Ich habe schon eine Nacht darüber geschlafen, aber ich weiß immer noch nicht recht, was ich von diesem Film halten soll.
Der Film legt sich seine eigene Theorie zurecht, sehr spekulativ und sehr düster, aber auch sehr spannend. Damit beginnt aber auch gleich sein Problem. Zu viele Personen spielen eine zu undurchsichtige Rolle, so daß es teilweise etwas schwer fällt, den Nebensträngen der Handlung genügend Bedeutung beizumessen, bzw. ein Teil der Handlung wird speziell im Mittelteil ein bißchen ZU undurchsichtig, auch wenn sich am Ende das Meiste aufklärt.
Dargestellt wird das viktorianische London so düster und dreckig, wie es in den Elendsvierteln tatsächlich gewesen mag, eine optische Kreuzung aus Sleepy Hollow und Bram Stokers Dracula.
Zeitgenössische "wissenschaftliche Sensationen" werden aufgegriffen wie der "Elefantenmensch" (aus dem Wanderzirkus frisch auf den wissenschaftlichen Präsentierteller einer sich selbst verherrlichenden Mediziner-Elite) oder der vermeindliche wissenschaftliche Durchbruch der Lobothomie.
Johnny Depp ist wieder einmal klasse, aber dieses Mal wird er -besonders gegen Ende- von Ian Holm an die Wand gespielt. Vielleicht ist mir seine Darstellung diesmal so nahe gegangen, weil ich ihn noch las guten, alten Onkel Bilbo in Erinnerung hatte. Die optische Nachbehandlung seiner Augen (höllisch schwarz) hätte jedoch nicht in diesem Umfang passieren müssen. Heather Graham wirkte als "Hure und Heilige" zwar überzeugend, doch die Lovestory hätte man sich besser schenken können. Naja, wenigstens haben sie sich nicht gekriegt.
Der Film zeigt blutige Details in solcher Deutlichkeit, wie sie wesentlich subtiler hätten dargestellt werden können und sollen. Ich verfüge zwar über einen recht festen Magen, aber muß ein Schnitt durch die Kehle wirklich in Großaufnahme gezeigt werden in einem Film mit FSK 16?
Auch nicht zu verachten ist der rege Drogenkonsum, den From Hell regelrecht propagiert. Da wird Opium um die Wette geraucht und Absinth fleißig mit Laudanum gemixt, um anschließend Visionen des Killers zu sehen. Absinth ist heute -in schwächerer Konzentration- wieder erhältlich und zu einem beliebten Modegetränk geworden, dennoch hätte im Film ein etwas kritischerer Umgang mit dem Zeugs gezeigt werden können und sollen. Selbst Johnny Depps Tod -friedlich entschlafen auf Opium- wirkt zu harmlos.
Der Film ist lohnenswert (allein schon wegen Ian Holm und Johnny Depp) und äußerst spannend, wenn man eine düstere und teilweise abgründige Reise bevorzugt. Trotzdem hätte der Film besser sein können, wenn er sich in obigen Punkten als etwas subtiler dargestellt hätte.
PS: Die Sache mit dem Ring: Freimaurer-Abzeichen waren damals sehr belibt, vergl. den Anstecker, den der Polizeichef trägt, auch diese Ringe wird es mehrfach gegeben haben. Der Ring zeigte lediglich, daß der Mörder vermutlich ein Mitglied der Freimaurer war.
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Teffi-San am 2002-03-15 23:01 ]</font>


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