Dienstag, 12. August 2008
Johnny Guitar- Nicholas Ray, 1954
Mein Vater ist ein eingefleischter John Wayne Fan und hat mich früh in die Welt der Western eingeführt. Seit meiner Kindheit habe ich jedoch wenige gesehen. In den letzten Monaten hat sich das geändert und ich wurde erneut vertraut mit dieser vor Testosteron strotzenden Welt, in der coole Sprüche, harte Fäuste und schnelle Treffsicherheit den Mann von der Memme unterscheiden. Frauen sind in dieser Welt zwar keine zarten Grazien, sondern durchaus hart im Nehmen, bleiben jedoch eher im Hintergrund, mal als moralische Stütze, mal als kesse Eroberung, oder als eine Mischung von beidem. Deshalb war ich bei meiner Erstsichtung von Nicholas Rays "Johnny Guitar" überrascht, dass der deutsche Titel "Wenn Frauen hassen" treffender auf die eigentlichen Hauptfiguren abzielt als der Originaltitel.Emma: I'm going to kill you.
Vienna: I know. If I don't kill you first.
Joan Crawford verkörpert die Casino-Besitzerin Vienna, die den Bau einer Stadt auf ihrem Grundstück plant, das bald – wie sollte es in einem ordentlichen Western auch anders sein – von der herannahenden Eisenbahnlinie in eine Goldmiene verwandelt wird. Die selbstständige Ex-Prostituierte, zu deren wechselnden Liebhabern auch Bandenchef Dancing Ted zählt, ist der Bevölkerung der nahegelegenen Kleinstadt jedoch ein Dorn im Auge. Ihre größte Gegnerin findet Vienna in Emma Small, einem Mannsweib mit großer Klappe, die ihre unerwiderte Liebe zu Dancing Ted in stetig wachsendem Hass auf Vienna erstickt. Schon zu Beginn taucht der mysteriöse Gitarrenspieler Johnny Guitar auf (ob er wohl Sergio Leones Inspiration für Harmonica war?), der sich schon bald als Viennas verloren geglaubte große Liebe entpuppt. Kein Wunder, dass Emma Small sich – ganz ihrem Namen nach – neben der schönen Konkurrentin immer kleiner fühlt, zieht doch jeder attraktive Mann im Umkreis die eigenwillige, "unmoralische" Ex-Prostituierte ihrer "rechtschaffenen", herrschsüchtigen Kleingeistigkeit vor. Bald schon vergiftet Emma die ganze Stadt mit ihrer Rachsucht und ein unfairer, gesetzloser Kampf entbrennt, bei dem sich schnell zeigt, dass ein "moralischer" Beruf nicht unbedingt auf einen ebenso gearteten Charakter schließen lässt. Hier liegen Stärke und Schwachpunkt des Films zugleich. Auf der einen Seite ist das Duell der Frauen, das in Worten den Film durchzieht und am Ende mit Waffen vollendet wird, sehr spannend und gut ausgespielt. Es ist eine seltsam nervkitzelnde Freude, Emma Smalls blindem Hass förmlich beim Wachsen zuzusehen, und der brennende Wunsch, jemand möge ihr doch endlich das Maul stopfen, zieht einen angespannt in den Bann des Films. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die haarsträubende Schwarz-Weiß-Malerei mit der Vienna bis zum Ende das Gute und Emma das giftsprühende Böse verkörpern. Sogar die Wahl der Kleider in einer Schlüsselszene, Emma ganz in Schwarz, Vienna ganz in Weiß, reflektiert dieses Manko unfreiwillig komisch. Dadurch wird dem Zuschauer jedes Mitleid mit Emma verwehrt und man findet sich in euphorischer Parteilichkeit auf Viennas Seite wieder. Dabei geht in der Opponentin eine wunderbare Figur verloren, deren innere Zerrissenheit zwischen Liebe zu Dancing Ted und gleichzeitigem Hass auf ihn und die Frau, die er ebenso unerwidert liebt wie Vienna ihn, von ihrer durchweg unsympathischen Darstellung verdrängt wird. Die eigentlich tragischste Figur im Film verliert so alle Anziehungskraft, die sie durch eine bessere Ausarbeitung ihrer Rolle hätte haben können, und eine Annerkennung vom Zuschauer, die ihr eigentlich zugestanden hätte. Trotz dem – und ein paar schrecklicher Liebesdialoge und der anfänglichen Sprücheklopfereien – ist der Film spannend und unterhaltsam, mit ein paar schönen Einstellungen. Eine starke Frau wie Vienna ist im Western interessant – vor allem wenn sie mit cooleren Sprüchen und härterer Fassade als der Titelheld Johnny Guitar aufwartet.
7/10


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren














Lesezeichen