Habe heute erstmals diesen furiosen David Cronenberg-Film gesehen und war restlos begeistert. Cronenberg ist meiner Meinung nach einer der größten Independent-Regisseure, die existieren...ein hochgradig intelligenter Künstler, der es auf hintergründigste Weise schafft Trash-Elemente mit der Auseinandersetzung um den Existenzialismus zu verknüpfen. Immer geht es in seinen Filmen (insbesondere in "Videodrome") um Wahrnehmung, Realität, Transformation und Infektion.
"Videodrome" selbst ist schon eine infektiöse Transformation der Genres und der Konventionen des klassischen Kinos.
Zugleich verfügt "Videodrome" über entsetzlich bedrückende weil schonungslos physische Gewaltdarstellungen, die jedoch niemals auf einer oberflächlichen Ebene interpretierbar sind.
Insbesondere "Videodrome" fasst noch mal all die wesentlichsten Elemente des Croneneberg-Kinos zusammen und setzt sie in Kontext mit der in den 80er Jahren aufkommenden Video-Unterhaltungs-Industrie. Er entwift dabei mit den geringsten Mitteln immer eine vollkommen eigenständig funktionierende Parallelwelt, die auch irgendwie viel direktere Realität ist als die tatsächliche Realität. Sie ist eine wie aus der Selbstverständlichkeit ihrer Selbst geborene Abstraktion gegebener gesellschaftlicher und, in "Videodrome", virtueller Realitäten.
Zu dem Vergleich zu Lynch (der im Cronenberg-Topic angesprochen wurde) sind mit noch folgende Unterschiede und Schnittstellen aufgefallen:
Sowohl Lynch als auch Cronenberg haben schon eine sehr unterschiedliche Herangehensweise, die Realität in "ihren" gedanklichen Kontext zu setzen. Während Lynch's Universum die Abstraktion eines Bezugs zur Realität ist (der Traum), ist Cronenberg's Abstraktion eine von vornherein schon transformierte Realität die erst aus ihrer Kreatürlichkeit heraus Realität wird (die Virtualität). Lynch geht vom Kopf aus, Cronenberg jedoch vom Körper. Während der Lynch-Held immer am Barabarismus seiner Existzenz zu Grunde geht, geht der Cronenberg-Held an dem Gedanken zugrunde für diese Existenz einen vermeintlichen Ausweg parat zu haben (die Technik). Für einen Lynch-Helden gibt es die "Technik des Auswegs" nicht. Der Lynch-Held stellt sich nicht die Frage nach ihr, aber er geht am gleichen Dilemma zugrunde.
"cronenbergs beste filme schaffen es immer noch, eine art jungianischen kulturschock auszulösen. sie erinnern an bunel und francis bacon: geist verbindet sich hier mit trauma, grausamkeit und mitleid. innerhalb eines genres, dessen grenzen für die meisten sehr eng abgesteckt sind, schafft cronenberg ein universum von absoluter originalität. hinter dem äußerlichen horror verbergen sich ungeahnte metaphern."
Martin Scorsese


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