war gestern nach langer zeit mal wieder im kino, und dann das: ein film, auf den ich schon solange warte, wie ich von ihm weiss - fünf variationen über ein thema, die sich letztlich als fünf facetten der persönlichkeit eines großen künstlers herausstellen.
lars von trier (nahezu bösartig in seiner konsequenz und unnachgiebiegkeit) weist jörgen leth an, dessen (kurz-)film the perfect human erneut zu drehen, diesmal allerdings mit den vorgaben (obstructions = hindernisse), die von trier ihm macht: mal soll er am elendsten ort der welt drehen – leth wählt den rotlichtdistrikt von bombay. mal muss es unbedingt ein zeichentrickfilm werden – eine gattung, die beide verabscheuen ("ich hasse zeichentrick", sagt leth zu von trier - dessen antwort: "ich auch"). dann wieder verordnet von trier "spastische" 12 bilder (statt der üblichen 24) pro sekunde, und "aus der autoreferentiellen Studie über das Handwerk des Filmemachens wird sehr schnell ein Lehrstück über Unterwerfung und Dominanz - aber in von Triers ganz eigener Domäne zeichnet sich der Dompteur bald als tragische Figur wider Willen ab. Gnadenlos - darin ist der zum Katholizismus konvertierte Däne Protestant geblieben - entblößt er Leth bis hin zu dessen psychischen Problemen: 'Er hüllt seine Depressionen in Armani-Anzüge' (von Trier über Leth)." (Christina Bylow)
wie die beiden regisseure sich gegenseitig beeinflussen, wie leth stets versucht, den radikalen ansätzen von triers etwas positives abzugewinnen und es am ende stets schafft, und wie viele spontan erdachte kleinst-elemente ein filmisches produkt durchsetzen und ausmachen, ist in diesem halbdokumentarischen film äußerst spannend anzusehen.
"Es ist lustig und zugleich aufschlussreich zu beobachten, wie sich Leth auch in der weiteren Folge bei allem Respekt für von Trier gegen ihn zur Wehr setzt, seine künstlerische Autonomie verteidigt. Die Folge ist ein hochexplosiver Kampf um Selbstbehauptung und wechselseitige Anerkennung zwischen den Vertretern zweier Filmemachergenerationen: Herr-Knecht-Dialektik, geführt mit den Mitteln des Films. Damit entstand nicht nur brillantes Nachdenken übers Kino, sondern auch eine exemplarische Auseinandersetzung zwischen unabhängigem Filmautor und Produzent (als der Lars von Trier hier agiert). [...] Im Rotlichdistrikt von Bombay [...] filmt Leth sich selbst, im Smoking, wie er in einem Elendsviertel Lachs isst und Chablis trinkt, durch eine Glasscheibe getrennt, aber begafft von den Ärmsten der Armen - Spiegel des Zynismus und Voyeurismus, der allem Filmemachen innewohnt." (Rüdiger Suchsland)
nicht zu vergessen sei die grandiose umarmende auflösung am schluss: obstruction # 5 - ein großartiger filmischer kniff und zugleich zusammenfassung der wahren intention von triers...: "Dass Trier auch die briefliche Klage über sein eigenes Benehmen amüsiert aufnimmt und damit spielerisch seinen Kontrollzwang zu erkennen gibt, verschiebt das Szenenlicht vom 'Patienten' bald auf den 'Therapeuten'. So bleibt The Five Obstructions bei allen Kniefällen, Zumutungen und Herausforderungen an Triers cineastischen Lehrer Leth immer auch das Selbstporträt des schwer genießbaren, aber immer wieder verblüffenden Künstlers Lars von Trier." (Birgit Glombitza)
sehr zu empfehlen.


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