Trailer: http://www.moviemaze.de/media/trailer/1718/rent.html
Achtung Achtung: Ironie!
Wißt ihr was Leute? AIDS zu haben is gar nicht so schlimm. Nein, echt nicht. Ok. Wenn ihr dann dran sterbt schwitzt ihr ein bisschen und hab dabei dunkle Flecken auf dem Körper und ihr zittert ein wenig. Aber bis dahin ist es ein laaanger, vergnüglicher Weg voller Musik, Tanz, Spiel, Gesang und lustigen Kostümen! Ihr fühlt euch nicht krank. Ihr seht nicht krank aus. Und solltet ihr Euch dazu entschließen wegen diesen schwerwiegenden Problemen eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, werdet ihr dort nicht über Eure Krankheit reden sondern nur darüber singen, daß ihr jeden Tag leben müsst, wie Euren letzten. Das tut ihr im Idealfall in einem schicken, wenn auch etwas kalten, weil ohne konstant funktionierende Stromversorgung ausgestattetem Penthaus, für das ihr euch weigert, Miete zu zahlen.
Ab und an trefft ihr Euch mit euren Freunden von denen natürlich die Hälfte ebenfalls AIDS hat oder an der Nadel hängt. Ihr war untereinander alle mal miteinender verbandelt, aber das Thema Ansteckung und wer hat’s woher interessiert Euch natürlich nicht. Ihr habt Euch alle lieb und findet euer Leben so wie es ist, voll dufte. Ihr sitzt in coolen New Yorker Bistros ohne etwas bestellen zu können, weil ihr nicht arbeitet. Solltet ihr doch arbeiten, dann sind es sehr ideelle Berufe wie Striptease Tänzerin oder ihr seit ambitionierter Nachwuchsfilmemacher, dessen großes Filmtalent dadurch zum Ausdruck kommt, dass ihr künstlerische Großaufnahmen von...Überraschung! Euren coolen, AIDS-kranken, an der Nadel hängenden Freunden macht. Ab und an filmt ihr auch einen New Yorker Obdachlosen oder was sonst so in Eurer Gegend passiert. Denn wer weiß? Vielleicht kauft irgendjemand irgendwann euer exzellentes Filmmaterial und ihr werdet berühmt. Aber darum geht es euch natürlich nicht. Es geht um die Kunst.
Was für ein Leben! Wie romantisch! Wie dramatisch! La Vie Boheme!
Achtung: Ende der Ironie.
Eines vorweg: Ich mag Musicals! Sehr. Daran liegt es also nicht, dass ich „Rent“ nicht mochte.
Ich habe den Verdacht, dass ich mit dem, was ich sage, nicht wirklich den Film „Rent“ kritisiere, sondern das Musical an sich. Aber ehrlich gesagt ist mir das egal, denn ich behaupte dieses Ding (dessen Musik übrigens gar nicht soooo gut ist, wie alle behaupten und dessen Erfolg – erfolgreichstes Broadway Musical aller Zeiten??? - ich nicht einmal ansatzweise nachvollziehen kann) verharmlost, ja romantisiert das Thema AIDS in meinen Augen.
Noch dazu hat „Rent“ das Problem, was viele Musicals haben und welches für viele Leute, der Hauptgrund ist, weshalb sie mit Musicals nichts anfangen können:
Leute fangen in Alltagssituationen aus heiterem Himmel und ohne ersichtlichen Grund an zu singen. Das ist elegant gelöst in “Chicago“ z.B. wo jede Musicalnummer sich bloß in Roxys Fantasie abspielt, oder aber plausibel, wie in Hair, wo es ja nun mal um Hippies geht und die ja eh immer tanzen und singen. Und das „Phantom der Oper“ spielt nun mal in einer Oper.
Bei „Rent“ jedoch wirken die plötzlichen Gesangseinlagen eher irritierend, ja manchmal sogar lächerlich, wenn ganze Dialoge gesungen werden. Außerdem (aber das kann auch mein persönliches Problem sein) finde ich die Thematik von „Rent“ (AIDS, Armut, Drogensucht, Obdachlosigkeit) irgendwie zu ernst und zu aktuell um darüber zu singen. Zumindest in der quietschbunten Form, wie es hier von statten geht. Das ganze fühlt sich für mich irgendwie falsch an. Oberflächlich. Leichtfertig.
Wie gesagt: Ich glaube nicht, dass man all diese Kritikpunkte nur dem Film vorwerfen kann, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie nicht so auffällig sind, wenn man „Rent“ auf der Bühne, ohne wechselndes Bühnenbild und vor allem ohne den Anspruch, einer realistischen Darstellung sieht. Vielleicht eines der Musicals, welche besser nicht verfilmt worden wären.


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren
).

Lesezeichen