Letztens hatte ich wieder einmal so eine Sinnkrise, in der ich mich fragte, ob es in der Filmindustrie überhaupt noch originelle Ideen gibt. Wenn man die Tageszeitung aufschlägt und das aktuelle Filmprogramm durchsieht, dann wimmelt es dort nur so von Remakes, Fortsetzungen und uninspirierten Verfilmungen von Geschichten, die man bereits dutzendweise in anderen Filmen gesehen hat. Was sich einmal bewährt hat, wird so lange ausgereitzt, bis es keiner mehr sehen will. Wenn Comic-Verfilmungen gut ankommen, dann verfilmt man eben jedes noch so bescheuerte Comic. Wenn Katastrophenfilme gut ankommen, dann erfindet man immer neuere Endzeit-Szenarien. Wenn große Schlachten in Filmen gut ankommen, dann konzentriert man sich eben auf so etwas. Die Geschichten heutiger Filme sind meistens auch nur Variationen von bereits erzählten Geschichten. Vor allem in Genres wie der Highschool-Comedy, dem Horrorfilm oder der Romantic-Comedy bekommt man wirklich nur ganz ganz selten mal eine neue Geschichte geboten. Dass von jedem Film, der an der Kasse einigermaßen Kohle scheffelt, noch am Startwochenende bereits die Fortsetzung geplant wird, ist ja sicherlich bekannt. Und die Dreistigkeit mit der heutzutage Remakes gemacht werden, sucht auch ihresgleichen. Filme wie "Charade" oder "Ladykillers" sollten eigentlich Tabu sein.
Anyway, ich für meinen Teil hatte in der Vergangenheit immer wieder das Gefühl, dass etwa 80% bis 90% der heutzutage gedrehten Filme überhaupt nichts neues mehr bieten und das die Filmindustrie langsam am Ende ist. Hin und wieder gibts einmal einen Lichtblick wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" aber im großen und ganzen bekommt man nicht viel Originelles im kino zu sehen.
Doch dann hab ich mich gefragt: Was ist denn überhaupt Originalität?
Für mich ist ein Film dann originell, wenn er mir irgend etwas bietet, das ich so noch nicht gesehen habe, wenn er eine völlig neuartige Geschichte erzählt, oder wenn er eine bereits bekannte Geschichte auf eine vollkommen neuartige Art und Weise erzählt, oder wenn eine Geschichte ganz ungewohnt umgesetzt wird. Aber ist das nicht eine rein persönliche Sichtweise? Ich vergleiche schließlich jeden Film mit meinem persönlichen Erfahrungsschatz und wenn ich innerhalb der sagen wir mal 5000 Filme die ich in meinem Leben bisher gesehen habe, einen oder mehrere Filme finde, die dem gerade eben gesehenem ähneln, dann ist dieser nicht mehr originell, wenn ich in meinem persönlichen Sammelsurium an bisher Gesehenem allerdings keine Prallele zum gerade eben gesehenem Film finde, dann handelt es sich aus meiner Sicht um einen originellen Film.
Da jeder Mensch sich in den Filmen, die er bisher gesehen hat unterscheidet, empfinden wir nicht alle das selbe, wenn wir nun einen ganz speziellen Film sehen. Was für den einen originell ist, mag für den anderen alter Käse sein. Um also objektiv beurteilen zu können, ob ein Film originell ist oder nicht, müsste man alle Filme die bisher gedreht wurden zu Grunde legen und den ultimativ absoluten Vergleich zu allem bisher Gemachten anstellen. Das erweist sich für den einzelnen Zuschauer natürlich als äußerst schwierig. Vor allem wenn man sich nicht nur auf das Medium Film beschränkt. Schließlich ist der Film nur eine Art, Geschichten zu erzählen. Man müsste also jeden Film, den man auf seine Originalität hin untersucht auch mit sämtlichen bisher geschriebenen Büchern vergleichen. Und wenn man mal davon ausgeht, dass William Shakespeare in seinen Komödien so gut wie jede denkbare Beziehungskonstellation beschrieben hat, ist das Genre der Romantic-Comedy praktisch per Definition schon kalter Kaffee. Und was in den ganzen griechischen Tragödien oder der Bibel alles für Geschichten erzählt werden.. da bleibt eigentlich nicht mehr viel Raum für Neues.
Aus all dem schlussfolgere ich also, das Originalität seiner wirklichen Definition nach im Grunde gar nicht mehr existiert, ja nicht existieren kann. Sie ist für jeden Zuschauer ein rein subjektives Empfinden.
Wenn man das aber mal so festhält, dann tut man sich schwer einen Film überhaupt als originell oder unoriginell zu bezeichnen und somit auch, ihn letztendlich zu bewerten. Wenn jemand in "Harry Potter" geht, ohne das Buch vorher gelesen zu haben, dann erlebt er natürlich etwas neuartigeres, als derjenige, der das Buch kennt. Wenn jemand "Ladykillers" mit Alec Guiness nie gesehen hat, dann wird er Tom Hanks in der Rolle vielleicht zum brüllen komisch finden, während der Kenner des Originals nach der Sichtung des Coenschen Remakes vielleicht nur mit Kopf schüttelt. Wenn eine 13-jährige zum erstenmal eine Highschool Comedy im Kino sieht, dann ist das für sie etwas vollkommen Neues und sie wird sich dabei kaputtlachen, während manch anderer, der bereits 25 von diesen Filmchen gesehen hat, diesem 26ten rein gar nichts Inovatives mehr abgewinnt.
Aber wessen Meinung zählt dann mehr? Die des 13-jährigen Mädchens oder die des anderen, der bereits viele von diesen Genrefilmen gesehen hat? Spontan würden wir jetzt wahrscheinlich alle sagen: Die des letzteren. Aber ist die Frage letztendlich nicht irrelevant? Vor allem wenn man das doch recht eindeutige Beispiel auf ein nicht mehr so eindeutiges überträgt: Ist "Memento" originell? Ist "Being John Malkovich" originell? Ist "Die fabelhafte Welt der Amélie" originell? Ich bin mir sicher, dass man Zuschauer findet, die diese Filme aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen mit Geschichten, Ideen, Filmen etc. als unorignell empfinden würden. Man könnte sich hier natürlich rein nach der Masse richten. Im ersten Fall findet der größte Prozentsatz der Zuschauer die "Highschool Comedy" unoriginell, während im zweiten Fall die meisten Zuschauer darüber übereinstimmen, dass es sich bei "Memento" um einen originellen Film handelt. Aber kann man sich damit wirklich zufrieden geben? Mit einer Massenabstimmung? Diese hat weder Allgemeingültigkeit bezüglich der objektiven Originalität, noch hat sie irgendeine Beziehung zum subjektiven Seherlebnis des einzelnen, gut rein statistisch gesehen vielleicht schon, aber eben nicht in jedem Fall.
Worauf ich letztendlich hinauswill: Ist es denn wirklich so schlimm, dass heutzutage so viele Remakes, Fortsetzungen und Wiedererzählungen bereits bekannter Geschichten ins Kino kommen? Wenn wir ehrlich sind, wiederholen sich die Ideen und Geschichten innerhalb der Kunst doch bereits seit tausenden von Jahren immer wieder und wie man eine ganz spezielle Geschichte, einen ganz speziellen Film empfindet, hängt einzig und allein von den persönlichen Erfahrungen hab. Wieso also nicht ein Remake oder eine Fortsetzung von Dirty Dancing drehen? Die Kids die heutzutage ins Kino gehen haben die alte Version größtenteils nicht gsehen, wieso also nicht einfach eine neue Version der Geschichte liefern? Ist das wirklich unoriginell? Für den Kenner des Originals schon, aber für die Zielgruppe eben nicht. Und das ist doch letztendlich der springende Punkt.
Ich geh oft mit Freunden ins Kino und meistens sind meine Begleiter viel schneller zu begeistern, als ich. Das liegt aber einzig und allein daran, dass ich in der Vergangenheit einfach mehr Filme gesehen habe. Bevor ich jedoch wieder mal einen Film als unoriginell bezeichne, rufe ich mir erstmal ins Bewusstsein, dass auch die Filme, die ich persönlich für originell halte, in Wirklichkeit genauso unoriginell sind, ich nur die zu Grunde liegenden Geschichten nicht kenne und es einfach nicht kompetent beurteilen kann. Aber man kann ja schließlich auch nicht alle Geschichten dieser Welt kennen.
So etwas wie Originalität gibt es objektiv nicht. Daher liegt es an einem jeden selbst, sich in die Richtungen zu orientieren, die man bisher noch nicht so ausgiebig erkundet hat. Deshalb aber bereits bekannte Gefilde schlecht zu machen ist meines Erachtens nicht zulässig.
Daher mein Plädoyer: Regt Euch nicht mehr über Fortsetzungen, Remakes und altbekannte Geschichten auf, denn das alles ist von einem objektiven Standpunkt aus gesehen auch nicht weniger originell, als die Dinge die uns persönlich frisch und neu erscheinen.


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