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Thema: vjt´s movie diary

  1. #141
    Regisseur Avatar von VJ-Thorsten
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    Re: vjt´s movie diary

    Runde Nr. 11 von OMFE Forever

    von Fenrisulf aufgezwungen bekommen...

    Young Guns (1988) by Christopher Cain





    Da dachte ich, diesen Film, den kenne ich doch! Doch eine Sichtung muss verdammt lang her sein. Also verschwieg ich meine Kenntnis von diesem Film, um ihn noch einmal schauen zu dürfen. Überhaupt...wo ziehen wir hier die Linie? Anfang der 90er hab ich doch eine Menge Filme gesehen und doch werde ich mich wohl noch an kaum etwas erinnern können. Insofern geht das mit einer Neusichtung schon in Ordnung, gerade wenn es dann wieder wirkt wie beim ersten Mal, da die Erinnerungen komplett verblasst sind. Im übrigen...es war dann wohl doch Young Guns II den ich definitiv bereits gesehen hatte, denn hier hat Christian Slater gefehlt.

    Gut, steigen wir ein und ganz ehrlich: Ich war gut angewidert durch die Eröffnung des Films. Das wirkte so was von übel dieses grafisch maue Opening mit der fiesen 80er-Mucke da. Der Western war tot, mehr als tot und ja, vielleicht wollte Regisseur Cain hier mal komplett mit allen Konventionen brechen - was dann in der Folge des Films jedoch ganz und gar nicht der Fall ist. So dachte ich, mich erwartet hier ein munterer Genrebrecher mit lockeren Sprüchen und viel Blei, doch tatsächlich ist das hier nicht der erwartete Spaßfilm geworden. Ganz im Gegenteil, Young Guns ist stellenweise ein kaltblütiges Machwerk, welches in diesen Momenten vom feinen Emilio Estevez und seinem Crazy-Spiel getragen wird.
    Wo wir bei Estevez sind, müssen natürlich rasch die Young Guns erwähnt werden:

    Also Estevez gleich mal: Keine Ahnung warum der Kollege kaum noch in Erscheinung tritt aber ich hab den in den 90ern sehr gerne gesehen. Gut, darf auch mal wieder Regie führen, Bobby fand ich richtig gut. Hier also als Billy the Kid in Aktion. Macht er fein. Diese Interpretation zwischen Volksheld und Massenmörder und wie sein Spiel hier ständig oszilliert, empfand ich sehr ansprechend.

    Charlie Sheen...bleibt unglaublich blass und gibt nach 48 Minuten dann auch schon den Löffel ab. War wohl aber als Namenszugpferd für den Streifen wichtig. Bin keine Charlie Sheen Fanzone. Vati kommt an erster Stelle, dann Bruder Emilio und dann der Knilch.

    Kiefer Sutherland...schön Jack Bauer mal wieder in seinen Lehrjahren zu sehen. Mit dieser vollen Mecke da auf dem Haupt. Hat gefallen und ich frage mich gerade wie häufig Jack...ähh Kiefer in seinem Leben den Fluch Son of a bitch bemüht hat. Der gute alte Jack war damals also schon da. In Erinnerung wird der Meskalin-Flash und seine Butterfly-Rede bleiben. Spooky.

    Lou Diamond Phillips...der Typ wird bei mir immer mit äußerst beschissenen Filmen der 90er verbunden bleiben. Bin mit dem nie warm geworden, doch hier mimt er den Indianer der Gruppe ganz anständig. Na ja, tritt halt auch nicht weiter groß in Erscheinung. Wird gebraucht um der Gruppe den Meskalin-Flash zu besorgen. Gut, hat nicht genervt aber auch nicht der Rede wert.

    Dermot Mulroney....bevor er in den Streifen der Gegenwart auf Pussy gebügelt wurde, durfte er hier in die Rolle des Dirty Steve Stephens schlüpfen und die ganze Zeit saufend und Kautabak mampfend rumprollen. Fein. Hat für Lacher gesorgt.

    Casey Siemaszko...ick kenn den nicht. Tut mir leid. Check gerade seine Liste bei imdb und stelle fest: Seriendarsteller in Serien die ick nich kieke. Na ja. Bübchen in der Gang von Billy. Jungfrau, guter Faustkämpfer und das wars. Okay.

    Ich verlaber mich hier gerade, wie ich feststelle. Okay. Young Guns schildert die Geschichte um den Revolverhelden Billy the Kid und seiner Gang während des Lincoln County Krieges. Irgendwo las ich, dass diese Darstellung der Ereignisse im Film hier gar nicht so unwahr sein sollen - wenn man sich auf Billy bezieht. Okay. Fand das alles auch gar nicht so übel und der Film wusste mich zu unterhalten. Einzig das Drehbuch war teilweise doch etwas dünn gewesen und wusste Übergänge im Handlungsverlauf nicht allzugut zu verkaufen. Bisschen verwirrend an manchen Stellen. Hier ein wenig mehr Schliff und der Film hätte richtig gut werden können.

    Zumindest den Kinogängern 1988 hat er sehr gefallen und so leistete Young Guns seinen Part in der Wiederbelebung des Westerns. Seit Butch Cassidy and the Sundance Kid war keinem Western mehr der kommerzielle Erfolg an der Kinokasse vergönnt gewesen - eben bis zu Cains Young Guns. Da Erfolg bekanntlich Begehrlichkeiten weckt, war ein Sequel dann wohl auch unausweichlich. Muss ich mir die Tage dann auch noch mal geben.

    PS: Erschreckend wie schwach Terry O´ Quinn hier in einer Nebenrolle auftrat. Der Weg zum John Locke sollte also noch ein sehr langer sein.

    PPS: Bei Wiki las ich, dass Tom Cruise hier einen Gastauftritt im Ballerfinale gehabt hätte....hättet ihr ihn erkannt?


    kurz im Bild und schon...


    umgelegt.


    7 / 10
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  2. #142
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    AW: Re: vjt´s movie diary

    Runde Nr. 01 vom Untitled OMFE Reboot


    von John McCane aufgezwungen bekommen...


    Whip It (2009) by Drew Barrymore





    Hallo Filmtagebuch! Ich erspar mit die langen Ausreden - sagen wir es mal so: Das Kippenholen hat wirklich ein Jahr gedauert.

    Okay, hier sind wir also wieder beim allseits beliebten OMFE und ich freu mich ehrlich über dieses wunderschöne Unterfangen hier in unserem kleinen kuschligen Forum. Ich erhoffe mir wieder viele feine Filme und Anregungen, auf die ich alleine vielleicht nicht gestoßen wäre. Los ging es für mich mit Whip It, dem Regiedebüt von Drew Barrymore aus dem Jahr 2009.

    Von dem Film hatte ich schon was gelesen und auf meiner nicht niedergeschriebenen To-Do-List stand er schon drauf und das wirklich allein wegen der bezaubernden Ellen Page. Ihr Mitwirken war also klar, ebenfalls das es irgendwie um Rollschuhfahren gehen sollte, aber mehr dann auch nicht. Gut, in unseren Breiten scheint der Film keine große Resonanz gefunden zu haben...warte gerade nach dem deutschen Titel gesucht und gefunden..."Roller Girl – Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg" - weia, was diese Typen von den deutschen Verleihfirmen aber auch immer für Scheiße rauchen müssen um auf so einen Mist zu kommen. Okay...Filme die so heißen, haben eigentlich schon beim Publikum verloren. Ein Glück geht es in meiner Kurzkritik ja um Whip It.

    Und Whip It ist ein ganz hervorragender Film, den ich gerne möglichst vielen Leuten weiterempfehlen möchte (außer dem Daniel, dem nicht, denn für ihn wird das alles nur plakativer Mist sein ), die sich für 110 Minuten in der Welt von Bliss Cavendar aka Babe Rutheless (Ellen Page) verlieren können. Whip It ist Coming-of-Age-Comey, ist Sportfilm, ist Romanze, ist Drama, ist wundervoll. Punkt. Dazu ein ausgezeichneter Cast, der keine Wünsche offen lässt (Drew Barrymore, Juliette Lewis, Jimmy Fallon, Zoe Bell, Kristen Wiig & Andrew Wilson & als Bonus noch Daniel "Marv" Stern) und ein rundum Gute Laune verbreitender Indie-Soundtrack mit den Songs von den Eagles of Death Metal, Ramones, Peaches, The Go! Team uvm.

    Hach, schon allein die Eröffnungssequenz des Films mit diesen fetten Riesenlettern und der blaugefärbten Revolte unserer Hauptdarstellerin nimmt einen direkt dahin mit wo es gut tut. Drew Barrymore weiß wie ein locker flockiger Feel-Good-Film auszusehen hat und was sie hier abliefert ist von der ersten Minute bis zum Ende des Abspanns einfach großartig (ja, ich liebe diese visuellen Charakter-Schauspieler-Vorstellungen im Abspann) und sie kann sich zu 110 Prozent auf Ellen Page verlassen. Ihr Spiel ist einfach umwerfend. Trotzig, happy, agressiv, schwärmend, ausrastend...alles ist vorhanden und weiß zu überzeugen, weiß Sympathien locker zu ernten.

    Als große Rahmenhandlung dient hier eine Sportart, von der ich noch nie gehört hatte und ich hätte wetten können, dass es sich hierbei um einen Fake handelt. Aber tatsächlich, Roller Derby existiert bereits seit 1935. Wunderbares Zeug und ich würde sofort zu einer Veranstaltung in meiner Nähe eilen. Die Szenen auf der Bahn sind für meinen Geschmack sehr gut choreografiert und eigentlich hätte man hier aus Zoe Bell noch mehr rausholen können, aber gut, genügend rote Nasen gab es auch so zu bewundern.

    Zeit drängt und eigentlich hätte dieser kleine herrliche Film noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Klar, das Teil hier ist nix weltverändertes oder aufrüttelndes aber ich konnte mich komplett in ihm verlieren und genoss die Laufzeit in vollen Zügen und verließ die Welt von Babe Rutheless, Maggie Mayhem, Bloody Holly und Smashley Simpson mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

    Danke John! Ein wirklich gelungener Auftakt in die vierte Runde der OMFE.

    9 / 10
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  3. #143
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    AW: Re: vjt´s movie diary

    Runde Nr. 02 vom Untitled OMFE Reboot

    von Danwalker aufgezwungen bekommen...

    Sex, Lies, and Videotape (1989) by Steven Soderbergh



    Es war das Jahr 1989, als der Stern eines bis dato unbekannten jungen Filmemachers aufging. Der 26-jährige Steven Soderbergh realisierte mit dem Budget von 1,2 Millionen Dollar seinen Debütfilm Sex, Lies, and Videotape. Das Beziehungsdrama war ein voller Errfolg und Soderberg dufte sich über Oscar, BAFTA Award, César, Golden Globe und Writers Guild of America Award – Nominierungen freuen und war mit dem Gewinn der Godenen Palme der jüngste Regisseur, dem dies bis dato gelang.

    Warum diese ganze Aufmerksamkeit? Nun, man kann wohl sagen, dass Soderberh mit seinem Film dem US-Independent-Kino eine ordentliche Herzdruckmassage verlieh, von der viele Regisseure nach ihm profitieren sollten. So anders in der Erzählweise und im Inhalt war sein ruhiger Film am Ende eines wahren Blockbuster-Jahrzehnts. Soderbergh´s Drehbuch seziert auf unaufgeregte Art und Weise die möglichen (sexuellen) Probleme in Heteropartnerschaften des späten 80er. Klar, es geht um Sex und doch sehen wir ihn nicht – gleichwohl ist er allgegenwärtig. Der Film kann durchaus als Appell für die Ehrlichkeit gelten und zeigt wohin unehrliches Verhalten führen kann – ohne dass er dabei jedoch eine Wertung abgibt. Das alles gelingt Soderbergh und seinem Cast recht wundervoll.

    Wir haben hier die Hausfrau Ann (Andie MacDowell), die mit dem yuppie-haften Anwalt John (Peter Gallagher) verheiratet ist. Zwischen den beiden herrscht sexueller Stillstand. Ann misst dem Nahkampf keinerlei Bedeutung bei und befindet sich in Therapie, wohingegen John seinen Libido bei Ann´s Schwester Cynthia abarbeitet. Diese wiederum hat viel und gerne Sex und nutzt die Möglichkeit des Beischlafs mit ihrem Schwager gerne um der vermeintlich prüden Vorzeigeschwester eine auszuwischen. In diesem Lügenkonstrukt bewegen sich die Protagonisten und würden wohl auch noch ewig zu weitermachen, wenn nicht der zurückhaltende Graham (James Spader) auf einmal auftauchen würde. Graham ging mit John zur Schule und sucht den alten Kameraden zwecks einer kurzfristigen Unterkunft auf. Graham hatte mal Sex, aber aktuell geht da nichts mehr. Sein Faible ist das Aufzeichnen von Sex-Interviews mit Frauen auf Video. Er ermöglicht den Damen eine Reflexion über ihre eigene Sexualität und lässt sie daraus Lehren ziehen. Wunderbar erleben wir das am Interview mit Cynthia, die dadurch einen anderen Blickwinkel auf ihre Knattergeschichte mit John erlangt. Klar, seinem alten Kumpel hat er mit seinen Videotapes einen Bärendienst erwiesen und peu a peu bricht das gesamte Lügenkonstrukt unserer Protagonisten wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

    Tja, alles schön und gut – nur hat mich die gesamte Thematik nicht fassen können. Ich erkenne die Intension von Soderberg und habe Respekt vor ihrer Umsetzung, nur bietet der Film keinerlei Identifikationsfläche mit meinem eigenen Leben. Gut, ich bin ihm dankbar, dass er hier nicht den Moralapostel raushängen lässt, es mag sich jeder Zuschauer seine eigene Meinung über die Charaktere in Sex, Lies, and Videotape bilden.

    Zitat Zitat von “Lexikon des Internationalen Films"
    Eine ebenso freimütige wie subtile und witzige Auseinandersetzung mit Sexualität und Partnerschaft, deren Aufruf zur Ehrlichkeit unüberhörbar ist. Im fließenden Wechsel zwischen Unterkühltheit und gefühlsmäßiger Teilnahme gelingt dem Film ein spannungsreiches Zeitbild, das sich zu einer prägnanten Studie zwischenmenschlicher Entfremdung verdichtet.
    Ja, kann man sicherlich so sehen, aber mich hat das alles unglaublich kalt gelassen. Wenn ich mich an den Film irgendwann einmal erinnern sollte, dann werden mir wohl nur die grotesken Haarfrisuren der Schauspieler einfallen. Spader...shame on you! Ehrlich, ich konnte zu keinen Zeitpunkt Sympathien zu auch nur einem der Charaktere aufbauen. Graham ging mir regelrecht auf den Sack mit seiner ruhigen und bedächtigen Art. Ich konnte mit niemandem mitfühlen und die Thematik hat mich nicht berührt. Schade, doch gleichwohl kann ich den Erfolg des Filmes, gerade 1989 durchaus nachvollziehen. Es war etwas vollkommen anderes, was Soderbergh den Zuschauern hier präsentierte. Sicherlich werden viele einen roten Kopp bei der Sichtung bekommen haben. Für mich war das leider nix Großartiges.


    5 / 10
    Geändert von VJ-Thorsten (09.06.2011 um 13:25 Uhr)
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  4. #144
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    AW: vjt´s movie diary

    Runde Nr. 03 vom Untitled OMFE Reboot


    von Thomas aufgezwungen bekommen...


    It Happened One Night (1934) by Frank Capra




    Das war sie also, die Initialzündung der Screwball-Comedy. Nicht nur stilprägend für viele weitere Filme des Genres, sondern auch unverschämt erfolgreich. So gewann It Happened One Night bei der Oscarverleihung 1935 als erster Film überhaupt die fünf wichtigsten Goldjungen (Best Picture, Best Director, Best Actor, Best Actress, Best Writing, Adaptation). Interessant ist übrigens, dass die beiden Hauptrollen nur mit viel Mühen besetzt werden konnten. Sowohl Colbert als auch Gable waren niemals als erste Wahl vorgesehen. Nach einer wahren Absageflut auf die Rolle der Ellie Andrews, sagte letztlich Claudette Colbert zähneknirschend zu – nicht jedoch ohne sich ihre normale Gage bei Paramont verdoppeln zu lassen. Clark Gable indes wurde für die Rolle des Peter Warne vergattert – wohl als Strafe für sein renitentes Verhalten bei MGM, wurde er kurzerhand an Columbia Pictures ausgeliehen.

    Das Misstrauen in die Capra-Produktion erwies sich natürlich als vollkommen unangebracht. Gleichwohl blieb Colbert sogar noch den Oscars fern, da sie annahm, sowieso keine Chance zu haben. Nach Bekanntgabe ihres Gewinns musste sie aufgespürt und zur Verleihung geschleift werden.

    Herrlich diese Geschichten aus dem alten Hollywood – doch kann Capras Film auch noch 77 Jahre später überzeugen? Hier kann es nur eine knappe Antwort geben: Absolut!

    Der Handlungsrahmen um den großen Wirtschaftsboss, der im Zwist mit seiner rebellierenden Tochter aufgrund ihres Eheversprechens zu einem windigen Aufschneider steht ist schon nicht verkehrt. Sie flüchtet aus seiner Gefangenschaft in Miami und hat nur ein Ziel vor Augen: ihren Fliegerpiloten und die Hochzeit in New York. Doch plötzlich sieht sich das Mädchen aus besserem Hause mit den Widrigkeiten des Alltags konfrontiert. Auftritt Gable reißerischer Reporter, der mit allen Wassern gewaschen ist. Schon allein seine Einführung mit dem Chef-Telefonat und dem nachfolgenden Streit um den Sitzlplatz im Bus mit dem Fahrer und der dazustoßenden Colbert ist ganz großes Kino. Warum zum Geier haben wir Männer eigentlich irgendwann auf den Hut verzichtet? Eine Schande!

    Die Geschichte besitzt über die gesamte Laufzeit eine hohes Tempo – bis auf das zu hastige Finale des Films kam mir das sehr entgegen. Klar, mit meinem Wissen um Filme des Genres sind Überraschungen hier ausgeschlossen. Er wittert die Geschichte, sie die Freiheit von ihrem dominanten Vater. Beide balgen sich und er ist der erste Mensch in ihrem Leben, der ihr mal so richtig die Meinung geigt und irgendwann wird sich alles in Wohlgefallen auflösen. Doch der Weg bis dahin und von Miami nach New York weiß bestens zu unterhalten und plötzlich ist It Happened One Night nicht nur Screwball-Comedy sondern auch Roadmovie und als Zuschauer im Jahr 2011 erwärmen die vielen kleinen Nebensächlichkeiten des Films die nostalgische Seele. Wenn die Reisenden im Bus sich amüsieren beim gemeinsamen Musizieren oder es überall und immer kräftig raucht und an den Haltestellen des Fernbusses bereits heißer Kaffee und eine kleine Mahlzeit warten dann wird man sich der Hektik unserer Gegenwart aufs Hässlichste bewusst. Hier war die Welt noch in Ordnung, auch wenn die Folgen der großen Depression durch eine arbeitslose Mutter nebst hungerndem Sohn im Bus kurz angerissen wird. Doch klar, hier hilft jeder und plötzlich ist der kleine Racker im Besitz der letzten 10 Dollar Gables.

    Gut, vielleicht ist das etwas zu dick aufgetragen und klar, auch unglaubwürdig – doch die Menschen sehnten und sehnen sich auch immer nach Ablenkung vom tristen Alltag. Gerade die 30er Jahre waren dafür wohl prädestiniert gewesen. Doch Abseits der leichten Kost muss auch bemerkt werden, dass sich die Geschlechter hier beinahe auf Augenhöhe begegnen dürfen und das war ganz sicher nicht üblich.

    Schlusspunkt. Mir hat It Happened One Night sehr gut gefallen. Abgesehen vom verpatzten Finale, wo dem Film ein wenig Entschleunigung gut getan hätte, hab ich nicht viel auszusetzen. Klar, Capras It's a Wonderful Life ist noch ein Stück besser, aber is ja schließlich auch noch nicht Weihnachten.


    8 / 10
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  5. #145
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    AW: vjt´s movie diary

    Runde Nr. 04 vom Untitled OMFE Reboot


    von Wolfe aufgezwungen bekommen...


    S.O.B. (1981) by Blake Edwards





    Nein, ich habe nicht viele Blake Edwards Filme in meinem Leben gesehen. Klar, Pink Panther als Kind und ich habe den Kram geliebt. Mein absoluter Favorit ist jedoch The Party von 1968 mit einem grandiosen Peter Sellers. Über Edwards selbst weiß ich so gut wie gar nichts, was sich für S.O.B. sicherlich als nicht ganz günstig erwiesen hat.

    Die Eröffnungsszene bereitete mir große Kopfschmerzen und ich erwartete eine pure Tortur, wenn das so weitergegangen wäre. Zum Glück jedoch schlägt der Film rasch eine ganz andere Richtung ein. Felix Farmer ist ein erfolgreicher Hollywood-Produzent. Bisher hatte er keinen Flop und das Studio lag ihm zu Füßen. Dann kam Night Wind. Der größte Flop in der Filmgeschichte ruinierte Farmers Produzentenleben. Wenn das schon vorüber ist, warum nicht gleich Schlussmachen? Und so steigen wir ein in die Handlung des Filmes und erleben verschiedene Selbstmordversuche von Farmer, die natürlich alle gründlich misslingen. Seine Mitmenschen kümmert dies wenig. Ob Ehefrau, Kollegen oder Gärtner, solange der Rubel rollt steht er im Mittelpunkt, doch der Mensch Farmer bleibt gänzlich auf der Strecke. Ja, bei all diesen Szenen hatte ich meine helle Freude. Ob nun der Abgang mit dem Auto ins Meer, dem missglückten Manöver an den Balken der Zimmerdecke oder aber der Kopf im Gasherd. Großartig lakonisch gespielt von Richard Mulligan, den ich vorher nicht kannte.

    Der Film entwickelt sich zu einer wunderbaren Satire auf die amerikanische Filmindustrie Hollywoods, wo der Regisseur am Ende nicht viel zu melden hat. Und selbst als die Lebensgeister in Farmer zurückkehren und er sich die Rechte an dem Flop sichert (grandios überdrehtes Schauspiel von Mulligan in den folgenden 10 Minuten, das wirklich in Erinnerung bleiben wird) bleibt er der Dumme. Seine Idee: Den braven Blockbuster mit ordentlich Sex aufpeppeln und die Brüste seiner Frau – eines kreuzbraven Megastars – zu entblößen. Sex sells eben und natürlich wird die Rechnung aufgehen, doch Farmer wird am Ende alles verlieren und die ganze schmierige Filmindustrie wieder einmal alles gewinnen.

    Die Aussage von Edwards ist betrüblich und auch wenn ich keine Einblicke hinter die Kulissen des Geschäfts habe, so erscheint mir Edwards Abrechnung durchaus plausibel, auch wenn sie natürlich den Konventionen der Satire folgend maßlos überzeichnet ist (man denke nur an die Klatschreporterin). Aber genau darin liegt meiner Meinung nach Edwards große Stärke und dies begründet auch seinen Erfolg. In S.O.B. hätte man sich vielleicht manchmal noch ein wenig mehr Boshaftigkeit gewünscht. Wenn schon Rundumschlag, dann aber bitte richtig und ausführlich. Man spürt die Verbitterung Edwards über das Business, doch scheint ihm seine Gabe für die Situationskomik und den Slapstik hier vielleicht ein wenig im Weg zu stehen. Gleichwohl, ich hatte meinen Spaß und verfolgte diese Groteske bis zum Schluss mit einem lachenden Auge.

    Klar, letztlich war mir der Streifen ein wenig zu voll gewesen, als dass ich alles hätte aufnehmen können. Teilweise stellte sich Verwirrung an. Doch der positive Eindruck überwiegt, auch wenn Edwards hier nicht an frühere Meisterwerke anzuknüpfen vermag. Schade eigentlich, das diese Abrechnung mit dem Business selbst ein Flop wurde. Auch wenn er noch so viele Wahrheiten anspricht und viele Zuschauer mit dem Kopf nicken werden – das miese System schlägt ihn am Ende selbst.

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  6. #146
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    Incendies

    Runde Nr. 06 vom Untitled OMFE Reboot


    von Keyzer aufgezwungen bekommen...

    Incendies (2010) by Denis Villeneuve




    ACHTUNG: DER NACHFOLGENDE TEXT ENTHÄLT MASSIVE SPOILER / JE WENIGER MAN ÜBER DEN FILM WEIß, DESTO BESSER.


    Au Backe Keyzer. Verdammt, verdammt, verdammt. Für einen kurzen Moment war ich so wütend und enttäuscht gewesen, dass ich dir glatt eine niederschmetternde 1 von 10 reinzimmern wollte. Aber der Reihe nach.

    Nein, ich hatte von Incendies noch nie was gehört und das obwohl er für den Oscar nominiert war. Tatsächlich erwies sich mein komplettes Unwissen als großer Segen für dieses Brett von einem Film. Bereits mit dem Opener, wo wir Zeuge werden, wie kleinen Buben der Kopf rasiert wird - die erste militärische Maßnahme für einen guten Kindersoldaten und dazu die Musik von Radiohead dröhnt wir in diese verlorenen Gesichter schauen. Bäm!

    Plötzlich sind wir in Kanada und erleben die Testamentseröffnung von Nawal Marwan gegenüber ihren Kindern Jeanne und Simon. Es wird ein komischer letzter Wille sein, den ihre Mutter von ihnen abverlangt. Jeanne bekommt einen Brief, dem sie ihrem Vater überreichen soll, den sie für tot hielt. Simon indes erhält einen Brief, den er seinem Bruder überreichen soll, von dessen Existenz er bis heute nichts gewusst hat. Im Gegenzug werden sie einen Brief erhalten und ihrer Mutter ein ordentliches Begräbnis verschaffen.

    Beide kennen weder ihre Mutter noch ihre Familienwurzeln. Der Start zu einer sehr schmerzvollen Reise in die Vergangenheit der eigenen Familie, die auch die Gegenwart nachhaltig verändern wird.

    Zeitsprung. Knapp 30 Jahre zurück. Irgendwo im Nahen Osten – die Städte bleiben fiktiv, doch es ist nicht schwer den Libanon zu erkennen. Nawal Marwan, christlich, ist schwanger von einem Muslim aus einem Flüchtlingslager. Große Schande hat sie über ihre Familie durch diese Liebe zum Mann einer anderen Glaubensrichtung gebracht. Ihre Brüder töten ihn. Nawal schenkt dem Kind die Geburt und muss es umgehend abgeben und den Ort im Süden des Landes verlassen. Als Studenten an einer Universität im Norden lernt sie Französisch und engagiert sich politisch. Als es zum Bürgerkrieg im Land kommt und von Massakern an Christen im Süden die Rede ist, bricht Nawal auf um ihren Sohn zu finden. Es ist der Beginn eines zweiten, noch viel schrecklicheren Lebensabschnitts.

    Wieder zurück in der Gegenwart begleiten wir Tochter Jeanne auf ihrer Entdeckungsreise, die exakt 30 Jahre später auf den Pfaden der Mutter wandelt. Als Tochter von Nawal Marwan ist auch sie eine Ausgestoßene im alten Familienkreis des Heimatlandes ihrer Mutter. Es gilt die mittelalterliche Sippenhaft. Stück für Stück kommt sie dem Geheimnis ihrer Mutter und zugleich auch ihrem Geheimnis auf die Spur und wird am Ende den Boden unter ihren Füßen verlieren.

    Geschickt erzählt Drehbuchautor und Regisseur Denis Villeneuve diese Familiengeschichte über mehrere Zeitebenen die perfekt miteinander verwobenen sind. Die tristen Aufnahmen der zerstörten Städte, die Filter und Farben ziehen den Betrachter tief rein in diesen außergewöhnlichen Film. Hinzu kommen kulturelle Schilderungen, die äußert detailliert gezeigt werden und so für eine hohe Authentizität sorgen. Der Horror des Krieges und zu welch Gräueltaten Menschen im Namen der Religion fähig sind ist allgegenwärtig und wird doch niemals von Villeneuve explizit bildlich ausgewälzt. Das muss er auch gar nicht, denn allein die gewählten Einstellungen als auch Bildausschnitte genügen um das Kopfkino des Zuschauers unangenehm zu malträtieren.

    Getragen wird der Film von einem unglaublich fabelhaften Frauenduo. Lubna Azabal als Nawal Marwan und Mélissa Désormeaux-Poulin als ihre Tochter Jeanne. Wie die beiden Frauen hier an ihre Grenzen gehen und die Figuren bis in die kleinste Faser ihres Körpers aufgenommen haben ist sensationell.

    So wohnte ich diesem erzählerischen, humanistischen und visuellen Meisterwerk bis kurz vorm Schluss bei und war schlichtweg begeistert. Lange nicht mehr konnte mich ein Film so umhauen und dann bahnte sich der tragische Höhepunkt an und als der Kontaktmann Simon verkündete, Nihad habe nicht mit Abu Tarek zusammengearbeitet, wollte ich fast kotzen und habe den Film plötzlich gehasst, wollte gar nicht mehr hinschauen und war schlichtweg fassungslos. Wozu all das? Hätte Nawal jemals einen anderen Weg gehen können? Die Liebe zu ihrem Kind hat sie so unglaublich bestraft? Das eigene Kind, verbunden in der nicht enden wollenden Suche nach der Mutter findet diese, erkennt sie nicht und vergewaltigt sie?

    Ich habe es ein wenig sacken lassen und begreife Incendies heute als große griechische Tragödie der Gegenwart. Allein der Moment, als Nawal ihren Peiniger und zugleich Sohn im Schwimmbad erkennt, das Wasser verlässt, kein Wort mehr spricht und sterben wird. Nicht zu verarbeiten sind diese Qualen, die sie auch ihren beiden Kindern nicht mitteilen kann – sie müssen den schmerzhaften Weg auf eigenen Füßen nachschreiten. Doch wenn die Briefe ihre Adressaten erreicht haben, dann ist von Vergebung die Rede. So groß das Unheil auch gewesen sein mag, auch der Geburt dieser Kinder liegt etwas Gutes zu Grunde. Bitter natürlich, dass sie entstanden aus einer Vergewaltigung eine behütete Kindheit besaßen, während das Kind der Liebe, aufgewachsen ohne Mutter, schon früh den Horror kennenlernte.

    Der Film zeigt eindrucksvoll die Sinnlosigkeiten des Krieges, gerade zwischen den Religionen und zu welch epischem Wahnsinn all das führen kann. Dabei schlägt sich Villeneuve auf keine Seite, hier machen sich alle die Hände schmutzig und müssen dafür bezahlen.

    Incendies ist schmerzhaftes und faszinierendes Kino, dass den Zuschauer mit vielen Gedanken entlässt. Der Film ist vorbei, das Kopfkino rattert weiter. Wie Nawal hab ich meinen Frieden gemacht und vergebe...



    9 / 10
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