"We can't hear you…!"
Als der mit Holly liierte Brent, welcher aufgrund des Todes von seinem Vater gerade ohnehin eine schwere Zeit durchlebt, die Abschlussball-Einladung der Aussenseiterin Lola Stone ausschlägt, ahnt er noch nicht, in was für einen Albtraum ihn diese Abfuhr hinein katapultieren würde! Nur kurze Zeit später wird er entführt, mundtot gemacht und muss einem ganz privaten und äusserst blutigen Abschlussball beiwohnen. Die Attraktion des Abends: er selbst, sowie alles was man mit seinem Körper und diversen Werkzeugen so anstellen kann.
Man liest sehr oft, dass THE LOVED ONES das neue WOLF CREEK sei. Allerdings vermute ich, dass dies vor allem an der Herkunft beider Filme (Australien) liegen dürfte, denn ansonsten haben diese beiden Horrorfilme doch eher wenig Gemeinsamkeiten vorzuweisen. Ich würde da eher Vergleiche zu STORM WARNING (ebenfalls aus Australien) ziehen, schon alleine, weil John Brumpton in beiden Filmen als Psychopath auftritt. Aber das nur am Rande, denn THE LOVED ONES hebt sich auch davon ab, indem er vielschichtiger ist, und nicht davon lebt, dass die Kamera bei den brutalsten Handlungen voll drauf hält. Im Gegenteil: Oftmals wird der Blickwinkel so gesetzt, dass man eben keine Details sieht. Die Klangkulisse sorgt aber trotzdem dafür, dass der Zuschauer den Schmerz regelrecht spürt…und dies sogar auf effektivere Art und Weise, als es die jeweiligen Bilder könnten. Unsere Vorstellungskraft ist halt doch immer noch das Mächtigste, und Regisseur Sean Byrne (der mit THE LOVED ONES seinen ersten Abendfüllenden Horrorfilm abliefert) spielt gekonnt mit diesem Umstand.
Das alles wäre aber nur ein Drittel der Miete, wenn nicht noch zwei weitere Elemente vollkommen überzeugen könnten:
1. Die Darsteller sind allesamt passend ausgewählt, und spielen ihre jeweiligen Rollen auf sehr solide Art und Weise! Xavier Samuel darf hier zeigen, dass er auch ausserhalb von Vampir-Romanzen (The Twighlight Saga: Eclipse) überzeugen kann, und mimt hier den introvertierten und depressiven Metal-Fan auf sehr sympathische und nachvollziehbare Weise. Sein Können stellt er dann vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes unter Beweis, weil er die Entwicklungen seiner Figur nur noch durch Mimik und Körpersprache transportieren kann, und genau das gelingt ihm nahezu perfekt! Ebenfalls auf diesem hohen Niveau spielt seine Kontrahentin und Newcomerin Robin McLeavy (48 SHADES), welche gekonnt zwischen schüchtern-sexy und psychisch-gefährlich hin und her pendelt. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, ihr dabei zuzusehen, und man ertappt sich selbst dabei, ihr alles erdenklich Schlechte zu wünschen. Auch rein optisch wurde mit ihr eine sehr gute Wahl getroffen, denn sie kann wie eine klassische Aussenseiterin mit "normalem" Aussehen wirken, um kurz darauf aufreizend und sexy den überzeugenden Vamp in Pastell-Pink zu geben. Auch alle anderen Darsteller überzeugen, haben aber drehbuchbedingt viel weniger zu tun, weswegen ich jetzt nicht auf jeden einzelnen eingehe.
2. Wo wir gerade das Drehbuch erwähnt haben:
Auch dieses ist beinahe über alle Zweifel erhaben! Wie hier die typischen Teenie-Slasher-Komponenten gemischt und verdreht werden, um dann in einem Psycho-Drama-Torture-Porn-Horror zu münden, zeugt von viel Talent und Liebe zum Genre. Zwar ist nur wenig wirklich neu, aber trotzdem fühlt sich alles irgendwie neu an…und das alleine ist schon eine Kunst für sich! Alle Figuren sind mehr als zweidimensionale Schablonen irgendwelcher Stereotypen, und wenn alle Dinge - welche typischerweise von kleinen Mädchen und jungen Frauen geliebt, geschätzt und zelebriert werden - plötzlich nicht mehr niedlich sondern albtraumhaft wirken, kann man nur seinen Hut vor den Machern hinter der Kamera ziehen. Okay, es gibt hier eine kleine Nebenhandlung, welche auf den ersten Blick vollkommen überflüssig ist. Man denkt, dass diese Szenen nur einen reinen Gegenpol zur eigentlichen Handlung darstellen sollen…quasi als kleine Auflockerung. Gegen Ende wird dann aber der Zusammenhang offenbart, und wenn man nach dem Abspann die Geschehnisse weiterspinnt, hat dieser Zusammenhang etwas sehr Morbides an sich. Aber ich will hier ja nicht zu viel verraten…
Alles in Allem ist THE LOVED ONES kurzweiliges (Längen sucht man hier glücklicherweise vergeblich), äusserst gelungenes und stark gespieltes Genre-Kino mit toller Optik, welches sich kein Horrorfan entgehen lassen sollte (i.e. das, was ich eigentlich von ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE erwartet hatte)!
Let the prom king and queen dance!!!
8/10 (aber nur nicht mehr, weil ich vieles vorhergesehen habe...wobei das den Spass aber nicht trüben konnte)


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