bei uns in dresden läuft gerade die schicht grandiose dokumentation rhythm is it! von thomas grube und enrique sanchez lansch, in dem eine gruppe schüler sich dem sacre du printemps von igor stawinsky in musikalischer und tänzerischer hinsicht nähert:
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Musik - Immer eine Reise wert
250 Kinder und Jugendliche, die meisten ohne jede Erfahrung mit klassischer Musik, proben Strawinskys Le Sacre du Printemps.
Was als nette Abwechslung im Schulalltag beginnt, wird zur spannenden, höchst emotionalen Entdeckungsreise. Auf Augenhöhe mit seinen jugendlichen Protagonisten Marie, Martin und Olayinka erzählt "Rhythm is it!" leidenschaftlich und aufmerksam von der Entwicklung des ersten großen Education-Projekts der Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle: Ein mitreißender und zärtlicher Film über das Vertrauen in sich und andere und die Grenzen sprengende Kraft der Musik.
(Quelle: kinonews)
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Seltsamer Vogel
Mit der Dokumentation "Rhythm is it" wird Simon Rattle zum Berlinale-Star
Von Kai Luehrs-Kaiser
Drei Männer, ein Tick. Herbert von Karajan etwa, der große Divo: Wer erlebt hat, wie Karajan bösartig fuchtelnd das Fotografieren seiner Person verbot, indem er seinem Gegenüber fast an die Gurgel sprang, der verstand: Karajan, der mächtige Medienmensch, war vor der Öffentlichkeit gleichzeitig auf der Flucht. Sein Nachfolger, Claudio Abbado, genauso: Die Sphinx unter den Ex-Chefs der Berliner Philharmoniker ging nicht nur den Kameras, sondern auch Mikrophonen elegant-wendig aus dem Weg. War einfach nie zu sprechen.
Und Simon Rattle?
Der amtierende Chefdirigent ist der Golden Boy des entstaubten Klassikgeschäfts. Er scheint medienkompatibel wie keiner vor ihm. Und doch ist auch Rattle auf nichts so bedacht wie darauf, seine private Person vor den Medien zu verbergen. Drei Männer eben, aber ein Problem. Ihr gespaltenes Verhältnis zur Öffentlichkeit ist ein Luxus, den sich heute nur noch die Götter des Medienzeitalters gönnen können. Beneidenswert.
Und nun das! Mit gleich zwei Filmen ist Simon Rattle auf der diesjährigen Berlinale präsent. Probeneinblicke, Interviewschnipsel und ein Film, dessen brachiale Bildersprache die heiligen Wände der Philharmonie erzittern lassen werden. Rattle wagt einen Vorstoß, der auch an seinem Privatleben nicht vorbeigeht. "Ich war ein ziemlich seltsamer Vogel als Kind", sagt Rattle unverblümt in dem Film "Rhythm is it". Von seiner Musikbegeisterung habe niemand etwas gewusst - oder wissen dürfen. "Wir sind für eine Gesellschaft erzogen worden, die es nicht mehr gibt", meint er skeptisch. Und spricht von der Angst des Dirigenten vorm Orchester. Musik sei das, was sie für Menschen tun könne. Zum Beispiel: Angst bewältigen.
Genau dies zeigt der großartige Film "Rhythm is it" von Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch über eines der angstgeladensten, erfolgreichsten Projekte der Rattle-Ära. Im Herbst 2003 trafen sich 250 Berliner Kinder und Jugendliche aus 25 Nationen, um Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" (Das Frühlingsopfer) zu tanzen. Die Berliner Philharmoniker unter Rattle sollten in der Treptower Arena live begleiten. Kaum einer der Jugendlichen war zuvor aufgetreten. Alle waren skeptisch, abwartend, verängstigt. Die Unruhe wuchs noch, als ihnen der Choreograph Royston Maldoom ins Gesicht sagte: "Das hier ist ernst! Warum muss alles im Leben Spaß machen?" Man sieht eine Bande von Demotivierten. Ein Junge gibt zu, er wolle niemanden anfassen - auch nicht beim Tanzen.
Nach einigen Wochen ist Maldoom nah daran aufzugeben. Irgendwie geht in den Jugendlichen plötzlich ein Knopf auf. Das alles erzählt sich leicht, wenn man vom anschließenden Triumph weiß. Der Film "Rhythm is it" erzählt die Geschichte dieses Erfolgs. Ein leiser Abenteuerfilm über die Selbstentdeckung. Eine Glückspille als Film.
Doch Simon Rattle wollte noch mehr. Im zweiten Rattle-Projekt dieser Berlinale, dem "Sacre du Printemps"-Film des (2003 tragisch verstorbenen) Regisseurs Oliver Herrmann suhlen sich Ferkel auf dem Küchenboden und werden Hühner geschlachtet. Bei Fruchtbarkeitstänzen im Darkroom vereinigen sich die Religionen bedeutungsschwanger beim Sex. Ein assoziatives Tohuwabohu nach Strawinsky. Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler durchwandert den Ritus wie einen bösen Traum. Für die geweihten Hallen an der Karajan-Straße, wo der Film mit Live-Begleitung der Berliner Philharmoniker gezeigt werden soll, bedeutet auch das einen frechen Vorstoß zur Gegenwart. Es ist Ausdruck einer gelungenen Angsttherapie.
(Quelle: berliner morgenpost)


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