Nachdem im "Langoliers"-Topic eine kleine Diskussion angefangen hat, die darin eigentlich nichts zu suchen hat (ich gebe es zu: schuldig!), mache ich hiermit mal einen neuen Thread zum Thema auf.
Es ging (für alle, die es nicht mitbekommen haben) darum, dass sehr viele diese Shining-Version lieben; ich persönlich jedoch kann damit gar nix anfangen (mal abgesehen davon, dass ich auch finde, dass Nicholson hier eine Glanzleistung abgab...aber wo macht er das wiederum nicht?)!
Den Grund dafür habe ich folgendermassen beschrieben (oder es zumindest versucht):
SHINING war das allererste King-Buch, dass ich mit ca. 13 Jahren gelesen habe (ist 13 Jahre her, also entschuldigt bitte, wenn ich nicht mehr jedes Detail genauestens present habe); und dieses Buch ist IMO auch verantwortlich für meine Horror-Sucht (inzwischen habe ich über 40 King-Geschichten gelesen, und ein Grossteil meiner Filmsammlung besteht aus Horrorfilmen jeglicher Art...von Bad Taste bis Versus und von Blair Witch bis Resident Evil).
Man kann sich vorstellen, wie sehr ich dieses Buch geliebt habe, und dementsprechend auch daran und am Inhalt hing.
Umso enttäuschter war ich dann, als ich Kubrick's Interpretation davon ansah: Fast nichts (ausser der Badezimmerszene im Zimmer "ist mir gerade entfallen") war so, wie ich es mir vorgestellt hatte!
Ja, es ist ein guter, spannender und tiefgründiger Film über die Abgründe des Menschen und dem Ausbruch der dort versteckten Gefühle in der Isolation. Aber es entsprach in keinster Weise meiner persönlichen Vision...
Natürlich ist es (vor allem bei King) nie gut, das Buch mit dem Film zu vergleichen, komischerweise hat mir aber King's eigene Version sehr zugesagt...was bei den meisten Liebhabern des Kubrick's-Films wiederum gar nicht zutrifft.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe mich in eine Geschichte verliebt, die in grundlegenden Punkten verändert wurde, und somit nur noch entfernt eben diese von mir so verehrte Geschichte darstellte.
Diese Veränderungen sind folgende:
- Im Buch ist Jack Torrance ein liebender Vater, der einmal ein paar Schüler geschlagen hat, die seine Reifen zerschnitten haben (IMO nachvollziehbare Reaktion: kein Anzeichen für einen gewalttätigen Menschen). Daraufhin bekommt er natürlich erhebliche Probleme und fängt mit dem Trinken an. Dies bekommt er aber mit Hilfe und zeit wieder in den Griff, und ist eigentlich "geheilt" als er den Job im Overlook annimmt.
Dieser Vater ist im Buch eigentlich recht sympathisch, und man Freundet sich als Leser mit ihm an (was dann den Sinneswandel am Schluss noch viel erschreckender rüberkommen lässt). Im Film hat Jack Nicholson von Anfang an ein psychisches Grinsen drauf, und eine Sympathie Ihm gegenüber will gar nicht richtig aufkommen.
- Jack's Frau ist im Buch eine starke Frau, die es schafft einen kühlen Kopf zu bewahren. Im Film musste ich zeitweise den Ton abstellen, weil dieses Gekreische nur noch auf die Nerven ging.
- Tony, der unsichtbare Freund, wurde erst in King's Verfilmung (denn DER Film ist eine Verfilmung...keine Interpretation) so dargestellt, wie ich es mir gedacht hatte: er steht da, aber niemand ausser Danny kann ihn sehen...als ich bei Kubrick sah, wie er mit seinem Finger sprach, bekam ich das Gefühl einen geistig behinderten Jungen zu sehen: wieder die Erstellung eines anderen Bildes eines zentralen Karakters!
- Der Garten des Overlook-Hotels: im Film ein Heckenlabyrinth, im Buch eine Ansammlung von Heckentieren (Hase, Löwe, Bär, etc...), die zum Leben erwachen können, und somit erheblich zur Spannung beitragen.
Diese Tiere habe ich wirklich sehr vermisst, da es im Buch mitunter die spannendsten Momente waren!
- Ein Detail, aber für mich trotzdem wichtig: Jack verfolgt seine Familie nicht mit einer Axt, sondern mit einem Cricket-Schläger (ist IMO viel brutaler, da ein Tod erst nach erheblichen Schmerzen eintreten kann: somit bricht Jack seiner Frau im Buch mehrere Rippen).
- Zum Schluss noch Kubrick's Spannungselemente, wie zum Beispiel die Blutwelle, welche aus dem Lift kommt: was bitte schön soll mir das sagen? Woher kommt diese Welle? Was für eine Bedeutung kommt ihr zu?
Ich muss sagen, dass dies der einzige punkt ist, wo mir keine Interpretation zu einfallen will, aber ansonsten weise ich diesen Gedanken von Matt klar zurück (ohne irgendwie beleidigt deswegen zu sein: sein Gedanke war berechtigt...auch wenn man mich hier inzwischen besser kennen sollte).
Alles in allem sind mir einfach zu viele Eigenschaften der zentralen Figuren verändert worden, wodurch der Film auf mich eine ganz andere und schlechtere (weniger intensive) Wirkung hatte. Die meiste Zeit war ich gelangweilt, obwohl mir das bei der viel längeren Version von King nie passiert ist!
Als Schlusssatz will ich noch sagen, dass ich keinesfalls sage, dass Kubrick einen schlechten Film gemacht hat! Es ist für Liebhaber der Romanvorlage, wie ich es bin, einfach nicht befriedigend hinsichtlich der Erwartungen, die man automatisch hat.
Im Übrigen, bin ich eh der Meinung, dass die Erwartungshaltung, die man einem Film gegenüber hat, erheblichen Einfluss darauf hat, wie man einen Film im nachhinein findet: also steinigt mich bitte nicht, sondern zeigt Verständnis...Danke!
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