KING KONG
(Peter Jackson)
SPOILER included!!!
Hier ist er also, Peter Jacksons Traumfilm. Dass es immer sein absoluter Wunschtraum war, diesen Film zu machen, merkt man in jeder Einstellung, zu jeder Sekunde. Aber: Sein Opus Magnum ist es nicht. Das war vielleicht schon LOTR, vielleicht kommt es auch noch. King Kong ist nicht perfekt, Schwachstellen gibt es einige. Mancher Dialog ist ein bisschen holprig, einzelne Szenen riechen zu stark nach Computer, manchmal übertreibt es Jackson in zu gewollter Bildgewalt. Das lässt sich aber alles verschmerzen, als kleine Fussnoten in einem ansonsten weiteren Highlight seiner Filmographie.
Im Grunde ist King Kong ein Dreiteiler und jedem Akt wird ziemlich genau eine Stunde Platz eingeräumt: New York/Schifffahrt, Skull Island, New York again. Fliessende Übergänge gibt es nicht, die einzelnen Teile sind klar abgegrenzt, ist aber nicht störend.
Akt I kommt völlig ohne Action aus, stattdessen wird ein detailfrohes Bild von New York in der Depression gezeichnet, Schlangen vor der Suppenküche, Vaudeville-Theater am Rande des Ruins, obdachlose Parkbankschläfer usw. Manch einem wird das inkl. Reise zur Insel langwierig vorkommen, ich fand's wunderbar und hey: Das Original lässt sich ja ebenfalls viel Zeit, um zu Potte zu kommen.
Skull Island ist das zwiespältigste Kapitel. Nach einer sehr gelungenen Ankunft und der Opferung Anns greift PJ zu lang und zu oft in die Trickkiste. Das war zu erwarten, ein sensibles Händchen fürs richtige Maß war nie Jacksons Stärke. Das macht normalerweise nichts, das hat bei Bad Taste, bei Braindead, bei LOTR zu den schönsten Momenten seiner Trivialkunst geführt, bei King Kong war es doch störend. Auf der andern Seite zeigt er dann seine Begabung für mitreissendes Action-Kino, der Kampf gegen die T-Rexes gehört zum Feinsten, was je auf Zelluloid gebannt wurde (sorry an KeyzerSoye, wenn ich hier einfach mal bei Dir geklaut habe). Das alles ist aber nur Beiwerk zur Hauptattraktion: King Kong selbst ist ein grandios animiertes Kunststück geworden und hat in Naomi Watts eine tolle Mitspielerin gefunden. Mit viel Gefühl wird der Anfang der Mensch-Affe-Beziehung initiiert, indem Ann King Kong ein paar ihrer Theaterkunststücke vorführt. Das gefällt dem Gorilla, viel witziger findet er es aber, sein Spielzeug mit dem Finger umzustubsen. Herrliche Szene! Das Ende der Skull Island-Episode markiert dann logischerweise die verhängnisvolle Jagd Anns, an deren Ende die Gefangennahme steht. Schnitt, Vorhang auf für
Akt III, zurück in New York findet sich King Kong angekettet auf einer Bühne wieder, Schauobjekt der High Society. King Kong befreit sich und macht sich auf die Suche nach Ann (was einige Blondinen auf der Strasse zu spüren bekommen). Die letzte halbe Stunde kommt völlig ohne Dialog aus, ein einziges Grande Finale mit überwältigendem Schauwert, ohne dass das Herz zu kurz kommt. Hier gibt sich Jackson vollkommen dem Gefühlskino hin, das wird manche abstossen, ich hab's genossen. Der Höhepunkt der Geschichte findet natürlich auf dem ESB statt und dort auch meine Lieblingsszene. Als King Kong das erste Flugzeug erwischt, markiert er noch wie immer den Starken, voller Triumpfgefühl röhrt er über New York. Doch langsam scheint er zu realisieren, dass er tief in der Patsche steckt. Und als er dem zweiten Flugzeug den Garaus gemacht hat, wendet er sich nur mit verzweifeltem Blick ab, mit dem Wissen, "hier komm ich nicht mehr heil runter". Das ist so herzzerreissend, tut mir leid, da geht der Pathos Honey mit mir durch.
Die Frage, ob der neue mit dem alten Kong mithalten kann, müssen Andere beantworten. Ich mag den Cooper-Film sehr, aber ich liebe ihn nicht abgöttisch, wie es manch Anderer tut. Eins ist klar: Peter Jackson ist ständig nah am Original. Irgendeine Zeitung hat geschrieben, der Film ist ein Museum für den 33er-Movie. Stimmt nur teilweise, denn Jackson hat den Stoff so augearbeitet, dass King Kong 2005 mehr ist als nur eine technisch aktualisierte Wiederverwertung.
Darstellerisch hab ich im Grunde garnichts zu bemängeln, Jack Black macht seine Sache gut, Brody ist souverän, Watts klasse, wenn auch nicht oscarwürdig, wie viele meinen. Und Kretschmann zeigt seine beste Hollywood-Leistung.
Noch eins, die PJ-typischen kleinen Filmzitate und Querverweise. Auch King Kong ist voll davon. Mal sehr offensichtlich "Herz der Finsternis", das gelesen, diskutiert und rezitiert wird (und mich hoffentlich endlich mal dazu bringen wird, das Buch zu lesen), versteckt der Original-Kong in Bild und Ton (z.B. die Max Steiner-Musik) oder Howard Shore als Dirigent. Und auf dem Schiff gibt's bei den Tierkäfigen auch einen für den Rattenaffen.
9/10


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