In einer bewegenden und im wahrsten Wortsinne fesselnden Szene von WAR HORSE sieht und erlebt man in den Irren und Wirren und Gräueln des Ersten Weltkrieges genau im Niemandsland zwischen zwei feindlichen Schützengräben einen anrührenden Akt von Barmherzigkeit und Menschlichkeit, in dem Freund und Feind gemeinsam ein Pferd retten..und dabei auch selbst den Irrsinn und die Grausamkeit des Krieges reflektieren und selbst zueinander freundlich und mitfühlend sind. Diese Szene ist weder kitschig noch mit unnötigem Pathos inszeniert, ist auch nicht durchsetzt mit "Gefühlskino - Spielberg drückt die Emotionsknöpfe", sondern ganz einfach unglaublich gut gemacht und überraschend "nüchtern" geschildert - wie übrigens das Meiste am Film. Spielberg tankt nicht so sehr aus dem Emotionstank in dem Film und dieser Szene - und doch ist das sehr bewegend in seiner "drastischen Nüchternheit" der Inszenierung.
Mr. Pferd, wie macht Spielberg das nur, uns so derart zu fesseln und mitzunehmen.
Pferd: "Nun, in der Tat war diese Szene, die Sie schildern auch für mich sehr fesselnd (lacht und schnaubt durch die Nüstern), bin ich doch schließlich der Hauptdarsteller, nicht nur in dieser Szene. Nun, Steven (Spielberg, die Red.) hat einfach ein Händchen für sowas, ist einfach unglaublich begabt, solche Szenen für den Zuschauer zu erschaffen.
Mr. Pferd, erzählen Sie doch mal, wie war das so, in einem Film den ersten Weltkrieg aus der Sicht eines Pferdes zu erzählen?
Pferd: "Nun, Joey, meine Rollenfigur, kommt vollkommen ahnunglsos und arglos in die Bredouille und zwischen die feindlichen Linien. Joey wechselt in dieser Zeit während links und rechts die Geschosse einschlagen häufig den Besitzer, mal kümmern sich Engländer, mal Franzosen, mal Deutsche um Joey (nebenbei bemerkt können Sie sich sicher vorstellen, daß das natürlich nicht einfach für mich für mein Schauspiel war, mich auf so viele wechselnden menschlichen Schauspieler einzustellen, ganz zu schweigen von dem ganzen Geknalle rings herum, denn wissen Sie, ich reagiere da naturgemäß etwas schreckhaft auf laute Knallerei, habe das aber in meinem Schauspiel bei WAR HORSE ganz gut unterdrücken können) - aber Steven und ich hatten lange intensive Gespräche vor und während der Dreharbeiten, wie wir die Geschichte erzählen wollen und wie wir meine Rolle anlegen wollen. Das ist uns ganz gut gelungen, glaube ich.
Indem Steven die Geschichte aus meiner Sicht, also der Sicht meiner Filmrolle Joey erzählt, eröffnen sich ihm natürlich inszenatorisch ganz andere Möglichkeiten die Schrecken des Krieges zu zeigen, indem er eben die sonst gängige Perspektive wechselt. Aber WAR HORSE ist auch kein reiner Film über Krieg, sondern auch ein Film über Freundschaft. In dem Falle die Freundschaft zwischen Joey und seinem menschlichen Begleiter Albert. Aber natürlich hat sich Joey auch gegenüber seinen anderen "Haltern" in diesen 4 Jahren loyal verhalten.
Mr. Pferd, wie war der Umgang mit ihren menschlichen Co-Stars?
Pferd: Jeremy Irvine beispielsweise war anfangs etwas schüchtern im Umgang mit mir, Peter Mullan hingegen hatte öfter mal eine Alkoholfahne im Atem, aber ich bin sicher, das war drehbuchgemäß.
Erzählen Sie mal etwas von den Dreharbeiten, die waren doch bestimmt sehr hart, grade für Sie?
Pferd: Da sagen Sie was (lacht). Wir trainierten Alle sehr hart für unsere Rollen und ich hatte einen sehr guten Horse Wrangler und sehr guten Stunt Coordinator. Natürlich wollten sowohl Steven als auch ich, daß man möglichst oft mein Gesicht in Nahaufnahme sieht und dadurch erkennt, daß ich meine Stunts selbst gemacht habe und nicht gesagt habe "Stuntdouble, übernehmen Sie", wie es etwa wohl ein früherer James Bond-Darsteller (Roger Moore, die Red.) gemacht haben soll. Wobei ich jetzt nicht unbedingt davon sprechen möchte Stunts selber ausgeführt zu haben, ich sage dazu lieber mal "physical acting" (grinst) was ja auch Harrison (Ford, die Red.) immer gerne von seinen sagt. Also viele Sachen wollte ich, wollten wir, selber machen, aber die leidige Geschichte mit den Versicherungen hat uns bei der ein oder anderen Szene dann doch dran gehindert. Aber ich war ja nicht nur durch mein "physical acting" gefordert, sondern auch durch meine Mimik und Gestik und meinem Umgang mit den menschlichen Schauspielern.
Als Vollblut mit zierlich schlanken Fesseln bin ich natürlich nicht prädestiniert dafür Pflüge oder Gechütze hinter mir herzuziehen, aber ich glaube wir haben das ganz gut getrickst.
Bei einer Szene ist mit Steven (Spielberg, die Red.) vielleicht ein wenig der Gaul durchgegangen (lacht, schnaubt, wiehert) als er mich um mein Nachbarpferd zu schonen, wie ein Hundchen oder einen Menschen freiwillig vorpreschen läßt um freiwillig ein schweres Geschütz über einen großen Hügel zu ziehen. Über diese Szene haben wir ewig diskutiert, aber letztlich setzte sich da wohl ein wenig das Kind im Manne von Steven durch - und da er als Regisseur das Sagen hat, haben wir die Szene dann eben genauso gespielt, wie er sie wollte.
Was die Dreharbeiten angeht, da war natürlich oft endloses Warten angesagt, Warten auf das richtige Licht, Warten auf die menschlichen Schauspieler, Warten auf die Technik. Ich hatte zwar einen wunderbar komfortablen Wohnwagen-Trailer und es wurde von meiner Lieblingssorte Hafer, über Möhren, über Äpfel bis hin zu meinem Lieblingsdrink an Alles gedacht. Doch dank des oft schlechten Wetters mußten wir mein Make-Up mehrfach anpassen und dann hatte ich nichts weiter zu tun als zu warten und in der Zwischenzeit mit meiner Agentin Rollenangebote anzuschauen.
Mr. Pferd, haben Sie schon weitere Rollenangebote bekommen?
Pferd: In der Tat, schon während der Dreharbeiten bekam meine Agentin reihenweise Angebote, teils noch mit Arbeitstiteln, vorgelegt, doch hatten wir beispielsweise an "Der zweite Weltkrieg aus Sicht eines Pferdes" und "Der Balkankrieg aus Sicht eines Pferdes" und " Der Afghanistankrieg aus Sicht eines Pferdes" kein Interesse, da wir uns nicht wiederholen möchten, sondern vorausschauen. Bei "Das "09/11"-Aftermath aus Sicht eines New Yorker Pferdes" sind wir momentan noch in Gesprächen. Allerdings ist dort meine Filmrolle auf einen Schimmel angelegt, was natürlich die Sache etwas komplizierter macht, weil die Rolle und letztlich das Drehbuch aufwändig auf mich umgeschrieben werden müssten.
Gänzlich absurd empfanden meine Agentin und ich Angebote etwa eines Michael Bay-Projektes namens TRANSFORMING HORSES AT PEARL HARBOR, das haben wir glatt abgelehnt.
Auch aus dem Plan von George mich in einer seiner beiden Trilogien nachträglich einzubauen, z.B. auf Naboo oder dem Waldmond Endor wird aus meiner Sicht nichts werden, denn die Fans verfolgen ihn ja gradezu, wenn er Änderungen an seinen Werken machen will. (schmunzelt).
Am weitesten voran sind wir mit dem Projekt DER MIT DEM PFERD TANZT, einem Western aus Sicht eines Indianerpferdes. Wofür natürlich intensives Make-Up und dergleichen notwendig wären. Derzeit casten meine Agentin und ich meine menschlichen Co-Stars, sowie die Regisseure für dieses Projekt. Für meine Recherche habe ich mir auch schon einige Western von John Ford angeschaut, um mich in das Genre einzufühlen.
Mr. Pferd, wo sehen Sie sich in der Zukunft?
Pferd:Natürlich möchte ich mit den Größen des Business zusammenarbeiten, ich denke da an Scorsese, an Zemeckis, an DeNiro, an Pacino. Schaun wir mal, was noch kommt. (lacht)
Wie sieht es eigentlich in ihrem Privatleben aus, gibt es eine Mrs. Pferd für Sie, wo und wie leben Sie, Mr. Pferd?
Pferd:Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich Privates und Berufliches strikt trenne und und daher auch weder Homestories machen werde noch Privates ausplaudern möchte, denn wie es einem damit ergehen kann medial sehen Sie ja grade, erlauben Sie mir diese Bemerkung, mit ihrem Bundespräsidenten. Nein, Privates werden Sie von mir nicht hören.
Abschließend Mr. Pferd, wie ist Ihr Fazit zu WAR HORSE, für wen ist der Film, was erwartet den Zuschauer?
Pferd: WAR HORSE ist ein typischer Spielberg und doch wieder nicht. Großes Gefühlskino und doch insgesamt eher sachlich, nüchtern erzählt ohne großes pathetisches Brimborium, ohne groß auf die Tränendrüse zu drücken. Der Schrecken des Krieges und der Irrsinn des Krieges und seine Opfer werden anschaulich gemacht. Großen Anteil hat auch der Score von John Williams, der groß aufspielt und doch auf dem Teppich bleibt. Kamera und Licht sind vom Feinsten, ebenso die Pferdeszenen. Dabei vergehen die zweieinhalb Stunden wie im Fluge. Schönes, großes Kino, ohne jetzt ein Riesenmeisterwerk zu sein.
8/10 würde ich sagen.
Mr. Pferd, wir danken Ihnen für dieses resümierende Gespräch über den Film WAR HORSE.
Pferd: Keine Ursache, hat Spaß gemacht (lacht, wiehert und hebt beide Vorderhufe).
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