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Thema: Munich (München)

  1. #21
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Spielberg hat sich in den 90ern quasi als "politischer Regisseur" neu erfunden. Nach "Schindlers Liste" widmeten sich die Feullitons großer Tageszeitungen seinen Ansichten. Lange Zeit war seine "Shoah Foundation" als Dokumentarzentrum für das Berliner Holocaust-Mahnmal angedacht.

    In jedem Fall ist Spielberg in den USA ein "historialer Aufklärer" geworden. Auf Europa hatte er kurzzeitig eine recht ähnliche Funktion / Wirkung weil er sich dem Thema "Holocaust" widmete (Andreas Kilb von der "Zeit" schrieb damals über "Schindlers Liste": "...mit Schindlers Liste sind wir vom Holocaust erlöst.") Aber im amerikanischen Kontext betrachtet, befasst er sich in fast jedem seiner Filme mit dem amerikanischen Idealismus. Ob in den 70ern in der Spielart seiner Thriller "Jaws" (ein Lieblingsfilm des großen Film- und Literaturkritikers/Mitglied des ehem. Literarischen Quartetts Hellmuth Karasek), "Sugarland Express" oder "Duell", in den 80ern in der Spielart seiner als "Kinderfilme" titulierten Werke "E.T.", "Close Encounters.." oder "Indiana Jones", in den 90ern in seinen historisch/politisch-motivierten Stoffe oder eben im 21. Jahrhundert, in den Sci-Fi-Filmen "A.I.", "Minority Report" und zuletzt "Krieg der Welten". Immer geht es da um ein geschlossenes System (Jaws:Ferieninsel/E.T.:amerik.Vorstadt/Indiana Jones:Comic-Mythologie/"Minority Report":Orwellsche Utopie) dessen Mitglieder sich der scheinbaren Wurzeln oder des ihm zugrundeliegenden Ideals entledigt haben. Der Held ist meist derjeniger, der diese Tatsache erkannt hat und gegen sie rebelliert. Im Spielberg-Idealismus/Optimismus muss dieser Held, um notwendigerweise den Sinn dieses Systems zu repräsentieren, über die Kräfte derjenigen, die die Kräfte des Systems missbrauchen, triumphieren.
    Spielberg ist, um es ganz plakativ zu sagen, der griechische Dramatiker der Antike unter den Hollywood-Regisseuren. Das rückt ihn sehr stark in eine Ecke mit George Lucas, der diese Vorstellung in eine konsequentere Form gepresst hat (siehe "Star Wars") die sich viel eindeutiger bereits betretener Pfade bedient um den Zuschauer seinen Weg zu weisen als Spielberg das tut.


    Ich kann zwar nur mutmaßen, aber "Munich" wird vermutlich nicht mal in der Hinsicht politisch sein, dass er versucht für eine Seite Partei zu ergreifen (dieses Schwarz-Weiß-Denken ist nicht Spielbergs Stil/ er nutzt es höchstens mal als Stilmittel), er wird sich wohl eher mit dem Leiden seines Protagonisten befassen "gut" in einer Welt des "Schlechten" zu sein, die eigentlich von grund ihrer Ideen her, gut sein sollte. Irgendwo hab ich mal gelesen Spielberg sei einer der letzten humanistischen Künstler. Ich glaube, das ist wahr...
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
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  2. #22
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Um es deutlicher zu formulieren: "Munich" wird aller Voraussicht nach, wie fast jeder Spielberg-Film, nicht die politischen Mechanismen des Systems reflektieren, von deren Mühlen die Helden zermahlen werden, sondern den Menschen an sich im System analysieren.
    Für mich zieht sich dieses Grundcharakteristikum des Spielbergschen Helden durch fast jeden seiner Filme. Im Grunde gibt es auch nur selten Spielbergsche Helden, denen wir kein Mitgefühl entgegen bringen. Ganz im Gegenteil: Die Spielberg-Helden wachsen immer über sich hinaus. Verkörpern am Ende und in ihrer höchsten Vervollkommung immer den Idealtypus des Menschen. Immer die Väter, die ihre Kinder retten bzw. heimholen. Da ist immer das Motiv des Erretters und der Erretteten...ich finde das sehr interessant an Spielberg weil er für so tiefründige Überlegungen eine adäquate, ja sogar kommerzielle Sprache im Bild gefunden hat. Wenn Spielberg eins ist, dann der große Bildermacher, der, der schon aufgehört hat in Worten zu denken...der zu einer neuen Form der künstlerischen Ausdrucksweise gelangt ist...ähnlich einem Kubrick oder Hitchcock.... so genug der Schwätzerei...
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    Rainer Maria Rilke

  3. #23
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Ha... immerhin mal antworten!
    Zwar auf andere fragen, aber egal - interessant.
    ~Man muss das Absurde akzeptieren, um es bekämpfen zu können!~

    http://myspace.com/killtank

  4. #24
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    @ Morten
    Deine Aussagen über Spielberg sind leider zu oberflächlich.
    Ersetze in deinem Beitrag den Namen Spielberg durch Kubrick, Hitchcock oder einen Anderen, und der Bezug auf die Eigenschaften stimmt immer noch.

    Spielberg ist zu 90% ein Märchenonkel, der Kinder aller Altersschichten erreichen will.
    Seine Filme sind vergleichsweise simpel konstruiert, wenn man die Werke seines verstorbenen Freundes und (angeblichen) Vorbilds Francois Truffaut betrachtet.

    Dummerweise ist Spielberg so weit von Truffaut entfernt, wie Hollywood von Frankreich.
    Gerade Spielberg und Lucas trugen z.B. dazu bei, dass der Dialog im Kino verkümmerte. Über kurze Wortwechsel oder eitle Monologe hangeln sich meist ihre Filme von einem Action-Cliffhanger zum nächsten.
    Das unterscheidet sie nicht von ihren weniger erfolgreichen Kollegen. Der Unterschied besteht meist nur noch in den finanziellen Mitteln.

    Okay, that´s wat they want - und Spielberg serviert perpekt... Wenn, ja wenn da nicht dieser merkwürdig konstruierte Humor in seinen Filmen wäre, der dem Jüdischen gar nicht gerecht wird.
    Er arbeitet zuviel in - und für - Amerika. Ansätze von Zynismus, schwarzem Humor und Hart-herzlichem werden unterdrückt bzw. versteckt.

    Ein Jahr in Europa würde Spielberg weiterbringen.

  5. #25
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    @ stewart

    Keine Feststellung könnte fragwürdiger sein. Beruht deine Argumentation doch auf Vorurteile über Spielberg (an dieser Stelle sei das Werk "Steven Spielberg und seine Filme" von Georg Sesslen empfohlen). Ein "Märchenonkel", der nur "simpel konstruierte" Kost präsentiert, ist Spielberg bei leibe nicht. Ich bin doch immer wieder bestürzt zu lesen, Spielberg habe den "Dialogfilm" durch Action-Cliffahanger ersetzt. Unbestreitbar mag die Tatsache sein, dass Spielbergs Kino ein physisches ist. Ohne Zweifel! Ihm aber aufgrund dessen in eine Reihe mit den Kollegen seiner Zeit zu stellen, welche pure Bilderkost um der Bilderwillen lieferten, halte ich für falsch. Durchaus stimme ich zu wenn man behauptet, sein Kino habe zu einem Resultat geführt, welches dem dir beschriebenen Szenario ähnlich ist. Dies lag aber ganz bestimmt nicht in der Absicht seiner Erschaffer. Ein Großteil dieser "Nachahmer" (z.B. Emmerich) haben den Kern des Spielbergschen niemals begriffen, ihn einzig als Motivation hin zum Sensationskino begriffen.

    Bestimmt ist und war Spielberg-Kino immer Sensations-Kino, gerade das hat dazu geführt, dass diese Eigenschaft seriösen Filmkritikern den Blick auf die "wirklichen" Mechansmen seines Kinos versperrt hat. Ähnlich erging es Kritikern in der Betrachtung von Kubrick- oder Hitchcock-Filmen als sie zur damaligen Zeit ins Kino kamen. Erst die leider immer erst im nachhinein stattfindende Kritik der filmkulturellen Elite hat Kubrick oder Hitchcock als "Könner" fest gesetzt. Lies mal Kritiken über "2001" zu der Zeit seiner Erscheinung...die Euphorie über das heute als "größte Meisterwerk" titulierte Werk, war eher ein laues Feuer in der Filmwelt.

    Das erst mal zu den "Vorurteilen".

    Spielberg hat in jedem Fall einen Doppelcharkter (was ihn für mich fast schon interessanter macht als einen Truffaut, der ganz offenkundig zur Filmkunstwelt gezählt wird): Er ist, ganz definitiv und ohne Umschweife, ein großer Manipulator, Verführer, Geschäftsmann und Hollywood-Selfmademan. Er ist aber auch, ebenso definitiv und ohne Umschweife, ein "historialer Aufklärer", ein zeit- und kulturkritischer Analyst, ein brillanter Erzähler, ein Erschaffer und zugleich Erfinder amerikanischer "Mythologie", ein glänzender, bewunderswerter Idealist, ein "politischer" Aktivist (Clinton- und Kerryfreund/Unterstützer) des linksliberalen Lagers...er wird von Regisseuren wie Emmerich, aber auch von Regisseuren wie vom verstorbenen Billy Wilder geehrt und bewundert (der die Bedeutung , Wirkung und Inszenzierung von "Schindlers Liste" übrigens in eine Reihe mit "Panzerkreuzer Potemkin" setzte). Ihn auf eine Seite in diesem zweipoligen Spektrum zu "beschränken" und damit seine zweite Funktion ganz auszuklammern wird Spielberg und wird auch seiner hohen Bedeutung auf das Medium Film in keinster Weise gerecht, ganz egal ob man seine Filme schätzt oder nicht...

    Ich könnte Seiten um Seiten über Spielberg schreiben und es dir vermutlich dennoch nicht klar machen. Ich kenne einige Cineasten und die wenigsten von ihnen würden Spielberg die von mir geschilderte Funktion zuweisen. Die "Spielberg-Schmäher" können mir aber niemals erklären was denn nun sein Kino so oberflächlich macht. Immer kommen sie mir mit "E.T." und dem kitschigen Ende von "Schindlers Liste", der Routiniertheit von "Soldat James Ryan" und dem Opa vor der Amerika-Flagge...als wäre das, nur das, Spielberg!! Zu einfach...
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
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    Rainer Maria Rilke

  6. #26
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Hier übrigens ein Briefwechsel zwischen Billy Wilder (ich muss euch hoffentlich nicht erklären wer das ist) und Steven Spielberg von 1993; Billy Wilder äußert sich darin über "Schindlers Liste":

    Lieber Steven,

    dies ist nun mein vierter Versuch, auf Ihren wunderbaren Brief zu antworten. Ich weiß einfach nicht, wie ich es anfangen soll. Jedes Mal gerät er mir zu rührselig oder zu schwärmerisch oder zu weinerlich. Was Sie geschaffen haben, ist mehr als bloß ein Film. Er ist ein „Ich klage an“, ein „Panzerkreuzer Potemkin“ oder eine „Schlacht um Algier“. Er ist schwarz-weiß. Er hat keine Handlung, keine Geschichte, keine Spezialeffekte. Er ist wahr. Er wurde nicht von Hollywood vorgegaukelt. Er ist wahr. Er ist ein leiser, quälender Schrei, den Millionen rund um den Erdball hören werden. Das Meisterwerk eines MENSCHEN. Wenn ich sterbe, wünsche ich mir, dass Ihr Brief von einer ganz schlichten Stimme gelesen wird. Nichts Ausgefallenes. Keine Blumen. Keine Wiener Musik. Keine schwülstigen Reden. Nur Ihr Brief. Habe ich Ihr Einverständnis?

    Herzlichst Ihr Billy
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    Rainer Maria Rilke

  7. #27
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Interessant...

    ""Munich" Goes Low Key
    As films ramp up their wild and lavish Oscar campaign strategies, what's already considered one of the favourites to win is taking an entirely different approach. There will be no press junket, no premiere and, most importantly, no Oscar marketing campaign beyond trailers and posters for Steven Spielberg's movie "Munich" before and after it opens December 23rd. This decision to have no traditional publicity is the director's alone and he will not even be giving press or TV interviews..."


    Quelle: http://www.darkhorizons.com/news05/051124d.php
    I like it. It's got that "It's-a-cruel-world-let's-throw-ourselves-in-the-Abyss"-Type ambience...

  8. #28
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Hmm, interessant...
    Ehrenwert. Oder doch bloß eine andere Strategie in Sachen Werbung?
    Das würde ich mir bei so manch vermeintlich unwichtigeren Film wünschen.

    Es spricht aber für Spielberg, dass er anscheinend mit "Munich" nur die Menschen erreichen will, die mitdenken wollen.

    Kann Das gutgehen?...

  9. #29
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Hi @ all.

    Ich bin echt mal gespannt wie Steven Spielberg´s neue Kritik an den Deutschen aussehen wird.
    Ja ich sagte Kritik, denn ich glaube das Steven Spielberg etwas gegen die Deutschen hat.

    Beispiele ???

    - Indianer Jones 1:
    50 deutsche Schiessen mit Maschinengewehren auf Indiana Jones, der jedoch mit seiner Peitsche alle "dumm Dargestellten" Deutschen besiegt.

    - Indianer Jones 3:
    Wieder sind die Deutschen nicht nur die Bösen, nein sie werden auch mal wieder als dumme Trottel dargestellt.

    - Schindler´s Liste:
    Es werden die grausamen Deutschen dargestellt.

    - Munich:
    Wiedereinmal geht es um etwas das in Deutschland passierte und wo Juden starben.

    Interessant ist doch, das seine Eltern Juden sind/waren.

    Jetzt habe ich gelesen das er schon wieder einen Film über den Holocaust macht.

    Ratet mal wer dafür verantwortlich ist............die Deutschen !!!


    Jetzt soll mir noch einer sagen das dieser Mann NICHTS gegen Deutsche hat.

    Michael

  10. #30
    Regisseur Moderator Avatar von Matt
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    Re: "Munich" von Steven Spielberg

    Karl: Yeah, you know, those Germans aren't so bad.

    Lenny: Sure they made mistakes in the past, but aah, that's why pencils have erasers!
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

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