Zu den Poltergeist-Filmen gab es leider noch kein Topic. Deshalb eröffne ich einfach eines. Ich schiebe hier nochmal meine Kommentare aus dem FTB zu jedem der Filme ein:
Poltergeist
Tobe Hooper meets Steven Spielberg. Zu der Zeit hatte Tobe Hooper noch einen annehmbaren Ruf und Steven Spielberg brach einen Rekord nach dem anderen. Eigentlich war es eine interessante Mischung. Hooper mit dem Texas Chainsaw Massacre in seiner Filmography aus der deftigeren Ecke mit dem familienfreundlicheren Spielberg. Das Ergebnis gefällt mir aber gut. Zwar kommt Poltergeist ohne jegliche echten Brutalitäten aus, inszeniert aber trotzdem guten und spannenden Grusel.
Im Mittelpunkt steht eine recht typische amerikanische Mittelstandsfamilie, die ihr Haus in der neuen Vorstadtsiedlung bezieht. Die Idylle könnte perfekt sein, bis plötzlich ungewöhnliche Phänomene auftreten. Anfangs sind diese Dinge eher sonderbar als beängstigend, doch es dauert nicht lange bis die Sache ernster wird. Poltergeist baut durchgehend einen Spannungsbogen auf, von dem man sich mitnehmen lassen kann. Die heile Welt des Anfangs weicht kontinuierlich einer bedrohlichen Atmosphäre. Hooper und Spielberg spielen auch ganz geschickt mit dem Image der "typischen" amerikanischen Durchschnittsfamilie. Die Eltern verbringen auch mal ganz vergnügt kiffend ihren Abend zuhause und was sagt das Szenario über die Flucht in die Suburbs aus?
Bisher kannte ich nur den zweiten Teil der Reihe und den ich noch positiv als einen meiner ersten bewußt gesehenen Horrorfilme in Erinnerung habe. Auch den ersten Teil fand ich jetzt gut unterhaltend. Ein stimmiges Szenario, eine runde Sache.
Poltergeist 2
Die geistergeplagte Familie Freeling hat ein neues Haus, aber genauso wie die Rechnungen scheinen auch böse übersinnliche Mächte mit der Nachsendeaddresse wieder Einlass in das neue Heim zu finden. Nachdem das alte Haus im erste Teil zerstört wurde, findet die Familie bei der Großmutter Zuflucht. Oma bemerkt bei Carol Anne eine Gabe für übersinnliche Phänomene empfänglich zu sein, die sie übrigens mit ihr teilt. Bald darauf segnet Oma natürlichen Todes das Zeitliche und wiederum kurze Zeit später tritt ein merkwürdiger und unheimlicher Priester in schwarzem Hut und Anzug auf den Plan, der Kontakt zu Carol Anne und ihrer Familie aufnimmt, wirre Worte spricht und Unheil verkündet. Während der den Freelings auf den Pelz rückt, finden sie Unterstützung in einem indianischen Medizinmann, der ein Freund der hilfreichen Lilliputanerin aus dem ersten Teil ist und sich mit den übersichtlichen Mächten auskennt. Er bereitet die Familie auf die Auseinandersetzung mit dem Übel vor.
Wo viele Fortsetzungsfilme gegenüber dem ersten Teil schwächeln, erreicht Poltergeist 2 durchaus das Klassenziel. Obwohl die Regie wechselte und sich auch anscheinend Stephen Spielberg nicht mehr beteiligte, bleibt die Weitererzählung ziemlich konsistent. Auch hier baut man die übersinnlichen Phänomene spannend und wirkungsvoll, dazu wieder mit guten Effekten, in die Handlung ein. Mal gruselig, mal handfest bedrohlich. Dazu kann man wieder auf die gleiche gute Besetzung des ersten Teils zurückgreifen. Mit der Ausnahme von Dominique Dunne, die im ersten Teil die große Tochter spielte und in der Zwischenzeit unglücklich verstorben war. Im Film gibt es zwar keine Erklärung für ihr Ausbleiben, es spielt aber kaum eine Rolle und mir ist das tatsächlich erst nach der Filmsichtung aufgefallen.
Im direkten Vergleich finde ich beide Teile gleich gut. Der erste wirkt zwar homogener, hat den besseren Aufbau und findet eine gefühlvollere Steigerung des Grusels. Im zweiten Teil gibt es viel Mumbojumbo mit indianischem Mystizismus hollywoodstyle, was manchmal schon etwas kitschig wirkt. Dafür hat er die stärkeren Einzelszenen. Besonders einige herausragende Effektszenen sind zu bestaunen. Highlights sind eine mutierende Zahnklammer und der Wurm im Tequila. Aus letzterem entsteht ein sehenswertes Monster, kein Wunder H.R. Giger hatte hier seine Hand im Spiel. Eine ziemlich gruselige Erscheinung stellt Julian Beck als schwarzer Priester dar. So betont gütig wie er sich gibt, so unheimlich wirkt er. Für alle Fans des ersten Teils, stellt also auch das Sequel eine Empfehlung dar. Poltergeist 2 war einer der ersten Horrorfilme im jungen Teenageralter, den ich bewusst gesehen habe und bin froh, dass sich die Erinnerungen nach Jahren wieder positiv auffrischen ließen.
Poltergeist 3
Die kleine Carol-Anne wohnt nach den vergangenen Ereignisse derzeit bei ihrer Tante und ihrem Onkel in Chicago, die in einem neuen supermodernen Hochhausappartment leben. Vielleicht waren ihre Eltern ein bischen entnervt, nachdem sie bereits zweimal im Zentrum einer Geisterinvasion aus dem Jenseits stand. Der Hintergrund wird hier nur nebenbei mit wenigen Sätzen gestreift. Momentan ist alles friedlich, Carol-Anne versteht sich recht gut mit Tante, Onkel und Cousine Donna und geht auf eine Hochbegabtenschule. Die Geister halten sich aus ihrem Leben raus, nur manchmal scheint sie ein paar Phänomene zu beobachten. Das es dabei nicht bleibt, dafür ist der Schulpsychologe verantwortlich. Während er ihre vergangenen Gespenstergeschichten als beeindruckende Massenhypnose abtut, führt er Hypnoseversuche mit Carol-Anne durch und bringt durch die Konfrontation mit den alten Geschehnissen auch die Geister der vergangenen Ereignisse alsbald wieder auf die Spur der medial begabten Kleinen. Wie schon im zweiten Teil ist der verrückte Prediger hinter ihr her, der aus der Welt der Toten habgierig nach ihrem Leben greifen will, und an einem Abend als Onkel und Tante auf einer Kunstausstellung sind und Cousine Donna mit ihren Freunden Party feiert während Carol-Anne ganz allein zu Hause ist, scheint die Zeit für das Böse gekommen zu sein...
Ein klein wenig zu seinen beiden Vorgängern fällt der dritte Teil qualitativ schon ab. Die bisherige Darstellerriege wird endgültig gesprengt und es bleibt nur noch die kleine Heather O'Rourke übrig, während die anderen Charaktere nur noch Fußnoten sind. Und Zelda Rubinstein bleibt nicht zu vergessen, die als Lilliputanerin und erfahrenes Medium in allen drei Filmen eine kleine aber nicht unwesentliche Rolle spielt. Immerhin wird der Wegfall der bisherigen Schauspieler mit Tom Skerritt, Nancy Allen und der jungen Lara Flynn Boyle recht gut kompensiert. Während ich die als Schauspieler einen guten Ersatz finde, wirken die als Gruppe nicht so stark wie die Familie Freeling in den ersten beiden Teilen. Was aber wohl auch am Drehbuch liegt. Hier wirken die Beziehungen mehr reingeschrieben, während die Verhältnisse in den vorigen Filmen natürlicher wirkten. Es sei auch noch erwähnt, dass die vorher noch so süße Carol-Anne auf einmal ein ganzes Stück mopsiger geworden ist. Sie plötzlich als Hamsterbacke zu sehen, wirkt ein wenig befremdlich, hat aber den kleinen Vorteil dass sie später in einer Szene als böses Geister-Alter-ego richtig fies aussieht. Schade ist es, dass Julian Beck nicht mehr in der Rolle des Reverend Kane auftritt. Weil er in der Zwischenzeit verstorben war, musste man ihn durch jemand anders ersetzen. Beck wirkte in der Rolle einfach noch unheimlicher.
Das Drehbuch gewinnt sicherlich keinen Publikumspreis. Statt dessen hangelt sich Poltergeist III von einer Szene zur nächsten durch, rettet sich aber dadurch dass doch einige gute Momente zusammenkommen und auch wie gewohnt aus der Reihe über einige gut gemachte Effekte verfügt. Die Idee mit der an vielen Stellen verspiegelten Hochhausgestaltung wird dabei leidenschaftlich ausgenutzt und führt den Zuschauer zu einigen prima Szenen. Besonders böse sein kann ich der Fortsetzung dann auch nicht und die mehreren Schwächen verzeihe ich bereitwillig, da einige Momente wie beispielsweise das Verhalten des Schulpsychologen auch wieder unfreiwillig lustig wirken. Unterhaltsam ist der Film allemal und wenn man schon die beiden anderen gesehen hat, sollte man sich den dritten auch ruhig antun um es komplett zu haben.


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