Happythankyoumoreplease (Josh Radnor 2010)
Eine Subway-Fahrt beschert Sam Wexler, seines Zeichens freischaffender Schriftsteller auf der Suche nach der großen Liebe, einen neuen besten Freund: Der kleine Rasheen wird versehentlich von seiner Foster-Care-Familie getrennt und benötigt einen vom Schicksal provisorisch eingesetzten Beschützer. Nach anfänglichem Hadern angesichts der neuen Verantwortung integriert Sam das Ad-hoc-Vater-Sohn-Verhältnis schnell in seinen Alltag, eigentlich will er sich nicht von Rasheen trennen – und umgekehrt. Zunächst macht Sam sich wenig Gedanken über den juristisch problematischen Zustand, muss sich bald aber zwangsweise damit auseinandersetzen. An einer anderen Baustelle gilt es, die persönliche Knockout-Frau Mississippi mit einer ungewöhnlichen Maßnahme zu ködern: Drei Tage soll Mississippi bei Sam einziehen, um eine Art Beziehungs-Betaversion zu simulieren. Wenn's klappt – wer weiß... Gleichzeitig ist auch Sams Freundin Annie auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Nicht so einfach, denn Annie hat aufgrund einer Autoimmunerkrankung keine Körperbehaarung und ein geringes Selbstwertgefühl. Ihr Mitarbeiter Sam (# 2) ist schon lange in sie verliebt, entspricht jedoch nicht ganz ihren Vorstellungen. Und auch bei Sams Freund Charlie und seiner Freundin Mary Catherine gibt es Beziehungsprobleme. Charlie will aus beruflichen Gründen nach Los Angeles ziehen, während Mary Catherine lieber in New York wohnen bleiben möchte. Und dann ist auch noch Nachwuchs unterwegs, wovon Charlie bisher nichts weiß...
Drei Paare, das ist sechsmal Liebesfrust und -lust und die Suche nach Lebensglück. Ein bisschen wie Friends im Spielfilmformat (oder doch eher How I Met Your Mother?), mit weniger Situationskomik und mehr Drama. Der Film hat ein paar Stärken und einige Schwächen. Die Stärken bilden die Schauspieler, allen voran Pablo Schreiber (gerade erst realisiert, dass er den Nick Sobotka in The Wire gespielt hat) als Charlie und Zoe Kazan als Mary Catherine, die ihrer tendenziell untergeordneten Plotline den ein oder anderen emotional sehr intensiven Moment bescheren. Einige psychologische Nuancen sorgen für vereinzelten Tiefgang, wie etwa die Tatsache, dass für Annie, die ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Körper pflegt, ihr Arbeitskollege Sam zunächst nicht als potentieller Partner in Frage kommt, da wiederum er nicht ihren optischen Anforderungen genügt.
Die Schwäche liegt andererseits gleichfalls bei den Schauspielern, genauer: einem, nämlich - wie auch im Fall How I Met Your Mother – bei Josh Radnor. Radnor schafft es manchmal, durch einzelne Bewegungen oder eine Deadpan-Reaktion lustig zu sein, aber seine darstellerische Bandbreite beim Ausformulieren von Emotionen hält sich in überschaubaren Grenzen. Vielleicht sollte er auf Slapstick umsatteln. Sein Handlungsstrang mit Rasheen und Mississippi ist der schwächste. Zum einen, weil der Charakter des Jungen über keinerlei Autonomie verfügt und nur als Katalysator für Sams sog. "Reifeprozess" gebraucht wird (der keiner ist, denn am Ende wird er gezwungen, das zu tun, was der gesunde Menschenverstand von Anfang an geboten hätte). Und zum anderen ist die Liebesgeschichte letztenendes doch ziemlich 08/15, auch wenn die Idee der Testbeziehung dies zu verschleiern versucht. Kate Mara kann durch ihre Interpretation der eigenständigen Mississippi ein bisschen was retten, aber das Drehbuch hat über weite Strecken nicht genug Substanz und nudelt Standardsituationen mit ein wenig komödiantischer Würze ab.
Und dann ist da natürlich das Gesamtkonzept. Wie erwähnt: Sechsmal Liebesfrust und –lust und die ewig währende Suche nach Glück. Das ist gut genug vertraut und wird nicht nur in diesem Film als das unscharf-defizitäre Lebensgefühl einer Generation vermarktet, der der entscheidende Schritt von der Adoleszenz zum Erwachsensein nicht gelingen will. Die notorische Unreife der Endzwanziger ist ein im gesellschaftlichen Diskurs und auch im amerikanischen Independent-Film ein ausgetretener Gemeinplatz, der vielleicht sogar teilweise zutreffen mag, in der filmischen Umsetzung ästhetisch aber stagniert. Irgendwie kennt man diese Dialoge schon. Und auch das "Feeling" der Filme. Alles schon mal da gewesen. Nur die Soundtracks ändern sich. Und wo bleibt eine Analyse der Ursache dieses Befundes einer Generation jenseits von Fight Club? Dieser Film ist zu glatt und zu bieder, zu kalkuliert stromlinienförmig. Die Ansätze brüchiger und widersprüchlicher Charaktereigenschaften sind vorhanden, aber unvollkommen ausgeführt. Was er bietet, sind süßliche Wohlgefühle der Erlösung, wenn die Erzählung alle Stränge einem hoffnungsfrohen Ende zuführt. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn es nicht so furchtbar vorhersehbar wäre. Happygehtsoreichtjetzt.
5/10


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