwanderung. Der Film ist Thriller, Drama und Familiengeschichte, bietet Unterhaltung und Anspruch. Die unterschiedlichen Bedeutungsebenen sind subtil und kunstvoll miteinander verknüpft, stehen nicht separiert nebeneinander. Nicht zuletzt ist der Film auch wegen Kim Hye-ja in der Rolle der titelgebenden Mutter sehenswert. Sie verleiht der Figur emotionale Komplexität und eine Verletzbarkeit, der man jeden Augenblick das Umschlagen in eiserne Härte zutraut. Verzweiflung und Entschlossenheit werden durch ihr Schauspiel Nachbarn in einer Person.
    Geändert von Daniel (10.04.2011 um 18:02 Uhr)

  4. #4
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    AW: Madeo (Mother)

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  1. 26.05.2011, 18:22

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