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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #101
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 8: VJ-Thorsten

    Lars and the Real Girl (2007) - Craig Gillespie



    Jetzt sind es schon fast zwei Wochen her, seit ich Lars and the Real Girl gesehen habe. Meine Erinnerungen verblassen zwar langsam, der positive Eindruck blieb jedoch eindeutig erhalten. Der Film schildert die zugleich traurige und rührende Geschichte Lars Lindstroms (Ryan Gosling), der - obwohl er gleich neben dem Haus seines Bruders Gus und dessen Frau Karin wohnt - sich von der Aussenwelt abgeschottet hat, sein Leben in der Einsamkeit fristet und wenn möglich jeden Kontakt mit anderen Menschen meidet. Erst durch eine Puppe namens Bianca, eigentlich ein Sex-Spielzeug, findet er einen Weg auf seine Weise mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, wie es auch die Psychologin in einer Stelle des Films feststellt. Auch wenn die Situation für seine Bekannten zunächst befremdlich wirkt, so haben sie Lars doch noch nie so kontaktfreudig und freudestrahlend gesehen. Dabei ist es dem Regisseur hoch anzurechnen, die Geschichte um ihn nie ins Lächerliche zu ziehen und als Anlass zu nehmen, dem Zuschauer irgendwelche Peinlichkeiten vorzuführen. Stattdessen begegnet er ihr mit einem solchen Respekt, dass selbst die absurdesten Situationen ihre Ernsthaftigkeit bewahren.

    Es macht schliesslich sogar das ganze Dorf bei Lars' "Spiel" mit. Sie akzeptieren Bianca als neues Mitglied der Gemeinschaft, verhalten sich ihr gegenüber stets höflich und verbringen sogar ihre gemeinsame Zeit mit ihr. Nicht weil sie die Puppe mögen, sondern Lars helfen möchten. Das ist zwar einerseits furchtbar idealistisch (in Wirklichkeit hätte jemand bestimmt bereits Lars' Fantasieblase zum zerplatzen gebracht), funktioniert jedoch als Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit und Mitgefühl seinen Mitmenschen gegenüber trotzdem hervorragend.

    Daneben ist Lars and the Real Girl auch darstellerisch hervorragend besetzt. Neben Ryan Gosling ist mir vor allem Emily Mortimer in Erinnerung geblieben. Was für eine Natürlichkeit die Frau jedes Mal an den Tag legt, finde ich immer wieder faszinierend; nie haftet an ihr irgendeine fahle Äusserlichkeit. Die Szene beispielsweise, als sie Lars beim Holzhacken zurecht weist, dass sie sich entgegen seiner Meinung alle um ihn kümmern würden. Gänsehaut! Auch der Schluss ist in jeder Hinsicht gelungen, verzichtet er doch auf eine erzwungen wirkende Konklusion, und lässt stattdessen die Bilder für sich alleine sprechen. Toller Film.

    8/10

  2. #102
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Sátántangó (1994) - Béla Tarr



    Der Film stellt wohl sowas wie die Königsdisziplin im Filmschauen dar. 7 1/2 Stunden Laufzeit - und damit der längste Film, den ich je gesehen habe - und Takes, die bis zu 10 Minuten andauern, bevor der eiserne Filmliebhaber endlich mit einem langersehnten Schnitt entlohnt wird. Nach den ersten 2 1/2 Stunden habe ich eine Pause eingelegt; den Rest dann am Stück geschaut. Aufgebaut ist Sátántangó in 12 Kapiteln - nach den Schritten des Tangos, wobei man den eigentlichen Tanz in der Mitte des Films zu sehen bekommt. Die Handlung selbst konnte ich nur im Ansatz vernehmen. Der Film widmet sich der Umsiedlung einer Dorfgemeinschaft in Ungarn nach dem Fall des Kommunismus, welche von einem plötzlichen Unglück überschattet wird. Immer wieder überlappen sich dabei einzelne Erzählstränge auf eine Weise, dass man gleiche Ereignisse aus letztlich verschiedenen Blickwinkeln zu sehen bekommt und sich einem langsam die Verbindungen der einzelnen Charaktere offenbaren.

    Anders als in Damnation und in Werckmeister konnte ich die Langsamkeit des Films hier eindeutig spüren. Immer wieder gibt es Einstellungen, die das minutenlange Verschwinden einzelner Personen in den Horizont dokumentieren. Der Höhepunkt der "Langatmigkeit" stellt dabei das 3. Kapitel dar, in dem man eine gefühlte Stunde nur dabei zusehen muss, wie ein alter, dicker, völlig entkräfteter Mann aus seinem Haus geht, um eine Flasche Schnaps zu holen und dabei auf dem Weg ca. ein Dutzend Male zu Boden stürzt. Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, dass ich mich wirklich auf den Film einlassen konnte. Vor allem in den ersten Stunden wurde der Film zu einem wahren Geduldsakt, bei dem ich immer wieder der Gedanken gespielt habe, das Handtuch zu werfen und dem Ganzen ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Das lange Ausharren wurde jedoch schliesslich belohnt: Der Mittelteil des Film, der sich um ein Mädchen und ihre Katze und dem bereits erwähnten titelgebenden Tanz in einer Dorfkneipe dreht, wusste eindeutig am besten zu gefallen. In letzterer Sequenz sieht und hört man ungefähr 20 Minuten lang zu, wie die Dorfbewohner (sturzbesoffen) zu einer penetranten, sich stets wiederholenden Melodie eines Akkordeon-Spielers tanzen. Der Moment, in der die Musik dann plötzlich aufhört, ist mit dem Hinausgehen aus einer Disco zu vergleichen. Ein Film für Masochisten? Irgendwie schon.

    Auch wenn ich aus meiner Ungeduld heraus Schwierigkeiten hatte, der Handlung jederzeit zu folgen, so funktionierte Sátántangóals singuläres Ereignis jedoch trotzdem. Ein Film, der sich gegen jegliche Art Konventionen sträubt und den es wahrscheinlich so nie wieder geben wird. Der Regisseur bedient sich keiner Narration mehr, nein er malt einem den Film regelrecht auf die Leinwand. Eigentlich müsste man dafür fast ein ein neues Wort kreieren. Gerne würde ich Sátántangó ein zweites Mal sehen und abermals in Tarrs düsteres Weltbild abtauchen. Gerne, würde doch nur nicht so lange dauern...

    Wertung entfällt

  3. #103
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 9: Thomas.Schutte

    Hearts in Atlantis (2001) - Scott Hicks



    Im Gegensatz zu Daniel habe ich den Rob Reiner-Film nie gesehen, trotzdem überkam mich beim Schauen von Hearts in Atlantis das Gefühl, alles schon einmal ich leicht abgeänderter Variation gesehen zu haben. Die Inszenierung ist sehr "amerikanisch" und gefühlsduselig. Wenn etwa der junge Bobby Garfield sein lang ersehntes Fahrrad im Schaufenster bertrachtet und dazu der Song Only You läuft, driftet das Ganze für mich bisweilen doch in den Kitsch ab. Meinen Geschmack traf sie jedenfalls nicht.

    Die Story um Bobbys Bekanntschaft mit dem mysteriösen Fremden Ted (Anthony Hopkins), der scheinbar übernatürliche Fähigkeiten besitzt, wird routiniert erzählt, aber, wenn ich ehrlich bin, begeistern konnte ich mich für sie nie. Hopkins Gabe die Gedanken anderer Menschen zu lesen, scheint überflüssig und will sich nicht so recht in das Gesamtkonzept des Films integrieren. Wirkliche Akzente setzt Scott Hicks eigentlich selten; die meiste Zeit plätschert die Handlung irgendwie vor sich hin. Dazu gesellen sich einige eher befremdlich wirkende Szenen: Wenn beispielsweise der Rowdy Harry mit dem Baseballschläger auf Bobbys zierliche Freundin Carol einschlägt, oder Bobbys Mutter Ted gleich als Kinderschänder bezichtigt, nur weil dieser einen ausgekugelten Arm wieder einrenkt, haftet an Hicks Films etwas unfreiwillig komisches.

    Hearts in Atlantis ist mit Sicherheit kein schlechter Film, in der Hinsicht, dass sich der Regisseur keine allzu grossen Patzer erlaubt. Die Inszenierung erfüllt klar ihren Zweck, die Handlung wird solide erzähl und auch die Darsteller sind im Grossen und Ganzen überzeugend besetzt, dennoch sticht der Film zu keinem Zeitpunkt aus dem Einheitsbrei an "klassischem" Erzählkino irgendwie heraus. Dass mir ein Film gefällt, sollte er doch auch ein Mindestmass an Innovation und Originalität mit sich bringen, welches ich hier leider schmerzlich vermisst habe.

    5/10

  4. #104
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    A Woman Under the Influence (1974) - John Cassavetes



    Mein erster Film von Cassavetes jagte mir einen Schauder über den Rücken. Noch nie habe ich den psychischen Verfall eines Menschen so eindrücklich dokumentiert gesehen wie hier. Der Wahnsinn wird zum Greifen nahe, verkörpert durch die Ehefrau Mabel (Gena Rowlands), die unter dem Einfluss ihres lautstarken, aggressiven Gattens Nick (Peter Falk) einen Nervenzusammenbruch erleidet. Cassavetes inszeniert die Familienkrise dabei mit einer Kompromisslosigkeit und Härte, die selbst das Kino von Coppola und Scorsese weit hinter sich zurück lässt.

    Die Bezeichnung "Anti-Hollywood" trifft es wirklich am besten. Kammerspielartig trägt sich die Handlung die meiste Zeit in den familiären Wänden zu; die 2 1/2-stündige Laufzeit erstreckt sich gerade einmal auf eine Handvoll Szenen. Die Optik schert sich nicht gross um ein ästhetisches Gesamtbild. Meist schwebt die Kamera irgendwo im Raum und lässt Objekte bisweilen in die Unschärfe verschwinden. Gena Rowlands und Peter Falks Spiel ist dabei schlicht atemberaubend. Beide legen eine Intensivität und Gefühlstiefe an den Tag, wie man es selten zu sehen bekommt. Wenn Nick Mabel beispielsweise in eine psychiatrische Klinik einweisen will, steht ihr die Verzweiflung derart ins Gesicht geschrieben, dass von einem Schau-spiel eigentlich nicht mehr die Rede sein kann.

    Eine Antwort auf die Frage, woher Mabels geistig labiler Zustand herrührt, liefert Cassavetes nicht. Man kann es sich angesichts der im Film porträtierten verheerenden Familiensituation aber denken. Fortwährend fragt man sich als Zuschauer, ob nicht auch Peter Falks Charakter ebenso einer psychologischen Behandlung bedarf wie seine Frau. Auffällig ist hingegen die fehlende Sensibilität von Mabels Mitmenschen, denn ständig stufen sie ihre Lage falsch ein und zeugen von einem Mangel an Verständnis. Ironischerweise sind es ihre drei Kinder, die am meisten Verantwortungsgefühl ihr gegenüber hegen und ihr einen Halt im Leben liefern können. Am Ende lichtet sich schliesslich Besserung, auf einen versöhnlichen Schluss verzichtet der Regisseur jedoch.

    A Woman Under the Influence sollte man alleine der schauspielerischen Leistung wegen wirklich mal gesehen haben. Ein Film, der wie eine Naturgewalt über einen einbricht und einen lange nicht mehr loslässt. Blosse Worte reichen da für Beschreibung schon nicht mehr aus.

    9/10

  5. #105
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #3 Round 11: Fenrisulfr

    What Doesn't Kill You (2008) - Brian Goodman



    Brian und Paulie sind zwei harte Männer. Sie leben im Süden Bostons und kennen sich seit ihrer Kindheit. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit kriminellen Machenschaften, sonderlich intelligent oder bewundernswert sind sie dabei nicht. Ihre Vorgehensweisen erscheinen unüberlegt und archaisch: Auf ihrer Tagesordnung stehen unter anderem Schutzgelderpressung, gepanzerte Laster ausrauben und Drogendealer ausnehmen. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass sich die beiden mit solchen primitiven Aktionen so lange über Wasser halten, und im Falle von Brian sogar eine Familie samt Kinder gründen konnten.

    Die Figuren im Film wirken kalt und herzlos, nicht eine einzige positive Eigenschaft wird ihnen vom Drehbuch zugesprochen. Identifikationpotential konnte What Doesn't Kill You bei mir nicht verbuchen, was ich bei einem Film, der seine Handlung so eng an seinen Charaktere führt, doch für fatal halte. Ihr Schicksal erschien mir zum Grossteil gleichgültig, die Weiterentwicklung der Geschichte ebenso. Dazu gesellen sich einige Szenen, in denen der Regisseur einen offensichtlich für dumm verkaufen möchte: Wenn Brian und Paulie beispielsweise ihre Haft absitzen und einen - ihnen gänzlich unbekannten - Pädophilen in seiner Zelle zusammenschlagen, frage ich mich als Zuschauer, auf welche Werte sich diese beiden überhaupt beziehen, die so etwas wie Moral nicht zu kennen scheinen.

    Das letzte Drittel des Films, in denen Brian in Selbstzweifel über seinen kriminellen Werdegang gerät und die Nähe zu seiner Familie sucht, halte ich für gelungener, auch wenn die fehlende Identifikationsmöglichkeit weiterhin fortbestand. Trotzdem scheint hier endlich ein wenig Menschlichkeit in den Film zu ziehen; als Familiendrama konnte mich What Doesn't Kill You stellenweise sogar regelrecht überzeugen. Das Ende ist wiederum weniger gelungen: Wenn ein Film mit Texteinblendungen wie "Brian's relationship with his son is stronger than ever" endet und uns ein heile Welt Szenario auftischt, das so gänzlich überhaupt nicht zum Rest passt und jede, wenigstens angedeutete Zwielichtigkeit seiner Charaktere komplett ignoriert, muss ich mir doch an die Stirn klatschen.

    Schlecht ist der Film wohl nicht, vielleicht ein wenig naiv. Handwerklich gibt es ansonsten wenig auszusetzen und Mark Ruffalo gibt sich sichtbar Mühe aus seiner Rolle zumindest noch das letzte herauszuholen. Trotzdem bleibt am Schluss die Erkenntnis, dass mir der Film nachhaltig nichts vermitteln konnte, was schon andere Dutzend Filme zuvor gezeigt haben.

    6/10

  6. #106
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Morte a Venezia (1971) - Luchino Visconti































    Jedes Bild ein Gemälde. Die beste Literaturverfilmung, die ich kenne.

    10/10

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