Dieser Film wird am kommenden Donnerstag, den 15.03.2001, auf ARTE im Original mit Untertiteln gezeigt.
Titel: "Hana-Bi"
Land: Japan
Jahr: 1997
Sprache: Japanisch
Genre: Drama
Regie: Takeshi Kitano
Darsteller: "Beat" Takeshi (Takeshi Kitano), Kayoko Kishimoto, Ren Osugi, Susumu Terajima
FSK: ab 16
Der Polizist Yoshitaka Nishi sieht in seinem Beruf und auch in seinem Privatleben nur noch wenige Perspektiven. Während seine Frau krebskrank im Bett liegt, wird sein Partner auf der Straße angeschossen und ins fortan an den Rollstuhl gefesselt. Um ihm und der Witw seines früheren Partners, der während einer Verhaftung ermordert wurde, zu helfen, leiht er sich Geld von der Yakuza.
Nachdem er seinen Beruf endgültig quttiert hat, nimmt er seine sterbende Frau mit auf eine letzte Reise durch das Land...
Takeshi Kitano ist wohl einer der bedeutendsten und auch besten japanischen Filmemacher der Gegenwart. Aber nicht nur das, in seinem Heimatland wird er verehrt und gilt als absolute Kultfigur. Dies ist wahrscheinlich vor allem an der Vielseitigkeit des Regisseurs und Schauspielers mit dem ungewöhnlichen Lebenslauf festzumachen. Neben seinen Dramen wie "Violent Cop", "Sonatine", "Hana-Bi" oder zuletzt "Brother", etablierte er sich durch die verrückte Spielshow "Takeshi's Castle" und die Komödie "Kikujiro" auch im Bereich der leichteren Unterhaltung.
1997 aber erreichte er durch sein in Venedig mit dem "Goldenen Löwen" auszeichnetes Drama "Hana-Bi" wohl das größte internationale Aufsehen bis dato. Die tiefmelancholische Geschichte, in der der Regisseur auch die Hauptrolle (wie in fast allen seinen Filmen) übernahm, wird vor allem durch die atemberaubende Kameraführung von Hideo Yamamoto getragen. Wahre Stürme aus Bildern werden hier auf die Leinwand gezaubert. Besonders ergreifend fällt eine Szene auf, in der Nishis an den Rollstuhl gefesselter Partner Horibe mit dem Gedanken spielend Maler zu werden, vor einem Blumenladen sitzt. Zu einer wunderbaren Musik lässt Kitano die Blumen als potenzielle Motive erscheinen und wechselt ihr reales Erscheinungsbild mit dem surreal wirkenden in gezeichneter Form ab. Kitano zeigt in dem Film eine absolute Verliebtheit gegenüber elegischer und streng komponierter Kameraeinstellungen und lässt viele Momente hoch künstlerisch auf den Zuseher wirken. Angenehm fällt hierbei auf, daß sich die verbale Äußerungsform in diesem Film stark zurückhält. So bekommt man die Chance, sich vollkommen auf die Bilder zu konzentrieren, die es einmal wirklich wert sind! Als weiterer wichtiger Aspekt des Filmes "Hana-Bi" ist auf jeden Fall ein Kontrast zu erkennen, der sehr viel von Takeshi Kitano angewandt wird: Die wundervollen Bilder und die tiefmelancholische Handlung steht in hartem Konflikt mit überaus drastischen Gewaltszenen. Kitano wirft diese äußert brutalen Momente teils ziellos in die Handlung und deckt ihre Bedeutung im Gesamtkontext erst später auf. Genau hierdurch wirken diese umso härter und schockierender. Häufig zeigen diese Szenen eine sehr düstere und eiskalte Seite der Hauptfigur Nishi, wie er emotionslos mordet und quält. Beat Takeshi (so der Schauspielername des Regisseurs) gibt dieser Figur hinter seiner kleinen runden Sonnenbrille eine ebenso kalte Aura, wie etwa Harvey Keitel in "Bad Lieutenant". Seine einzige emotionale Phase hat Nishi in der Zeit, in der er mit seiner Frau auf die Reise durch das Land geht, mit der er ihr wohl einen letzten Wunsch zu erfüllen sucht. Aber auch hier gibt der "Brother"-Regisseur seinem Hauptcharakter eine gewisse Distanz zu den Zuschauern. Dadurch, daß Nishi unnahbar wirkt und scheinbar nie "ausbricht", wird er nicht zur Identifikationsfigur oder gar zu einem Helden. Ebenso hat der Cop keinerlei Erwartungen mehr an das Leben und dieses desillusionierte Denken überträgt sich auch unweigerlich auf den Zuschauer, was den Film sehr traurig macht und ihn zu einem interessanten Diskussionsstoff werden lässt. Es gibt im ganzen Filme eine einzige Szene der absoluten Zärtlichkeit, in der Kitano all die Kälte und Brutalität scheinbar wegwischt: Die Schlußsequenz. Für einige Momente verleitet er den Zuschauer tatsächlich dazu, an ein Teil-Happy-End zu glauben, zerschlägt diese Illusion aber schon nach wenigen Sekunden wieder,denn es gibt eben keine Illusionen und Hoffnungen in "Hana-Bi", sondern eine tiefe und ergreifende Meditation aus Gewalt, Schönheit und einer gewissen Verlorenheit.
"Hana-Bi" ist brillantes und äußerst virtuos inszeniertes japanischen Gegenwartskino, eingebettet in grandiose Bilder, kontroverse Gewaltszenen und mit hervorragend ausgearbeiteten Kontrasten.
Wertung: 88 %
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2001-03-13 18:21 ]</font>


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