natürlich ist „china“ nicht so. und natürlich sind „die chinesen“ nicht so. aber es tut unendlich gut, sich wenigstens für den kurzen moment, in dem man in den film einsinkt, vorzustellen, dass es solche freundlichen, bescheidenen, liebevollen und liebenswürdigen menschen vielleicht irgendwo geben könnte. yimou zhangs gemälde the road home (heimweg) erzählt von solchen menschen. es ist ein film über das verlassenwerden und das wiederfinden und ein film über die macht der erinnerung:
der junge geschäftsmann luo yusheng kommt nach vielen jahren in der stadt in sein heimatdorf in den bergen zurück. sein vater ist gestorben. aber anstatt ihn einfach beerdigen zu lassen, hat seine mutter einen ganz besonderen wunsch: der vater soll zurückgetragen werden ins heimatdorf. trotz aller bedenken der dorfbewohner und ihres sohnes beginnt sie, auf ihrem alten webstuhl lage um lage ein tuch zu weben - um den sarg auf ihm tragen zu lassen. und während sie webt, hört ihr sohn im nebenzimmer ihre unermüdlichen geräusche, und er erinnert sich zurück an das, was er gehört hat über die geschichte, wie sein vater und seine mutter damals zusammengekommen sind.
es entfaltet sich die von seiner stimme getragene binnenhandlung des films: eine zutiefst herzliche, gleichwohl äußerst schlichte 40 jahre zurückliegende liebesgeschichte. wir erfahren in großen, farbigen bildern, wie sehr luo yushengs mutter sich in ihren späteren mann, den neu ins dorf gekommenen lehrer, verliebt, und wieviel sie noch erleiden muss (parteiwillkür, trennung, krankheit), um endlich mit ihrem geliebten mann zusammenkommen zu können. und wenn die binnenhandlung endet und wir wieder zurückgeworfen werden ins jetzt, spätestens jetzt verstehen wir endlich, wieso die alte frau im nebenzimmer so unermüdlich webt und wieso sie ihren toten mann nach alter tradition dorthin zurücktragen will, woher er kommt: aus ihrer tiefen liebe heraus.
großartig ist übrigens yimou zhangs methode, entgegen üblicher sehgewohnheiten die gegenwärtige rahmenhandlung in schwarzweiß, die in der vergangenheit spielende binnenhandlung hingegen in schönsten farben zu zeigen: diese technik dokumentiert eindrucksvoll das seelische und emotionale innenleben der mutter, die im jetzt nur noch vom damals zehrt. für sie ist die gegenwart grau und trist, die vergangenheit aber – ihre vergangenheit - ist voller farbe und schönheit und leben.
heimweg ist ein anrührender, wunderschöner, glücklichmachender film; ein märchen, das geradesoviel realismus enthält, dass man sich nie ganz sicher sein kann, ob das erzählte nicht doch wahr ist. wer sich reinem glücklichsein hingeben mag, sollte diesen film lieber heute als morgen sehen. aber sehen sollte er ihn.
p.s.:
ziyi zhang ist eine der schönsten frauen, die ich jemals auf der leinwand gesehen habe!
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