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Thema: The Descendants

  1. #11
    Regisseur Avatar von Pitt
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    AW: The Descendants

    Wunderbarer Film. Vielleicht nicht ganz so grandios wie About Schmidt oder Sideways, aber gerade innerhalb der sehr ehrlich und ungezwungen wirkenden Figurenkonstellationen zeichnet Payne erneut ein sehr einfühlsames und bewegendes Drama. George Clooney fügt sich glaubhaft in das Hawaiianische Setting ein und spielt den verzweifelnden Familienvater stets überzeugend. Auch die anderen Charaktere sind bis in die Nebenrollen perfekt besetzt. Die Inszenierung ist die meiste Zeit über sehr zurückhaltend; gelegentliche Landschaftsbilder und Hula Hula-Klänge unterstreichen die sentimentale, aber nie kitschig wirkende Handlung. Richtig großartig fand ich die bereits erwähnte Schlusseinstellung des Films: Die Hinterbliebenen, die sich gemeinsam vor dem Fernseher wiederfinden und unter der Decke zusammenkauern. Die Perspektive wechselt hier plötzlich: Der Zuschauer betrachtet nicht mehr bloß die Figuren des Films, sondern die Filmfiguren schauen nun ihn an, bzw. der Zuschauer und die Filmfiguren schauen sich gegenseitig an. Als ob Payne hier das Bild seiner Charaktere auf den Zuschauer zurückwirft und fragt, ob wir ähnliches durchlebt und etwas von ihren Erfahrungen und Erlebnissen mitgenommen haben. Vielleicht hat jemand aber auch noch eine andere Interpretation?

  2. #12
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: The Descendants

    FTB-Eintrag:



    Das ist schon lustig, da betont die Hauptfigur am Anfang gegenüber dem Zuschauer, dass Hawaii nicht das Paradies ist welches viele (Außenstehende) in ihm sehen, sondern auch hier die Menschen im Alltäglichen versinken, Probleme haben und stellenweise unglücklich sind; nur um dann immer mal wieder meist in bildlicher Form und manchmal nur so eher beiläufig den Gegenbeweis anzutreten und den Ausführungen der Hauptfigur zu widersprechen. Dabei muss das gar kein Widerspruch sein, also kein filmischer in sich sondern durchaus gewollt. Natürlich wirkt die Natur für den Betrachter oftmals einfach nur wunderschön, weil sie es ist, das nützt aber einem der dort lebt und seinen Alltag verbringt, sei er auch aus wirtschaftlichen Gründen noch so upperclasszuckerindenarschgeblasen, an mindestens 98% des Tages herzlich wenig. Auch wenn es meist nur eines kleinen Aufwandes bedarf sich mal an einen der wunderschönen Strände zu begeben und einfach mal so nebenbei einen Urlaub einzustreuen (ein kurzes Durchatmen für die Seele), so einfach wie man sich einen Kaugummi aus dem Automaten ziehen kann, die Probleme und dieser Zustand namens Leben kann dieser scheinbar gelebte Traum auch nicht immer wegspülen oder verschleiern. Aber immerhin ist sich Matt King seiner Umstände bewusst und auf seine Art in gewisser Weise auch bescheiden und alles andere als großkotzig.

    Kleines Manko ist vielleicht, dass der Film wenig auf die Probleme und Lebensumstände der Hawaiianer außerhalb der Familie King eingeht, nur kurz zu Beginn sehr randnotizig. Das könnte man ihm ankreiden, wenngleich man andererseits der Hauptfigur einer Geschichte nicht vorwerfen kann, dass sie die Hauptfigur ist.

    Dabei ist die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung Hawaiis für den der dort lebt und den der nur wenige Tage oder Wochen im Jahr dort hinkommt um Urlaub zu machen nur natürlich und lässt sich wohl auf nahezu jedes vermeintliche Touristenparadies übertragen; was aber weniger in der Location selbst als mehr in den Umständen des jeweiligen Betrachters begründet liegt (Daueralltag vs. kurze Zeit des Urlaubs). Und im Grunde unterscheiden sich die Probleme und Aufgaben die das Leben an die Erdenbewohner stellt nicht großartig von denen in New York, Phoenix oder Omaha.

    Finde den Film insgesamt sehr gelungen, humorige und ernste Momente wechseln sich gekonnt ab ohne dass es lächerlich oder kitschig wirkt. Die Figuren sind gut geschrieben und werden großartig gespielt, mehrere Szenen bleiben im Gedächtnis, so u. a die als Matt von der Affäre erfährt und wie von Sinnen durch die noble Wohngegend rast und man fast Angst haben muss dass er jeden Moment stürzt und sich was schlimmes tut, und das Ganze in Hawaii-Hemd, kurzen Hosen und Sandalen. Oder die Szene als Alex untertauchen muss um ihren Schmerz rauslassen zu können; vielleicht finden das andere schon wieder zu plakativ oder plump, aber bei mir hat das voll gewirkt. Und natürlich die Begegnung mit Brian Speer (den Namen werde ich erstmal so schnell nicht wieder vergessen).

    Weiteres Highlight auch die meisten Auftritte von Nick Krause, hier gebührt das Lob auch der Castingabteilung; wie er in vielen Szenen so fast teilnahmslos mittrottet ist schon mehrere dicke Schmunzler wert. Und dann steckt in der Beziehung zwischen ihm und Alex doch mehr bzw. etwas anderes, als Matt und Zuschauer es zunächst und rein oberflächlich betrachtet sehen können oder wollen. Natürlich hätte Alex diese Unklarheit von Beginn an ansprechen und beseitigen können, aber die Kommunikation innerhalb der Familie King ist ja, besonders in dieser Situation, deutlich verbesserungswürdig.

    Aufgrund des Regisseurs bietet sich natürlich ein Vergleich zu Sideways an, interessanterweise hatte ich jedoch eine andere Assoziation, mich hat er stellenweise von der Gefühlslage her mehr an den wunderbaren Wonder Boys erinnert bzw. denken lassen. Wenngleich er für mich nicht dessen ernsthafte Leichtigkeit und den schwer zu beschreibenden Zustand während der Sichtung erreicht, aber das ist eh ein ganz besonderes Kleinod von einem wunderbaren Film.

    Tendenziell könnte dem Film bei einigen Zuschauern seine mediale Überaufmerksamkeit auch zum Verhängnis werden. Ich finde ihn zwar sehr sehenswert, er hat mich auf dem lachenden und dem weinenden Auge erwischt, aber so eine Oscar-Nominierung und mediales pushen weckt natürlich Erwartungen und ein gewisses Anspruchsdenken, dass er wohl nicht bei jedem erfüllen kann. 8/10
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  3. #13
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    28.12.2000
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    Six Feet Under
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    AW: The Descendants

    Komme gerade aus dem Kino und bin etwas underwhelmed. Stimme Pitt zu, dass der Film Sentimentalität ohne Kitsch bietet und insgesamt glaubwürdige Charaktere. Der Film geht gut runter, aber ich hatte mir doch etwas mehr erhofft. Die Konflikte sind eigentlich mehr oder weniger standardisiert und werden so konsensmäßig durchgepflügt. Ich wurde eigentlich immer nur hellhörig, wenns was aufs Maul gab oder jemand "Fotze" schrie. Ich glaube, der Film ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu easy-going und hat zu wenige Stacheln. Vielleicht bildet er damit in gewisser Weise ein Stück hawaiianische Mentalität ab. Tut niemandem weh, fand ihn auch keineswegs grottig. Wird mir aber auch definitiv nicht lange im Gedächtnis bleiben.

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