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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #61
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 7: Ali

    Jungfrukällan / Die Jungfrauenquelle (1960) - Ingmar Bergman



    Erst mein zweiter Bergman, und ja, schon recht eindrücklich, was er hier zeigt, aber umgehauen hat's mich nicht. Ich glaub es liegt zum einen an diesem religiösen Unterton, der mich nicht wirklich anspricht, zum andernen aber auch das Setting, in dem der Film spielt. Ich weiss nicht, aber dieses verarmte Mittelalter-Bauern Szenario liegt mir einfach nicht so. Es gibt glaube ich keine Zeit, in der ich weniger gern wäre, und mir fällt auch auf Anhieb kein Film ein, der zu jenem Zeitpunkt spielt und mich dabei vollends überzeugen konnte.

    Aber ich möchte Die Jungfrauenquelle nicht unnötig schlecht machen, denn die Story des Films wusste durchaus zu gefallen. Vorallem mit dieser unerwarteten Härte und Gewalt hätte ich im Voraus gar nicht gerechnet: Wie sich die beiden Hirten an der hübschen Jungfrau vergehen und Max von Sydows Rache daraufhin, lässt einen wirklich seinen Zorn spüren. Toll auch die Szene, wo er versucht diesen Baum auszureißen. Bergman benutzt dabei fast nie Musik und lässt stattdessen die unverhüllten Bilder für sich alleine sprechen, wobei mir dies auf Dauer fast ein wenig zu trocken war.

    7/10

  2. #62
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 8: Argonaut

    Return to Paradise (1998) - Joseph Ruben



    Die Geschichte von Return to Paradise dreht sich um den jungen Amerikaner Lewis (Joaquin Phoenix), der in Malaysia wegen Drogenbesitz zu Tode verurteilt wurde. Verhindern können dies nur noch zwei seiner (ehemaligen) Freunde, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls mit Lewis in Malaysia waren, nun aber in New York leben. Stellen sie sich, entkommt Lewis der Todestrafe, und sie müssen für drei Jahre ins Gefängnis.

    Eigentlich ein spannender Plot, nur schafft es der Film so sehr von seiner dargestellten Problematik abzuschweifen, dass ich fast jegliches Interesse an ihm verloren habe. Der Anfang im sonnigen Malaysia hat mir echt gut gefallen und ich hab auch schon gehofft, dass der Film dort noch ein wenig verweilt. Leider wechselt das Geschehen dann recht schnell ins trübe New York um, und was dort gezeigt wird, hat man irgendwie alles schon einmal gesehen.

    Anstatt weiter auf Lewis' Schicksal einzugehen, gerät dieses immer mehr in den Hintergrund der Handlung und der FIilm verkümmert zu einem beliebigen Sozialdrama, bei dem es nur noch darum geht, die anderen beiden zu überzeugen nach Malaysia zu fliegen. Richtige Sorgen machen sie sich jedoch nicht um Lewis (der zu dem Zeitpunkt gerade seinen Verstand verliert). Und während die Anwältin dann auch noch eine Beziehung mit einem der beiden Amerikaner eingeht, war mir das echt zu viel des Guten.

    Als der Film dann gegen Ende wieder nach Malaysia umschlägt, konnte er jedoch wieder einiges gut machen. Hier nimmt Return to Paradise endlich mal dramatische Züge an, was vorallem an der überzeugenden Leistung von Joaquin Phoenix liegt, der hier den verstörten und kränklichen zum Tode Verurteilten sehr eindrücklich darstellt und allen anderen die Show stiehlt. Und wenigstens hier schafft es der Film eine gewisse Konsequenz durchzuziehen und meine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Was er jedoch letztlich aussagen wollte, bleibt mir weiterhin unklar. Ob Drogen-, Gesellschafts- oder sogar Medienkritik - richtig deutlich wurde das für mich nie richtig.

    6/10

  3. #63
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Before the Devil Knows You're Dead (2007) - Sidney Lumet



    That's what I said. A Mom and Pop operation
    Was für ein zutiefst pessimistischer Film! Am Ende denkt man sich echt, dass sich die Beteiligten nur noch die Kugel geben können. Philip Seymour Hoffman hat mich mal wieder echt umgehauen. Unglaublich, wie er sich die Seele aus dem Leib spielt/schreit (dass dafür keine Oscar-Nom drin war!?). Aber auch Ethan Hawke und Albert Finney spielen weit über dem Durchschnitt. Gegen Ende nimmt der Film eine Dramatik und Fahrt auf, die für das etwas lahme erste Drittel mehr als entschädigen. Ab diesem Moment gerät fast alles schief, was auch nur irgendwie schief gehen kann.

    Nur Sidney Lumet, der macht fast alles richtig. Mir ist es nämlich nicht so ganz klar, inwiefern die nicht lineare Erzählweise zur Handlung beigetragen hat und frage mich, ob der Film auch ohne sie die gleiche Wirkung erzielt hätte. Aber wirklich gestört hat es mich eh nicht.

    8/10

  4. #64
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 9: Bob

    Il Gattopardo (1963) - Luchino Visconti



    Eternal sleep, that is what Sicilians want.
    Zunächst musste ich mal wieder feststellen, wie visuell und akustisch beeindrucken Visconti seine Kulissen und Darsteller festhällt, sodass man sich vollkommen in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt. Jede Szene ist so perfekt durchkomponiert, dass ich die Handlung des Film fast schon vernachlässigen konnte. Am meisten beeindruckend hat mich diese Straßenschlacht-Szene mit den stürmischen Rothemden. Wie der Film hier plötzlich sein Tempo von 0 auf 100 hochfährt und den einzelnen Truppen durch diese italienischen Gassen und Straßen folgt, ist schlichtweg genial eingefangen.

    Oh, und Claudia Cardinale! Visconti scheint sie genauso zu lieben, wie die Darsteller in seinem Film und mach jede ihrer Szenen-Eintritte zu einem Ereignis. Eine Zeit lang habe ich mich sogar nur noch nach jenen Szenen gesehnt, wo sie drin vorkam. Nur schade, dass sie nicht viel zu schauspielern hatte. Aber auch die berühmte halbstündige Ballszene am Ende des Films hat ihre optischen Reize. Ich möchte nicht wissen, wie lange Visconti dafür gebraucht hat, bis jedes Requisit an seinem Platz und das Licht perfekt abgestimmt war. Jede Einstellung schreit nach einem riesigen Arbeitsaufwand.

    Nun zum inhaltlichen. Dort muss ich leider gestehen, dass ich der Handlung wegen mangelnden geschichtlichen Vorkenntnissen nicht immer folgen konnte. Während sie für mich in der ersten Hälfte noch recht eindeutig war (Bürgertum rebelliert, Fürst Salina muss flüchten), musste ich sie mir in der zweiten Hälfte doch ein wenig zusammenreimen. Was mich irritiert hat: Burt Lancaster durchläuft ja im Film eine Art Krise, die aus der Akzeptanz der neuen gesellschaftlichen Ordnung resultiert. Nur scheint sich für ihn und die anderen Adeligen ja gar nichts verändert zu haben, was der üppige Ball am Ende nochmal verdeutlicht. Lancaster sagt an einer Stelle des Films, dass sich alles verändern muss, damit es so bleibt, wie es ist. Liegt sein Problem also gerade darin, dass sich eben nichts verändert und er von den ganzen Feierlichkeiten der Oberschicht genug hat?

    Dank mangelnder Aufklärung um seiner Person bzw. den geschichtlichen Umständen im Film, konnte ich mir seinen Charakter nicht erschließen. So verläuft Il Gattopardo gegen Ende leider etwas ins Leere, da sich für mich kein eindeutiges Ziel zu erkennen gibt, auf das der Film hinarbeitet/hinarbeiten möchte. Aber vielleicht gibt ja hier eine Zweitsichtung mehr Aufschluss.

    Die epische Inszenierung Viscontis konnte mich jedoch abermals mehr als begeistern, sodass ich über die geschichtlichen Längen (erstmals) hinwegsehen kann.

    8/10

  5. #65
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 10: Julia

    Enigma (2001) - Michael Apted



    Enigma gehört zu der Sorte Film, die ihren Rückblenden diesen Sepia-artigen, grellen und kitschigen Farbton verpassen, dass selbst dem Zuschauer in der hintersten Reihe des Kinosaals nicht entgehen sollte, dass wir uns gerade in einer Erinnerungssequenz befinden. Beim Betrachten von Enigma hatte ich andauernd das Gefühl ein Déjà-vu Erlebnis zu vernehmen. Es hat sich zwar nicht in dem Maße geäußert, dass ich die Handlung bereits vorherrsehen konnte, trotzdem durchzog die Geschichte eine gewisse unumstößliche Vertrautheit. Nahezu jede Szene, jeder Charakter, jeder Dialog, geradezu jeder Gedankengang der Schauspieler scheint mir bereits x-Mal über die Flimmerkiste gelaufen zu sein. Enigma ist so innovationsarm, wie es ein Film nur sein kann. Die Bezeichnung Fernsehfilm trifft es wohl am besten.

    Völlig missraten ist er jedoch deshalb noch nicht. Die Geschichte konnte mein Interesse durchaus bis zum Ende aufrecht erhalten, mich zwar nie begeistern, aber immerhin auch nicht zum Abschalten bewegen. Trotzdem - auch wenn sich dies jetzt ein wenig merkwürdig anhört - hatte ich nie das Gefühl einen Film zu sehen. Die Story hätte bei mir als Zusammenfassung auf einem Blatt Papier wohl die gleiche Wirkung erzielt. Wenn mir ein Film gefällt, schwelge ich eigentlich recht gerne im Nachhinein in seinen wunderbaren Momenten und Szenen, aber bei Enigma ist mir wirklich kein einziges Bild (positiv) in Erinnerung geblieben.

    Um vielleicht zukünftiger Filmempfehlungen mir bezüglich ein wenig Orientierung zu leisten: Ich mag Filme als audiovisuelle Erfahrung, die mich in einen Sinnesrausch versetzen und ihren Sachverhalt gerade durch eine beeindruckende Optik und Akustik, und weniger durch Sprachgebrauch vermitteln, wobei die emotionale Bindung und Identifikation mit dem Hauptcharakter nicht fehlen darf. Wenn er es dann noch schafft, mit den Seh- und Erzählgewohnheiten seiner Zuschauer zu brechen, umso besser.

    All dies hab ich bei Enigma schmerzlich vermisst, als rein filmische Erfahrung hat er mich also schrecklich gelangweilt. Trotzdem scheint er nicht völlig an mir vorbeigegangen zu sein, da er mich immerhin dazu bewegt hat, den Wikipedia-Artikel über die Enigma durchzulesen.

    Deshalb an dieser Stelle meine enigmatisch verschlüsselte Botschaft an die Nachwelt:

    BSAL VBHP RBBN IJX

    5/10


    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Nach 10 Runden OMFE möchte ich nun das erste Mal Bilanz ziehen und eine Rangliste der mir empfohlenen Filmen erstellen. Auch wenn mich nicht jeder Film vollends überzeugen konnte, großen Spaß bereitet hat mir unser Spiel bisher allemal.

    • 1. Il Gattopardo (Bob)
      2. The Three Burials of Melquiades Estrada (Daniel)
      3. Ladri di biciclette (Moociloc)
      4. 11:14 (soulassassin)
      5. Box of Moon Light (Kalervo)
      6. To Be or Not to Be (KeyzerSoze)
      7. Die Jungfrauenquelle (Ali)
      8. Blowup (Chefkoch)
      9. Return to Paradise (Argonaut)
      10. Enigma (Julia)

  6. #66
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    La Double vie de Véronique (1991) - Krzysztof Kie?lowski



    Was mir als erstes durch den Kopf ging, nachdem ich diesen (leider letzten großen) Film von Kie?lowski gesehen habe: Amélie. Für Zuschauer, die Amélie vielleicht gerade nicht viel abverlangen können. La Double vie de Véronique erstrahlt ebenfalls in diesen goldenen-roten Farben, ist mit einer leicht naiven Hauptdarstellerin besetzt und dreht sich (zumindest im zweiten Teil) gleichermaßen um eine - etwas ungewöhnliche - Suche nach Liebe und Zuneigung. Nur ist Kie?lowskis Film bei weitem düsterer, komplexer und kommt ohne diese überzeichneten Charaktere aus, aber vorallem ist er auch so überaus sinnlich!

    Nicht nur sieht Irène Jacob unbeschreiblich gut aus in diesem Film, die Art und Weise wie Kie?lowski sie auf der Leinwand festhält, ist schlichtweg atemberaubend. Ich habe wohl noch keinen Film gesehen, bei der einer Darstellerin soviel Screentime zugemessen wird. Es gibt praktisch kaum eine Szene, wo Véronique nicht im Bild ist. Die Kamera, umhüllt von diesen wundervollen herbstlichen Farben, verfolgt die Hauptdarstellerin teilweise auf eine fast schon voyeuristische Weise, ist dann jedoch wieder so dicht an ihr dran, dass man das Gefühl bekommt, die ganze Zeit in einer Art Seifenblase über ihr zu schweben.

    Auch wenn ich den Film inhaltlich nach dieser ersten Sichtung kaum erfassen konnte, optisch und musikalisch (Preisner!) ist er schon mal eine wahre Wucht, die man bereits kaum verarbeiten vermag.

    (vorerst)

    8/10

  7. #67
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 11: Thomas.Schutte

    Bringing Out the Dead (1999) - Martin Scorsese



    Saving someone's life is like falling in love. The best drug in the world.
    Einer der Scorsese-Filme, den ich schon länger mal sehen wollte und nun endlich die Gelegenheit dazu hatte. Ein wenig wirkt Bringing Out the Dead wie Taxi Driver auf Drogen, trotzdem schafft hier Scorsese auch etwas neues, was ich bisher so von ihm noch nicht gesehen habe.

    Der Film besticht primär durch seine sehr sonderbaren Atmosphäre und weniger durch eine komplexe Handlung. Diese skurrilen Einwohner (Travis Bickle würde sie wohl als scum bezeichnen) und Nicolas Cages geisteskranke, nächtliche Krankenwagenfahrten hatten für mich irgendetwas post-apokalyptisches. Eigentlich beschreibt der Film immer wieder die gleichen zwei Zustände: Entweder ist jemand im Krankenhaus und wird gerade (nicht) behandelt, oder derjenige ist irgendwo auf der Straße und sucht sich einen Grund wieder eingeliefert zu werden. Dazwischen stehen Cage und seine Leidensgenossen, die ihre Patienten die ganze Nacht über hin und her kutschieren. Auch wenn der Film nur an 3 Nächten spielt, so hatte ich fortlaufend das Gefühl, dass sich das Geschehen an mind. 3 Wochen zugetragen hat.

    In einer der besten Szenen des Films sieht man Cliff Curtis an einem Geländer aufgespießt vor seinem Apartment hängen. Während Feuerwehrmänner ihn mit Hilfe von Schweissbrennern vor seinem drohenden Absturz in der Tiefe befreien möchten, vermischen sich die Funken zu einem gewaltigen Feuerwerk. Keine Ahnung, was uns Scorsese hier sagen möchte, jedenfall sah's abgefahren (geil) aus. Der Film spielt auch recht großzügig mit religiösen Symbolen, die ich jedoch nach dieser ersten Sichtung noch überhaupt nicht einordnen könnte, aber am Ende scheint Cages Charakter wohl sowas wie Erlösung gefunden zu haben.

    Warum ich Bringing Out the Dead jetzt doch nicht eine so hohe Wertung gebe, kann ich nicht wirklich begründen. Mir hat vielleicht noch ein wenig die Abwechslung zwischen den einzelnen Szenen gefehlt, denn von einem Großteil besteht der Film einfach nur aus einem ständigen Hin und Her.

    7/10

  8. #68
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 12: TheCrow

    Cannibal! The Musical (1996) - Trey Parker



    Let's build a snowman.
    Hmm... was soll ich schreiben? Offensichtlich hat Cannibal! The Musical meinen Humor nicht wirklich getroffen. Die oftmals satirischen und gesellschaftskritischen Folgen, die ich von South Park gesehen habe, haben mir eigentlich immer recht zugesagt, aber mit dem plumpen, banalen und wenig geistreichen Humor dieses Studenten-Machwerks konnte ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen.

    Die plötzlichen Song-Einlagen erinnern dann schon eher an die Cartoon-Serie, und auch wenn sie inhaltlich rechter Murks sind, musikalisch fand ich sie gar nicht so übel (dies hat mich bereits bei South Park: Bigger Longer & Uncut verwundert).

    Ein paar Mal konnte ich mir ein Schmunzeln sicherlich nicht verkneifen (We can make him tall, or we can make him not so tall), aber im Ganzen war der Film doch eine rechte Qual für mich. Gegen Ende habe ich auch nur noch auf die Uhr geschaut, wann dieser Horror endlich ein Ende hat.

    2/10

  9. #69
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Trois couleurs: Bleu (1993) - Krzysztof Kie?lowski



    Ein wundervoll poetischer Film. Beim ersten Mal fand ich ihn nur gut, diesmal meisterhaft. Den Film spätabends über Kopfhörern zu betrachten, anstatt, wie bei mir üblich, einfach die Anlage leiser zu drehen, schien das Erlebnis nochmals zu intensivieren.

    Abermals bemerkenswert ist die Detailbesessenheit des Regisseurs; alleine über die symboltragende Belichtung des Films lässt sich wahrscheinlich bereits seitenweise schreiben. Das oftmalige Eintauchen Binoches in dieses dunkelblaue, bedrohliche Wasser wirkte auf mich jedes Mal wie ein Schock, ebenfalls die plötzlichen Ab- und Aufblenden innerhalb einer Szene, wenn die Geschichte gerade einen Standpunkt verdeutlichen möchte. Kie?lowski gewährt einem damit wirklich in die Seele dieser zerrissenen Person zu blicken, welche überaus grandios von Juliette Binoche dargestellt wird. Wie hartherzig und gewissenslos sie sich von ihrem ehemaligen Leben abschirmt, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

    Überraus gelungen ist auch der Einsatz von Musik: Die Komposition ihres verstorbenen Mannes ist über die gesamte Lauflänge nur fragmenthaft zu hören, und erst als Julie gegen Ende den Entschluss fasst, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, ertönt Preisners geniale Filmmusik in ihrer vollen Länge und Güte.

    Besser kann Kino fast nicht werden.

    9/10

  10. #70
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 14: David_Aames

    In weiter Ferne, so nah! (1993) - Wim Wenders



    Meine Aversion gegenüber deutschen Filmen scheint weiter Stand zu halten. Auch wenn ich den Regisseur Wim Wenders sehr schätze, sowohl sein Vorgängerfilm Himmel über Berlin als auch In weiter Ferne, so nah! konnte bei mir keine großen Begeisterungsstürme entlocken. Bei Himmel über Berlin habe ich das Problem, dass der Film geschlagene 1 1/2 Stunden nicht von seinem Fleck kommt. Als Zuschauer ist man fast die sämtliche Spieldauer zwar teils interessanten, aber auch größenteils belanglosen Gedanken anderer Menschen ausgesetzt. Erst in der letzten halben Stunde zeichnet sich eine Charakterentwicklung ab, indem sich der Hauptdarsteller des Films Damiel von einem Engel in einen Menschen verwandeln lässt.

    In In weiter Ferne, so nah! geschieht die Transformation von Otto Sander etwas vorzeitiger, ab hier hat der Film für mich auch seine stärksten Szenen zu bieten: Der gefallene Engel, den die Trinklust überkommen hat, und mit einer Pistole versucht, den Kassierer um eine Flasche Schnapps zu erleichtern, da er nie gelernt hat als Erdbürger mit anderen Menschen zu kommunizieren. Absolut köstlich! Oder wenn Cassiel am Bungie-Seil seine Flugkünste wieder zur Schau stellen darf. Auch schön zu sehen ist es, wie der Film die Internationalität nach dem Fall der Mauer portraitiert, indem oftmals zwischen Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch hin und her gewechselt wird.

    Gegen Ende flacht In weiter Ferne, so nah! für mich leider etwas ab. Die Beziehung zu seinem zwielichtigen Arbeitsgeber schienen mir nicht mehr so überzeugend. Weshalb genau sie seine gesammelte Munition heimlich auf ein Schiff verladen, auf dem auch Damiel wegfährt, hat sich mir nicht ganz erschlossen, eventuell habe ich aber auch kurzzeitig nicht aufgepasst (obwohl ich nochmals zurückgespult habe). Auch die Darstellung der Verbrecher passten für mich nicht so ganz ins Bild des restlichen Films, und Nastassja Kinski: Sie sieht in schwarzweiss leider auch nicht so reizend aus wie noch in Paris, Texas.

    Hätte dem Film gerne mehr Punkte gegeben David, aber er hat meinen Filmnerv leider nicht so ganz getroffen.

    6/10

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