Als Michelangelo Antonionis Film 1960 in Cannes Premiere feierte, verließen die Zuschauer in Scharen den Saal. Die verbliebenen fielen vor allem durch genervte Zwischenrufe auf, von denen "Buuuh" nur einer war. Dennoch gewann der Film am Ende der Filmfestspiele den Sonderpreis der Jury. Darüber hinaus taten sich nach der misslungenen Premiere 35 namhafte Regisseure zusammen und verfassten eine Schrieb, in dem sie den Film verteidigten und zwei Jahre später fand sich der Film auf der renommierten Sight & Sound Bestenliste auf Platz 2 wieder, gleich hinter Citizen Kane. All dies führte dazu, dass der Film schließlich doch noch ein großer kommerzieller Erfolg wurde.
Ich hab den Film mittlerweile gesehen und so richtig gerockt hat er mich nicht. Die meisten negativen Kritikpunkte, die von Zuschauern nach der Premiere geäußert wurden, kann ich zwar nicht nachvollziehen, vieles davon würde ich dem Film sogar als Stäken auslegen. Ferner war ich sehr beeindruckt von der großartigen Bildsprache des Filmes. Aber so richtig übergesprungen ist der Funke nicht. Guter Film: Ja. Meisterwerk: Hmm?
Wieso gilt dieser Film als Meisterwerk? Freue mich auf Erklärungsversuche.


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Muss ja kein Mangel sein, wenn man bestimmte Regisseure oder Stile anderen vorzieht. Manche Handschriften der großen Regisseure kommen einem entgegen, andere nicht. Man kann mit der "analytischen Brille" die kreativen Leistungen oder die filmhistorische Bedeutung einzelner Werke ja prinzipiell wertschätzen, auch ohne die Filme zu lieben. Ab und zu passierts auch, dass ich diese Brille erst eine Weile etwas angestrengt aufsitzen spüre, aber dann merke ich sie gar nicht mehr und die Filme gehen mich dann überraschenderweise doch unmittelbar an. Das war bei Kubrick so. Den mochte ich erst gar nicht, jetzt schon.
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