Tony Takitani von Jun Ichikawa nach einer Erzählung von Haruki Murakami habe ich vorgestern abend im Dresdner Programmkino Ost genießen dürfen:
eine eigentümliche, gratwandernde, auf ihre Art wunderbare Mischung aus Drama und Komödie, aus Liebesfilm und Satire, die viele Fragen aufwirft nach Liebe und Verantwortung und Isolation und Einsamkeit, und die durch ihre sehr langsame, sehr leise Erzählweise beeindruckt, durch ihre Dialoge und durch ihren Minimalismus.
Überhaupt Minimalismus: ich habe selten einen Film erlebt, der diesem Begriff so nahe kommt. Der Film (das heisst: seine Bilder, seine Schnitte, seine Kameraschwenks, seine Geschichte, auch seine Musik) ist - wie die Biographie seiner Hauptfigur - fast ohne Bewegung, ruht in sich selbst, und ist doch unheimlich schnell vorüber, weil die Sogkraft seiner meditativen Bilder den Betrachter auf der Stelle mitten in das Erzählte hineinzieht und ihn unmittelbar teilhaben lässt an der Beobachtung des Lebens dieses einsamen Menschen.
Zu recht meinte J., mit der ich den Film sah, dass man wohl "jedes Bild anhalten und als Standbild stundenlang betrachten" könne. Genauso ist auch Tony Takitanis Leben zu verstehen: als Standbild, das altert, und sich doch nicht weiterentwickelt.
Eine kleine große Perle. Unbedingt ansehen!


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