der begriff 'surrealismus' ist der erste, der demjenigen in den geist kommt, der tom schreibers film narren gesehen hat. und er ist so zutreffend wie es der begriff erlaubt: der eigentlich für fröhlichkeit, ausgelassenheit, unbeschwertheit stehende kölner karneval ist schauplatz einer geschichte, die wie ein irrlauf durch ein riesiges labyrinth voller skurriler gestalten immer unwirklichere seiten annimmt, die abgründe von tiefster schwärze eröffnet und die in einer weise eskaliert, dass mehrere tote und stimmen aus dem jenseits auf dem anrufbeantworter nur noch logische konsequenz des gesehenen und gehörten zu sein scheinen.
roman 'romännchen' bützer (hervorragend verschüchtert, verstört und einsam gespielt von christoph bach, der in gewissen einstellungen eine ähnlichkeit zu robert de niro nicht verleugenen kann) ist fremd in köln, kann mit dem karneval nichts anfangen (für alle nichtjecken daher eine intensive identifikationsmöglichkeit mit der hauptfigur) und ist ständig konfrontiert mit begebenheiten und figuren abstrusester art, denen er aber nicht entweichen kann. so ist er gezwungen, mitzufeiern. "Surreal und absurd wirken auf Roman die Szenen im Karneval. Narren tauchen hinter Straßenecken auf, kommen schwankend, bedrohlich näher. In ihrem Verhalten sind sie ihm fremd und unberechenbar. Der Karnevalsprinz samt Gefolge steht am Rheinufer, redet von Tinnitus und Termindruck und schenkt Roman Schokolade. Sein Chef zwingt ihn zum Du und nennt sich Gerhard. Der Polizist füttert sein wanderndes Blatt, eine Riesenheuschrecke, und fühlt sich während des Karnevals für nichts zuständig. Hinterlassenschaften in der Kloschüssel sind versteckte Botschaften. Die tote Oma darf sich mit umgehängtem Eisbärenfell doch noch den Umzug anschauen, und am Ende grüßt sie Roman aus dem Jenseits. In dieser fremdartigen Welt droht Roman, dem Wahnsinn zu verfallen. Seine Wahrnehmung beginnt, sich zu verzerren: Alptraum und Wirklichkeit werden für ihn ununterscheidbar. Nur ein Opfer kann ihn retten.
Ein surreales, kafkaeskes Psychodrama vor dem Hintergrund des Ausnahmezustandes Karneval. Ein Film in der Tradition großer surrealistischer Meisterwerke."
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