"Sie sassen und tranken am Teetisch,
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren waren ästhetisch,
Die Damen von zartem Gefühl."
(Heinrich Heine)
Obwohl Éric Rohmer (1920-2010) zu den bedeutenden Vertretern der Nouvelle Vague gehörte, war und ist von ihm im Gegensatz zu Filmschaffenden wie Godard, Truffaut oder Rivette nicht oft die Rede, und sein Werk ist nicht unbedingt bekannt. Ich muss selber zugeben, mich kaum noch an eine Sichtung von "Claires Knie" (1970) vor vielen Jahren erinnern zu können. Diese Lücke beschämte mich, weshalb ich zuerst daran dachte, mich dem Regisseur über seinen "Jahreszeiten"-Zyklus (1989-1996) anzunähern. Einer inneren Stimme gehorchend beliess ich es dann für den Anfang bei dem zu den "Comédies et proverbes" gehörenden
Pauline am Strand (Pauline à la plage, 1982)
Von ihm versprach ich mir eine leichte, lockere Sommerkomödie, wenn auch nicht die Sorte von Kitsch, mit dem uns seinerzeit Sophie Marceau in "La Boum" (1980) beglückt hatte. - Was erhielt ich stattdessen?
Ein 15-jähriges Mädchen wird während ihres Urlaubs von drei Erwachsenen 90 Minuten lang mit deren hochtheoretischen Liebeskonzepten beworfen und scheint dem selbst den Zuschauer langweilenden Geschwafel auch noch halbwegs interessiert zuzuhören (wobei sie erstaunlich "praktisch denkend" zu erkennen scheint, wer zu wem passt und wer für wen zu alt sei). Zwar werden die Konzepte gelegentlich wenig überzeugend in die Tat umgesetzt, und sogar Pauline darf sich kurz verlieben. Es überwiegt aber der Eindruck, hier werde vor schöner (allerdings etwas kitschiger und sich wiederholender) Kulisse ständig nur leer über die Liebe geschwatzt, was mich auch auf die Idee brachte, dem Posting das berühmte Gedicht von Heinrich Heine voranszustellen. - Und am Ende verlässt man einfach den Urlaubsort, selbstverständlich ohne Erkenntnisse oder wesentliche Erlebnisse, die eine Sichtung lohnen würden. - Dennoch schaffte es Rohmer, wie ein Interview zeigt, eine Ewigkeit über das Filmchen zu - ups! - philosophieren.
Nach dieser Begegnung und einigen Ausschnitten aus dem "Wintermärchen" (1992), das ähnlich mit leeren Phrasen aufzuwarten scheint, verzichte ich vorläufig auf eine weitere Begegnung mit Rohmer. Möglicherweise habe ich jedoch auch den Regisseur und seine Intentionen einfach nicht verstanden, weshalb ich für Widerspruch dankbar wäre - obwohl ich weiss, dass euch hauptsächlich die aktuellen Kinohits hinter dem Ofen hervorlocken.
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