Titel: Magnolia
Genre: Drama
Land: USA
Jahr: 2000
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Julianne Moore, Tom Cruise
Exodus 8.2.:
"And if thou refuse to let them go, behold, I will smite all thy borders with frogs;"
"Magnolia" erzählt die Geschichten von zehn sehr unterschiedlichen Menschen in L.A., die doch alle etwas gemein haben und wie sich deren Leben auf verschiedenste Weise an einem einzigen Tag verändern.
Mit Magnolia hat Paul Thomas Anderson seine dritte Regiearbeit nach dem hochgelobten Film "Boogie Nights" abgeliefert. Während er das Skript schrieb hörte er meistens Songs von Aimee Mann, die auch die meisten Titel für den Soundtrack geschrieben hat, was man dem Film sehr anmerkt. Ihre Songs über das Menschsein harmonieren hervorragend mit der melancholischen Grundstimmung des Films. Jeder der Protagonisten ist irgendwie unzufrieden mit seinem Leben, da gibt es den im sterben liegenden Fernsehmogul, der sich nicht verzeihen kann, dass er vor vielen Jahren seine erste Frau betrogen und verlassen kann und sich nichts sehnlicher wünscht, als sich vor seinem Tod mit seinem Sohn auszusöhnen. Seinen Sohn, der inzwischen eine Art Sex-guru für Männer geworden ist und den der Hass auf seinen Vater innerlich aufzehrt. Die junge Ehefrau des Fernsehmoguls, die ihren Mann damals nur wegen des Geldes geheiratet hat und nun, als er im Sterben liegt, einsieht, dass sie ihn wirklich liebt, aber machtlos zusehen muss, wie er ihr langsam wegstirbt. Den Pfleger des Krebskranken, der sein Leben damit verbringt, anderen Menschen zu helfen und darüber sein eigenes Leben vergessen hat.
Da gibt es den ebenfalls krebskranken Showmaster einer Fernseh-Quizshow, der feststellen muss, dass ihm die Kontrolle über sein Leben schon lange entglitten ist.
Seine Ehefrau, die seit Jahren mitansehen muss, wie sie ihr Mann betrügt.
Der Beiden drogenabhängige Tochter, die ihrem Vater für etwas, was er ihr angetan hat nicht verzeihen kann und die am liebsten allein gelassen werden würde.
Es gibt den Polizisten, der sich bei einem Einsatz in die Tochter des Quizmasters verliebt und der versucht, sie ins Leben zurückzuholen.
Da gibt es den kleinen Jungen, der sich in der Quizshow zu einer Art alleswissendes Wunderkind entwickelt hat, aber von seinem autoritären Vater keine Liebe bekommt.
Und da gibt es das erwachsene ehemalige Wunderkind, dessen einstiger Ruhm verblasst ist und das nun allein und einsam ist.
"Magnolia" ist ein Lied über Einsamkeit und Angst vor menschlicher Nähe, über Hass, der eigentlich eine verzweifelte Suche nach Liebe ist.
Einmal trifft sich die Tochter des Quizmasters mit dem Polizisten, und als sie verstellt, dass er der eine Mensch ist, der sich für sie interessiert, der ihr zuhört und nach dem sie immer gesucht hat, erträgt sie die Vorstellung, dass sie jemandem ihre Gefühle mitteilen muss nicht: "Now that if met you, would you object to never see each other again?"
Und Magnolia ist ein Lied über Zufall.
Anderson hat seine Figuren zu einem wunderschönen, traurigen und poetischen Stück Film verwebt, das es versteht, ohne auf große Effekte angelegt, mit ganz kleinen Gesten zu berühren.
Auch der Cast, mit dem Anderson zum Großtreil bei "Boogie Nights" schon zusammengearbeitet hat, leben in ihren Rollen auf und spielen, allen voran Julianne Moore, in deren Gesicht ihre tiefe Verzweiflung über das Unabwendbare deutlich wird, und Tom Cruise, der, total gegen die Gewohnheit besetzt, endlich einmal zeigt, was er eigentlich außer lächeln noch kann, mit einer absoluten Perfektion.
Denn wenn am Ende der immerwährende Regen, der über der Stadt niedergekommen ist, aufgehört hat, die dunklen Wolken gleich den Seelen der vom Strudel der Ereignisse mitgerissenen aufklart und jeder seinen Frieden oder seine Bestimmung wiedergefunden hat, lächelt das drogenabhängige Mädchen in die Kamera und diese eine Sekunde ist einer der Schönsten im ganzen Film, weil sie so hoffnungsvoll ist, wie wohl kaum eine andere Szene in irgendeinem Film.
"Magnolia" wurde als eine Art Hommage an "Short Cuts" gehandelt und auch oft mit Robert Altman's Meisterwerk verglichen. Er muss den Vergleich nicht scheuen.
Prozentwertung: 95%
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mundus vult decipi


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