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Thema: Brazil

  1. #11
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    Re: Brazil

    Ja sehr lustiger surrealer Film
    vor allem die verfolgungsjagd kurz vor schluss.
    oder die frau im büro die immer schreie aus ihrem kopfhörer hört und sie abtippt.
    daumen hoch.

  2. #12
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    Re: Brazil

    Da mir gerade ziemlich langweilig ist, dachte ich mir hole ich mal das Topic zu diesem genialen Film wieder nach vorne und Poste mal meinen Tagebucheintrag bzw meine Gedanken zum Film. Zwar wieder einmal verspätet aber was solls.

    -"Glauben Sie, dass die Regierung den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen wird?"
    -"Oh ja... Wir fangen alle ihre Schläge ab, treiben viele von ihnen aus dem Land. Wir schlagen sie ziemlich beständig in vieler Hinsicht. Ich würde sagen, sie sind aus dem Spiel!"
    -"Aber, Mr.Helpman, die Bombenkampagne ist jetzt schon in ihrem 13. Jahr."
    -"Anfängerglück!"

    Eine ganz schön düstere Zukunftsvision die Terry Gilliam einem hier vorsetzt. Ein totalitärer, absurder, bürokratischer Überwachungs-Staat, in dem, so könnte man zumindest Vermuten, sogar dann das ausfüllen eines Formulares von Nöten ist, welches, nachdem alle Angaben ordnungsgemäß eingetragen sind, dann natürlich noch einige Instanzen zu durchlaufen hat, von diesen geprüft, genehmigt und abgestempelt werden muss, um sich nur mal den eigenen A**** abzuwischen oder ein Fenster zu öffnen.


    In dieser Welt lebt und arbeitet Sam Lowry (Jonathan Pryce) als kleiner Beamter, der sich gerne mal, um abstand von dieser spießigen, kontrollbesessenen Gesellschaft zu gewinnen, in Tagträume flüchtet. Denn nur in diesen scheint er wirklich glücklich und frei zu sein. Durch eine Verwechslung im Informationsministerium, ausgelöst durch eine zerquetschte Fliege, wird versehentlich der unschuldige Mr. Buttle anstelle von Harry Tuttle (Robert DeNiro) verhaftet und liquidiert. Als der Fehler bemerkt wird ist es an Sam diesen wieder auszubaden. Mit einer Wiedergutmachungszahlung macht er sich auf zu den Hinterbliebenen des Opfers, wo er dort angekommen zum ersten mahl Jil Layton erblickt (Kim Greist) und sich prommt in die blonde Frau, die ihn an die Engelsgleiche Dame seiner Tagträume erinnert und ihr zum verwechseln ähnlich sieht, verliebt. Da Jil verdächtigt wird mit den Terroranschlägen, die die Stadt wieder und wieder heimsuchen, in Verbindung zu stehen unternimmt Sam alles um seine geliebte zu beschützen und gerät dabei selbst in den Mittelpunkt der Untersuchungen.
    Seine surrealen Träume, in denen er böse Monster bekämpft und seine große Liebe erobert, scheinen nun Realität zu werden.

    Was passiert aber wenn alle Versuche, dieser Gesellschaft zu entfliehen, sie erfolgreich zu bekämpfen, scheitern? Welch Ausweg bleibt einem einzelnen Menschen wenn er sich nicht mehr zu wehren weiss? Was geschieht wenn das woran er glaubt, seine Sehnsüchte, seine Träume, seine Ziele und Wünsche in unerreichbare Ferne gerückt sind und einem am Ende nur ein großes Nichts gegenübersteht? Auf was kann man dann noch Hoffen? Auf ein Wunder? Auf Gott? Auf einen schnellen schmerzfreien Tod? Auf Superman? Jaaaaaa, hoffen kann man auf alles und jeden. Aber wenn ich in so einer Situation mit allem was ihr vorangegangen ist, in der sich unser Protagonist am Ende befindet, auf Gott hoffe, käme das dann nicht einer Niederlage gleich? Würde das nicht bedeuten und vor allem beweisen dass es mir nicht möglich ist aus eigener Kraft zu triumphieren? Würde ich damit etwa nicht den Ausgang meines Lebens und die Verantwortung die ich dafür trage einfach von mir weg schieben, in Gottes Hände legen?
    Naja, dann bin ich aus dem Schneider nicht war? Ich bin nicht mehr Verantwortlich für das was dann mit mir geschieht, oder? Jetzt liegt es schließlich an Gott alles gut ausgehen zu lassen! Ich habe mein möglichstes getan. Und wenn Gott es vermasselt oder es versäumen sollte mir zu helfen dann bin es nicht ich der Verloren hat, sondern er.
    Hoffnung zu haben ist bei weitem nichts schlechtes, im Gegenteil. Hoffnung zu haben bedeutet, eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung dahingehend zu haben, dass etwas, das dem Hoffenden wünschenswert erscheint, in der Zukunft eintritt, ohne dass wirkliche Gewissheit besteht. Und das kam meiner Meinung nach für Sam nicht in Frage. Sam hat nicht auf ein Happy-End gehofft. Er hat sich seines erträumt. Wenn in diesem Fall, träumen bedeutet dem Wahnsinn zu verfallen, den Verstand zu verlieren um sich somit in eine bessere Welt zu verfrachten, bitteschön, dann habe ich da absolut nichts dagegegen.
    Andere würden die Flucht und dass sich einschließen in die eigene Gedankenwelt als Schwäche und vielleicht sogar als viel größere Niederlage abtun. Ich hingegen sehe das in diesem Fall als Stärke an. Sam ist viel stärker als die meisten Menschen. Er gibt sich nicht einfach auf und lässt höhere Mächte oder irgendwelche Personen darüber entscheiden welchen Ausgang sein Leben nimmt. Denn er ist es der entschieden hat das es so Endet. Er hat aus eigener Kraft einen Sieg errungen. Und es ist, egal wie traurig oder tragisch das Ende des Filmes auch sein mag, schön und befriedigend zu sehen, dass sie es nicht geschafft haben ihm alles zu nehmen, dass ihm am Schluss seine Phantastischen Träume geblieben sind. Vielleicht interpretiere ich in das Ende auch einfach zu viel rein. Vielleicht?


    Sicherheitswahn, absolute kontrolle, Bürokratisierung. Eingebettet in fantastische, unglaublich detailreiche Kulissen, behandelt Gilliam diese Themen und zieht sie mit einem großen Augenzwinkern ins lächerliche. Tolle Effekte, ein großartiges Main-Theme, ein ebenso großartig spielender Jonathan Pryce und der bereits erwähnte Detailreichtum, bei dem man wahrscheinlich auch noch beim dritten mal ansehen neues entdeckt, sind weitere positive Eigenschaften die diesen Film definitiv sehenswert machen. Und das meiner Meinung nach grandiose Ende des Films tut sein übriges und sorgt dafür, dass einen das Gesehene noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

    Und wenn er nicht gestorben ist, dann träumt er noch heute.
    "Ich hab drei Kinder und kein Geld! Warum hab ich nicht keine Kinder und drei Geld?!" - Homer Simpson

  3. #13
    Zuschauer
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    1

    Re: Brazil

    Zitat Zitat von soulassassin
    Da mir gerade ziemlich langweilig ist, dachte ich mir hole ich mal das Topic zu diesem genialen Film wieder nach vorne und Poste mal meinen Tagebucheintrag bzw meine Gedanken zum Film. Zwar wieder einmal verspätet aber was solls.
    ... für Brazil ist es nie zu spät.
    It's my all time favorite!

    Als der Film rauskam, habe ich in Paris gelebt und entdeckt, dass die gerade fertig gestellte Trabanten-Vorstadt in Marne la Vallée östlich von Paris teilweise als Drehort genutzt wurde. Monumentale, imposante beklemmend wirkende Beton-Wohnkomplexe. Dort entstand z.B. die Sequenz als Kinder Sams Kabinenroller abfackeln und weitere Sequenzen um die Wohnung der Familie Buttle.

    Begeistern konnte ich mich damals auch für die Referenzen zu Filmklassikern wie Panzerkreuzer Potemkin: Die Schlüsselszene - der eine Freitreppe herunterpolternde Kinderwagen mit schreiendem Kind, nachdem die Mutter dem in die Menge schießendem Militär zum Opfer fällt, wird transferiert zur Putzfrau, die in analogem setting erschossen wird und ihre Bodenpflegemaschine die Treppe herunter poltert. Böse aber gut.

    Ich habe mir den Film in den ersten Jahren mindestens 10mal angesehen und immer wieder neue Details entdeckt - KEIN Film der letzten 10 Jahre ist annähernd so vielschichtig und komplex wie Brazil! (Oder wer hat eine Tipp?)
    Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich z.B. in low-cost Flughäfen unter der Decke komplexe Lüftungs-, Sprinkler und sonstige Rohr- und Schlauchanlagen sehe.

    Und: Ja, ihre Grimassen nach dem "Salt?" beim Verkupplungsdinner sind ein weiteres highlight.

    Die Schreibtisch-Rück-Szenen zwischen den angrenzenden Büros ...

    Und natürlich steigt Sam auf Level 42 aus dem Fahrstuhl, denn der Sinn des Lebens ist bekanntlich "42" -> The Hitch Hikers Guide to the Galaxy

    genug jetzt, werde die DVD in den nächsten Tagen mal wieder einlegen müssen um die Erinnerungen aufzufrischen!

    Grüße aus Potsdam

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  1. 24.12.2010, 22:04

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