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Thema: No hay banda

  1. #171
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Montag, 12. Juni 2006:



    Strangers on a TrainAlfred Hitchcock, 1951 (DVD)

    Als Guy Haines, erfolgreicher Tennisstar, während einer Zugfahrt die Bekanntschaft des zwielichtigen Bruno Anthony macht, erzählt der ihm von seiner Theorie des perfekten Mordes. Um das Motiv, den ermittlungstechnischen Schlüssel zur Täterfindung, unkenntlich zu machen, sollten zwei Personen ihre Opfer einfach austauschen. A schaltet den ungeliebten Mitmenschen von B aus und umgekehrt. Da Bruno seine Theorie mit etwas zu praxisnahem Engagement vertritt, wird Guy ihn schnell wieder los. Als ihm seine zukünftige Ex-Frau aber massive Steine in den Weg zu einer neuen Liebe legt, erinnert er sich an Bruno und seine Theorie…

    Jeder kennt dieses Gedankenspiel: Manchmal machen einem andere Leute bei der Verfolgung eines bestimmten Ziels das Leben schwer und für einen kurzen Moment hält man es für eine recht treffliche Entwicklung, wenn diese Person mit unauffälliger Nachhilfe vor einen fahrenden Zug stolpern oder auf sonstige Art ihre Existenz verflüchtigen und damit den Weg zu besagtem Ziel ebnen würde. Normalerweise kommt man kurz danach aber auch zu dem Schluss, dass diese Maßnahme etwas zu extrem wäre und man sucht einen Umweg zum Ziel oder gibt es ganz auf. Guy Haines offenbart sich in Strangers on a Train eine derartige unmoralische Abkürzung und in einem schwachen Moment geht er einen kleinen Schritt dort entlang, schreckt dann aber vor den Konsequenzen zurück – unglücklicherweise geht er gerade so weit, dass der weniger skrupellose Bruno ihn schon kommen sieht und mit der Einlösung seines Teils des Deals fortschreitet.

    Hitchcock entwickelt eine schmetterlingseffektartige Ereigniskette, die mit einer zufälligen Berührung anfängt und sich mit lebensverändernden Folgen für Guy Haines fortsetzt. Eine Reihe von in sich geschlossenen Einzelsequenzen, deren Spannungskurve sich wie ein Mini-Movie aufbaut (darunter am erwähnenswertesten ein Tennismatch, das möglichst schnell gewonnen werden muss), werden mit wie immer sicherem Timing zu einer Thrillerhandlung verknüpft, der man mit voyeuristischem Genuss folgt. Brunos gestörtes Verhältnis zu seiner Familie und besonders der ödipal schimmernde Umgang mit der Mutter ruft sofort Assoziationen zum Überwerk Psycho wach, in dem dieser Mutterkomplex zu einem ganzen Film ausgebaut wurde. Der von Robert Walker beeindruckend gespielte, verführerische Wahnsinn Brunos scheint tatsächlich darauf abzuzielen, den Vater aus dem Weg zu räumen um dessen Platz einzunehmen.



    Dass Haines ungeschoren davon kommt und ein neues Leben anfangen kann, da er letztenendes doch von Brunos Mord profitiert, fühlt sich tendenziell ungerecht an, zumal er lange Zeit die Wahrheit verschleiert. Aber er ist natürlich unschuldig, weil er den falschen Weg nicht gegangen ist. Das hat jemand anderes für ihn erledigt.

    8/10

  2. #172
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Freitag, 16. Juni 2006:



    Talk RadioOliver Stone, 1988 (DVD)

    Die Erstsichtung dieses Films riss mich ziemlich vom Hocker, leider zählt Talk Radio jedoch zu den Werken, die mit wiederholtem Ansehen deutlich schwächer werden. Das liegt zum geringen Teil an der Frisur von Eric Bogosian während der Rückblende, während der man eigentlich nur noch Haare auf der Leinwand sieht und man sich ungläubig fragt, ob dieser Kopfdschungel ernst gemeint ist, vor allem aber an Ellen Greene, die als biedere Ex-Frau vollkommen fehlbesetzt ist und, man muss es so deutlich sagen, einfach kacke spielt. Möglicherweise reißt hier aber die Originalfassung nochmal was raus. Die deutsche Synchronisation von Bogosian ist zwar exzellent, schlechter kann das Gequietsche seiner Ex im Original aber kaum sein. Auch die Charakterisierung Champlains und seines hasserfüllten Weltbildes hätte etwas detaillierter ausfallen können.

    Ungünstig auf den Gesamteindruck wirkt sich auch der Auftritt von Michael Wincotts "Kent" gegen Ende des Films aus, der den typischen, kaputten amerikanischen Jugendlichen darstellen soll. Kent ist eine viel zu extreme Figur und erinnert an eine Realfilmversion von Beavis ohne Butt-Head und scheint auch eher Mitte 30 zu sein als der Teenager, den man dem Zuschauer verkaufen will.

    So werden Barry Champlains weiterhin beeindruckende Verbalsalven leider von einigen negativen Details überlagert, die mich zu dem Schluss bringen, dass Talk Radio vermutlich doch nicht der beste Film von Oliver Stone ist. Dafür hat er zu viele Schwächen.

    7,5/10

  3. #173
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Freitag, 16. Juni 2006:



    Ghost BustersIvan Reitman, 1984 (DVD)

    Die meisten Filmfans haben ja diese Lieblingsfilme, deren Tapes im Kindesalter zum immer und immer wieder Sehen rauf und runter genudelt wurden bis man jeden einzelnen Frame aus dem Gedächtnis nachzeichnen und die Dialoge auswendig mitreden konnte. Einer dieser Filme ist für mich Ghost Busters. Oft ist es eine ziemlich ernüchternde Erfahrung, wenn man diesen Filmen in späteren Jahren einen erneuten Besucht abstattet, weil die damalige kindliche Faszination leicht von der erschütternden Erkenntnis zerbröselt werden kann, dass die filmische Ex-Flamme ein paar unschöne Macken aufweist. Wer früher Chuck-Norris-Geprügel gut fand und seinen cineastischen Geschmacksnerv zwischenzeitlich auch nur ansatzweise trainieren konnte, kann sich auf diese Art schon fast die komplette Fernsehkindheit nachträglich ruinieren.

    Da habe ich mir meinen präpubertären Liebling doch schon ganz gut ausgesucht, wie ich feststellen durfte, denn Ghost Busters finde ich auch noch mit Mitte 20 durchaus lustig und sehenswert. Von Venkmans Kaugummi ausspuckendem Telepathietest-Opfer über einige wirklich gruselige Szenen im Mittelteil (aus dem Fernsehsessel emporschießende Dämonenarme, anyone?) und den allseits beliebten Marshmallow-Mann hat sich Ghost Busters über rund 20 Jahre hinweg gut gehalten und ist auch heute noch ein prima unterhaltender Film, der einfach Spaß macht, und in den man sich auch ganz gut erneut verlieben kann. Am Ende gibt's eben keine Zweifel darüber, an welche Crew man sich wenden kann, wenn in der Nachbarschaft was faul ist.

    8/10

  4. #174
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Sonntag, 18. Juni 2006:



    Janghwa, Hongryeon (A Tale of Two Sisters) – Ji-woon Kim, 2003 (DVD)

    Was filmischen Gruselthrill anbelangt, würde ich mich als relativ hartgesotten bezeichnen. Ich zähle da nicht zu den schreckhaften Naturen; der Exorcist hat mich ebenso kalt gelassen wie der Amityville Horror von 2005, auch Haute tension, 28 Days Later… und The Descent konnten mich nicht so wirklich aus den Socken schocken. Als ich am Sonntag aber A Tale of Two Sisters ansah, war die Spannung besonders an einer bestimmten Stelle dermaßen hoch, dass ich schon versucht war die Stop-Taste zu drücken um dieser nervlichen Tortur ein Ende zu bereiten. Seltsamerweise kündigte sich der bewusste Schockeffekt schon eine ganze Weile vorher an, was für mich normalerweise ein echter Spannungskiller ist, aber nicht so hier. Zur dieser sagenhaften Gänsehautatmosphäre trug zum großen Teil auch das Sounddesign bei, das ich bei Horrorfilmen als enorm wichtig empfinde und das hier ganz ausgezeichnet war.

    A Tale of Two Sisters hebt sich auch durch eine ausgeklügelte Story von eher banalen Schockern ab. Die symbolsprachlichen Details sind so zahlreich, dass man sie beim ersten Ansehen gar nicht alle erfassen kann und eine Zweitsichtung fast Pflicht ist. Ich bin mir nicht sicher, ob der Clou der Geschichte als Überraschungseffekt gedacht war, da zumindest die deutschen Untertitel einen Teil der Pointe sehr schnell verraten und ich nicht den Eindruck hatte, dass großartig versucht wird "es" zu verschleiern.

    Als Beschreibung der albtraumhaften Wiederkehr eines verdrängten Schuldgefühls reiht sich A Tale of Two Sisters ein in die Reihe so wuchtiger Filme wie The Machinist, Narren und Mulholland Dr. und verdeutlicht einmal mehr, dass sich das Kino wie kaum eine zweite Ausdrucksform für die Veranschaulichung des menschlichen Kampfes mit der eigenen Psyche eignet.

    8/10

  5. #175
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Montag, 19. Juni 2006:



    The Great EscapeJohn Sturges, 1963 (DVD)

    Der Gefängnisfilm ist die große Metapher des Kinos für die Unbezwingbarkeit des menschlichen Überlebenswillens. Im Gefängnis ist der Mensch auf seine Funktion als Gefangener reduziert, vollständig seiner Selbstbestimmung beraubt und von außen determiniert. Dadurch ist man gezwungen, neue, alternative Sinninhalte für sich zu schaffen, die einen vor dem Wahnsinn bewahren. Die Kriegsgefangenen in The Great Escape scheint dieses existentielle Problem weniger zu belasten, sie haben eine klar definierte Pflicht: Ausbrechen und Aufruhr in den Reihen des Gegners stiften; seine Konzentration von den Kriegshandlungen ablenken und seine Gefechts-Ressourcen minimieren, indem man ihn dazu nötigt, Arbeitsleistung für die Ergreifung der Ausgebrochenen aufwenden zu müssen.

    The Great Escape beginnt recht vergnügt. Das Stalag Luft III scheint eher einem Feriencamp zu gleichen als einem Nazi-Gefangenenlager. Tatsächlich hat sich der Befehlshabende von Luger eine vergleichsweise humanistische Lebenseinstellung bewahrt und begegnet den ideologieinfizierten Vertretern des Hitler-Regimes mit offener Verachtung. Er will sich, seine Unterstellten und die Gefangenen nur heil durch den Krieg bringen; Fluchtversuche in abtransportierten Heuladungen werden zunächst nur mit fast freundschaftlichem Mistgabel-Pieken vereitelt, die Todesstrafe scheint weit entfernt. Während der ersten Minuten hatte ich daher den Verdacht, dass mich hier so etwas wie eine Gefängnisausbruchs-Komödie erwartet.

    The Great Escape hat zwar keine wirklich niederschmetternde Wirkung und behandelt sein Thema oft mit unterhaltsamer Leichtfüßigkeit, aber es wird zum Ende hin doch unmissverständlich klargemacht, dass Kriegsgefangenschaft eine Sache um Leben und Tod ist und ein erfolgreicher Fluchtversuch leider eine Ausnahme bleiben muss. Am Beispiel von McQueens unkaputtbarem "Cooler King" wird allerdings ebenso deutlich, dass es die innere Einstellung ist, mit der man sich über alle Widrigkeiten hinweg die geistige Gesundheit bewahren kann. Wenn McQueen am Schluss mit seinem Baseball zum x-ten Mal gut gelaunt in seine Zelle marschiert und man das Klatschen des Balls gegen die Wand hört, weiß man: Sein Wille wird nicht brechen. Nicht so lange er lebt.

    8/10

  6. #176
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Donnerstag, 22. Juni 2006:

    Red:
    Let me tell you something my friend: Hope is a dangerous thing. Hope can drive a man insane. It's got no use on the inside.






























    Andy:
    Remember, Red. Hope is a good thing, maybe the best of things, and no good thing ever dies.

    Greatest

    Film

    Ever

    Period


    10/10

  7. #177
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Sonntag, 25. Juni 2006:



    Obchod na korze (The Shop on Main Street) – Ján Kadár & Elmar Klos, 1965 (DVD)

    1942 wird der Handwerker Tono im Zuge der "Arisierung" einer slowakischen Kleinstadt von seinem Schwager dazu berufen, das Kurzwarengeschäft der jüdischen Witwe Rozalie Lautmann zu übernehmen. Der nationalsozialistischen Kontrolle eigentlich kritisch gegeüberstehend, kann Tono der Verlockung einer gewinnbringenden Position doch nicht widerstehen und tritt etwas unbeholfen seinen neuen Posten an. Die vorgesehene Rollenverteilung gestaltet sich nicht wie geplant; Tono findet sich eher als Assistent der sympathischen alten Dame wieder, deren leichte Altersverwirrung eine vollständige Erfassung der drohenden Deportationsgefahr verhindert. Als das Pogrom seinen traurigen Höhepunkt erreicht, muss sich Tono zwischen der eigenen Sicherheit und der Auslieferung der liebgewonnenen Frau entscheiden.

    "Ein Toter ist eine Tragödie, eine Millionen Tote eine Statistik." Ein bekanntes Zitat von Stalin, das ich leider oft als zutreffend empfinde. In einer Zeit breiter medialer Erfassung von Völkermorden, Naturkatastrophen und Menschenopfer fordernder Kriegshandlungen habe ich mittlerweile eine ziemlich kühle Abwehrhaltung gegenüber Schreckensmeldungen aller Art entwickelt, die mich manchmal selbst befremdet. Leider wohl ein weit verbreitetes Phänomen – das Abstumpfen gegenüber dem Grauen. Anders sieht es aus, wenn Personen betroffen sind, die einem persönlich nahe stehen. Wenn der beste Freund bei einem Autounfall stirbt oder die Tochter sich eine Überdosis spritzt, wird die eigene Lebenserfahrung Teil der Statistik und damit ungleich erschütternder.

    Der Völkermord an den Juden ist in diesem Zusammenhang das vielleicht am schwersten zu begreifende Grauen, wenn man nicht persönlich betroffen ist. Ich denke, wenn man das tatsächliche Leidensausmaß rational auf einen Schlag erfassen könnte, würde es einen wahrscheinlich seelisch vernichten. Manchmal gibt es Momente, während denen sich die Realität hinter dem Begriff "Völkermord" für kurze Augenblicke in mir entfaltet, ähnlich einer Meditation über das Böse. Das hält nicht lange an, weil ich mir die schiere Menge der Opfer nicht länger als ein paar Sekunden vorstellen kann. Oder nicht will, ich weiß es nicht.

    The Shop on Main Street erzählt bewusst von einem Einzelschicksal, wie Jan Kadár betont. Nicht ohne Humor; Kadár und Klos finden auch in der unendlich traurigen Situation des Holocaust Situationen, die irgendwie komisch sind, manchmal auf absurde Weise. Am Ende hatte ich jedoch den betrübenden Eindruck, dass der tierische Überlebensinstinkt des Menschen, angestachelt durch trunkene Bewusstseinsvernebelung, unvermeidbar seine zerstörerische Wirkung entfalten wird. Um so tragischer, wenn das während eines lichten Augenblicks der Klarheit geschieht.

    8/10

  8. #178
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself



    The L Word (Season 3) – Created by Ilene Chaiken, 2004-20??

    Vom Gesamteindruck her etwas schwächer als die zweite Staffel, aber immer noch gut anzusehen. Allerdings gibt es bei den Autoren ein durchaus erstaunliches Qualitätsgefälle. Auf die bis dato beste Episode der Serie, Losing the Light, folgt die nur knapp durchschnittliche Last Dance, die das emotionale Potential der Ereignisse nicht auszuschöpfen weiß und stattdessen an einer Stelle mit völlig deplatziertem Kitsch überrascht, bei dem meine Gesichtszüge leicht in Richtung ungläubiges Staunen entgleisten. Ein paar 180°-Charakter-Kehrtwendungen wirken nicht ganz glaubwürdig; leider sind auch manche Entwicklungen der letzten Episode arg konstruiert und bewegen sich an der Grenze zum Soap-Style. Insgesamt haut die 3. Staffel wohl zu sehr auf die Pauke und lässt subtilere Entwicklungen vermissen. Die 4. Staffel hat qualitätstechnisch wieder Enwicklungsspielraum nach oben.

  9. #179
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Mittwoch, 12. Juli 2006:



    Dawn of the DeadZack Snyder, 2004 (DVD)

    Das Dawn-of-the-Dead-Remake ist so ein Film, den niemand so wirklich braucht, weil es vergleichbare bessere Filme gibt, der aber trotzdem ganz nett anzuschauen ist. Die Spannungsschraube wurde nicht übermäßig angezogen, Snyder setzt eher auf Ekelschock als auf überraschende Schreckmomente. Interessant natürlich, dass der apokalyptische Showdown – wie schon im Original – in einer Shopping Mall stattfindet, dem einzigen angemessenen Ort für ein postmodernes Zombie-Get-Together. Die beste Szene war ganz klar das Prominentenschießen. Da dachte ich schon vor der Auflösung: "Hey, der sieht aus wie Jay Leno." *bang*, Leno ist tot.

    7/10

  10. #180
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    Re: Creating real, unnecessary, neurotic problems for myself

    Donnerstag, 13. Juli 2006:



    Se7enDavid Fincher, 1995 (DVD)

    Auf die konzeptuelle und technische Qualität von Seven möchte ich eigentlich gar nicht lange eingehen, da ich dann keine andere Wahl hätte, als mich in exzessiven, langweiligen Lobeshymnen zu ergehen. Daher dazu nur so viel: Seven zähle ich zu dem verschwindend geringen Bruchteil an filmischem Output, den ich als perfekt empfinde. Jede Kameraeinstellung, jede darstellerische Nuance, jeder Musikeinsatz, der Erzählrhythmus, das Set-Design, alles sitzt auf den Punkt, millimetergenau. Bei vielen meiner Lieblingsfilme gibt es ein winziges Detail, das mich stört; das ich persönlich weggelassen oder gerne etwas anders umgesetzt gesehen hätte. Hier gibt es absolut nichts dergleichen. Es stimmt einfach alles.

    Stattdessen ein paar Gedanken zur Thematik des Films. Die Thematik ist der angenommene Niedergang unserer Gesellschaft bzw. deren Moral unter dem Gesichtspunkt eines religiösen Wertemaßstabes. Wie Daniela Sannwald in ihrem Text Im Herzen der Finsternis: SE7EN (In: David Fincher; Bertz) treffend herausgestellt hat, sind die Motive John Does denen religiös-fundamentalistischer Terroristen sehr ähnlich:

    Zitat Zitat von Daniela Sannwald
    Die einen wie der andere haben die Verbrechen jahrelang geplant und geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Zuschlagen gewartet. Sie wollten Aufsehen erregen und sind stolz darauf, dass ihnen das gelungen ist. Sie sind bereit, das eigene Leben zu opfern, um die diabolische Perfektion des Plans erst richtig zur Geltung kommen zu lassen. Sie bezeichnen sich als Werkzeuge Gottes. Sie sind überzeugt davon, dass die Opfer den Tod verdient haben. Sie prangern die Dekadenz der Gesellschaft an, die ihnen Unterschlupf gewährt hat – alle sieben Todsünden können im Grunde unter dem Begriff der Dekadenz zusammengefasst werden. Und schließlich scheinen ihre Motive ein Moment von Wahrheit zu enthalten.
    Die verführerische Qualität des John Doe, einer identitätslosen, selbsternannten Bestrafungsinstanz, besteht in diesem Moment von Wahrheit. Zieht man religiöse Tugendkategorien heran, dürfte es schwerfallen, ihm nicht zumindest in dem Punkt Recht zu geben, dass Todsünden mittlerweile tatsächlich an jeder Ecke lauern. Auch wenn man nicht den theologisch besetzten Begriff der "Todsünde" benutzt, ist die manchmal übermächtig erscheinende Existenz des Schlechten (oder Bösen) in der Welt doch kaum abzustreiten. Auch scheint das Rechtssystem nicht so beschaffen zu sein, dass eine (subjektiv!) gerechte Bestrafung der Verursacher dieses Schlechten in jedem Fall praktikabel erscheint. Zu viele juristische Schlupflöcher gibt es, die das Gesetz oft eher im Sinne der Täter als der Opfer auszulegen scheinen. Und wenn die Tat nur "extrem genug" ist – sagen wir etwa Kindesmisshandlung – landet der Täter schnell in einer psychiatrischen Heilanstalt, während man doch das starke Bedürfnis verspürt, ihm das Leid seiner Opfer am eigenen Leib spürbar werden zu lassen. Die Sünde gegen den Sünder zu kehren.

    Unter diesen Voraussetzungen ist ein Funke des Sympathisierens mit John Does Bestrafungsmaßnahmen schnell geschlagen. Und ein Punkt erreicht, an dem man sich entscheiden muss, ob man die eigenmächtige Durchsetzung emotional motivierter "Gerechtigkeitsmaßnahmen" auf der Basis subjektiver Einschätzungen gutheißen kann, oder ob man auf ein Rechtssystem setzt, das trotz seiner Unvollkommenheit und Korrumpierbarkeit zumindest in die Richtung einer abstrakten und letztlich unerreichbaren Objektivität zielt und um Gerechtigkeit bemüht ist, wenn auch mit unbefriedigenden Ergebnissen. Ich persönlich setze auf das Rechtssystem.

    Ein John Doe mag für kurze Zeit einen Impuls der Zustimmung auslösen. Aber seine Argumentation ist fundementalistisch, insofern sie auf das Fundament einer gottgewollten, sündenfreien Existenz des Menschen aufbaut und die komplexen Gegebenheiten einer Gesellschaft ignoriert, die das religiös-dualistische System von Gut und Böse durch die intellektuellen Lichtblicke des Menschen überflüssig gemacht hat.

    Zitat Zitat von Daniela Sannwald
    Da John Doe am Ende stirbt, gibt es keinen wirklichen Sieger. Aber es gibt eine Figur, die relativ unbeschadet - oder eher: nicht wesentlich beschädigter als zuvor - aus den Ereignissen hervorgeht, und das ist Somerset. Sein unbedingter Wille zu verstehen hat sich einmal mehr als einziger Weg erwiesen, das Böse wenn schon nicht verhindern, so doch voraussehen zu können. Das hilft unmittelbar weder ihm selbst noch der Gesellschaft, zu deren Schutz er sich verpflichtet hat. Aber wenn es überhaupt einen Hoffnungsträger gibt am Ende dieses hoffnungslosen Films, dann ist es Somerset. Sein rationales Konzept der Verbrechensbekämpfung durch Verständnis, Bildung und wissenschaftliche Methoden auf (weitgehend) solidem gesetzlichen Fundemant ist der diffusen Emotionalität Mills' und der dumpfen Religiosität John Does weit voraus. Somerset will Licht ins Dunkel bringen, wie es die Aufklärer des 17. und 18. Jahrhunderts taten. Sein Kampf richtet sich gegen Aberglauben, Vorurteile und Autoritätsdenken, die immer noch und mehr denn je die Wurzeln des Bösen sind - kurz: gegen den Fundamentalismus. Aber: "Lang ist der Weg und beschwerlich, der hinaus ins Licht führt aus der Hölle."
    Der strafende Gott ist tot, und im Sinne der Gerechtigkeit sollte er es auch bleiben.

    10/10

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