Roland Emmerich und Wolfgang Petersen treten in diesem Jahr mit höchst unterschiedlichen Blockbustern gegeneinander an und buhlen nicht nur in Deutschland um die Gunst der Kinobesucher.
Das Duell zwischen den beiden Export-Regisseuren hat mittlerweile Tradition.
Rolands Alien-Spektakel "Independence Day" setzte sich seinerzeit an der Kinokasse klar gegen Wolfgangs "In The Line Of Fire" durch.
Auch "Godzilla" war etwas gewaltiger als "Der Sturm". Aber die Meinungen waren diesmal deutlich geteilter, da Emmerich nur auf die Wirkung der Effekte setzte und am Drehbuch sparte.
Nun also Teil 3 des deutsch-deutschen Regie-Duells!
"THE DAY AFTER TOMORROW" vs. "TROJA"
Lasst mich die wichtigsten Aspekte, die (meiner Meinung nach) über die Qualität eines Films entscheiden, hervorheben und Punkte verteilen.
Die Idee: Rolands Idee, dass das Umweltverhalten der gesamten Menschheit daran Schuld ist, dass Mutter Natur den ganzen Erdball aus Rache ins Chaos stürzt, kann man als einigermaßen originell bezeichnen, weil das Thema immer aktuell ist.
Wolfgangs Idee basiert auf einer 2500-Jahre alten Legende, die die Auferstehung des Sandalenfilms mitfeiert. Nicht so prickelnd, auf den ersten Blick.
1 Punkt für Roland (1:0)
Das Drehbuch: Rolands Drehbuch hat ausser dem Zeigen von Überschwemmungen mit anschließenden Gefrierbrand bei starken Gegenwind nicht viel Spannendes zu bieten.
Von Wolfgangs Drebuch mußte nur der Staub der Verganheit heruntergepustet werden. Die Geschichte ist einzigartig! 1 Punkt für Wolfgang (1:1)
Die Darsteller: Was ist schon ein warm eingepackter Dennis Quaid, der als Meterologe gegen einen Eissturm anrennt, gegen einen nackten, muskelgestählten Brad Pitt, der mit Mut, Kraft und Arroganz fast allein die Mauern von Troja niederreißt?
1 Punkt für Wolfgang (1:2)
Die Effekte: Niemals zuvor wurden Tsunamis, Hurricanes und deren Folgen so realistisch dargestellt. Da hat das FX-Team um Roland ganze Arbeit geleistet. Wirklich spektakulär!
Wolgangs 1000-mal-kopierte Ruderboote wirken dagegen so antik, wie die Stadt, die sie belagern.
1 Punkt für Roland (2:2)
Der Sound (Score): Rolands Soundeffekte & Musik passen genau zur Situation. Man hört den Regen prasseln, die Fluten stürzen, das Eis brechen und die Musik steigert die Spannung. Sehr gut.
Wolfgangs Sound beschränkt sich aufs schwerterklirren. Die Musik auf das Kopieren des "Gladiator"-Scores. Zu wenig.
1 Punkt für Roland (3:2)
Die Ausstattung: Filme, die in New York oder L.A der Gegenwart spielen, haben wir schon tausendmal gesehen. Jeder von uns könnte mittlerweile Stadtpläne und Architekturführer der USA aus dem Gedächtnis zeichnen. Troja hat zuvor noch Niemand gesehen. Boote & Zelte, Stadtmauern & Tempel, Rüstungen & Kleider, Waffen & das Pferd aus Holz: Das Auge isst mit... und wird hier satt.
1 Punkt für Wolfgang (3:3)
Die Regie: Roland dürfte mit seinen Darstellern kaum Mühe gehabt haben. Alle spielen noch nicht, oder nicht mehr, in der 1. Liga von Hollywood. Bei "The Day After Tomorrow" war von Anfang an klar, dass der Star der Computer ist.
Das war bei "Troja" anders. Egozentriker wie Brad Pitt, Jungstars wie Eric Bana & Orlanda Bloom und Charakterschauspieler wie Peter O´Toole unter einen Hut zu bringen, erfordert schon etwas mehr Geschick.
Abgesehen davon: Ein Satz wie: "Wenn wir überleben wollen, müssen wir hier bleiben - mein Vater kommt und holt uns hier raus." bleibt nicht so lange haften wie: "Krieg ist: Wenn alte Männer reden und junge Männer sterben."
1 Punkt für Wolfgang (3:4)
Der Unterhaltungswert: Roland Emmerich fackelt nicht lange, wenn es darum geht den Kinobesucher zu beeindrucken. Er läßt es krachen wie kein Zweiter. Und Das stets auf hohem Niveau. Langeweile gibt´s bei ihm nicht. Seine Filme haben schon längst einen eigenen Stil - das kann man nicht von jedem Regisseur behaupten.
Wolfgang Petersen läßt es dagegen meißt einen Zahn ruhiger angehen. Aber nur was das Erzähltempo betrifft. Seine Filme sind mit einem größeren Spannungsbogen gekennzeichnet. Die Darsteller tragen die Story, die bei Petersen immer im Vordergrund steht. Was sich für den Zuschauer bisher immer ausgezahlt hat.
Roland oder Wolfgang?... Ich würde sagen: Beide haben ihre Vorzüge. Der eine hat´s mit den Effekten, der Andere mehr mit der Handlung.
Beide 1 Punkt (4:5)
Fazit: Für mich gewinnt Wolfgang Petersen knapp mit einer Nasenlänge. Das Gesamtpaket von "Troja" überzeugt mehr, als die Schauwerte von Roland Emmerichs "The Day After Tomorrow". Für die unbequeme Thematik kann man Emmerich loben. Schade, dass er den Zuschauer mit ein paar klischeehaften Szenen wieder kopfschüttelnd nach Hause gehen läßt - was Wolfgang Petersen zu vermeiden wußte.


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