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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #41
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Umberto D. (1952) - Vittorio De Sica



    Was für ein wundervoller, trauriger Film! Eine Parabel der Menschlichkeit und ein Aufruf zu mehr Mitgefühl, in einer Zeit in Italien, in der im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs jedwede Herzlichkeit und Freundlichkeit verdrängt worden scheint, und die mich in ihren letzten, ergreifenden Minuten zutiefst berührt und schließlich zum Weinen gebracht hat.

    Die Geschichte wendet sich einem Mann zu, der zu jener Zeit den bitteren Ernst des Lebens und der Überlebens zu spüren bekommt: Umberto Domenico Ferrari. Ein älterer Herr, stänig begleitet von seinem Hund "Splike" - sein einziger Lebensgefährte - , der von seiner Rente nicht mehr seinen Wohnungsunterkunft bezahlen kann. Von seiner Hausmeisterin mit dem Rauswurf bedroht, versucht er seine letzten übriggebliebenen Wertgegenstände zu verkaufen, um genug Geld für die Miete und Nahrung zusammenzutragen. Doch es reicht ihm nicht aus, und schlussendlich bittet er seine ehemaligen Freunde um Hilfe, die ihm jedoch alle den Rücken zudrehen.

    Bemerkenswert an diesem Film ist, dass er komplett mit Laiendarstellern gedreht worden ist, was dem Film dabei nicht zu Schaden kommt, da die Schauspieler eine ungeheure Ehrlichkeit und Präsenz ausstrahlen und so auch dem realistischen Bild Roms beitragen, welches hier gezeichnet wurde. Ständig ist man dicht an Umbertos Leidensweg dabei und versteht was in ihm vor geht, obwohl er nur selten seine Gefühle nach aussenhin zeigt. Man ist entsetzt und versteht es nicht, wie ein früher so wohlhabender Mann plötzlich auf der Straße steht und um die grundlegendsten Notwendigkeiten kämpft.

    Eine Szene hat mich ganz besonders bewegt: Umberto wird von einem weiteren Bekannten abgewiesen und sieht nun die allerletzte Chance an Geld zu gelangen darin, auf die Straße zu gehen um zu betteln, für was er sich jedoch nicht überwinden kann und somit seinem Hund seinen Hut in die Schnauze legt und nun ihm dieser Aufgabe übergibt, während er sich hinter einer Säule versteckt. Grandios.

    9/10

  2. #42
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Eragon (2006) - Stefen Fangmeier



    This is the sort of movie where you know the villain is evil because he broods on his throne in a dark, cavernous room.
    - EMPIRE
    Ich habe auf jeden Fall schon schlechtere Filme dieses Jahr im Kino gesehen. Eragon ist angenehme Fantasy-Kost, geradlinig erzählt und nicht darum bemüht große Mythen zu umreisen, jedoch stellenweise so lieblos und billig umgesetzt, dass der Film die meiste Zeit nicht über ein TV-Spielfilmniveau hinausreicht. Unverständlich blieb mir neben dem nicht übersehbaren Haufen an Plotlöchern, bei denen sich z.B Drachen und Pferde gleich schnell fortbewegen können, wieso man sich so wenig darum bemüht hat, dem Film ein wenig mehr Humor zu verleihen. Die Handlung nimmt sich die ganze Zeit über so bierernst, dabei ist die "Bedrohung", die der Film einem vorgaukelt, eigentlich nichts weiter als ein schlechter Witz. Die Lacher meinerseits lagen dagegen häufig auf unfreiwilliger Basis, da sich die Macher so dreist von anderen Fantasywerken "inspirieren" ließen, dass ich das Ganze schlussendlich dann überhaupt nicht mehr ernst nehmen konnte.



    Ich meine das fängt ja schon beim Titlel an. Bauernbübchen Aragorn ähm Eragon wird mit der Gabe auserwählt, als Einziger das unterdrückte Volk vom Gewaltherrscher Galbatorix (John "Sauron" Malkovich) zu befreien. Währenddessen kommt ihm Jeremy Irons (Aragorn II) zu Hilfe und eine hübsche Elbe taucht irgendwann auch noch auf. Malko beauftragt zuvor noch das Narbengesicht Durza mit einer Reihe von - ich nenne sie mal - "entblößte Ringgeister" den Jungen aufzuspüren und zu töten. Dieser trifft in in den Bergen auf die Widerstandskämpfer, die sich für die spektakuläre (nicht wirklich) Endschlacht gegen Malkos Horden Wanna-Be-Orks vorbereiten. Der erste Sieg ist vollbracht aber die Reise geht weiter.



    Man könnte die Geschichte auch beinahe 1:1 auf Star Wars übertragen, was ich mir an dieser Stelle jedoch spare.

    Der Drache ist nett animiert, jedoch durfte man in letzter Zeit schon besser gelungene CGI-Figuren bewundern. Weshalb man dem Viech doch sehr seicht wirkende telekinetische Konversationsfähigkeiten zuschrieb und es stattdessen nicht selbst reden ließ, bleibt mir ein weiteres Rätsel. Wahrscheinlich ist den Produzenten auf dem Weg das Geld ausgegangen, oder viel wahrscheinlicher: WETA hatte einfach keine Lust mehr sich für diese Herr der Ringe-Kopie zusätzlich abzurackern.

    5/10

  3. #43
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Man cheng jin dai huang jin jia / Curse of the Golden Flower (2006) - Zhang Yimou



    Zhang Yimou halte ich gleich nach Wong Kar-Wai für den talentiertesten Regisseur Chinas/Hong-Kongs. Dabei schätze ich nicht nur vorallem seine eher kleineren Filme wie z.B Happy Times und zuletzt Riding Alone for Thousands of Miles sehr, auch seine wohl bekannteren Martial-Arts-Historienfilme Hero und House of Flying Daggers konnten mich mindestens genauso begeistern. Mit Curse of the Golden Flower wagt er sich nun erneut an einen auf geschichtlicher Grundlage beruhenden Film und siedelt seine Geschichte, während der Tang Dynastie spielend, in und um den Verbotenen Palast an. Gelungen ist ihm das diesmal aber nur teilweise.

    Die erste Stunde gestaltet sich sehr kammerspielartig. Fast ausschließlich im Palast spielend und in prächtigen Farben gehüllt, während immer wieder gleiche Räume aufgesucht werden, widmet sich die Story den anbahnenden Konflikten zwischen dem Kaiser (Chow Yun-Fat), der Kaiserin (Gong Li) und ihren drei Söhnen zu, welche sich - trotz Streitereien - auf das bevorstehende Chong Yang-Fest vorbereiten. Das Geschehen ist gespickt mit vielen Wendungen und durch immer neu eintretende Personen werden langsam die Hintergründe um die geheimnisvolle Substanz, die der Kaiser seiner Gemahlin Tag für Tag zu trinken gibt, aufgedeckt. Man erfährt jedoch auch so einiges über andere Geschehnisse in der Vergangenheit, was dazu führte, dass mich die verschiedenen Storyzweige zunächst recht verwirrten. Action gibt es bis zu diesem Zeitpunkt noch recht wenig.

    Dies ändert sich jedoch schlagartig, wenn die bereits im Trailer zu bestaunende Szene einsetzt, in der maskierte, Ninja-artige Krieger sich in ein Tal abseilen lassen. In grausamen Bildern festgehalten, wandelt sich hierbei plötzlich die vorhin noch langwierige Erzählung in ein pulsierendes Treiben, bei dem die umherschwingenden Krieger ruhigen Gewissens Spiderman Konkurrenz machen könnten. Eine Szene, die den besten Kampfszenen Zhangs vorheriger Filme in nichts nachsteht, und die in ihrer Schamlosigkeit und brachialen Gewalt zu den besten Momenten des ganzen Films gehört. Später wechselt das Geschehen dann wieder zurück zum Palast, wo sich 10.000 Mann Armee gegen 10.000+ Mann Armee zum finalen Showdown gegenüber stehen. Leider war der Kampf viel zu schnell vorüber, und da ich mit keiner der Parteien richtig mitfiebern konnte, erscheint das Ganze trotz knallbunter Farben reichlich blass. Dafür konnte mich zu diesem Zeitpunkt die voranschreitende Handlung unserer depressiven Kaiserfamilie weiterhin auf Trab halten, welche an dieser Stelle - ohne zuviel verraten zu wollen - wahrlich auf ihren Höhepunkt gelangt und einige sehr erschütternde Momente parat hält, wobei es Zhang gegen Ende hin jedoch doch noch ein wenig übertreibt und mich das Ende selbst auch eher unbefriedigt zurückgelassen hat.

    Insgesamt empfand ich Curse auf jeden Fall als den schwächsten Film der bisher großen Drei. Trotz schlussendlich doch sehr gelungen aufgedröselter Handlung, fehlt ihm sowohl die Eleganz aus Hero, als auch die mir um einiges nahegehendere Geschichte aus House of Flying Daggers. So wusste mich darstellerisch einzig und allein Gong Li - das vielleicht interessanteste Gesicht des asiatischen Kinos - mit ihrem bedrückenden Spiel (und Busen!) restlos zu überzeugen.

    Das nächste Mal bitte wieder ein etwas "kleinerer" Film, Zhang.

    7/10

  4. #44
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Cinderella Man (2005) - Ron Howard



    It's no joke, pal. People die in fairy tales all the time.
    Nein, Russel Crowe wundert sich hier nicht über den plötzlichen Schneefall. Er ist gerade
    Zitat Zitat von [color=red
    Spoiler[/color]]Schwergewichtsweltmeister im Boxen geworden
    und kann es immer noch nicht ganz fassen, musste er doch noch zuvor im Zuge der Großen Depression jeden Cent für sich und seine Familie zusammenkratzen um ihnen genügend zu Essen geben, während sie in einer heruntergekommenen Hütte ihr armes Dasein fristeten und er sogar das Boxkomitee um Geld anbetteln musste, um die längst fällige Stromrechnung zu bezahlen.

    Mit Cinderella Man ist Ron Howard ein phänomenaler Beitrag nicht nur zum Thema Boxen, sondern vor allem auch zum Thema Durchhaltevermögen gelungen. Der Film hat vor allem anfangs viel weniger mit dem Prügelsport zu tun, als ich es vermutet hatte, beschäftigt er sich doch sehr intensiv und detailliert mit Jim Braddocks Verarmung und gestattet dabei gleichzeitig einen schockierenden Einblick in die damalige Zeit. Der Erzählstil nimmt sich viel Zeit, die Charaktere werden alle sehr sorgfältig eingeführt, von den unterschiedlichen Seiten beleuchtet und dem Zuschauer nahe gebracht, während die Handlung in warmen Bildern und einem wunderbaren Score eingebettet wurde, was mich alles die ganze Zeit über sehr an The Shawshank Redemption erinnerte. Auch kein Wunder: Für die Filmmusik ist ebenfalls Thomas Newman verantwortlich, was ich während dem Schauen sogar bereits vermutet hatte.

    Später widmet sich die Story dann vermehrt den eigentlichen Boxkämpfen zu. Und ich habe ja schon so einige "Boxfilme" gesehen und ich bin auch immer wieder überrascht, wie sehr mich diese Kämpfe mitreisen können, aber die Szenen von Cinderella Man sind dann doch noch um einiger intensiver, als ich es bisher von ähnlichen Filmen erleben durfte. Und das alles obwohl ich mit diesem "Sport" sonst eigentlich rein gar nichts am Hut habe und ich mir so was auch im Fernsehen noch nie angeschaut habe. Bei Cinderella Man habe ich nicht nur mitgezittert, nein ich habe wirklich laut vor mir hingeflucht und mitgeboxt, so sehr wollte ich es um keinen Fall darauf ankommen lassen, dass Braddock gegen diesen miesen, schleimigen Drecksack alias Max Baer K.O. geschlagen wird. Das nennt man dann wohl ein gelungenes Drehbuch, dem seine Figuren eben nicht egal sind und seine Zuschauer so sehr in seinen Hauptdarsteller hineinversetzen lässt, dass sie jeden Schlag, den Braddock einstecken muss (und es sind viele!) auch wirklich selbst zu spüren bekommen.

    Das sind die Filme, die mich am meisten ergreifen können, bei denen man jeden Höhe- und Tiefpunkt selbst als solchen wahr nimmt, sich mitärgert, -trauert, aber auch freut. Und da ich keine Ahnung hatte, wie der Film schließlich ausgeht, was sich auch nicht erahnen ließe, da man eigentlich bis zum Ende hin nicht weiß, in welche Richtung der Film einen trägt, konnte er bei mich noch zusätzlich Spannung auslösen.

    Und dabei stellt der Film das Boxen nie ins positive Licht. Die Kämpfe sind blutig, abscheulich fotografiert und trotz der Tatsache, dass es das Boxen ist, das Braddock als Möglichkeit ansieht, sich und seine Familie aus der Misere zu ziehen, so geht es in Wirklichkeit doch um vielmehr etwas ganz anderes. Nämlich nicht um Ruhm oder Geld, sondern um den nackten Kampf ums Überleben. Nicht das Tournier erlöste ihn von seinem Elend, sondern sein Mut und Ergeiz nicht aufgeben zu wollen und setzt damit für Tausende von Menschen ein Zeichen, dass das Leben längst noch nicht vorbei ist.

    9/10

  5. #45
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    From Hell (2001) - Albert & Allen Hughes



    One day men will look back and say that I gave birth to the twentieth century.
    Ich mochte es sehr wie hier die altbekannte Geschichte von Jack the Ripper und seinen Morden an den Prostituierten in eine Verschwörungstheorie um das Königshaus und den Adelskreisen verfrachtet wurde. Angesichts der Tatsache, dass der wirkliche Jack the Ripper nie gefasst wurde und sowohl nur um seine Person als auch nur um die Motive an seinen verstümmelten Opfer allenfalls spekuliert werden kann, scheint man wohl einen ziemlich breiten Storyspielraum zu akzeptieren, sodass sich die Geschichte letzten Endes nicht gänzlich als "frei erfunden" abstempeln lässt und sich vielleicht tatsächlich ein Funke Wahrheit dahinter verbirgen könnte.

    Aber der Film lebt vorallem auch von seiner Atmospäre. Die düstere, dreckigen Gassen Londons am Ende des 19. Jahrhundert mit all ihren noch düsteren, abscheulichen und verstellten Figuren. Dann natürlich Jack the Ripper selbst mit seinem vorerst nur silhouettenhaftem Erscheinungsbild, seinem glitzernden Skalpelköfferchen und seine furchteinflößende Todeskutsche darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben. Und zwischen all dem Schrecken schleppt sich Johnny Depp als Polizeiinspektor von Mordfall zu Mordfall. Von seinen Opiumkonsum halbbetäubt und von seinem lockeren Auftreten nicht zurückschreckend- die Rolle ist geradezu für ihn geschrieben! - sorgt er dabei zusammen mit seinem Polizeikollegen Robbie Coltrane (Hagrid!) für ein wenig Abwechslung und Licht zwischen all dem Dunkeln.

    Um nochmal zur Story zurückzukommen: Einige Schwächen sind mir dann aber doch aufgefallen.


    • So konnte ich es zum einen nicht nachvollziehen, weshalb die
      Prostituierten das Ableben ihrer Kolleginnen so gelassen hinnahmen. [/*:m:2otxkfz6]
    • Desweiteren der plötzliche Auftritt der Französin: Das wirkte auf mich ein wenig konstruiert, da sie schlussendlich nur für die Verwechslung mit Heather Graham diente, wobei mir diese "Wendung" schon von Anfang an klar war [/*:m:2otxkfz6]
    • Dann das Eintreten von Bilbo Baggins als Jack the Ripper: Das hätte man ein wenig abstrakter und unauffälliger darstellen könnte. Ich hätte mir hierbei auch gut vorstellen können, dass die Geschichte noch attraktiver geworden wäre, wenn die Identität Rippers bis zum Schluss hin geheimnisvoll blieb. Und diese schwarzen Augen waren mal lächerlich.[/*:m:2otxkfz6]
    • Schließlich auch die Traumvorstellungen von Depp, die irgendwie nicht so richtig in die Handlung miteinbezogen wurden.[/*:m:2otxkfz6]
    • Und zu guter Letzt: Der Anfang und das Ende waren von Es war einmal in Amerika geklaut.[/*:m:2otxkfz6]

    Das war's.


    Trotz alledem machen die gelungene Atmosphäre und das gewohnt hervorragende, verträumt-abwesende Spiel Depps diese kleinen Mängel natürlich mehr als wett. Schlussendlich bleibt der Film erstklassig unterhaltsam und dank der schaurigen Inszenierung gruselig und packend zugleich.

    8/10

  6. #46
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Immortal Beloved (1994) - Bernard Rose



    It is the power of music to carry one directly into the mental state of the composer.
    Irgendwie stellt sich bei mir bei diesen Komponistenfilmen immer eine gewisse Diskrepanz zwischen der Darstellung des Künstlers und der Musik, die er geschrieben hat, ein. Ich weiß nicht wieso, aber ich konnte mir auch hier einfach nicht vorstellen, dass Beethoven, so wie er nun mal in Immortal Beloved in Erscheinung tritt, die Musik zuzuschreiben ist, die er nun mal auch im richtigen Leben komponiert hat, obwohl sich Gary Oldman sehr viel Mühe gegeben hat. Ob dies überhaupt filmisch zu bewältigen wäre, bezweifle ich natürlich auch. Auf jeden Fall denke ich, dass man durchaus das Genie Beethovens um einiges mehr hätte beleuchtet können, denn der Film verlässt sich in diesem Aspekt, wie ich es auch schon in Formans Amadeus empfand, zu sehr auf den Einsatz der Musik selbst. Da ich jene sehr schätze, "funktionierte" der Film für mich zu einem gewissen Grad zwar trotzdem, ich könnte mir aber vorstellen, dass sich andere nicht wirklich näher zur Musik gebracht fühlen, da schlichtweg die – ich nenne sie mal – musikalische Bindung zu dem Charakter fehlt, aus dem die Musik letzten Endes halt entsteht.

    Aber wahrscheinlich will der Film dies auch gar nicht, denn er ist dann doch vielmehr darauf ausgelegt das Liebesleben Beethovens zu umreisen. So geht der Film von einem auch in Wirklichkeit gefundenem, mysteriösem Brief aus, der an eine "Unsterbliche Geliebte" gerichtet ist. Diese ausfindig machen, will Beethovens Sekretär Anton Felix Schindler und so besucht er die Frauen, die in Beethovens Leben von Bedeutung waren, während in Rückblenden die jeweils passenden Lebensabschnitte eingespielt werden. Jedenfalls ist das Drehbuch sehr reizvoll aufgebaut, obwohl mich die vielen Zeitsprünge dann doch ein wenig durcheinander brachten. Ich konnte die letzten Rückblenden auf alle Fälle nicht mehr zeitlich einordnen. Die Inszenierung weiß ebenfalls zu gefallen und die Kostüme und das Zeitgefühl wurden überzeugend eingefangen. Die Musik bedient sich zwar größtenteils schon den "Massenhits" Beethovens, jedoch gibt es zwischendurch auch immer wieder weniger bekannte Stücke zu hören. Ich denke auf jeden Fall, dass u.a. mit Stücken wie dem wunderschönen Allegretto aus der 7 Symphonie, welche fast schon als Titelthema hier Verwendung findet, der Kreuzersonate und – einem meiner Lieblingsstücke – dem Emperor-Klavierkonzert als krönender Abschluss ein guter Überblick über sein Œuvre gegeben wurde.

    Recht ähnlich wie in Amadeus gibt es am Ende von Immortel Beloved auch eine Szene, in der die Zuhörer scheinbar wohl doch für einen Moment das Genie des Komponisten begreifen können, nämlich wenn die Ode an die Freude mit einer Kindheitserinnerung Beethovens montiert wird. Jedoch reicht diese Montage dann aber nicht ganz an die geniale Sterbebettszene aus Amadeus heran, in der Mozart Salieri aus dem Requiem diktiert (Eine meiner All-Time-Lieblingsfilmszenen!).

    Schlussendlich bleibt Immortel Beloved dann weniger ein Film über einen genialen Komponisten, sondern vielmehr ein Film über den Kampf Beethovens an Anerkennung und die Überwindung seiner Taubheit, verbunden mit seinem turbulenten Liebesleben und untermalt von der vielleicht größten Musik. Zwar habe ich nicht ganz das bekommen, was ich erwartet hatte, begeistern konnte ich mich dafür aber trotzdem. Und jetzt übe ich weiter an der Pathétique-Sonate.

    8/10

  7. #47
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Elsker dig for evigt / Open Hearts (2002) - Susanne Bier



    Ich weiß nicht so recht, was ich zu diesem Film schreiben soll, obwohl er doch ziemlich viele Gedanken in mir hervorbrachte. Das Leben scheint durchweg unkalkulierbar zu sein; mit einem Schlag kann sich alles ändern. Die Menschen wissen nicht, wohin sie sich bewegen, sehen nicht ihre Zukunft vor Augen, sondern lassen sich von Leidenschaften tragen, ohne dabei zu wissen, dass sie andere dadurch schwer verletzen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es solche Filme wie Elsker dig for evigt gibt, die das Leben nicht beschönigen, sondern es so schonungslos, hart und offen zeigen, wie es ist. Die nicht um filmische Mittel bemüht, sondern nur auf die Schauspieler und ihr Interagieren bedacht sind, ständig an ihren Gesichtern kleben und den Zuschauer mit ihren intimen Momenten zu ertappen wissen. Aber letzten Endes bleibt nicht alles ohne Hoffnung.

    9/10

  8. #48
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    El Laberinto del Fauno (2006) - Guillermo del Toro



    Me? I've had so many names... Old names that only the wind and the trees can pronounce. I am the mountain, the forest and the earth.
    Große klasse. Zwar völlig anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber dennoch: Fantastischer Film, der es zum einen schafft, die Grausamkeiten des spanischen Bürgerkrieges zu porträtieren und anderseits eine Mythe mit schaurigen Kreaturen und einem Mädchen, das zwischen diesen beiden Welten lebt, erzählt. Ofélia heißt das Mädchen, das zusammen mit ihrer Mutter zu ihrem neuen Stiefvater ziehen muss, der ein rücksichtsloser und von Grausamkeiten nicht zurückschreckender General ist und gegen die Rebellen Krieg führt. Doch Ofélia widmet sich lieber ihren Märchengeschichten zu als sich für die harte Realität zu interessieren und entdeckt im Wald ein von Ruinen umgebener Ort, in dem die Phantasiegestalt Fauno lebt, die dem Mädchen kurzerhand ein leeres Buch gibt und sie einer Prüfung unterziehen will, um eine Pforte in ein vergessenes Königsreich zu öffnen, denn Ofélia soll laut Mythe die längst verschollene Tochter des Königs sein.

    Ein interessanter Gesichtspunkt des Films ist die Darstellung, wie anscheinend die Realität mit der Fantasiewelt konform geht. So hart und grausam die Zeiten des Krieges hier dargestellt werden, so lassen sie sich doch in den Fantasieszenen direkt wiederfinden. Z.B. erinnert der übelst gefolterte und zugerichtete Rebell sicherlich nicht zufällig an die ebenfalls verstellt ausschauenden Fantasiefiguren. Mir schwirren gerade auch noch andere Beispiele durch den Kopf, die ich jedoch aus Spoilergründen jetzt mal nicht nennen werde. Jedenfalls fungiert die Fantasiewelt hier als direktes Spiegelbild der Realität, gleichzeitig scheint diese jedoch gar nicht so weit von unseren Vorstellungen entfernt zu sein, da der Mensch dann doch zu weitaus schlimmeren Taten fähig ist. Schlussendlich versperrt sie Ofélia auch gerade das, was ihr als Einziges noch übrig bleibt, nämlich genau ihre hier angesprochene Fantasie. So sehr es der Zuschauer auch will, so sehr vor allem ich es auch wollte, der Film lässt einen nie völlig in diese wunderbare Welt eintauchen, vielleicht höchstens ein paar Mal dran schnuppern, kehrt aber danach sofort wieder in die harte Realität zurück und bleibt dort auch für eine ganze Weile, was ein Jammer ist, da Del Torros Ideenreichtum scheinbar unermesslich und voller genialer und innovativen Ideen ist. Gleichzeitig ist dies aber mit Sicherheit ein überaus gelungener Kunstgriff, verfrachtet der Film doch einen dadurch geradewegs in die von zwei Seiten beeinflussende Welt des Mädchens.

    Trotz der Tatsache, dass ich mir den Film vielmehr als richtiges Fantasydrama vorgestellt habe, so muss ich doch sagen, dass hier das Fantasiethema unter den gegebenen Umständen auf sehr brillante Weise verknüpft wurde und daraus der Film zum einen durchaus als Antikriegsfilm verstanden werden kann, zum anderen aber vor allem ein Film ist, der zeigt, dass wir unser Leben durch unsere Fantasie und Hoffnung trotz allen Übels wenigstens ein Stück weit erträglicher machen können.

    9/10

  9. #49
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Epic Movie (2007) - Jason Friedberg & Aaron Seltzer



    The makers of Epic Movie have just discovered the existence of urine, vomit and pimples, and declared them hilarious.
    - KYLE SMITH, NEW YORK POST
    Oh je. Ich schäme mich so für diesen Schund Zeit und Geld verschwendet zu haben, nicht zuletzt durch meinen Ticketerwerb diese üble Machenschaft von einem Film auch noch unterstützt zu haben. Falls sich irgendjemand fragt, ob ich masochistisch veranlagt bin um mir so einen Müll anzutun, über den man im Vorhinein nicht groß zu recherchieren braucht um festzustellen, dass dieser "Film" auch rein gar nichts anderes sein kann - Es war nicht meine Idee! Und wie das so eben ist, bin ich - halb freiwillig, halb unfreiwillig - mitgegangen.

    Epic Movie ist so schlecht, ich kann es fast nicht in Worte fassen. Jeder Porno besitzt mehr filmische Qualität. Für jeden Cineasten oder auch nur für einen wenig Filmbegeisterten kann dieser Film eigentlich nur eine Beleidigung darstellen, da er sich so gänzlich von allen existentiellen filmischen Kriterien entfernt, dass praktisch alles - Schnitt, Kamera, Drehbuch... - als irrelevant abgestempelt wird. Es ist schon beachtlich, was einem hier an Schnittfehlern und bescheuerten Storyeinfällen geboten wird. Und dabei ist es ja noch so auffällig, dass es eigentlich schon nicht mehr unbeabsichtigt geschehen konnte, was trotzdem schlichtweg dämlich ist, da es einfach rein gar keinem höherem Zweck dient und völlig unlustig ist.

    Um mal einen Einduck über den im Film dargestellten "Humor" zu geben: 90% der "Jokes" bestehen aus "Ich-schlag-oder-tritt-dich-und-du-fliegst-dabei-10-Meter-weg"-Szenen. Die Gründe für diese agressiven Verhaltensweisen bleiben größtenteil der Vorstellung des Zuschauers überlassen. Sowieso lässt einem die Handlungen viele Freiheiten. Die Hauptcharaktere sterben sicher mind. je um die vier Mal und schlagen danach jedesmal munter weiter. Und wie armselig ist es denn bitte sich über Filme, die bereits Komödien sind und sich gerade durch ihre Selbstironie auszeichen, abermals lustig zu machen? Das kann doch nur schief gehen. Und dann dieser Fäkalhumor und gegen Ende wird es sogar richtig pervers. Nein, eigentlich ist der ganze Film pervers. Es ist wirklich so schlimm, dass es weh tut. Ich kann es mir nicht anders erklären, aber die Beteiligten müssen während der Drehzeit unter Drogen gestanden haben. Jeden Menschen, der unter klarem Bewusstsein zu solch kranken Ideen fähig ist, würde ich nämlich geradewegs in die psychiatrische Klinik stecken.

    1/10

  10. #50
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Paris, je t'aime (2006) - Tristan Carné (Idee)



    Eine Kurzfilmsammlung mit ganzen 20 Beiträgen von hoch angesehenen Regisseuren aus aller Welt zusammengestellt, die sich allesamt mit dem Thema der Liebe auf unterschiedlichster Weise auseinandersetzen und dabei eine Geschichte über Paris erzählen. Bemerkenswert dabei ist, dass die einzelnen Segmente im Durchschnitt nicht länger als fünf Minuten dauern und so jeder Regisseur auf eine doch sehr begrenzte Erzählzeit angewiesen ist.

    Aber nicht alle Episoden sind gelungen. Manche waren eher nichtssagend, andere "nur" gut, wiederum andere jedoch wirklich hervorragend und dabei sowohl in ihrer Erzählstruktur als auch in ihrer filmischen Ausdrucksweise völlig unterschiedlich. Da gibt es die an Nouvelle Vague-Zeiten angelehnten langen inneren Monologe und Kamerafahrten an Schaufenstern vorbei, die Hintergrund für einen heimlichen Spaziergang zwischen Nick Nolte und Ludivine Sagnier in Alfonso Cuaróns Episode bieten. Manch andere sind eher dazu gedacht, zwischenzeitlich den Zuschauer mit humorvolleren Beiträgen etwas aufzulockern, wie es z.B im Beitrag der Coens geschieht, in der Steve Buscemi als unschuldiger Tourist in einer U-Bahnstation in Konflikt mit einem Liebespaar gerät. Toll auch jene, die mit ihrer verschachtelten Erzählweise und Rückblenden einen doch schon sehr komplexen Handlungsbogen spannen, was bei der kurzen Laufzeit bemerkenswert ist. An dieser Stelle ist auf alle Fälle Tom Tykwers Beitrag zu nennen, der von einem blinden jungen Mann erzählt, der gerade von seiner Freundin (Natalie Portman) am Telefon erzählt bekommt, dass sie mit ihm Schluss machen will und diese Ausgangssituation nun zum Anlass nimmt, die Hintergrundgeschichte der Beiden mit pulsierenden Bildern und Musikuntermahlungen nachzustellen, während der Zuschauer dabei gekonnt an der Nase herum geführt wird.

    Am besten gefallen hat mir jedoch die letzte Geschichte von Alexander Payne. Ohne bereits auf die Handlung einzugehen kommt sie ohne großes Drumherum aus und lässt einen auf natürliche und ungestellte Weise an dem einsamen Weg einer Frau teilhaben, die ihren Liebesbeweis letztlich nicht an eine Person, sondern an die Stadt Paris selbst ausrichtet.

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