Samstag, 6. März 2004:
JFK (Director's Cut) - Oliver Stone, 1991 (DVD)
..., oder: Wie überfordere ich den Zuschauer, indem ich möglichst viel Information im kleinstmöglichen Zeitraum unterbringe? Bei jedem Ansehen von JFK ertappe ich mich dabei, wie ich nach 30-45 Minuten den Faden verliere und den ca. 684 Trillionen erwähnten Namen nicht mehr die passenden Gesichter zuordnen kann, was mich nervt und dazu führt, dass ich den Film noch einmal von Beginn an schauen muss, so auch diesmal.
Wenn ich den Fakten(?)orkan beim zweiten Anlauf dann überstanden habe, kann ich den Film als temporeiches, So-könnte-es-gewesen-sein-Politverschwörungsgemälde genießen. Ebenfalls bei jedem Ansehen werden bestimmte Assoziationen zu diversen X-Files-Episoden hervorgerufen, insbesondere bei der Konversation Garrisons mit Donald Sutherlands "X", die in einer späteren Folge der Serie stilistisch und inhaltlich sehr ähnlich übernommen wurde.
Und da man sich auf eine seltsame Art irgendwie besser und wichtiger fühlt, wenn man hinter einem außerordentlichen geschichtlichen Ereignis statt eines banalen Akts des Zufalls eine umfassende Verschwörung vermuten kann, bereitet mir JFK auf einer zugegebenermaßen recht plumpen Ebene doch immer wieder Vergnügen, zumal die Schwächen des Films durch den schnellen Erzählrhythmus kaschiert werden.
7/10
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21 Grams - Alejandro González Iñárritu, 2003 (Kino)
Gut, zu Beginn ist er verwirrend, da das nicht mehr ganz innovative Mittel der nicht-chronologischen Erzählung hinreichend ausgereizt wird und es zudem noch drei unterschiedliche Handlungsstränge gibt, die sich an diversen Stellen überschneiden und gegenseitig beeinflussen. Ich hatte jedoch nicht den Eindruck, dass es einer außerordentlichen geistigen Anstrengung bedarf, um dem Handlungsgrundriss folgen zu können, da es doch recht markante Signalpunkte gibt, die bei der richtigen Einordnung der Einzelsegmente helfen.
Der Film erforscht universale Motive: Leben, Schuld, Liebe, Leid, Rache, Tod. Ihr Wechselspiel und ihre Opposition, ihre gegenseitigen Abhängigkeiten und ihre Konsequenzen. Und er tut das in einer Weise, wie diese Dinge in unsere Leben treten: Sprunghaft, plötzlich, unangekündigt, in ihrer Wirkung nicht in einem Punkt konzentriert sondern fragmentarisch, immer wiederkehrend, immer wieder verschwindend, Platz machend für anderes.
Der einzige Vorwurf, den ich dem Film machen kann, ist, dass Iñárritu im Vergleich zum Vorgängerfilm Amores Perros nicht viel Neuland beschritten hat und sich stilistisch und inhaltlich sehr stark an diesem orientiert. Es gibt schlimmeres.
Nach Lost In Translation der beste (neue) Film, den ich bisher in diesem Jahr gesehen habe.
9/10



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