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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #91
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 9: Thomas.Schutte

    Philadelphia (1993) - Jonathan Demme



    Längst bin ich nicht mehr so empfänglich für das (über-)dramatisierende typische Hollywood-Kino. Früher hätte ich mich von so einem Film sicherlich noch leicht mitreissen lassen, heutzutage muss ich jedoch sagen, dass ich in diesem speziellen Fall eine wertfreiere und distanziertere Inszenierung klar bevorzugt hätte. Jonathan Demme drückt mir nämlich am Ende doch etwas zu sehr auf die Tränendrüse und verhindert damit einen objektiveren Blick auf Tom Hanks' Krankheit und die Umstände seiner Entlassung zu werfen.

    Trotzdem überraschte mich Philadelphia mit so einigen unkonventionellen Ideen. Ohne den Film jetzt also weiter zu zerpflücken, schliesse ich meinen Beitrag mal mit 3 Punkten ab, die mir positiv in Erinnerung blieben:

    1. Denzel Washington gefiel mir noch nie so gut wie hier. Normalerweise mag ich ihn nicht so, was - wie ich jetzt weiss - wohl auf seine oftmals unsympathischen Rollen zurückzuführen ist. Hier gelang es Demme jedoch einen wirklich dreidimensionalen Charakter zu schreiben. Seine Haltung, langsam Mitgefühl für Hanks zu empfinden, sich gleichzeitig aber nie ganz von seinem Schwulenhass zu befreien, schien mir jedenfalls durchweg nachvollziehbar und konsequent zu Ende gedacht.

    2. Die berühmte Szene mit der Opernmusik. Auch wenn ich nicht wirklich die emotionale Bindung zur Musik aufbauen konnte, wie es Hanks tat, mir gefiel an dieser Stelle im Film jedoch, dass die Arie direkt im Anschluss nochmals zu hören ist. Als sich Denzel auf seinem Nachhauseweg macht, erinnert er sich durch diesen Kniff quasi rein musikalisch auf sein vorangegangenes Treffen mit Hanks wieder zurück und zeigt gleichzeitig das aller erste Mal im Film Verständnis für ihn. Als Zuschauer empfindet man dies natürlich ebenso.

    3. Die Gerichtsverhandlung. Erfreulich daran fand ich, dass sie plötzlich zu Ende war und die Drehbuchschreiber nicht versucht haben, durch irgendwelche konstruierten Ereignisse eine künstliche Spannung aufzubauen. In dieser Hinsicht war der Film also doch überraschend "sachlich".

    7/10

  2. #92
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 10: Kalervo

    The Impostors (1998) - Stanley Tucci



    The Impostors ist eine Art Hommage an die alten Slapstick/Screwball-Komödien im Stile von Laurel und Hard und Co., leider hat er meinen Humor aber nicht so ganz getroffen. Insgesamt war es mir einfach viel zu viel Klamauk, während die Darsteller durch die Bank weg genervt haben. Bei Komödien ist es bei mir immer so eine Sache: Ich frage nicht am Schluss immer wieder, weshalb ich den einen Film urkomisch und den anderen wiederum so unlustig fand. Ich denke, der Humor muss nicht unbedingt tiefgründig sein, denn ich kann sicher auch mal über einen flachen Witz lachen, aber letztlich sind bei mir wohl zwei Merkmale ausschlaggebend: Einerseits muss ich die Darsteller durchweg sympathisch finden, und andererseits mich in ihre Situationen hinein versetzten können, da ich vielleicht ähnliches selbst schon erlebt habe.

    Beide Punkte trafen bei The Impostors nicht zu, dabei mochte ich den Film zunächst jedoch durchaus. Das Intro z.B., in dem Tucci und Platt einen Sketch in alter Stummfilm-Manier spielen, ihre Schauspielkünste unter Beweis stellen und dazu die passende Piano-Tango-Musik - genau mein Ding. Auch später, als die beiden in Selbstzweifel geraten und Tucci seinen Unmut in einer Rede direkt an den Zuschauer richtet. Jedenfalls dachte ich, dies sei ein Film über die Schauspielkunst und die Probleme, die mit diesem Beruf so verbunden sind. Das ist er zwar auch irgendwie, aber die Story war mir im weitere Verlauf viel zu flach, sodass diese interessanten Ansätze nicht wirklich zur Geltung kamen.

    Spätestens auf dem Schiff nervte mich The Impostors dann nur noch. Die Darsteller - der Nazi-Deutsche oder der depressive Selbstmordgefährdete z.B. - durchweg eindimensional und klischeehaft, und auch die Handlung kam nicht wirklich vom Fleck. Es war eigentlich die ganze Zeit nur ein ständig Hin und Her, Verstecken spielen, später dann noch eine potenziell Anschlag verhindern. Dabei geht der Film jedoch nicht wirklich auf die Motivationsgrundlage seiner Charaktere ein, alles bleibt oberflächlich und unbegründet. Auch das Setdesign wirkte unglaublich künstlich und statisch (vielleicht mit Absicht?). Ich hatte jedenfalls zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, mich auf einem Schiff zu befinden. Die Handlung hätte genau so gut in irgendeinem x-beliebigen Hotel spielen können.

    Letztendlich hat sich der Film für mich also als ein riesengrosses "Nichts" entpuppt, was nach dem viel versprechenden Anfang doch ein wenig schade ist.

    5/10

  3. #93
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 11: Danwalker

    Midnight Cowboy (1969) - John Schlesinger



    John Wayne! Are you tryin' to tell me he's a fag?
    Noch nie etwas gehört von diesem Film; nach Waking Life aber nun endlich doch noch eine weitere positive Überraschung.

    In Midnight Cowboy spielt Jon Voight einen reichlich naiven aber sympathischen Möchtegern-Cowboy, der seinen Job als Tellerwäscher kündigt und sich nach New York aufmacht, da er dort als Callboy erfolgreich werden will. Es läuft jedoch alles andere als geplant: Ständig wird er ausgenommen und über den Tisch gezogen, während die weibliche Kundschaft ausbleibt. Auch Dustin Hoffman, der seinen kränklichen, verkrüppelten "Manager" spielt, ändert daran nicht viel, immerhin findet er aber in ihm einen netten Zeitgenossen und Kumpanen.

    Wie der Film die aussichtslose Situation der beiden zeichnet, ist wirklich beklemmend. Nichts wird beschönigt. Man hat das Gefühl, dass sie von diesem Moloch New Yorks regelrecht verschlungen werden. Dabei erweist sich die Inszenierung als sehr eindrücklich: Ständig kriegt der Zuschauer Rückblenden aufgebunden, die den gegenwärtigen Zustand von Voight und Hoffman reflektieren. Oftmals rasant geschnitten und von verstörender Wirkung, vermischen die Bilder Vergangenheit und Gegenwart auf eine Weise, dass fast Lynch-esque Zügen entstehen. Jedenfalls echt unheimlich.

    In einer Szene z.B. versucht Voight, der sich vorher extra schick gemacht hat, sein Glück in einer Art Frauen-Hotel. Hoffman, der draussen auf ihn wartet, wittert bereits das grosse Geschäft und stellt sich vor, wie sie zukünftig an einem Swimmingpool, von diversen Damen umgeben, verwöhnt werden. Prompt kriegt Voight voll eine reingehauen und fliegt im hohen Bogen aus der Hotellobby, während auch die Stimmung in Hofmans Fantasiewelt plötzlich umschlägt, und sich seine Liebhaberinnen nun mit Nasen-Verbänden an ihm verschaffen wollen. Der ganze Film lebt von solchen abstrusen Situationen, für 1969 ganz schön revolutionär (aber vielleicht hinterliess auch die Hippiebewegung ihre Spuren).

    8/10

  4. #94
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 1: John McCane

    Man on Wire (2008) - James Marsh



    If I see three oranges, I have to juggle. And if I see two towers, I have to walk.
    Ein wahr gewordener Traum. Anders kann ich das Gefühl nicht beschreiben, das dieser Film gestern in mir auslöste. Man on Wire dokumentiert das Leben des französischen Drahtseilkünstlers Philippe Petite, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die tollkühnsten Darbietungen zu bieten, die in seinem Beruf wahrscheinlich je gemacht worden sind. Er überquerte einst die Notre-Dame Kathedrale und die Sydney Harbour Bridge – illegal und natürlich ohne Sicherungsseil, bis ihn schliesslich die Vision packte selbiges in 400 Meter Höhe zwischen den Türmen des World Trade Centers zu versuchen. Und dass ihm das tatsächlich gelang, ist natürlich an sich schon ein Wunder, noch viel unglaublicher ist es jedoch, als Zuschauer in dieser 90 minütigen Dokumentation hautnah mitzuerleben, mit welcher Besessenheit und Hingabe er und seine Mithelfer dieses wahnsinnige Unternehmen bestritten haben.

    Jahrelang haben sie auf diesen einen Tag hin gearbeitet, wie es James Marsh, der Regisseur, sehr eindringlich mit teils echten und teils inszenierten Aufnahmen minutiös protokolliert. Modelle und Grundrisse der Türme wurden studiert, Ausweise gefälscht, während sie sich einmal sogar als französische Reporter ausgaben, um bei ihren zahlreichen Besuchen der Twin-Towers an genügend Fotomaterial zu kommen. Geprobt wurde auf dem heimischen Boden in Frankreich, wo sie die vorherrschenden Bedingungen in New York möglichst genau nach konstruierten. In der Nacht vor dem grossen Event brachten sie schliesslich heimlich das Seil zwischen den Türmen an, ständig unter der Anspannung, dass ihr Plan jeden Moment aufzufliegen droht.

    Man merk, der Film gleicht eigentlich einem "Heist"-Movie, und genau als solcher wird er auch inszeniert, nur mit dem Unterschied, dass es weder zu einem Raub kommt, noch irgendjemandem geschadet wird. Ihr Unterfangen verfolgt nämlich nur ein Ziel: Den langjährigen Wunsch einer einzelnen Person zu erfüllen. Und in dem Moment dann, als Petite es tatsächlich wagt, um 7 Uhr morgens vor versammeltem Publikum auf das Seil hinauszusteigen, weiss man, dass es der Moment ist, für den Petites ein ganzes Leben lang hin gearbeitet hat, während er den Menschen um ihn herum ein Stück dieses unfassbaren, befreienden Gefühls mit auf den Weg gibt.

    Man on Wire zeigt eindrücklich, wozu der Mensch geistig und körperlich in der Lage ist und dass die besten Geschichten immer noch das Leben selbst schreibt. Dabei ist absolut gleichgültig, ob Petites Aktion einen tieferen Sinn besitzt oder nicht, denn das einzige was in diesem einzelnen Moment zählt, ist sein Wille, der ihn dazu befähigte etwas zu tun, wovon andere nur träumen können.

    To me, it's really so simple, that life should be lived on the edge. You have to exercise rebellion. To refuse to tape yourself to the rules, to refuse your own success, to refuse to repeat yourself, to see every day, every year, every idea as a true challenge. Then you will live your life on the tightrope.

    9/10

  5. #95
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 2: Daniel

    El espíritu de la colmena / The Spirit of the Beehive (1973) - Víctor Erice



    Eindeutig der "schwierigste" Film, der mir bisher bei OMFE empfohlen wurde, und umso schwieriger ist es, meinen wirren Gedanken nun einigermassen eine Form zu verleihen. (Aber das macht nichts, denn so habe ich es ja am liebsten...)

    Die Handlung erscheint auf den ersten Blick reichlich bizarr, tritt im Film selbst aber überhaupt nicht als solches in Erscheinung. Unheimlich natürlich und ausgewogen wird die Geschichte zweier Mädchen erzählt, die während der Zeit des spanischen Bürgerkriegs in einem entlegenen Dorf aufwachsen. Der Film beginnt mit einer Kinovorführung eines Wander-Kinos, in der sich die beiden den Horrorklassiker Frankenstein ansehen. Die Schlüsselszenen des Films bleiben dem Zuschauer dabei verwehrt, was man jedoch sieht, ist, dass die Filmvorführung bei einem der beiden Mädchen (Ana) eine gewaltige Nachwirkung erzeugt. Sie bekommt von ihrer Schwester erzählt, dass das Monster als Geist weiter lebe und macht sich fortan auf die Suche nach diesem verschollen geglaubten Wesen, während sie sich ihrer eigenen Angst und dem Tod stellen muss und langsam den Bezug zur Realität verliert.

    Parallelen zu del Toros Pan's Labyrinth tun sich auf. Beide Filme spielen schliesslich in der selben Zeit, als der Diktator Franco die Macht ergriff, und rücken ein Kind in das Zentrum des Geschehens. Und doch sind beide Filme so grundverschieden. In Pan ist die Gewalt um Ofelia herum Auslöser, dass sie in ihre eigene Fantasiewelt flüchtet, hier hingegen ist es ein Horror-Film. Während man jedoch bei ersterem immer genau sieht, was im Inneren von Ofelia stattfindet, verzichtet der Regisseur bei The Spirit of the Beehive mit Ausnahme einer Szene darauf. Als Zuschauer sieht also man nicht was, sondern nur wie Ana ihre plötzlich fremd gewordene Umgebung sieht. Während del Toro also höchstens ein Einblick in die Welt eines Kindes gewährt, geht dieser Film noch ein Stück weiter, indem er es einem gestattet, durch Anas Augen hindurch nochmal selbst ein Kind zu sein. Als Zuschauer kann man nämlich nur mutmassen, was in Anas Kopf vorgeht und fühlt sich letztlich dazu genötigt, selbst in ihre Rolle zu schlüpften.

    Die Erzählweise des Films ist dabei sehr langsam gehalten und erfordert einige Portionen Geduld, was mich ein wenig an die Filme von Tarkovsky erinnert hat. Für manch einen wäre The Spirit of the Beehive sicherlich das ideale Schlafmittel. Und ich gebe zu, während des Schauens fesselten mich die Bilder nicht wirklich an den Fernseher. Ständig erwartete ich ein einschneidendes Ereignis, das die Handlung mal richtig in Gang setzt, darauf warten man jedoch vergebens. The Spirit of the Beehive ist vielmehr ein Film der nachwirkt und mit einer angepassten Erwartungshaltung nochmals gesehen werden will.

    Noch ganz weiss ich nicht, wie viel Bedeutung ich diesen Bildern wirklich beimessen kann. Auch viele Fragen, nicht zuletzt nach der Bedeutung des titelgebenden Bienenstocks, bleiben offen. Mit der Absicht, den Film sicherlich nicht das letzte Mal gesehen zu haben, vergebe ich deshalb eine vorsichtige

    7/10.

  6. #96
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 3: KeyzerSoze

    Vredens dag / Tag der Rache (1943) - Carl Theodor Dreyer



    Dreyers Tag der Rach führte mir zunächst abermals meine Schwierigkeiten, die ich gegenüber manchen "religiösen" Filme habe, vor Augen. Auch wenn der dänische Filmemacher mit den ständigen Glaubensbekenntnissen seiner Charaktere natürlich ein klares Ziel verfolgte, auf die Dauer ging mit ihr religiöses Geschwafel jedoch gehörig die Nerven. Auch die Kammerspiel-Lastigkeit des Films hinterliess einen eher verhaltenen Eindruck: Einerseits war sie für die eng geführte Storyline natürlich sehr effektvoll, zuweilen wirkte die Inszenierung aber auch wie abgefilmtes Theater. Ganz "filmisch" war dann wiederum die hervorragende Belichtung, welche so manchen Gesichtszügen eine fast beängstigende Aura verpasste.

    Ein Glück kam es dann in der zweiten Hälfte zu einem wohltuenden Bruch. Die junge Frau des Pfarrers dreht mit dessen zurückgekehrten Sohn durch und entwickelt eine heimliche Liebesbeziehung. Als sie ihrem ehemaligen Gatten ihre neue Liebe gesteht und gleichzeitig seinen Tod wünscht, kommt es zu einem Zwischenfall - der hier nicht gespoilert werden will - und die eigentlich unschuldige Ehefrau wird fortan der Hexerei bezichtigt. Auch wenn sie für dieses Unglück natürlich nicht verantwortlich ist, bedient sich Dreyer an allen filmischen Mitteln, um den Zuschauer von ihrer Schuld zu überzeugen. Denn so wie ihre einstigen Verbündeten sie plötzlich als Hexe brandmarken, fragt man sich nämlich auch selbst für einen kurzen Augenblick, ob in jenem fatalen Moment nicht doch irgendeine höhere Macht in das Geschehen einwirkte. Der religiöse Fanatismus, der damaligen Zeit vorherrschte, wird einem damit auf wirklich erschreckende Weise nahe gebracht und so gesehen konnte ich mich für den Film zum Schluss dann doch noch begeistern.

    7/10

  7. #97
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 4: TheUsualSuspect

    Le dernier combat (1983) - Luc Besson



    Le dernier combat ist Luc Bessons erster Spielfilm und handelt von drei Personen, die in einer postapokalytischen Gegend leben. Einem namenloser Mann, der sich auf der Flucht vor einer Schar Banditen befindet, einem Doktor, der in einem verlassenen Krankenhaus eingesperrt ist, und einem Wilderer (Jean Reno). Zunächst zum Positiven: Der Film bringt seine Endzeitstimmung wirklich glaubhaft herüber, sei es durch einen plötzlich hereinbrechenden "Fischregen", verwüstete Wohnhäuser oder umherziehende Plünderer. Als Besonderheit verzichtet der Film komplett auf Dialog und lässt alleine die Bilder sprechen. Und ich muss zugeben, dafür dass im Film ausser in einer Szene kein einziges Wort fällt, konnte er meine Aufmerksamkeit eigentlich die ganze Zeit über aufrecht erhalten.

    Insgesamt war mit Le dernier combat trotzdem eine etwas zu minimalistische Angelegenheit. Die Hauptdarsteller des Films bleiben die ganze Zeit lang mehr oder weniger gesichtslos, wobei ich glaube, dass auch bei einem "Stummfilm" eine vielschichtigere Charakterisierung durchaus möglich gewesen wäre. Auch die Handlung fiel sehr schlicht aus; im Kern stellt der Film eine Art Katz und Maus-Spiel dar: Einerseits der Doktor und Namenlose, die sich in einem Hospital vor der Aussenwelt abschirmen und langsam ihr gegenseitiges Vertrauen gewinnen, und andererseits der Wilderer, der sich einen Weg in das verriegelte Gebäude sucht. Dabei konnte es jedoch nur zu wenigen Konfrontationen, insgesamt dominiert eindeutig die Stille das Geschehen.

    Besson verzichtet in seinem Film auf jeglicher Erklärungen. Weshalb frönt Jean Reno beispielsweise ständig seiner Mordlust? Eine Ursache für sein Verhalten liefert der Filmemacher nicht. Mir war diese "Offenheit" alelrdings eindeutig ein wenig zu viel des Guten. Neben dem althergebrachten Kampf zwischen Gut und Böse, konnte ich ehrlich gesagt auch keinen tieferen Sinn hinter dem Gezeigten ausfindig machen. So bleibt Le dernier combat für mich ein Film, der an seiner Oberfläche haften bleibt und der in erster Linie von seiner stimmigen Atmosphäre lebt.

    6/10

  8. #98
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 5: David_Aames80

    The Fisher King (1991) - Terry Gilliam



    The Fisher King handelt von dem lautstarken Radiomoderator Jack Lucas (Jeff Bridges), der seinen Zuhörern gerne mal eine herablassende Bemerkung erteilt. Einer dieser Zuhörer - der geisteskranke Edwin - fühlt sich eines Nachts durch eine von Jacks Sticheleien angegriffen und läuft in einem New Yorker Szene-Restaurant unerwartet Amok. Jack, der von nun an von Schuldgefühlen geplagt wird, fällt daraufhin in eine Depression und Alkoholsucht. Er beschliesst sich das Leben zu nehmen, wird jedoch im letzten Moment von dem Obdachlosen Parry (Robin Williams) gerettet, der ihn - Gillian-typisch - mit der New Yorker Unterwelt vertraut macht. Er erzählt ihn vom Heiligen Gral, der sich direkt in einem Apartment hinter dem Central Park befinden soll, und dass ihn seit der Ermordung seiner Frau Visionen plagen, in denen er von einem roten Ritter verfolgt wird. Trotz ihrer gegensätzlicher Persönlichkeiten freunden sich die beiden schliesslich an und finden wieder neuen Lebenshalt.

    Was Ben nicht wissen konnte - ich habe eine starke Robin Williams-Aversion. Mir geht seine exzentrische Art nämlich oftmals auf den Geist, und da er hier das ständig plappernde Nervenbündel geradezu in Perfektion spielt, wird es einen wohl auch nicht gross überraschen, dass ich mit der zweiten Hauptrolle des Films nicht allzu viel anfangen konnte. Nichtsdestotrotz war mir The Fisher King durch seine skurrilen Einfälle und irgendwie doch liebevoll erzählten Story sympathisch. Vom Optischen ist der Film dabei ganz in der typischen Gilliam-Manier gehalten, mit diesen grellen Farben, der subjektiven Kamera und den plötzlich auftauchenden Fantasy-Elementen. Ich würde mich nicht unbedingt als Fan seines Stils outen - dazu wirkt er auf mich oftmals zu "dreckig" - seine Handschrift besitzt jedoch immer einen hohen Wiedererkennungswert. Zum Schluss gab es dann einige amüsante Szenen zu bewundern (herab fallende Videokassetten) und seltsamerweise hatte ich dann auch plötzlich Mitleid, wenn es dem guten Robin gegen Ende die Sprache verschlägt. Alles in allem gibt es eine knappe

    7/10.

  9. #99
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 6: Danwalker

    Seven Pounds (2008) - Gabriele Muccino



    In Seven Pounds spielt Will Smith mal nicht den üblichen Witzbold, sondern einen in sich gekehrten, sentimentalen Beamten der Steuerbehörde. Sein Ziel, das Leben von sieben Menschen nachhaltig zu verändern, ins Positive versteht sich. Das hat ein bisschen etwas von Pay It Forward, in Muccinos Film spielt die Rahmenhandlung jedoch höchstens im Hintergrund eine Rolle. Als Zuschauer erfährt man zudem erst sehr spät, weshalb Will Smith all diesen Fremden einen Besuch abstattet und welcher Schicksalsschlag letztlich dafür Anlass war, dass er zu einem solch zerbrechlichen Wesen wurde. Mir persönlich war Smith jedoch fast schon etwas zu zerbrechlich, zu ruhig, und zu unscheinbar. Ja, eigentlich steht er die meiste Zeit nur irgendwo im Raum und gibt den ein oder anderen schüchtern wirkenden Spruch von sich. Ehrlich gesagt, ich bin mir gar nicht so sicher, ob Will Smith überhaupt in diesem Film mitgespielt hat...

    Die Handlung - ja war da noch eine Handlung? - sie hinterliess bei mir einen auch eher zwiespältigen Eindruck. Einerseits würde ich die Macher des Films durchaus loben, einen Film so zu erzählen, mit solchen unkonventionellen Mitteln, der mit dem Zuschauer spielt, ihn in Unwissenheit lässt und sich dabei ganz auf die Leistung seiner Schauspieler konzentriert. Leider ging es für mich nicht ganz auf. Dadurch, dass ich so lange überhaupt nicht wusste, um was es in dem Film eigentlich geht, konnte ich auch nur schwer eine Beziehung zu dem Gezeigten aufbauen. Darüber hinaus hatte ich das Gefühl, dass Smiths Ambitionen eigentlich immer nur hintergründig kurz zum Vorschein kamen. Ja, eigentlich bewirkt er gar nichts sonderlich grossartiges. Der eine kriegt das Augenlicht (irgendwie), die eine sein Haus und die andere sein Herz. Und was war nochmal mit den anderen vier?

    Mit zunehmender Laufzeit kristallisiert sich dann eine schnulzige Liebesbeziehung heraus. Zu diesem Zeitpunkt hatte mich an Seven Pounds dann fast überhaupt nichts mehr interessiert. Bald folgte schliesslich eine Heulszene nach der anderen, während Smiths Aufopferungsprozess noch für das passende kitschig-sentimentale Hollywood-Ende sorgte. Vielleicht war ich ein wenig in der falschen Stimmung, aber nein, diese Filmempfehlung ging diesmal fast vollständig an mir vorbei. Reine Zeitverschwendung war Seven Pounds deswegen aber auch nicht.

    5/10

  10. #100
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 7: Argonaut

    Jui kuen II / Drunken Master 2 (1994) - Liu Chia-Liang



    Ich gebe zu, ich habe ihn auf Englisch synchronisiert geguckt. Eine andere Sprachauswahl stand mir nicht zur Verfügung. Trotzdem, dem Sehvergnügen tat dies keinen Abbruch... Ach, der Film war auf diese Weise wahrscheinlich noch um ein vielfaches witziger! Die englischen Synchronsprecher sind ja sowas von ULTRASCHLECHT und verpasstem dem Ganzen eine schöne trashige Note (auch wenn der Film im Original jetzt wahrscheinlich nicht direkt trashig sein will). Aber wie gesagt, ich fand's spassig, zumal die englischen Stimmen teilweise ebenso "dahergenuschelt" wurden, dass es schon fast nach Chinesisch (Jaja... Kantonesisch) klang.

    Die Handlung war... vergessenwert. Ich habe sogar zeitweise den Faden verloren, worum sich die Beteiligten hier eigentlich die ganze Zeit klopten. Aber so einen Film guckt man sich sowieso nur wegen den Action-Szenen an, und in dieser Hinsicht wurde auch nicht enttäuscht Kung-Fu-Drunken-Style-Boxing war nämlich schon seit jeher mein Lieblingskampfstil! Und vor allem der Schlussfight kann sich durchaus mit dem besten messen, was ich bisher in diesem Genre sehen durfte. Unglaunlich, was Jackie Chan hier alles auf sich nimmt: Er kotzt sich regelrecht die Seele aus dem Leib und wird mal eben auf einen heissen Kohlehaufen geworfen.

    Wegen den Kampfszenen und der lustigen Synchro - definitiv sehenswert!

    7/10

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