Spielberg hat sich in den 90ern quasi als "politischer Regisseur" neu erfunden. Nach "Schindlers Liste" widmeten sich die Feullitons großer Tageszeitungen seinen Ansichten. Lange Zeit war seine "Shoah Foundation" als Dokumentarzentrum für das Berliner Holocaust-Mahnmal angedacht.
In jedem Fall ist Spielberg in den USA ein "historialer Aufklärer" geworden. Auf Europa hatte er kurzzeitig eine recht ähnliche Funktion / Wirkung weil er sich dem Thema "Holocaust" widmete (Andreas Kilb von der "Zeit" schrieb damals über "Schindlers Liste": "...mit Schindlers Liste sind wir vom Holocaust erlöst.") Aber im amerikanischen Kontext betrachtet, befasst er sich in fast jedem seiner Filme mit dem amerikanischen Idealismus. Ob in den 70ern in der Spielart seiner Thriller "Jaws" (ein Lieblingsfilm des großen Film- und Literaturkritikers/Mitglied des ehem. Literarischen Quartetts Hellmuth Karasek), "Sugarland Express" oder "Duell", in den 80ern in der Spielart seiner als "Kinderfilme" titulierten Werke "E.T.", "Close Encounters.." oder "Indiana Jones", in den 90ern in seinen historisch/politisch-motivierten Stoffe oder eben im 21. Jahrhundert, in den Sci-Fi-Filmen "A.I.", "Minority Report" und zuletzt "Krieg der Welten". Immer geht es da um ein geschlossenes System (Jaws:Ferieninsel/E.T.:amerik.Vorstadt/Indiana Jones:Comic-Mythologie/"Minority Report":Orwellsche Utopie) dessen Mitglieder sich der scheinbaren Wurzeln oder des ihm zugrundeliegenden Ideals entledigt haben. Der Held ist meist derjeniger, der diese Tatsache erkannt hat und gegen sie rebelliert. Im Spielberg-Idealismus/Optimismus muss dieser Held, um notwendigerweise den Sinn dieses Systems zu repräsentieren, über die Kräfte derjenigen, die die Kräfte des Systems missbrauchen, triumphieren.
Spielberg ist, um es ganz plakativ zu sagen, der griechische Dramatiker der Antike unter den Hollywood-Regisseuren. Das rückt ihn sehr stark in eine Ecke mit George Lucas, der diese Vorstellung in eine konsequentere Form gepresst hat (siehe "Star Wars") die sich viel eindeutiger bereits betretener Pfade bedient um den Zuschauer seinen Weg zu weisen als Spielberg das tut.
Ich kann zwar nur mutmaßen, aber "Munich" wird vermutlich nicht mal in der Hinsicht politisch sein, dass er versucht für eine Seite Partei zu ergreifen (dieses Schwarz-Weiß-Denken ist nicht Spielbergs Stil/ er nutzt es höchstens mal als Stilmittel), er wird sich wohl eher mit dem Leiden seines Protagonisten befassen "gut" in einer Welt des "Schlechten" zu sein, die eigentlich von grund ihrer Ideen her, gut sein sollte. Irgendwo hab ich mal gelesen Spielberg sei einer der letzten humanistischen Künstler. Ich glaube, das ist wahr...


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