Noch kein Topic zu Glengarry Glen Ross? Dann wird es aber höchste Zeit. Denn was wir hier zu Gesicht bekommen ist wohl eine der besten wenn nicht sogar die beste Ensemble Leistung aller Zeiten. Allen voran der sich im Spätherbst seiner Karriere befindende Jack Lemmon bietet hier als verzweifelter Immobilienmakler Shelley „The Machine“ Levene seine wohl beste Performance. Aus dem Spitznamen lässt sich erahnen, das er einst ein erfolgreicher Makler war, doch die Zeiten sind vorbei und seine Verkaufszahlen sind mehr als schlecht, so wie auch bei 2 seiner 3 Kollegen sodass sich die Firma entschließt einen Verkaufswettbewerb zu veranstalten: Der erste Preis ist ein Cadillac, der zweite ein Satz Steakmesser, der Preis für den 3. Platz ist die Entlassung.
Das ist die Ausgangssituation für eine der besten Theateradaptionen. Seine Herkunft ist Glengarry Glen Ross auch anzumerken wirkt der Film doch wie ein auf die Leinwand projiziertes Theaterstück: keine SFX oder sonstiger Schnick-Schnack. Was der Film hat sind eine handvoll Handlungsorte, eine packende glaubhafte Story, erstklassig geschriebene Charaktere sowie brillante Dialoge. Das alles ist ja schon so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung im „Hollywood-Effekte-Kino“ der 90er und gerade deshalb ein Hochgenuss für jeden Cineasten.
Neben Lemmon hat der Cast auch sonst nahezu nur Hochkaräter aufzubieten: Al Pacino in absoluter Bestform, der Mann ist einfach auch unheimlich gut, ein Ed Harris in einer für ihn recht ungewöhnlichen Rolle, dennoch sehr überzeugend. Kevin Spacey, der schon zu Beginn seiner Karriere sein unglaubliches Potential erkennen lässt. Jonathan Pryce als wunderbar unsicheren Kunden von Al Pacino, ein wenig unter in den ganzen Leistungen geht vielleicht Alan Arkin der hier aber auch die undankbare Rolle hat den am wenigsten markanten Charakter zu spielen und zu guter Letzt: Alec Baldwin in einem kurzen aber gewaltigen Auftritt als Oberarschloch!
Doch neben diesem beeindruckenden Darstellerfilm funktioniert Glengarry Glen Ross auch als knallharte Gesellschaftskritik.
Zitat:
Blake: What's the problem, pal?
Dave Moss: You -
[correcting him]
Dave Moss: Moss. You're such a hero, you're so rich, how come you're coming down here wasting your time with such a bunch of bums?
Blake: You see this watch? You see this watch?
Dave Moss: Yeah.
Blake: That watch costs more than you car. I made $970,000 last year. How much you make? You see pal, that's who I am, and you're nothing. Nice guy? I don't give a shit. Good father? Fuck you! Go home and play with your kids. You wanna work here - close! You think this is abuse? You think this is abuse, you cocksucker? You can't take this, how can you take the abuse you get on a sit? You don't like it, leave.
Ich denke dieses Zitat spricht für sich selber. Glengarry Glen Ross kritisiert die moderne Profitorientierte Gesellschaft. Nicht wer du wirklich bist zählt sondern was für eine Uhr du hast, was für ein Auto du fährst, wie viel Geld du verdienst. Das sind generell die Attribute die in unserer Gesellschaft unseren Status definieren. Am Beispiel von Shelley „The Machine“ Levene wird uns auch verdeutlicht das dieser Erfolgsdruck immer auf unseren Schultern lastet, frühere Erfolge interessieren kaum einen.
Warum nach so langer Zeit ein Thread zu dem Film? 1. Weil ich ihn letzte Woche zum ersten Mal gesehen habe. 2. Um auf ihn aufmerksam zu machen, denn ich bin verwundert das dieser tolle Film so unbekannt ist. 3. Weil der Film endlich ein Topic verdient hat!


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