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Thema: Video rein - Alltag raus

  1. #541
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    Nur der Haifisch, der hat Zähne...

    Ein Prophet
    (Un prophète)





    Frankreich 2009
    Regie: Jacques Audiard
    Darsteller: Tahar Rahim, Niels Arestrup


    Zugegeben, vor der Sichtung habe ich gedacht, im Film steht der Attentäteraspekt im Vordergrund. Aber Ein Prophet gestaltet sich dann ein ganzes Stück anders. Was auch gut ist. Ein Prophet ist ein reiner Knastfilm, der ohne typische hollywoodsche Knastromantik auskommt. Hier gibt es für den jungen Malik, der mit 19 Jahren unter Schwerverbrechern eingekerkert wird, keinen väterlichen Freund, keine zuverlässige Gruppe oder andere Lichtblicke, die ihm erleichternden Beistand gewähren. Seinen Stand muss er sich mühsam selbst erkämpfen. Der Film wirkt dabei nie verklärend, nicht ausschlachtend oder auch nicht anprangernd, vielmehr bekommt man als Zuschauer ein glaubhaftes Bild der Ereignisse präsentiert. Auch als Zuschauer überkommt einen das Gefühl der Enge des Eingesperrtseins. Nicht nur im räumlichen Sinn wird es eng, sondern auch die Freiheit der Entscheidung limitiert sich mit einem Mal rapide. Gerade zu Beginn kann man schnell Mitleid mit Malik bekommen und auch später wenn er sich durch geduldiges Taktieren einige Freiheiten im Knastgefüge erspielt, kommt noch einige Male Mitgefühl auf. Nicht dass der Film Bedauern im Zuschauer provozieren möchte, dafür hält er meiner Meinung nach eine wirklich gut dosierte Distanz und versucht nie mit billigen Mitteln zu vereinnahmen. Die Geschichte spricht für sich selbst und auch wenn sich die Spielzeit mit über 150 Minuten sehr lang erstreckt, gibt es keine Durchhänger in der Entwicklung. Den vielfach mit Preisen ausgezeichneten Film kann ich auch nur weiterempfehlen.
    Geändert von TheUsualSuspect (18.02.2012 um 22:01 Uhr)
    "If any of us get laid tonight, it's because of Eric Bana in 'Munich'."

  2. #542
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    ohne Worte

    The Artist





    Frankreich 2011
    Regie: Michel Hazanavicius
    Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, Penelope Ann Miller, James Cromwell, Malcolm McDowell


    Wenn ich in Jean Dujardins lachendes Gesicht blicke, bekomme ich sofort gute Laune. Einfach unwiderstehlich dieser Typ mit seinem großen Gesicht, dessen Augenbrauen dazu noch ein Eigenleben besitzen. Ohne ihn wäre dieser Film für mich kaum vorstellbar, zumindest wäre er nicht halb so gut. Denn aller lobenden Kritik zum Trotz, es ist schon eigenartig sich auf einen Stummfilm einzulassen. Nicht ohne Grund gehört dieses Genre der Vergangenheit an und musste sich der technischen Entwicklung geschlagen geben. Auf wieviele grandiose Dialoge und unvergessliche Zitate hätte man verzichten müssen. Auch The Artist wird mich nicht davon überzeugen, dass der Stummfilm wieder eine Chance hätte, auch wenn es ein guter Film ist. Was aber auch überhaupt nicht die Intention des Films ist. Es ist eben Hommage, so als würde man in einem alten Fotoalbum blättern und eine gute alte Zeit beschwören. Mit ihrem eigenen Reiz, aber in der Gewißheit dass diese Momente nicht wiederkehren werden. Und ich bin auch überzeugt, dass The Artist nur in diesem Wissen auch funktioniert. Man kann hier seine nostalgische Ader entdecken und auch Freunde filmhistorischer Hintergründe werden sich erfreuen können. Darüber hinaus macht die überaus charmante Darbietung des bereits erwähnten Jean Dujardin aber auch der wunderbaren Bérénice Bejo den stärksten Reiz von The Artist aus.
    "If any of us get laid tonight, it's because of Eric Bana in 'Munich'."

  3. #543
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    Die Heißmangel des Teufels

    The Mangler





    USA 1995
    Regie: Tobe Hooper
    Darsteller: Robert Englund, Ted Levine


    Was in dieser Wäscherei abgeht, ist eindeutig ein Fall für die Betriebssicherheit. Die nächste Qualitätskontrolle als schwierig zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrzehnts. Auf jeden Fall sollte man für die nächste QM-Sitzung Überstunden einplanen. In der Großwäscherei 'Blue Ribbon Laundry' kommt es zu Unfällen mit dem Höhepunkt dass eine der Wäschereifrauen von der großen Heißmangel geradezu gefressen wird. Der selbst nicht ganz knitterfrei aussehende Officer John Hunton, der diesen Vorfall untersucht, entdeckt mit Hilfe seines Freundes Mark Jackson mysteriöse Hintergründe. Die Heißmangel 'Hadley Watson Model 6' ist sowas wie die Christine unter den Heißmangelfabrikaten und offenbar von einem Dämon besessen. Dazu legt auch der bizarre Mr. Gartley ein diabolisches Auftreten als Wäschereibesitzer an den Tag.

    Tobe Hooper als Regisseur, Stephen King als Geschichtenlieferant, Robert Englund als Effektkünstler und einer der Hauptakteure. Das bekannte Namen nicht immer ein Synonym für einen gelungenen Film darstellen wird hier mal wieder zweifelsfrei bewiesen. The Mangler stützt sich auf Überzeichnungen, wirkt dabei aber weitgehend inszenatorisch schwach und die Geschichte zieht sich bisweilen in die Länge. Man könnte auch die Adjektive platt und klischeebeladen bemühen, jegliche Hintergründe, die sich zu einer Vertiefung anbieten würden, werden großzügig ignoriert. Man vermisst eine schlüssige Herführung über den Ursprung der dämonisierten Wäscherei und auch Momente wie das Ende mit dem neuen Wäschereibesitz zum Beispiel wirken willkürlich. In der eintönigen Inszenierung ragen nur die blutigen Splattereffekte heraus. Die sind zwar rar gesät, dafür aber umso eindringlicher. Besonders Englunds gebügelter und gefalteter Abgang ist für Splatterfans sicherlich sehenswert. Ansonsten bleibt The Mangler Mangelware.


    3/10


    Nach einer Geschichte von Stephen King:
    Carrie - Des Satans jüngste Tochter (Carrie) 8/10
    Brennen muß Salem (Salem's Lot) 7/10
    Shining (The Shining) 10/10
    Dead Zone - Der Attentäter (The Dead Zone) 6/10
    Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde (Creepshow) 6/10
    Cujo 6/10
    Christine 5/10
    Kinder des Zorns (Children of the Corn) 3/10
    Feuerteufel (Firestarter) 5/10
    Katzenauge (Cat's Eye) 7/10
    Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet) 5/10
    Running Man (The Running Man) 7/10
    Rhea M... Es begann ohne Warnung (Maximum Overdrive) 4/10
    Stand by Me 9/10
    Friedhof der Kuscheltiere (Pet Sematary) 7/10
    Es (It) 2/10
    Nachtschicht (Graveyard Shift) 5/10
    Misery 7/10
    Manchmal kommen sie wieder (Sometimes They Come Back) 6/10
    Goldene Jahre (Golden Years) 1/10
    Der Rasenmäher-Mann (The Lawnmowerman) 3/10
    Geschichten aus der Schattenwelt (Tales from the Darkside: The Movie) 5/10
    Schlafwandler (Sleepwalkers) 4/10
    Tommyknockers - Das Monstrum (Tommyknockers) 3/10
    Needful Things - In einer kleinen Stadt (Needful Things) 5/10
    Stephen Kings Stark (The Dark Half) 6/10
    The Stand - Das letzte Gefecht (The Stand) 7/10
    Die Verurteilten (The Shawshank Redemption) 8/10
    Langoliers - Die andere Dimension (The Langoliers) 5/10
    Geändert von TheUsualSuspect (10.03.2012 um 10:35 Uhr)
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  4. #544
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    The gun is good. The penis is evil.

    Zardoz





    Großbritannien 1974
    Regie: John Boorman
    Darsteller: Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman, John Alderton


    "The Gun is good! The Penis is evil! The Penis shoots Seeds, and makes new Life to poison the Earth with a plague of men, as once it was. But the Gun shoots Death and purifies the Earth of the filth of Brutals. Go forth, and kill! Zardoz has spoken."

    Ja, so spricht Zardoz. Der fliegende steinerne Kopf, der den verwilderten Menschen in ferner Zukunft mit hallender Stimme seine Botschaft verkündet und seine Nachfolger unter ihnen mit Waffen segnet, damit sie Tod und Verderben über die Erde bringen können. Zed (Sean Connery) ist einer dieser Nachfolger, ein sogenannter Exterminator, der dieser Botschaft folgt, bis er eines Tages als blinder Passagier den steinernen Kopf entert...

    Oookay. Wie verdammt, soll man diesen Plot zusammenfassen, geschweige denn die ganzen Eindrücke wiedergeben, die dem Film entspringen? Um es mal gelinde auszudrücken, Zardoz ist ein... ungewöhnlicher... Film. Ein fantastisches, philosophisches, abstraktes, künstlerisches, extravagantes Konstrukt. Um nochmal auf den inhaltlichen Aspekt einzugehen, findet sich hier eine kleine Gruppe der Menschheit wieder, die entwicklungstechnisch die Speerspitze der Evolution bilden und der Rest der Menschheit, die ein verwildertes und gedankenloses Leben führen. Die obere Schicht hat sich in abgeschirmte Enklaven, den sogenannten Vortex, zurückgezogen und lebt dort in Annehmlichkeiten ihr unsterbliches Leben. Zed ist der Erste, der die Barriere überwindet und hinter die Kulissen sehen kann. Zunächst von den gottgleichen Oberschichtlern als interessantes Studienobjekt betrachtet, zeigt sich aber dass er auch eigene Ziele verfolgt. Ebenso zeigt sich, dass nicht alles Gold ist was glänzt, denn die Oberschichtler leben durch ihre Unsterblichkeit in der Gefahr, dass sie auf Dauer ihre Emotionalität und irgendwann auch ihren Lebenswillen verlieren. Ein Teil von ihnen vegetiert bereits in einem katatonischen Zustand vor sich hin.

    Das hört sich komplex an, ist es auch, jetzt lässt sich die Frage stellen ob Zardoz ein guter Film ist? Nnnein. Zweifellos lässt sich Zardoz als ambitionierter Film bezeichnen. John Boorman hatte nach seinem vorigen Erfolg mit Deliverance als Produzent, Regisseur und Autor die uneingeschränkte kreative Kontrolle, konnte sich also voll auslassen. Erfahrungsgemäß ist aber bei genau dieser Art von Freifahrtschein häufig Vorsicht geboten. Nicht jeder ist ein Stanley Kubrick und nimmt man die Tagline des offiziellen Filmplakates dazu - Beyond 1984, Beyond 2001, Beyond Love, Beyond Death - dann klingt das verdächtig nach Hybris. Es ist wahr dass Zardoz interessante philosophische Elemente in einer komplexen Utopie auftut. Die Endlichkeit und Unendlichkeit des Lebens, dessen Sinn und Fragen menschlichen Daseins. Da tut sich ein Füllhorn an Gedankenanstößen auf. Gleichzeitig wirkt die Vielfalt manchmal aber schon so ausufernd als hätte Boorman Mühe gehabt, mit dem Fluß seiner Ideen und Gedanken Schritt zu halten. Er läuft mehr seinem Gedankenstrom hinterher und schafft es weniger daraus eine bestechende Einheit zu erschaffen. Ein deutlicher Unterschied zu einem Kubrick, der in jahrelanger Detailarbeit minutiös und auf das I-Tüpfelchen sein Gesamtwerk ausarbeitet. Deshalb bietet Zardoz zwar einen reichhaltigen und vielseitigen Eindruck, bietet dabei aber Dialoge und Momente, bei denen ich als Zuschauer über die Art und Weise der Darstellung häufig lachen muss. Bereits das Intro mit einem 'floating head' als Erzähler, stellt die Ernsthaftigkeit der Erzählung schon arg in Frage. Das hat schon was von den Monty Pythons und ich könnte schwören, dass das nicht Niall Buggy sondern Eric Idle ist. Auch später tauchen solche Momente immer wieder auf und sorgt für unwillkürliche Lachflashs oder zumindest für Verwunderung. In einer Szene beschäftigen sich die hochwissenschaftlichen Unsterblichen mit ihrem Untersuchungsobjekt Zed und es geht um die männliche Erektion. "Penic erection was one of the many unsolved evolutionary mysteries surrounding sexuality", heißt es da. Und ich muss schon lachen, wenn ich mir vorstelle, dass da eine Hochintelligenz hunderte vielleicht tausende von Jahren lebt und forscht, aber diese eine Sache, wie es zur Erektion des Penis kommt, das hat sie schon immer gefuchst. Uah, herrlich!

    Es bleibt also die Frage, ob Zardoz ein schlechter Film ist. Nnnein! Das kann man so auch nicht sagen. Es ist irgendwie schon ein Wahnsinns-Film, der einen mit Eindrücken überrollen kann und sich stark im Gedächtnis verankern kann. Ich würde ihn als einen Film einstufen, den man idealerweise zufällig nachts, wenn man mit Freunden halb bedröhnt auf dem Sofa rumhängt, nichtsahnend zu Gesicht bekommt und man feststellt dass man auch monatelang später immer noch Referenzmomente des Films im Kopf hat. Zardoz ist kein Film, den man jedem empfehlen kann. Für Gelegenheitskucker wird das nichts sein, aber Vielseher und Filminteressierte werden ihm vielleicht einiges abgewinnen können. Und wenn schon allein der Erfahrung einen ungewöhnlichen Film gesehen zu haben. Man kann davon ausgehen, dass solche Filme nicht nochmal gemacht werden. Zardoz hat neben seinen inhaltlichen Eigenheiten auch noch diesen teilweise experimentell wirkenden Anfang-70er-Filmstil. Exotisch und mit freiheitsgetriebener Wirkung. Der Klamottenstil allein. Die Männer wirken tuntig, die Frauen laufen ständig barbusig umher. Den BH hat man in der Zukunft wohl aberfunden. Das sind schon exklusive Eindrücke. Der eine Zuschauer wird dem philosophischen Teil einiges entnehmen können, der andere wird sich an der unfreiwilligen Komik berauschen, oder beides. Gut oder schlecht. Solchen profanen Einstufungen sollte man einen Film wie Zardoz nicht unterwerfen. Gerade den Filmkennern würde ich empfehlen, probiert ihn aus. Wenn ihr ihn Scheiße findet, kann man ihn schnell wieder unter den Teppich kehren und für die anderen bietet sich damit wieder viel Gesprächsstoff.
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  5. #545
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    You can't take the sky from me

    Serenity





    USA 2005
    Regie: Joss Whedon
    Darsteller: Nathan Fillion, Gina Torres, Alan Tudyk, Morena Baccarin, Adam Baldwin, Jewel Staite, Sean Maher, Summer Glau, Ron Glass


    Ich war gespannt wie die überaus sympathische Geschichte über die Firefly und ihre Besatzung sich als Nachschlag im Kinoformat schlagen würde. Sie schlägt sich überaus sympathisch. Wer die Crew und ihre Abenteuer schon in der Serie mochte, wird sich beim Film Serenity schnell wieder zuhause fühlen. Der Film löst zwar nicht alle Geheimnisse, die in der Serie offen blieben, greift aber einiges auf und füllt die immerhin beinah zwei Stunden ohne Durchhänger aus. Das heißt als Zuschauer genießt man wieder die Gruppendynamik der sich kabbelnden aber doch miteinander verbundenen Truppe und hat auch eine ordentliche Handlung, die den Plot nicht aus den Augen verliert. Schade fand ich, dass Shepherd Book nur einen Randauftritt hat. Da habe ich vermisst, dass er nicht wieder voll in die Crew integriert wurde. An dieser Stelle muss ich auch mal erwähnen, dass ich das Promo-Artwork völlig daneben finde. Einige kennen vermutlich diese Plakate mit River in artifizieller Kampfpose. In der Hinsicht versagt das Marketing meiner Meinung nach und spiegelt eine unpassende Richtung vor. Das hat bei mir immer so Assoziationen von billig-hippem CGI-style hervorgerufen und war ein Grund, weshalb ich dem Film, bzw. der Serie lange keine Chance gegeben habe. Ich finde damit haben sie den Geist des Films nicht getroffen und vielleicht dadurch die Gelegenheit verpasst ein paar mehr Fans zu gewinnen. Serenity ist ein überaus passender und schöner Nachschlag zu einer äußerst sympathischen Serie. Ein Epilog, den man nicht verpassen sollte, wenn man schon die Serie gesehen hat.
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  6. #546
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    No more timeouts

    Out of Sight





    USA 1998
    Regie: Steven Soderbergh
    Darsteller: George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle


    Das ist so ein Ding mit Steven Soderbergh. Er beweist gutes Filmgespür, rutscht bei mir mit seinem starken Stilbewusstsein aber auch schnell mal in die Rolle des gepflegten Langeweilers. Out of Sight mag ich aber sehr gerne. Vorteilhaft baut der Film auf eine stabile Grundlage einer Elmore Leonard Geschichte auf und wirkt auch mit seiner visuellen Erscheinung wohl durchkomponiert. Dazu kommt noch die stimmungssichere Untermalung mit dem wirklich guten Soundtrack. Der mehrschichtige Plot - bestehend aus Knast-, Ausbruchs- und Einbruchsfilm, sowie eine dazu passende Romanze - wirkt stimmig und stets unterhaltsam. Gute Charaktere, gute Schauspieler und Jennifer Lopez sieht fast so gut aus wie George Clooney.
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  7. #547
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    Carpe Diem

    Schräger als Fiktion
    (Stranger Than Fiction)





    USA 2006
    Regie: Marc Forster
    Darsteller: Will Ferrel, Maggie Gyllenhall, Dustin Hoffman, Emma Thompson


    Zitat Zitat von TheUsualSuspect Beitrag anzeigen
    Alle waren schon mal dran. Da wir aber noch weiterkucken wollten, durfte ich nochmal einen Film aussuchen. Nochmal was intellektuelles nachschieben? Aber nicht zu intellektuell, unterhaltend sollte es schon sein. Auf jeden Fall nicht zu trocken. Warum nicht einfach Stranger than Fiction, wenn mich die DVD schon so anlacht? Muss bei dem Film an Charly Kaufman denken, obwohl er damit nichts am Hut hat. Aber es kommt hier auch zu einer ungewöhnlichen Geschichte. An einem Mittwoch wie jeder andere hört der routinierte Arbeitnehmer Harold Crick (Will Ferrell) plötzlich seinen persönlichen Off-Kommentar, was ihn doch sehr irritiert. Später stellt sich heraus, dass es sich dabei um die Stimme der Autorin Karen Eiffel handelt und sie an einem Roman schreibt, dessen Hauptperson Harold Crick ist. Sie schreibt also Harolds Leben, während er es gleichzeitig lebt und überlegt die ganze Zeit wie sie ihren Romanhelden sterben lassen kann. Abgefahrenes Szenario. Die Verfilmung finde ich sehr ansprechend von der Kameraarbeit, die Darsteller machen ihre Sache wirklich hervorragend. Stranger than Fiction hat mir gut gefallen, obwohl ich den nochmal konzentrierter kucken möchte. Zwischendurch musste ich doch sehr mit meiner Müdigkeit kämpfen, die sich immer mehr ausbreitete. Ein origineller Film, den ich auf jeden Fall nochmal wiederhole. Und so endete mein erster MM-Filmabend, von dem sich David Aames noch putzmunter auf den Heimweg machte um hinterher noch diverse Forumseinträge zu hinterlassen, während sich Keyzer und meine Wenigkeit schnell in unsre jeweiligen Betten verkrochen um in die wunderbare Welt des Schlafes zu versinken.
    In der Auffrischung vertiefte sich der Eindruck, dass es sich bei Stranger than Fiction um einen dieser besonderen Filme handelt. Der Plot ist originell, der Film interessant und sehr angenehm zu kucken. Will Ferrel gibt eine sehr gute Hauptfigur ab, Maggie Gyllenhall ebenso, wobei ich die hier auch unheimlich sexy finde. Dustin Hoffman spielt mal wieder die gleiche Rolle wie so oft. Was aber total in Ordnung ist. Schöner Film.
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  8. #548
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    Fröhliche Hungerspiele!

    Die Tribute von Panem
    (The Hunger Games)





    USA 2012
    Regie: Gary Ross
    Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Woody Harrelson, Stanley Tucci, Elizabeth Banks, Lenny Kravitz


    Im fiktiven nordamerikanischen Staat Panem werden die jährlichen Hungerspiele ausgetragen. Ein mahnendes Spektakel bei dem die Hauptstadt - das Capitol - als Folge eines vergangenen Bürgerkriegs von jedem der zwölf zugehörigen Stadtstaaten zwei Jugendliche - die sogenannten Tribute - einfordern darf und diese in einer gigantischen Freiluftarena in einem Kampf auf Leben und Tod bis es nur einen Überlebenden als Sieger gibt gegeneinander antreten lässt.

    Der Plot mit der Menschenjagd ist eines dieser häufig genutzten Konzepte, mit dem immer wieder interessante Konstellationen in einem Film möglich sind. Vom Graf Zarof über The Running Man und Battle Royale gibt es diverse Ansätze und Interpretationen dieses Plots, in dem gleichermaßen Action als auch Sozialkritik Platz finden können. Wo findet The Hunger Games seine Nische? In der Inszenierung ordne ich den Film schon im Mainstream-Bereich ein. Gerade für die jüngere Generation lassen sich die Darsteller sehr identifikationswillig einordnen und auch den Gewaltgrad - bei dem Genre potentiell sehr hoch liegend - wird hier sehr runtergefahren, visuell explizite Szenen erlebt man bei The Hunger Games nicht. Für meinen Geschmack hätte man da ruhig konsequenter sein können. Auf physischer Ebene wäre da noch Spielraum gewesen, ohne dass man da gleich befürchten müsste in den Sleaze-Bereich zu rutschen. Aber das ist noch nicht mal mein Kritikpunkt, ein wenig kann ich die Nöte der Macher in diesem Fall auch verstehen. Unzufrieden bin ich mit der Art das mit verwackelter Kamera und hastigen Schnitten zu kaschieren - eindeutig die mir unbeliebteste Methode der Entschärfung.

    Das ist aber auch mein größter Kritikpunkt am Film. Glücklicherweise hat mir der Aufbau und die Grundgeschichte gut gefallen. Hier zeigt sich, dass die Menschenjagd gut eingebettet ist in einer dystopischen Welt, die einerseits abstrakt genug ist, um Gedankenansätze zu bilden und andererseits Parallelen genug zum Vergleich mit tatsächlichen Situationen bietet, die man diskutieren kann. Im Grunde macht The Hunger Games nicht viel anderes als andere Beispiele vor ihm, aber die Zusammenstellung und Kombination der einzelnen Elemente kann in diesem Ergebnis überzeugen und spricht mich als Zuschauer an. Dem Erfolg nach auch einen wesentlichen Anteil der restlichen Zuschauerschaft.
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  9. #549
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    Don't you forget about me

    Einfach zu haben
    (Easy A)





    Regie: Will Gluck
    Darsteller: Emma Stone, Amanda Bynes, Thomas Hayden Church, Stanley Tucci, Patricia Clarkson, Lisa Kudrow, Malcolm McDowell


    Easy A lässt sich zwar überhaupt nicht mit den zitierten John Hughes Klassikern vergleichen, ist aber trotzdem eine gelungene und amüsante Teenie-Komödie, die nicht unbedingt ein ganzes Generationsportrait widerspiegelt, aber dafür doch einige Aspekte wie Mobbing und Akzeptanz in der Peer-Group treffend und witzig darstellt. Emma Stone glänzt in ihrer Rolle und auch die ungenierte Huldigung der John Hughes Filme kommt gut an.
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  10. #550
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    Schizophrenie wie noch nie

    Mörderisch
    (Homicidal)





    USA 1961
    Regie: William Castle
    Darsteller: Glenn Corbett, Patricia Breslin, Eugenie Leontovich, Alan Bunce


    Regisseur William Castle ist einer, der unter anderem wegen seiner Gimmicks bei Filmvorführungen bekannt war. Skelette, die durch den Kinosaal schwebten, Eislüfter, die unter dem Kinositz her für kalte Füße sorgten oder Lebensversicherungen, die vor dem Kinobesuch ausgegeben wurden, sollte man während der Vorführung vor Spannung sterben. Sein Film Homicidal kam ein Jahr nach Hitchcocks Erfolg mit Psycho raus und man könnte vermuten, hier hat man sich einfach mal ein weiteres psychologisches Textbuch herausgesucht und überlegt aus welchen Konditionen man einen anderen Psychothriller stricken könnte. Das Ergebnis ist mit Homicidal tatsächlich gar nicht mal schlecht gelungen. Der Film wirkt zwar häufig ein wenig billiger als der Genreprimus Psycho, ist aber sonst nicht schlecht. Spannend, und die Enthüllung der eigentlichen Besonderheit wirkt gerade auf das Alter des Films bezogen nicht weniger bizarr als Norman Bates Schicksal. Auch hier gibt es eine William Castle typische Besonderheit: kurz vor dem Finale wird der Film kurzzeitig unterbrochen, eine Uhr wird eingeblendet und in der 'Fright Break' wendet sich der Regisseur in einer Ansprache an die Zuschauer, die eine Minute überlegen dürfen, ob sie die Nerven für das Finale haben oder doch lieber jetzt den Saal verlassen wollen. Ich habe natürlich zu Ende geschaut und kann den Film als sehenswert weiterempfehlen.
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