Knüppelharter Film. Steve McQueen zeichnet in langen, qualvollen Einstellungen das Bild eines Sexsüchtigen (Michael Fassbender), der - unfähig eine normale Beziehung zu führen und durchtränkt von Schamgefühlen - sich selbst und seine hilfsbedürftige Schwester (Carey Mulligan) ins Verderben schickt. Zärtlichkeiten werden hier nur selten ausgetauscht. Die Sexszenen sind rau, animalisch und stossen beim Zuschauer unangenehm auf. Ein einziger unstillbarer Rausch durchzieht den Film. Nur die gelegentlich erklingenden Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier Bachs scheinen die Seele des Protagonisten für einen Moment rein zu waschen.
Ein Film, der seinen Inhalt nicht durch ausufernde Dialoge, sondern primär durch Stimmungen transportiert. In der vielleicht grossartigsten Szene des gazen Films sieht man Carey eine gefühlt 10 Minuten lange, melancholisch- schwermütige und zutiefst bewegende Version des Broadway-Hits "New York, New York" in einem Jazzclub singen. Fassbenders Close-Up in diesem Moment spricht Bände. Wer Filme mit minimalistischer Story mag, die vordergründig auf ein psychologisch komplexes Figurenportrait Wert legen und dabei gleichzeitig genug "Leerstellen" lassen, um auch den Zuschauer selbst zum aktiven Mitdenken anzuregen, sei Shame wärmstens weiterzuempfehlen. Für mich jedenfalls einer der besten Filme des Jahres!


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