Sehr erfreut über Nickys Begeisterung für diesen Film, wollte ich einfach mal ein Topic zu einem von Carl Dreyers größten Meisterwerken (neben "Ordet", "Gertrud", "Dies Irae" und "Vampyr") eröffnen.
Als ich "Jeanne D'Arc" erstmals sah, war ich komplett benommen - Dreyers Filmsprache mit ihren rigorosen Close-Ups, den zuweilen schnellen, suggestiven Schnitten (die Sequenz in der Folterkammer ist einfach atemberaubend), den ikonenhaften Bildern, dieser rätselhaften Heiligkeit, die Falconetti der Jeanne D'Arc verleiht - all das ist einzigartig und neu gewesen und wirkt auch heute unverändert ungewohnt und sehr jung.
Wie es Dreyer allein durch seine einmalige Darstellerarbeit und die ungemein geschickt nebeneinandergelegten Bilder des großartigen Rudolph Maté gelingt, Stimmungswandel zwischen claustrophobischer Eingeengtheit, Ausweglosigkeit, panischer Angst und großer Hoffnung, gebaut auf tiefster religiöser Überzeugung, auszudrücken, ist so meisterlich, daß man das Gefühl hat, man sehe Filmaufnahmen aus dem 15. Jahrhundert.
Der Film ist zum Zerreißen gespannt, jeder Moment wirkt irgendwo fragil und das Martyrium wird unglaublich erfahrbar.
Das größte Problem mit den größten Meisterwerken des Kinos trifft auch auf "La Passion De Jeanne D'Arc" zu: Man kann danach leider so viele andere Filme nicht mehr wirklich ernstnehmen; die Werke von Genies sind allzu oft beinahe degradierende Erfahrungen. :wink:


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