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Thema: No hay banda

  1. #101
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Mittwoch, 01. Februar 2006:



    Donnie Darko (Director's Cut)Richard Kelly, 2001 (DVD)

    Es ist also wahr – der Director's Cut schadet dem Film mehr als er ihn verbessert. Eine alternative Schnittversion kann eine sehr interessante Seherfahrung sein, wenn man mit der ursprünglichen Fassung gut vertraut ist und im Kopf den direkten Vergleich ziehen kann. Das fängt schon bei der Intro-Sequenz an. Die Ersetzung von Echo and the Bunnymens Killing Moon durch INXS' Never Tear Us Apart würde ich als neutrale Änderung einstufen – der neue Song ist besser und strahlt eine stärkere Gravitation aus, aber Killing Moon hatte etwas ironisch-hymnisches und war sicher auch nicht gerade schlecht.

    Effektiv waren auch manche der Eye-Inserts, obwohl die mit der Zeit zu verspielt wurden. Als sehr gute - wenn auch nicht unbedingt nötige - Erweiterung empfand ich die Besprechung von Watership Down, der sicher einige interessante Parallelen zu Donnie Darko enthält.

    Das große Manko des Director's Cut sind aber definitiv die Einblendungen der Philosophy of Time Travel-Kapitel. Pseudo-verwissenschaftlichende Texteinblendungen in einem derart visuell funktionierenden Film, ist das nötig? Ich denke nicht. Sicher, die Texte erhellen konkret den funktionalen Hinterbau der Geschichte. Wer's braucht. Ich sicher nicht. Denn der einzige Effekt, der damit erzielt wird, ist, dass die Vieldeutigkeit von Donnie Darko auf eine eher alberne SciFi-Backstory zurückgeworfen wird. Und das kann beim besten Willen nicht als Verbesserung gewertet werden.

    Wenn das tatsächlich die von Richard Kelly mit Optimierungsgedanken fabrizierte Fassung ist, darf man als Fan des Films sicher vom Recht Gebrauch machen, den Inhalt eines Kunstwerkes unabhängig von der Intention seines Erschaffers zu interpretieren. Dann ist der Nicht-Director's-Cut aber klar die bessere Version. Denn die ist nach allen Seiten offen. Diese Version beschränkt sich durch die vorgenommenen Erweiterungen unnötigerweise selbst. Es spricht wiederum für Kelly, dass trotzdem noch ein sehr guter Film übrig bleibt.

    8/10

  2. #102
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Freitag, 03. Februar 2006:



    About a BoyChris Weitz & Paul Weitz, 2002 (DVD)

    Eine äußerst erfreuliche Überraschung. Eingestellt hatte ich mich auf eine hundsgewöhnliche Komödie, aber About a Boy bietet ein Quentchen mehr, nämlich ein paar durchaus ernstzunehmende Gedanken über das Leben als unreifer erwachsener Mann ohne Verantwortungsbewusstsein. Der Boy aus dem Titel ist natürlich nicht nur der wirklich junge Knabe, sondern auch der altgewordene Bengel Hugh Grant. "Junge" im Gegensatz zu "Mann", was bedeutet das? Das scheint vor allem Entgrenzung zu bedeuten, positive Entgrenzung von der Insel des Ich und dessen egoistischen Bedürfnissen. Entgrenzen vom Ich kann man sich aber nur, wenn das Ich bereits definiert ist, und das geschieht ganz existentialistisch über die alltäglichen Handlungen.

    "Und was machst du so?" Diese Frage interessiert natürlich nicht der aktuelle Zeitpunkt, sondern die alltägliche Entgrenzung durch den Beruf. Was machst du so? – wenn die Antwort darauf "Nichts" lautet, dann kann der Mann beim Paarungsritual schon einpacken, denn wer nichts macht, der entgrenzt auch nicht, und wer nicht entgrenzt, der hat aller Wahrscheinlichkeit nach kein volldefiniertes Ich, der ist kein ganzer Mann sondern nur ein halber – ein Junge eben.

    Großartig das Finale. Killing Me Softly. Das sanfte Vergessen des Ich vor dem Publikum, die ultimative Entgrenzung. Wann ist ein Mann schon männlicher als beim Musizieren auf der Bühne, am besten mit Gitarre in der Hand und einem frauenherzerweichenden Lied auf den Lippen. Oder einem saftigen Rocksong mit viel Geschrei. Vorausgesetzt, er kann singen. Die Unmusikalischen haben halt Pech gehabt und müssen sich weiter mit der geballten Faust auf die behaarte Brust schlagen und tierische Laute von sich geben.

    Uh uh uh! Uh ah uh uh ah ah uh! Uh!

    7,5/10

  3. #103
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Samstag, 04. Februar 2006:



    Mean CreekJacob Aaron Estes, 2004 (DVD)

    Um sich an dem Rabauken George für das Drangsalieren des kleinen Sam zu rächen, lädt eine Gruppe Jugendlicher ihn unter dem Vorwand einer Geburstagsfeier zu einer Kanu-Tour ein, bei der sie ihm einen Denkzettel verpassen wollen. Als die Gruppe während des Ausflugs auch Georges sympathische Seite kennenlernt, geben sie ihren Plan auf. Alle, bis auf den Draufgänger Marty, der in George längst das ideale Ventil gefunden hat, um seinem privaten familiären Stress Luft zu machen.

    Ein emotional sehr intensives Jugend-Drama über den Umgang mit Aggression, Außenseitertum, Unschuldsverlust – und Angst. Angst vor allen Dingen, denn hier hat jeder irgendwie Angst. Vor dem Ausgeschlossensein, der Bloßstellung und den Konsequenzen eines Unfalls, die ein Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf stellen können. Unspektakulär aber äußerst effektiv und stimmungsvoll inszeniert von Jacob Aaron Estes ist Mean Creek ein echter Geheimtipp für Freunde von packender Unterhaltung, die auf intelligenten Tiefgang nicht verzichten wollen.

    8/10

  4. #104
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Samstag, 04. Februar 2006:



    Shichinin no samuraiAkira Kurosawa, 1954 (DVD)

    Hier sollte jetzt vermutlich irgendein Satz mit "Meisterwerk" stehen. Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass ich heilfroh war, als der Film nach gefühlten fünf Stunden endlich vorbei war. Man sollte sich eben auch kein Drei-Stunden+ Epos ansehen, wenn man müde ist.

    Die erste Hälfte ging noch, da verspürte ich auch noch nicht das dringende Bedürfnis meine Augen zu schließen. Nach der Intermission begann dann der Kampf. Der Kampf der Samurai gegen die Plünderer und meiner gegen den Schlaf. Ich habe gewonnen, aber es war ein Pyrrhus-Sieg. Denn den großen Klassiker, für den ich mich zu begeistern hoffte, fand ich größtenteils quälend. Die Bewertung wird zu einem günstigeren Zeitpunkt sicher nach oben korrigiert.

    6,5/10

  5. #105
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Sonntag, 05. Februar 2006:



    Mou gaan dou / Infernal AffairsAndrew Lau & Alan Mak, 2002 (DVD)

    Zwei Männer auf verschiedenen Seiten des Gesetzes. Tausend Mal gesehen. Zwei Männer auf verschiedenen Seiten des Gesetzes, und sie stehen nicht auf der Seite, auf der sie zu stehen vorgeben. Noch nicht so oft gesehen.

    Eine einfache aber gute Idee, stilsicher umgesetzt, fertig ist das beste Crime-Drama seit Jahren. Und es kommt nicht aus den USA, sondern aus Hong Kong. Warum Martin Scorsese hier unbedingt Gus Van Sant spielen möchte und meint einen Film mit wenig Schwächen noch verbessern oder verlustfrei veramerikanisieren zu können, leuchtet mir leider nicht vollständig ein. Aber warten wir's mal ab, vielleicht wird The Departed wenigstens länger als Infernal Affairs. Denn eine gute Story kann gar nicht lange genug dauern (es sei denn, man ist müde – siehe oben).

    8/10

  6. #106
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Montag, 06. Februar 2006:



    Per un pugno di dollari / Für eine Handvoll DollarSergio Leone, 1964 (DVD)

    Immer ein schlechtes Zeichen, wenn ich mich nach etwa einer Woche an fast nichts mehr aus einem Film erinnern kann. Western sind ohnehin nicht so mein Ding (am besten gefiel mir bisher noch The Good, the Bad and the Ugly), dieser hier stellt leider auch keine Ausnahme dar.

    Worum ging's jetzt nochmal? Eastwood spielt zwei rivalisierende Familien gegeneinander aus, vereinigt nebenbei eine dritte und kassiert ab. Irgendsowas. War schon irgendwie ganz in Ordnung, aber so richtig gut gefallen hat er mir unterm Strich dann auch wieder nicht. Vielleicht schaffe ich es irgendwann ja noch, auf den Western-Zug aufzuspringen.

    6,5/10

  7. #107
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Mittwoch, 08. Februar 2006:



    Das Ende vom Lied – Alexander Bleise, 2005 (DVD)

    Written by Thomas Brendel. Und das sogar ziemlich gut.

    Mit Musicals verhält es sich bei mir ja ehrlich gesagt meist so wie mit Western. Schaue ich mir zwischendurch gerne mal an, grundsätzlich vermisse ich fehlende Musikeinlagen in Filmen aber so sehr wie Cowboyhüte und Pistolenduelle im Wüstensand. Meine Befürchtung, hier heimlich das Ohropax auspacken zu müssen, hat sich zum Glück nicht erfüllt.

    Vielmehr wurde ich sehr positiv überrascht. Da es sich um ein Amateurprojekt handelt, darf man natürlich nicht das technische Niveau einer großen Studioproduktion erwarten, aber letztendlich hatte ich doch den Eindruck, dass hier höchstens etwas Geld gefehlt hat und nicht das Talent. Die meiner Ansicht nach beste Gesangsszene des Films lässt allerdings auch das vergessen und kann selbst mit überdurchschnittlichen Liebesfilmen mithalten. Und in Anbetracht des beeindruckenden Ausmaßes dieses Musicals (95 Minuten Spielzeit ohne unnötigen Leerlauf sind kein Pappenstiel) darf man sicher ohne Übertreibung sagen, dass Das Ende vom Lied ein spannender, witziger und rundum gelungener Film geworden ist, den man sich auch als Nichtmitglied der ursprünglichen Zielgruppe der Münchener Medizinstudenten gut anschauen kann.

    Mein Kompliment, hervorragende Arbeit!

    7/10

  8. #108
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Freitag, 10. Februar 2006:



    The Brothers GrimmTerry Gilliam, 2005 (DVD)

    This isn't the way to grandmother's house.
    Und sicher auch nicht der Weg zu einem guten Film.

    Im Vergleich zu Gilliam-Glanzstücken wie 12 Monkeys oder Brazil fällt dieser Film klar ab. Märchen, Gaunerkomödie, Abenteuer-, Grusel- und Liebesgeschichte – Brothers Grimm will irgendwie alles sein und ist dabei nichts so wirklich. Am herausragendsten sind wohl das prima Set-Design sowie das stets imposante Décolletée von Monica Bellucci.

    Gilliam soll sich mit den Weinstein-Brüdern wegen des Final Cut in den Haaren gehabt haben. Das spürt man dann auch, denn von ihm ist man besseres gewohnt wenn er freie Hand hat. Als Alternativprogramm zu The Brothers Grimm schlage ich eine Lesung von Der Wolf und die sieben Geislein vor. Mindestens ebenso spannend und garantiert ein zeitloser Klassiker.

    6,5/10

  9. #109
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Samstag, 11. Februar 2006:



    Mulholland Dr.David Lynch, 2001 (DVD)

    Eigentlich wollte ich hierfür mal eine bildgestützte Gesamtanalyse aus dem Boden stampfen, aber das ist eine Heidenarbeit, die wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis dahin muss es ein normaler Text tun.

    Mulholland Drive ist genial. Punkt. So unpassend dieses Adjektiv oft auch auf lediglich etwas bessere Machwerke abgefeuert wird, hier trifft es ohne Einschränkungen zu. Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal Mulholland Drive im Kino. Dank vergangener Auseinandersetzungen mit dem ähnlich aufgebauten Lost Highway war mir der Film kein völliges Rätsel, aber vieles blieb dunkel und verschwommen. Nicht zuletzt dank dieses Forums und den Diskussionen über den Film sind die Hauptaspekte des Handlungsgerüstes mittlerweile erschreckend klar. Erschreckend deshalb, weil ich mir kaum noch vorstellen kann, in dem Film jemals etwas anderes gesehen zu haben als eine scharfe Analyse des inneren Zustandes einer von Enttäuschungen zerrissenen Frau.

    Ich war noch ein zweites Mal im Kino. Ich glaube es war bei diesem zweiten Ansehen, als eine Gruppe Jugendlicher irgendwann lautstark ihren Unmut über die scheinbar sprunghafte Willkür der Handlung zum Ausdruck brachte. Beim Verlassen des Kinos bekam ich noch einen Gesprächsfetzen mit: "…irgendwie alles wie ein Traum…". Und ich dachte mir, Lynch hat es wieder geschafft – selbst wenn man nichts begreift, versteht man seine Filme auf einer intuitiven Ebene doch irgendwie.

    Naomi Watts liefert eine der besten Leistungen ab, die ich jemals gesehen habe. Noch eine Erinnerung an das "erste Mal": Der Unterschied der "filmischen", hoffnungsvoll-naiven, gutmütigen und hilfsbereiten Betty zur "realen", am Rand des Zusammenbruchs stehenden Diane war so erschütternd, dass ich eine ganze Weile brauchte, bis ich endlich realisiert hatte, dass man immer noch die gleiche Schauspielerin sieht (Watts war damals noch relativ unbekannt, so dass der Wiedererkennungseffekt nicht so hoch war). Und sie haut einem die Differenz zwischen den beiden Welten mit jeder denkbaren Nuance schauspielerischen Könnens um die Ohren. Besser geht es fast nicht mehr.

    Die düstere Eröffnungssequenz. Der Mann hinter Winkies. Das beeindruckendste Vorsprechen aller Zeiten. Die Begegnung mit dem Cowboy. Das Auffinden der Leiche. Der Club Silencio. Eine Wahnsinns-Sequenz jagt die nächste, es gibt keinen offensichtlichen Zusammenhang und doch ist alles so untrennbar miteinander verbunden, dass ich eigentlich einen Altar für diesen Film einrichten und jeden Tag vor ihm niederknien möchte. Wenn Lynch Mulholland Drive mit Inland Empire noch übertreffen möchte, muss er sich ganz gewaltig anstrengen. Ich persönlich glaube nicht, dass es ihm gelingen wird.

    10/10

  10. #110
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Montag, 13. Februar 2006:





    HeatMichael Mann, 1995 (DVD)

    Vor Jahren sah ich Heat mal im Fernsehen, da fand ich ihn wenig ansprechend. Bei einem 4:3 TV-Gerät, einem Bildseitenverhältnis von 2,35:1 und einem detailversessenen Regisseur wie Michael Mann aber auch kein Wunder, denn wenn das Bild auf Briefmarkengröße geschrumpft ist, wirkt es einfach nicht mehr so gut.

    Nun also nochmal richtig. Und diesmal gefiel er mir dann auch richtig gut. Könnte auch damit zusammenhängen, dass ich Michael-Mann-Filmen seit Collateral ohnehin positiver gegenüberstehe.

    Wie bei Collateral verbirgt sich auch bei Heat hinter der harten Crime-Thriller-Schale ein weicher Kern. Es geht um menschliche Beziehungen. Und wie die Bedürfnisse dieser Beziehungen im Spannungsverhältnis zu den Leben stehen, die ein Cop und ein Gangster führen müssen. Gefordert ist die völlige Konzentration auf und die totale Hingabe für den Job, weil jeder Fehler das Leben kosten kann. Das macht einsam, denn wer ganz für den Beruf lebt, kann sich nur schwer um die Liebe kümmern. Wer schließlich zu einsam wird, versucht sich entweder selbst zu töten (Hannas Tochter) oder begeht im anstrengenden Kampf an zwei Fronten – Gegner und Einsamkeit – Fehler. Vielleicht ein Trost, dass das eigene Leben von jemandem beendet wird, der ebenso einsam ist wie man selbst.

    8,5/10

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