Hmm, keiner scheint einen Jahresrueckblick machen zu wollen. Deswegen mach ich das mal. Nicht so wie Keyzer immer, weil ich keine Lust dazu hab, auch wenn ich das immer ganz cool fand.
Fakten: Ich war 48x im Kino in 2011. Sagen wir, ich hab im Schnitt 8 Euro gezahlt, sind das 384 Euro. Das finde ich durchaus ok. Ich weiss nicht wieso, aber 8 Euro fuer ne DVD sind mir zu viel, 8 Euro fuer nen Kinofilm geb ich ohne zu Murren. Ich habe nur 2 Filme 2x gesehen, „Black Swan“ und „The King’s Speech“.
Gute Filme: 24 der 46 Filme, die ich gesehen habe, sind mir positiv bis sehr positiv in Erinnerung. Das bedeutet nicht, dass die anderen alle scheisse waren, teilweise seh ich sie neutral. Ich wuerde sagen, dass 10 Filme fuer laengere Zeit bleiben werden, so ueberzeugend fand ich sie. Es waren mindestens zwei Meisterwerke dabei. Der Film des Jahres ist „Midnight In Paris“. Ich muss ihn sicherlich nocheinmal sehen, aber es koennte wirklich sein, dass dies der beste Woody Allen-Film ist. Ich habe das an anderen Stellen schon naeher ausgefuehrt wieso. Das andere Meisterwerk dieses Jahr war sicher „Win Win“, welcher in Deutschland kaum Beachtung fand. Neben den beiden Filmen, die ich zweimal gesehen habe, fand ich noch „The Ides Of March“ und „Blue Valentine“ herausragend. Sehr gut sehe ich „True Grit“, „Beginners“ und „This Must Be The Place“. „Page One: Inside The New York Times“ lief glaube ich nicht in Deutschland, ist aber eine fesselnde Doku. Gut waren“ The Tree Of Life“, „Contagion“, „Carnage“, „Mission Impossible 4“, “Hanna”, “Tim und Struppi”, “Bridesmaids”, “The Fighter”, “Bad Teacher”, “Another Earth”, “The Lincoln Lawyer” und “Rise Of The Planet Of The Earth”. “13 Assassins” von Miike und “The Trip” liefen hierzulande glaube ich nicht. Insgesamt bin ich doch zufrieden, was die Ausbeute der guten Filme angeht.
Schlechte Filme: Nur 3 Filme fand ich schier unertraeglich. Allen voran „The Hangover II“. Ich habe keinmal gelacht, war seltsam berueht und angesichts der Idiotie fast schon angefeindet. Es ist ein billiges Spiel mit Klischees. „Sucker Punch“ ist ist pubertaeres Nerd-Kino. Ich hab auch meine Nerd-Tendenzen, aber der Film ist zuviel, so aufgesetzt, so gekuenstelt, so gewollt. Zum brechen. „Larry Crowne“ ist bieder, altmodisch und ignorant. Schade, denn ich verehre Tom Hanks. Weitere Filme, die ich definitiv nicht weiterempfehlen werde sind „Fluch der Karibik 4“, „Harry Potter 7 II“, „Transformers 3“, „Hysteria“, „I Am“, „The Green Hornet“, „Cowboys And Aliens“, „Unknown“, „The Adjustment Bureau“ und „Cars 2“.
Gute Schauspieler: Man Of The Year ist wohl Paul Giamatti in „Win Win“. Er ist der normal Hero in all seiner Komplexitaet, mit all seinen Widerspruechen. Ausserdem noch in „The Ides Of March“ gut dabei, hat Paul Giamatti es dieses Jahr in meine A-Liga geschafft, deren Mitglieder per se ein Grund sind, sich einen Film anzusehen, mag er noch so uninteressant erscheinen. Ryan Gosling ist der Hipster des Jahres, seine drei Rollen, (dritter Film, der erwaehnt werden sollte ist „Crazy, Stupid, Love“, wo er auch gut ist) hat er allesamt sehr gut gemeistert, „Blue Valentine“ ist die beste Leistung in meinen Augen. Mit hoher emotionaler Intelligenz spielt er einen in seinen Mitteln beschraenkten Mann vollkommen ueberzeugend. A+ Gute Hauptdarsteller waren noch Jeff Bridges als Rooster Cogburn, Colin Firth als Koenig von England und vor allem Sean Penn als Cheyenne. Beeindruckend wie wie wandlungsfaehig er doch ist, ich vergesse es immer wieder. In Nebenrollen war auch einiges zu sehen. Adrien Brody ist nur Minuten Salvador Dali, dennoch ist er in meinen Augen der lustigste Charakter des Jahres. Christian Bale als crackrauchender Boxer und Geoffrey Rush als King-Buddy lieferten sich ein wahnsinniges Preisduell. Im Gegensatz zu Kritikern und Mainstreammeinung finde ich aber, dass Rush die Preise einen Tick mehr verdient haette. Barry Pepper spielte nur eine kleine Rolle in „True Grit“, rockte die Scheisse aber fett, genau wie Josh Brolin im selben Film. Christoph Waltz fand als Familienvater und Blackberry-Junkie zu alter Form zurueck.
Gute Schauspielerinnen: Natalie Portman, es wurde alles gesagt. Kristen Wiig war in SNL schon ueber allen anderen, in Bridesmaids ist es nicht so sehr die gezeigte Performance, denn die Gesamtleistung so einen lustigen Film zu machen. Saorsie Ronan als Hanna verspricht grosses. Trotz ueberhyptem Film, Kristen Dunst hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, Filme wie „Melancholia“ stehen ihr besser. In den Nebenrollen ist es eng, vielleicht seh ich Melanie Laurent in „Beginners“ vorn. Ich hoffe sehr mehr von ihr zu sehen. Kate Winslet kotzte wunderbar und Mila Kinis war aufregend wie lange keine Frau mehr im Kino. Amy Adams ist die grosse Konkurrentin Laurents, sie schaffte Wuerde und Leidenschaft in ihrer Rolle in „The Fighter“ zu vereinen. Helena Bonham Carter
Regisseure: Ich will kurz zusammenfassen, warum Woody Allen ein Meisterwerk geschaffen hat. Der Film ist eben nicht das Melancholiestueck, als dass es ueberall angespriesen wird, sondern ein Aufraeumen mit eben dieser. Am Ende kann es nur die Gegenwart geben. Allen erzaehlt das in einem hinreissenden Tempo in einem ebenso hinreissendem Film, voller Gags. Chapeau. Ansonsten habe ich noch eine grosse Parabel von Terrence Malick gesehen, von der ich nicht weiss, ob ich sie vollends begriffen habe. Ueberzeugt haben mich George Clooney, Darren Aronofsky, Derek Cianfrance, und Stephen Soderbergh. Alle aber im Schatten von Woody Allen.
Drehbuecher: Gags ohne Ende und erschuetterne Tiefe: „Midnight In Paris“. „Win Win“ erzaehlt von einem Amerika in der Krise, ebenso brilliant wie „Black Swan“ von einer anderen Art abdriften erzaehlt. In „The King’s Speech“ liefern sich die Protagonisten grosse Wortduelle, ebenso in „The Ides Of March“. „Blue Valentine“ ist der bewegendste Film des Jahres. „Another Earth“ hatte die interessanteste Story.
Technische Sachen: Will das mal zusammenfassen. „Rise Of The Planet Of The Apes“ und „Tim und Struppi“ sind die neuen Genrereferenzen im Einsatz ihrer jeweiligen Technik. „Black Swan“ machte grosses mit der Kamera, so wie „The King’s Speech“ es mit dem Sound schaffte. Bei Kamera darf man aber auch „Tree Of Life“ nicht vergessen. „This Must Be The Place“ und „Hanna“ sind toll geschnitten, auch “13 Assassins”.
Nicht vergessen werde ich: Wie Owen Wilson nach der Begegnung mit Hemingway einen Woody Allen-Gedaechtnistanz auffuehrt, wie Natalie Portman masturbiert und merkt, dass ihre Mutter im Raum ist, wie Ryan Gosling fuer Michelle Williams singt, wie Melanie Laurent Grimassen schneidet, wie Sean Penn aussieht, wie Kristen Wiig der Konkurrentin immer wieder das Mike wegnimmt und wie sie mit dem Polizisten anbandelt, wie Amy Adams sich mit einer ganzen Familie pruegelt und Mark Wahlberg bummst, wie David Byrne „This Must Be The Place“ singt, wie Matt Damon die Shotgun laedt, wie Jason Segel sich wegen LeBron streitet, wie das Maedel sich in den Kerl in“ Another Earth“ verliebt, wie Michael Caine im „Trip“ Hommage gezollt wird, wie der Hund in „Beginners“ redet ohne was zu sagen, Ryan Gosling ein Vorzimmer zerlegt, Mila Kunis und Natalie Portman sich im Taxi betatschen, wie Paul Giamatti doch an der Bar arbeitet.
Zitate des Jahres: „Attack it, attack it!“, “Who wants to fight?”, sind leider die einzigen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Aber es sind viele mehr, da bin ich sicher.
2012: bringt Day-Lewis als eins meiner Idole, Abraham Lincoln. Leider fuehrt Spielberg Regie. Bringt „The Dark Knight Rises“, meiner Euphorie ist grenzenlos. „J.Edgar“ wird vorhersehbar, aber trotzdem bin ich psyched. „Albert Nobbs“ kam bei der Kritik nicht gut weg, „The Descendents“ aber schon. „The Artist“ interessiert mich gerade vor dem Hintergrund meiner BA-Arbeit. Muppetmania. „The Great Gatsby“ verfilmt eins der besten Buecher, dass ich gelesen habe, Luhrmann, DiCaprio, Mulligan, alles ausser ein Meisterwerk waere ne Enttaeuschung. „Hugo“ macht mich neugierig. „The Dictator“ verspricht Spass und Wes Anderson laesst sich mit „Moonrise Kingdom“ endlich wieder blicken, Finchers „Verblendung“ duerfte ein Spass werden, „Gangster Squad“ verein Penn, Gosling und Emma Stone. James Bond ist endlich wieder da. Tom Hooper koennte sich mit „Les Miserables“ etablieren, ausserdem „Moneyball“, „Extremely Loud And Incredibly Close“, „Drive“, „Shame“, “Young Adult”. Das Jahr kann kommen.


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