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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #51
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Le Feu follet (1963) - Louis Malle



    Mein erster Malle und ich bin überrascht, dass der Film nicht bekannter ist. In ästhetischer sowie inhaltlicher Hinsicht braucht er sich vor den Größen des Nouvelle Vague-Kinos wirklich nicht zu verstecken. Le Feu follet dreht sich um einen in Genesung befindlichen Alkoholkranken, der sich eines Tages beschließt umzubringen. Im Film selbst erlebt man nun seine letzten 48 Stunden, in denen er alte Bekannte wieder trifft und dabei eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt.

    Für mich zeigte der Film mal wieder, was für einen faszinierenden Eindruck Schwarz-weiss-Bilder auf einen hinterlassen, fangen sie doch die ganze Tristesse des Hauptdarstellers perfekt ein. Am liebesten waren mir jene Momente, in denen man Alain (genial verkörpert von Maurice Ronet!) nur beim schweigsamen Beobachten zusah und sich dabei fragte, was wohl gerade in ihm vorgeht, während Saties melancholische Klaviermusik ihr Übriges tat.

    Mir kam es so vor, als wollte er einen letzten Versuch wagen, sich in die Gesellschaft zurückzugliedern, was jedoch letztlich daran scheitert, dass ihn seine Freunde weder verstehen noch ernsthaft helfen wollen. Alain sagt über sich, dass er unfähig sei zu lieben. Seine Alkoholkrankheit hat ihm seinen Gefühlssinn beraubt, alles fühle sich seitdem leer an. Unfähig eine Beziehung zu starten, zieht er sich in die Einsamkeit zurück und wählt den Tod. Diese Entscheidung kann ihm niemand abnehmen.

    8/10

  2. #52
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 1: Chefkoch

    Blowup (1966) - Michelangelo Antonioni



    Tut mir leid Chefkoch, aber ich bin leider ein wenig enttäuscht von diesem Film und im Nachhinein froh, ihn nicht gekauft zu haben. Die Story klingt ja eigentlich recht vielversprechend: Ein Modefotograf bemerkt beim Fotografieren eines Liebespärchen in einem Park, möglicherweise einen Mord aufgenommen zu haben. Das Ganze gewinnt dann noch an Fahrt, indem er sich mit der Fotografierten (und möglichen Komplizin) trifft, und erst im Nachhinein beim Entwickeln seines Films auf die grausame Entdeckung stößt. Leider bemüht sich Blowup von hier an nicht darum, einen Spannungsbogen aufrecht zu halten und weiter auf die im Mordfall verwickelten Figuren einzugehen. Stattdessen wird der Selbstzweifel des Fotografen geschildert, gepaart mit einigen höchst befremdlich wirkenden Szenen, die sich nicht wirklich in das Gesamtgefüge einordnen wollen.

    Ein weiteres Problem meinerseits war der unsympathische Hauptdarsteller und die, sagen wir mal, "hippieartige" Inszenierung, mit denen ich ich mich einfach nicht identifizieren konnte. Trotzdem hat mir der Film stellenweise auch zugesagt. Die Szene, in der die Fotos entwickelt wurden, und immer mehr Details ans Tageslicht kamen, war großartig. Und auch der abrupte Schluss mit den Tennis spielenden Pantomimen, der bewusst nochmals die Glaubwürdigkeit des Mordes anzweifelt und zum Nachdenken anregt, hat mir gefallen.

    Insgesamt war mir das jedoch einfach zuviel heiße Luft und zu wenig Substanz.

    6/10

  3. #53
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 2: soulassassin

    11:14 (2003) - Greg Marcks



    How 'bout the penis?
    Ich bin ein großer Fan von Episodenfilmen. Magnolia und vorallem Short Cuts sind zwei Filme, die es mir in diesem Genre besonders angetan haben. Es hat etwas faszinierendes, diesen einzelnen, losen Handlungssträngen zu folgen, welche erstmals nichts miteinander zu tun haben, und doch kreuzen sich ihre Wege an den unerwartetsten Stellen. 11:14 konzentriert sich zwar vermehrt auf das "Kreuzen" seiner Protagonisten, anstatt einen tieferen Einblick in ihr Leben zu gewähren, aber genau dies macht auch seinen Reiz aus.

    Der Film dreht sich um die Ereignisse, die sich in einer amerikanischen Vorstadt um, vor und nach 23:14 Uhr zutragen und schildert ihre Verkettungen. Ein Unfall (eigentlich zwei) verbindet das Leben jener Menschen, die sich in dieser Nacht über den Weg laufen und dabei für so manchen Fehltritt büßen müssen. Während sich der Film nun in wilden Zeitsprüngen vor- und rückwärts bewegt, baut er sich mosaikartig - Stein für Stein - langsam vor einem auf. Einziges Manko: Nach halber Laufzeit offenbart sich das Puzzlemotiv bereits. Die großen Überraschungen bleiben aus und zum Schluss müssen nur noch die Rand- und Eckteile ausgefüllt werden, was dem Filmvergnügen jedoch keinen großen Abbruch tut. Mir gefiel dabei, dass der Regisseur nicht alles dem Zufall überlässt. Dieser sorgt zwar dafür, dass sich die einzelnen Geschichten überlappen, doch letztlich sind die Akteure durch ihr fahrlässiges Handeln für ihr Missgeschick selbst verantwortlich.

    Zwar kann man dem Film vorwerfen, dass keine großen Entwicklungen innerhalb des Geschehens stattfinden, wenn man jedoch bedenkt, dass sich die Handlung gerade mal auf einen Zeitraum von ca. 20 Minuten beschränkt und sie meine Aufmerksamkeit eigentlich immer aufrecht erhalten konnte, ist dies zu verzeihen. Nicht zuletzt durch so einige absurde, humorvolle Aktionen der Beteiligten.

    Man fühlt sich als Zuschauer wie in einer Zeitschleife gefangen, wenn sich ständig die gleichen Augenblicke aus unterschiedlichen Blickwinkeln vor einem abspielen. Erlösung findet man erst, wenn auch das letzte Storygeflecht in die Gesamthandlung eingebettet wird und sich 11:14 schließlich als vollkommenes Ganzes präsentiert. Nur schade, dass dadurch nicht viel Raum für eigenes Interpretieren bleibt. Verbunden mit dem stimmigen Soundtrack und schwarzhumorigen Einlagen, entsteht ein zwar kurzweiliger, aber dennoch mehr als sehenswerter Fim.

    8/10

  4. #54
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Kiss Kiss Bang Bang (2005) - Shane Black



    This is every shade of wrong.
    Zum zweiten Mal gesehen und wieder nur die Hälfte verstanden. Immerhin: Einigen Dialoge konnte ich etwas mehr abgewinnen und die Gags zündeten nachwievor.

    Aber muss dieses ständige Gelaber denn sein? Ich mag es eigentlich, wenn ein Regisseur ab und zu einfach mal die Kamera sprechen lässt. Solche Szenen kommen in Kiss Kiss Bang Bang hinblicklich seiner Hektik nicht gerade häufig vor. (Vielleicht stelle ich auch die falschen Ansprüche an dieses Genre.) Die Darsteller fahren zwar in ihren Rollen richtig auf und liefern sich Wortduelle, die jeder Screwball Komödie Konkurrenz machen, eine große Entwicklung durchlaufen sie jedoch nicht. Irgendwie fühlt man sich auch als Zuschauer im Kreis gedreht, am Ende ist man (fast) genauso schlau wie zu Beginn. Der Filmbruch mit der Betrachterebene ist nett gemacht, habe ich aber in anderen Filmen besser umgesetzt gesehen.

    Das klingt jetzt vielleicht alles viel schlechter, als ich den Film vernommen habe, denn einige großartige Momente kann man ihm wirklich nicht absprechen. Meine Lieblingsszene: Unser Held verläuft sich nach einem Kaufhaus-Raub in seine eigene Casting-Probe, wenn man so will.

    Also, spaßig ist Kiss Kiss Bang Bang schon, aber auch überladen, hektisch und - irgendwie - verwirrend.

    7/10

  5. #55
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Son of Rambow (2007) - Garth Jennings



    Mist, jetzt dachte ich, dass ich mal einen Film vor Keyzer sehe. Leider zu früh gefreut. Im Gegensatz zu ihm, konnte mich Son of Rambow jedoch nicht wirklich begeistern. Ich hatte mir erhofft, dass mehr auf die Entstehung des Films, das Bauen von Sets etc. eingegangen wird, denn leider geschieht dies nur beiläufig. Aber das nur am Rande.

    Ich frag' mich, was für eine Zielgruppe der Film verfolgt? Den "Kleinen" fehlt mit Sicherheit der Bezug zum eigentlichen Rambo, und mir als Erwachsener war das Ganze schlichtweg zu kindisch. Gelacht habe ich stellenweise natürlich schon. Ich fand z.B die Daratellung des Schullebens niedlich, wie sie auf der Party "harte Sachen", wie dieses Zunge-Prickel-Zeug zu sich nehmen (Name entfallen) und wasserlösliche Tattoos verteilen. Mit dem Hauptcharakter konnte ich mich jedoch nicht identifizieren, seine plötzliche Begeisterung kam mir zu gekünstelt vor.

    Mein Hauptproblem war aber die Vorhersehbarkeit des Streifens. Zum einen ist da wieder diese klischeebeladene Ausgangsstory: Streng Christlich erzogener Einzelgänger prallt auf den von seinen Eltern verlassenen Rowdy, andererseits fand ich selbst die Inszenierung total kalkulierbar. Da gibt es eine Szene, in der der Hauptdarsteller seine verloren geglaubte Uhr zurückbekommt, unterlegt von so einem "Glitzer"-Soundeffekt, den man aus jeder schlechten Sendung kennt. Durch das Kinopublikum stöhnt ein lautes "Oooohhh". Ich habe jetzt nichts gegen diese spezifische Szene einzuwenden, micht nervt einfach, dass immer zu den gleichen dramaturgischen Mittel gegreift wird. Der ganze Film besteht eigentlich aus diesem "Glitzer". Das ist zwar schön als Zuschauer in diesen (Kino)-Erinnerungen zu schwelgen, aber auf Dauer: boooring!

    5/10

  6. #56
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 3: KeyzerSoze

    To Be or Not to Be (1942) - Ernst Lubitsch



    What have you to say for yourself now?
    Here is a man with a beard, and you didn't even pull it!
    Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage! (Sorry, der musste sein.) Enttäuscht hat mich Lubitschs Klassiker sicherlich nicht, jedoch insgesamt ein wenig kalt gelassen. Die Story dreht sich um ein Warschauer Theater-Ensemble, das in den Tumult des Naziterrors gerät und einen Doppelagenten davon abhalten muss, den Nazis geheime Dokumente über die polnische Untergrundbewegung zukommen zu lassen. Insoweit in aller Kürze zusammengefasst, daneben passieren nämlich noch allerlei andere Dinge.

    Dem Film ist sicherlich hoch anzurechnen, den Einmarsch Hitlers in Polen so satirsch zu inszenieren, während der Zweite Weltkrieg noch im vollen Gange war. Mir gefiel vorallem, wie sich diese Theaterschauspieler gegen das Regime auflehnen und alle möglichen Tricks anwenden, um die Gestapo hinter's Licht zu führen. Noch soeben gespielte Szenen verwandeln sich in reale Szenen, Darsteller tauchen plötzlich doppelt auf, so entsteht ein lebendiger und zugleich humorvoller Film. Auch die Schlusspointe wusste zu gefallen.

    Holprig fand ich hingegen die Inszenierung. Alles wirkte ein wenig unausgegoren und vorallem zu Beginn hatte ich Mühe, die Absichten der einzelnen Rollen nachzuvollziehen und einzuordnen. Auch die Darsteller konnten mich nicht wirklich überzeugen. Sie spielen zwar alle routiniert, aber nie wirklich überragend, was dazu führte, dass mich ihr Schicksal nicht groß berührte.

    Insgesamt schon ein sehenswerter Film, aber im Nazi-Satiren Direktvergleich bleibt für mich weiterhin Chaplins The Great Dictator das Non-plus-ultra.

    7/10

  7. #57
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Freaks and Geeks (1999-2000) - Paul Feig (Creator)



    You just need to find your big gigantic drum kit.
    Jetzt ist es vorbei, und ich fühle mich wie von einer langen Klassenreise zurückgekehrt, der man zuerst skeptisch entgegen sah, die einem jedoch letztlich jede Menge Spass bereitete. Es ist schlichtweg ein Jammer, dass Freaks & Geeks bereits nach 18 Folgen abgesetzt wurde, trotzdem bin ich für die wundervollen Stunden dankbar, die mir diese Serie beschert hat. Und wer weiss, hätte sie den Sprung zum Massenmarkt geschafft, wäre sie vielleicht nur zu einer weiteren lieblosen Tennie-Serie verkommen. Denn Freaks & Geeks ist bei weitem viel mehr als das.

    Zum einen ist da das unterhaltende Äussere. Auch wenn vielleicht noch zu Beginn, von dem ein oder anderen Klischee Gebrauch gemacht wird, die Art wie die Drehbuchschreiber diese so geschickt verpacken, dass sie eben nicht verbraucht erscheinen, lädt einen einfach nur zum Kaputtlachen ein. Es entstehen so viele situationsbedingte, komische Momente, wenn man den Charaktere beim Erforschen ihrer neuen Lebensumstände zusieht, dass ich oft wirklich fast vom Stuhl (Sofa) gefallen bin!

    Aber was Freaks & Geeks von anderen Serien unterscheidet, ist der emotionale, realistisch wirkende Kern. Auch wenn man die Grundstory der einzelnen Folgen vielleicht aus ähnlichen Filmen/Serien bereits kennt, die Beziehungen der Charaktere untereinander wirken immer unglaublich authentisch. Man hat nie das Gefühl irgendwelches Overacting zu sehen, die Schauspieler scheinen die meiste Zeit einfach nur sich selbst zu spielen. Man findet sich in so gut wie jedem ein Stück weit wieder und ist dabei in den unerwartetsten Momenten plötzlich sichtbar berührt, als ob man die betreffende Person bereits seit Jahren kennen würde. Und dabei schafft es die Inszenierung mit einer großartiger Musikuntermalung jene hinreißenden Szenen noch perfekt zu unterstreichen.

    Teilweise fühlt man sich so intim betroffen, dass man fast nicht hinschauen möchte, da es einen nichts angeht. In einer meiner Lieblingsfolgen, bemüht sich Nick sichtlich Lindsay ein Lied vorzusingen. "Lady" von Styx. In jeder x-beliebigen anderen Serie, wär es nur darum gegangen, die Peinlichkeit dieser Szene hervorzuheben, stattdessen ist man in jenem Moment vor Echtheit einfach nur berührt.

    Freaks & Geeks muss man einfach gesehen haben. Eine Serie, die den Balanceakt zwischen Comedy und Drama perfekt meistert.

    10/10

  8. #58
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 4: Daniel

    The Three Burials of Melquiades Estrada (2005) - Tommy Lee Jones



    Mmmmah nnnneummmmmmm ss Peete
    Gotta love Texas!

    Ein Film mit scheinbar buddhistischem Unterton. Wenn Barry Pepper die Leiche des ermordeten Mexikaners durch die Wüste bis nach Mexiko schleppt, erinnert es mich an das Ende von Kim Ki-duks Frühling, Sommer.... Der Hauptdarstellers dieses koreanischen Films trägt zwar keine Leiche, sondern einen Stein auf einen Gipfel (stellvertretend für die Last seiner Sünden), aber auch er findet am Ende ein Stück weit Erlösung. In The Three Burials geht es eigentlich um die gleichen Themen, nur fungiert hier Tommy Lee Jones als jene Person, die Barry seinen Stein aufzwingt.

    Die Story lässt sich grob in zwei Teile spalten. Zum einen wird erzählt, wie es zum Mord von Melquiades an sich kam (und was dabei um ihn herum passierte), zum anderen wird die "Bestattungs"-Reise (dafür gibt's sicher ein besseres Wort) der beiden Hauptcharaktere geschildert. Was mich ein wenig gestört hat, war die Sprunghaftigkeit, mit welcher der erste Teil des Films erzählt wird. An die Filme von Iñárritu (z.B. Babel ) angelehnt, offenbart sich hier die Geschichte unchronologisch. Mal sieht man, wie Melquiades vor seinem Tod gelebt hat, dann wieder Tommys Suche nach dem Mörder, und zwischendrin die Ermordung selbst. Mag sein, dass dies zur Zeit Mode ist, die Handlung auf die Art und Weise darzulegen, den Film um irgendeine Komponente bereichert, hat dies jedoch nicht.

    In der zweiten Hälfte wurde zum Glück eine geradlinige Erzählweise gewählt, und von hier an konnte mich der Film auch richtig packen. Dabei war es erstaunlich mitanzusehen, wie Pepper sich Tommy Lee Jones' Intentionen langsam anschließt und sich schließllich zu seiner Schuld bekennt. Darüberhinaus ist der Film großartig fotografiert, wobei die farbenprächtigen Bilder fast schon im Gegensatz zur Handlung stehen.

    8/10

  9. #59
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 5: Kalervo

    Box of Moon Light (1996) - Tom DiCillos



    Ich sollte mir angewöhnen, den Tagebucheintrag gleich nach der Filmsichtung zu schreiben. Diese ist nämlich schon eine ganze Weile her und meine Erinnerungen schwinden von Tag zu Tag zunehmend. Egal.

    Am Anfang dachte ich, "Kalervo, was hast du mir da für einen TV-Film empfohlen?". Jedenfalls erinnerte mich der Look des Films und der plötzliche Einstieg daran, womöglich irgendeinen Mehrteiler zu sehen. Dazu Baseball- (oder war's Football?) spielende Fabrikarbeiter, ein Selbstgespräch führender Ingenieur (John Turturro)... alles wirkte recht befremdlich und wohin einen Box of Moon Light hinführen möchte, blieb mir recht lang verschlossen.

    Je länger ich den Film jedoch sah, desto besser konnte ich mich in die Figuren einfühlen und am Ende, ja, da gefiel er mir sogar ausgesprochen gut!

    Im Prinzip haben wir es ja mit einem klassischen Ausreisser-Film zu tun. John Turturro, der von seiner Geschäftsreise eigentlich zurück zu seiner Familie will, merkt jedoch erst nach einigen Komplikationen, dass er vor seiner Rückkehr erst nochmal die Sau rauslassen möchte. Er wird nämlich von dem Natur- und Plastikfiguren-Freak Sam Rockwell aufgehalten und wohnt fortan für die nächsten Tage in dessen originellen Waldbehausung.

    Die Szenen dort haben mir dann auch am besten gefallen, und wenn die beiden ihren Trieben mal freien Lauf lassen, kommen so einige sehr amüsante Situationen zustande. Irgendwie hatte das etwas sehr befreiendes, die beiden dort in der Natur herumlungern zu sehen (auf den Fernseher verzichten muss man ja trotzdem nicht!). Und wenn sich am Ende der Inhalt der titelgebenden Box of Moonlight offenbart, wird einem für einen Moment einfach warm ums Herz.

    Ich könnte jetzt noch auf einige Kritikpunkte eingehen, aber lasse dies an dieser Stelle mal und bedanke mich bei Kalervo für diese wirklich nette Filmempfehlung.

    7/10 (mit Tendenz nach oben)

  10. #60
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 6: Moociloc

    Ladri di biciclette (1948) - Vittorio De Sica



    Mein zweiter Film von De Sica und erneut finde ich es beeindruckend, wie hier die italienische Nachkriegszeit porträtiert wird. Obowohl sich die Handlung ausschließlich auf das Schicksal einer einzigen Person bzw. einer Familie beschränkt, stellt sich bei mir unweigerlich das Gefühl ein, hier den Unmut einen ganzen Nation zu spüren. Ich muss jedoch sagen, dass mich Umberto D. in dieser Hinsicht noch mehr berührt hat, denn in jenem Film ging es dann wirklich um das nackte Überleben, und nicht bloß um die Suche nach einem gestohlenem Verkehrsmittel. Auch wenn das Fahrrad in diesem Film natürlich eine Art Existenzcharakter besitzt, die weitreichenden Folgen, die der Verlust des Fahrzeugs auf den Haupdarsteller hat, werden eigentlich erst in der Schlussszene richtig deutlich.

    Was mir aber speziell an Ladri di biciclette noch gefiel, ist die Darstellung einer anscheinend aussichtslosen Hoffnung. Im Prinzip ist Antonios Suche nach dem Gefährt von Anfang an bereits dem Scheitern verurteilt. Es gleicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen und es ist dabei schon fast verstörend mitanzusehen, wie so etwas allgegenwärtiges wie ein Fahrrad, einen Menschen so zum Verzweifeln bringen kann. Wenn am Ende die Doppeldeutigkeit des Filmtitels zu Trage kommt, erscheint dies wie eine logische Konsequenz aus dem Vorangegangen zu sein.

    8/10

    PS: Was mir noch auffiel: In Rom verstecken sich anscheinend hinter jeder Straßenecke eine Horde Passanten, die nur darauf warten, dass mal jemand etwas dummes tut, um sich anschließend lautstark am Schuldigen zu beschweren.

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