120. Midnight in Paris
Gil (Owen Wilson) ist ein gefragter Hollywood Schreiberling, der endlich etwas Bedeutendes zu Papier bringen möchte und deshalb beginnt einen Roman zu schreiben. Er tut sich allerdings schwer und will sich nicht helfen lassen. Seine Verlobte und seine Schwiegereltern können nicht verstehen, wie er eine so gute Stellung in Hollywood aufgeben kann, um irgend welchen Hirngespinnsten zu folgen. Die gesamte Familie verweilt zur Zeit in Paris und Gil verliebt sich in die Stadt und ist begeistert von ihrer kulturellen Vergangenheit, besonders von den 1920ern, als zahlreiche amerikanische Schriftstellergrössen sich von ihr inspirieren liessen. Gil hofft genauso von der Muse geküsst zu werden, als er sich auf einen Mitternachtsspaziergang durch Paris aufmacht und sich in seinen geliebten 1920ern wiederfindet. Sprachlos und perplex braucht Gil einige Zeit um diese Information zu verdauen, doch findet dann Gefallen an diesem Wunder. Durch verschiedene, skurrile Begegnungen mit Ikonen dieser Zeit (Picasso, Dali, Hemingway, Fitzgerald etc.) und die aufkeimende Liebe zu der mysteriösen Adriana (Marion Cotillard) lernt er neue Wahrheiten über sich selbst, sein Leben und seine Beziehung kennen.
In traumhaft schwelgerischen Bildern der Wahrzeichen und Besonderheiten Paris beginnt Midnight in Paris, die ganze warmherzige DIA-Schau untermalt von wunderbar beruhigenden Jazzklängen. Mich hat der Film schon von diesem Moment an für sich gewonnen, spätestens als der Zuschauer Gil kennen lernt, sollte auch der Letzte von Owen Wilson's gefühlvollem, sensiblen Porträt, eines hoffnunglos romantischen Menschens eingenommen sein. Allgemein ist kaum vorzustellen, dass Allen nicht eigens für Wilson Gil erschaffen hat, ist der doch ein Amalgam seiner bisherigen Karriere, jedoch so liebevoll von Allen gezeichnet, dass Gil am Mutigsten und Realsten daherkommt und das obwohl die Figur durch einen Zeitreisefilm führt. Wilson trifft immer die richtigen Töne und liefert hier seine persönliche Bestleistung ab.
Allen fängt die 1920er so charmant und lebendig ein, dass man für einen Moment vergisst, dass Gil eigentlich nicht in diese Zeit gehört und sich nicht mit einem F. Scott Fitzgerald unterhalten dürfte. Während dem Gil sich mehr und mehr in der Schönheit und Leichtigkeit des alten Paris und den aufregenden und ermutigenden Begegnungen mit seinen literarischen Vorbildern verliert, verändert sich seine Weltansicht und er erkennt Verhältnisse in seiner Realität, die er so zuvor verleumdet hat, mehr möchte ich hierzu nicht erwähnen, um nicht zu spoilern, denn das hätte der Film nicht verdient.
Zu den wenigen Schwachpunkten von Midnight in Paris gehört, dass die Geschehnisse in unserer Realität nicht annähernd so interessant sind wie diese in den 1920ern. Natürlich muss ein Kontrast entstehen, aber das Hauptproblem erkenne ich daran, dass Rachel McAdams Charakter sowie der ihrer Eltern zu schwarz-weiss gemalt sind. Reiche, verzogene Menschen, die nicht im entferntesten dazu in der Lage sind, sich vorzustellen wie ein Träumer die Welt sehen könnte. Mehr gibt es zu ihnen nicht zu berichten. Michael Sheen's Figur hingegen ist so überzogen, dass der Zuschauer genau wahrnimmt wie sie auf Gil wirken muss. Mit diesem fürchterlich, pedantischen Besserwisser möchte man kaum Zeit verbringen und dennoch wird er von seiner Verlobten immer wieder dazu aufgefordert sie auf neue „Abenteuer“ mit dem ach so brillianten Paul zu begleiten.
Zusätzlich sei gesagt, dass die historischen Gestalten so einladend wirken, dass man gerne mehr Zeit mit ihnen verbringen möchte (besonders Hemingway), aber der Film konzentriert natürlich auf Gil, deshalb kann man ihm das nicht Übel nehmen.
Insgesamt ein brilliantes Werk von Woody Allen, dennoch kann ich nicht behaupten, dass es sein bester Film ist, dafür sollte man dem Film auch ein wenig altern lassen, aber ohne Zweifel ist er ganz oben in seinem Oeuvre anzusiedeln. Für mich persönlich wird Crimes and Misdemeanors immer sein Bester bleiben.
8.5 von 10


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Ideenlosigkeit und beleidigend dem Original gegenüber, so kurz auf einen europäischen Erfolgsfilm zu folgen) vom Film mitgerissen wurde und bis zum Schluss die Geschichte quasi noch einmal erlebte. Schnitt, Ton und vor allem der ungewöhnliche, aber umwerfende und surreal wirkende Score von Trent Raznor & Atticus Ross sind grandios. Alleine wie es Fincher schafft so packend und einleuchtend eine Geschichte zu erzählen, bei der man leicht den Überblick verlieren könnte, ist bemerkenswert. Er ist momentan mit Sicherheit einer der besten Regisseure der Welt und freu mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn's von ihm wieder etwas Neues zu bewundern gibt.
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