OMFE #2 Round 9: Thomas.Schutte
Philadelphia (1993) - Jonathan Demme
Längst bin ich nicht mehr so empfänglich für das (über-)dramatisierende typische Hollywood-Kino. Früher hätte ich mich von so einem Film sicherlich noch leicht mitreissen lassen, heutzutage muss ich jedoch sagen, dass ich in diesem speziellen Fall eine wertfreiere und distanziertere Inszenierung klar bevorzugt hätte. Jonathan Demme drückt mir nämlich am Ende doch etwas zu sehr auf die Tränendrüse und verhindert damit einen objektiveren Blick auf Tom Hanks' Krankheit und die Umstände seiner Entlassung zu werfen.
Trotzdem überraschte mich Philadelphia mit so einigen unkonventionellen Ideen. Ohne den Film jetzt also weiter zu zerpflücken, schliesse ich meinen Beitrag mal mit 3 Punkten ab, die mir positiv in Erinnerung blieben:
1. Denzel Washington gefiel mir noch nie so gut wie hier. Normalerweise mag ich ihn nicht so, was - wie ich jetzt weiss - wohl auf seine oftmals unsympathischen Rollen zurückzuführen ist. Hier gelang es Demme jedoch einen wirklich dreidimensionalen Charakter zu schreiben. Seine Haltung, langsam Mitgefühl für Hanks zu empfinden, sich gleichzeitig aber nie ganz von seinem Schwulenhass zu befreien, schien mir jedenfalls durchweg nachvollziehbar und konsequent zu Ende gedacht.
2. Die berühmte Szene mit der Opernmusik. Auch wenn ich nicht wirklich die emotionale Bindung zur Musik aufbauen konnte, wie es Hanks tat, mir gefiel an dieser Stelle im Film jedoch, dass die Arie direkt im Anschluss nochmals zu hören ist. Als sich Denzel auf seinem Nachhauseweg macht, erinnert er sich durch diesen Kniff quasi rein musikalisch auf sein vorangegangenes Treffen mit Hanks wieder zurück und zeigt gleichzeitig das aller erste Mal im Film Verständnis für ihn. Als Zuschauer empfindet man dies natürlich ebenso.
3. Die Gerichtsverhandlung. Erfreulich daran fand ich, dass sie plötzlich zu Ende war und die Drehbuchschreiber nicht versucht haben, durch irgendwelche konstruierten Ereignisse eine künstliche Spannung aufzubauen. In dieser Hinsicht war der Film also doch überraschend "sachlich".
7/10


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