Das ist ja beinahe schon so klasse wie das "Re-Release" von "2001: a space odyssey" im Jahre 2001. Da gab's ja soweit ich mich recht erinnere noch weniger Kopien, wovon allerdings zumindest eine auch mal in Essen landetete!
Das ist ja beinahe schon so klasse wie das "Re-Release" von "2001: a space odyssey" im Jahre 2001. Da gab's ja soweit ich mich recht erinnere noch weniger Kopien, wovon allerdings zumindest eine auch mal in Essen landetete!
If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)
Wer hatte denn bisher alles das Vergnügen diesen Film zu sehen?
Mir hat er gut gefallen, handwerklich tadellos, schön gefilmt und gut gespielt, die äussere Ruhe ein starker Kontrast zu den aufwühlenden Emotionen der Menschen. Und eben das ist auch meine Kritik an dem Film. Der Film ist kalt. Gefühle entstehen nur im Kopf des Zuschauers wenn er sich Gedanken macht wie die Personen wohl empfinden mögen. Er bleibt also ganz intellektuell und vergeistigt, was seine Wirkung im Vergleich sehr gering erscheinen lässt. Vielleicht habe ich auch den Fehler gemacht zu aufmerksam zu sein, zu sehr darauf bedacht alles aufzunehmen was der Film einem gibt. Möglicherweise ist er deshalb so minimalistisch gehalten, damit der Zuschauer die Zeit hat abzuschweifen und seinen eigenen Gedanken dazu nachzuhängen. Dementsprechend habe ich falsch reagiert indem ich intensiver nach den Nuancen gesucht habe, die eigentlich gar nicht in dem Film zu finden sind, sondern nur in einem selbst. Die Leistung Kitanos ist also weniger, einen Film gemacht zu haben, der bewegt, sondern eher eine intellektuelle Grundlage zu bieten um sich die Gefühle selbst zu basteln wenn man so will. Mir kam das im ersten Moment ziemlich unterkühlt und vergeistigt vor, eher eine theoretische Abhandlung als denn echte Emotion. Bleibt, dass ich die Grundidee (zumindest 2 der 3 "Episoden") sehr faszinierend finde, ich persönlich aber mehr die Art Film liebe, die solche Gefühle einfach hervorrufen, ohne dass man sich dagegen wehren kann. Wenn man sich nicht die Mühe macht sich aktiv in die Situation der Personen zu versetzen wird einen Dolls kalt lassen und vor sich hinplätschern. Eigentlich müsste ich ihn nochmal ansehen, diesmal gleich mit dem Gefühl, das ich mir zu den einzelnen Charakteren vorgestellt habe um zu sehen wie er dann wirkt..
In jedem Fall stilistisch beeindruckend und für Leute, die einem künstlerisch anmutenden Film nicht abgeneigt sind und die keine grossen Gefühle auf der Leinwand brauchen sehr empfehlenswert.
Ich habe inzwischen die DVD von Artificial Eye, bin allerdings noch nicht dazu gekommen, ihn anzusehen.
Allerdings macht mich deine Beschreibung absolut hungrig. Ich liebe Filme, die keine Emotionen zeigen, sondern sie einfach evozieren, auf wundersame Weise an die Oberfläche in unserem Fühlen treten lassen. Genau deshalb liebe ich auch etwa Ozu oder Kiarostami so sehr...
Bin jetzt sehr gespannt.
Wie schnell gabs denn den Artificial-Eye-Release, der Film lief doch auch noch nicht so lange in Endlang. Oder geht das bei dem Label immer so schnell. Ich habe ja auch keine großen Chancen ihn noch im Kino sehen zu können, daher ist diese DVD doch so gut wie bestellt.
If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)
Da ich in Berlin wohne, konnte ich den Film bereits vor einigen Wochen im Kino genießen. Als ich damals das Kino verließ, war ich überzeugt, den besten Film seit langem gesehen zu haben, so perfekt beherrscht Kitano inzwischen die Kunst des Geschichtenerzählens und so brilliant versteht er (bzw der Kameramann) es mit Farben umzugehen.
Mit ein wenig Abstand wirkt der Film allerdings nicht mehr ganz so stark und die Schwächen, vor allem die bereits angesprochene "Kopflastigkeit" des Films kommen in der Rückschau stärker zu tragen, so daß er für mich jetzt auch nicht mehr (wie in der Jahrespoll) mein persönlicher Film des Jahres ist. Dennoch ist er auf jeden Fall das Ansehen wert, gerade für Leute, die Kitano wegen seiner Gewaltdarstellung früher abgelehnt haben.
You're no good and neither am I. That's why we deserve each other.
Out Of The Past
Nach Zatoichi mein zweiter Kitano und auch er konnte mich über weite Phasen begeistern. Eigentlich hat Dolls in meinen Augen nur einen wahren Schwachpunkt und das ist der doch zähe Anfang des Films. Aber nach ca. 35 min gibt es wundervolle Bilder zu bestaunen, welche in ihren farblichen Kombination so sicher einmalig sind. Besonders loben muss man hier wirlich einmal Yamamoto, welcher hier wirklich endlos schöne Kostüme entworfen hat. Welche Kitano in den 4 Jahreszeiten Japans erst perfekt zur Geltung kommen lässt. Auch sehr sehr positiv angetan war ich von Kitano's Erzählstruktur: Er lässt die 3 Episoden nicht einfach hintereinander ablaufen, nein, er verbindet alle 3 wirklich sehr geschickt und lässt sie dann recht komplex immer wieder gemischt ablaufen und springt dabei noch in der Zeit und erzählt wichtige Begenheiten der Vergangenheit in Flashbacks. Diese Erzählweise fand ich wirklich wundervoll. In den technischen Aspekten ist der Film sowieso nahezu makellos. Die Kameraperspektiven, die Schnitte und der wundervolle Score von Joe Hisaishi machen den Film zu einem wahren Genuß für Augen und Ohren.
PS: Sehr wenig Meinungen bis jetzt hier zu lesen über den Film! Janis hast du den Film immernoch nicht geschaut? Was ist mit den anderen?
Ich habe "Dolls" am 24.03.04 hier in einem kleinen Programmkino erleben dürfen, und habe vollends zufrieden den Kinosaal verlassen.
Ein Freund von mir, der desöfteren in Japan war, hat mir zuvor von der Theaterkunstform Banraku erzählt, außerdem kannte der das Banraku-Theaterstück "Der Bote der Unterwelt" (von Monzaemon Chikamatsu) auf dem die Geschichte des Filmes basiert. So wurde ich etwas mit der Geschichte vertraut gemacht. Westliche Zuschauer werden von diesen Bildern zwar auch immer wieder in Staunen versetzt, aber es ist für sie verständlicherweise auch immer sehr befremdend.
Kitano ist ein filmschaffender Poet, der für diese melancholische Liebesgeschichte eigenwillige und zahlreiche wunderschöne Bilder findet. Die Farben die sich sowohl in den Kostümen der Darsteller, aber auch in der Umgebung und ihrer Landschaft reichen schon aus, um diesen Film als Meisterwerk bezeichnen zu dürfen. Und auch wenn ich den Film bisher lediglich einmal im Kino erlebt habe, so ist die Sehnsucht ihn wiederzusehen sehr groß.
Ich verlange wieder danach, solche Bilder aufnehmen zu können!
Anbei noch die lesenswerte Rezension aus dem Filmdienst:
Takeshi Kitanos Dolls
Der Film beginnt mit der Aufführung eines Bunraku- Theaterstücks im Nationaltheater von Tokio. Mit etwa ein Meter großen Puppen, die von jeweils drei Spielern bewegt werden, wird das Stück „Der Bote der Unterwelt“ von Monzaemon Chikamatsu, dem Meisterdramatiker des stilisierten Puppentheaters aus dem 18 Jahrhundert, gespielt. Am rechten Rand der Bühne sitzt der Erzähler. Er kommentiert das Geschehen und spricht alle Rollen. Dazu die Musikbegleitung durch eine dreiseitige Laute. In der gezeigten Szene beschließen die Kurtisane Umega und ihr Liebhaber, gemeinsam davonzulaufen. Damit ist der Grundton des Films gesetzt: das Leben als Puppentheater. Regisseur Takeshi Kitano hatte die Vorstellung, vom Leben der Menschen aus der Sicht der Puppen zu erzählen. Ähnlich streng stilisiert wie in der traditionellen japanischen Theaterform erzählt der Film drei tragisch endende Liebesgeschichten. Die „aneinander gebundenen Bettler“, ein Paar, das mit einem roten Seidenseil fest miteinander verknüpft ist, durchschreitet den Film, verbindet auch die Episoden miteinander und ist gleichzeitig das Personal der ersten Geschichte. Matsumoto und Sawako waren einst ein ideales Paar, füreinander die eine wahre und große Liebe. Natürlich wollten sie heiraten, doch Matsumoto beugte sich dem elterlichen Druck und beschloss, aus Karrieregründen die Tochter seines Chefs zu ehelichen. Sawako unternahm daraufhin einen Selbstmordversuch, der zwar misslang, bei ihr aber einen bleibenden Gehirnschaden hinterließ und ihr das Gedächtnis raubte. Auch an ihre Liebe kann sie sich nun nicht mehr erinnern. Matsumoto bläst die bevorstehende Hochzeit ab und ist zu ewiger Wanderschaft mit Sawako verdammt. So nah seiner Liebe und doch so fern.
Auch Yakuza-Boss Hiro – am Ende seiner Verbrecherkarriere und dem Tode geweiht – erinnert sich an seine größte Liebe, die er mutwillig aufs Spiel gesetzt hat. Als er noch ein kleiner erfolgloser Arbeiter war, brachte ihm seine Geliebte immer das Essen in den Park. Bei der Trennung schwor sie, dass sie auch in Zukunft jeden Samstag auf ihn im Park warten würde. Nach 30 Jahren der Hast und der Unruhe treibt ihn nun die nostalgische Sehnsucht nach der großen Liebe, die er verriet, immer wieder in den Park. Sie wartet noch immer, aber auch diese beiden Liebenden können nicht mehr zueinander kommen. Die letzte Episode erzählt von einem Popstar und seinem Fan. Nach einem Autounfall ist die schöne Sängerin Haruna entstellt. Ihr Gesicht ist bandagiert, ihre Schönheit dahin. Trotzdem lässt sie den treuen Fan Nukui nur widerwillig in ihre Nähe. Der Mann beschließt, sich selbst zu blenden, damit Haruna nicht befürchten muss, dass er ihr entstelltes Gesicht sieht.
Ein Bündel melodramatischer Liebesgeschichten also, die von tragischen Irrtümern und von der Macht des Schicksals erzählen, präsentiert Takeshi Kitano in diesem Film, in dem er einmal nicht auch vor, sondern nur hinter der Kamera steht. Das von dem japanischen Regisseur sonst so brillant beherrschte gewalttrunkene Genre der Yakuza-Filme ist fern, ebenso wie es die leichte Heiterkeit von „Kikujiros Sommer“ (fd 33 965) und die sarkastischen Scherze aus „Brother“ (fd 34 668) sind. Die kurze Handlungsskizze lässt einen starken melodramatischen Akzent vermuten. Aber „Dolls“ ist etwas ganz anderes geworden: ein mächtiges Bildpoem, das oft an die Malerei des Allround-Talents Kitano erinnert. In den Liebestragödien versteckt sich außerdem eine – freilich extrem stilisierte – Beschreibung des Alltagslebens im urbanen Japan unserer Tage. Man vermag sich kaum satt zu sehen an diesem Film, dringt tief ein in die Bildwelten der Melancholie: Kirschblüten im Frühling, ein leuchtendes Meer im Sommer, rote Laubblätter im Herbst und makelloser Schnee im Winter. Werden und Vergehen – die Ewigkeit der großen Liebe und das Drama der falschen Entscheidung, Schuld und Sühne – all diese Themen werden angespielt, aber man kann auch einfach schwelgen in diesen prächtigen Kinofarben, die Kostüme von Stardesigner Yoji Yamamoto staunend betrachten und die Poesie dieses einzigartigen filmischen Gedichts auf sich wirken lassen. Ein betörendes und manchmal befremdendes Meisterwerk ist dieser Film allemal.
(Jose Schnelle - Kritik aus film-dienst Nr. 22/2003)
If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)
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