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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #71
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Slumdog Millionaire (2008) - Danny Boyle



    D: It's destiny.
    Slumdog Millionaire stellt so ziemlich das Beste dar, was ich seit langer, langer Zeit im Kino gesehen habe. Ich kann es mir gut vorstellen, wenn jemand beim Anblick dieser bezaubernden Bildern zum Bollywood-Fan mutiert. Mich persönlich hat jedenfalls nach Verlassen des Kinos stark die Reiselust überkommen, die Koffer zu packen und (wieder) nach Indien zu fliegen. Auch wenn dieses Land - wie es im Film auch zu Genüge zum Ausdruck kommt - natürlich von vielen weniger erfreulichen Aspekten wie Armut geprägt ist, die Menschen strahlen eine solch lebens-bejaendenes Gefühl aus, das man hier in Europa schmerzlich vermisst.

    Dannys Film ist dabei wie für's Kino gemacht: Diese treibenden Beats, immer wieder mit Aufnahmen gekoppelt, in denen die Darsteller in den verkommendsten Slum-Gegenden um ihr Leben laufen, muss man einfach auf der großen Leinwand gesehen und gehört haben. Slumdog ist dabei nicht nur exzellent gefilmt, sondern weiss auch seine Geschichte perfekt zu erzählen. Das Leben des Hauptdarstellers Jamal wird dabei in Rückblenden erzählt, welche immerzu passend zu den ihm in der Sendung Wer wird Millionär gestellten Fragen eingebettet werden. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl, dass der Film ständig einen erzwungenen Bezug den Fragen herstellen will. Die Handlungsebene um Jamal, seinem Bruder und seiner Freundin, gestaltet sich mit der Zeit völlig frei und unabhängig, und rückt schließlich in den Mittelpunkt des Geschehens.

    Der Film ist so viel in einem: Spannende Quizshow, Familiendrama, Gangsterfilm, Liebesgeschichte, und trotzdem fühlt man sich nie von diesen ganzen Eindrücken erschlagen. Danny Boyle gelingt hier die perfekte filmische Balance, ein erzählerisches Meisterstück, und haucht mit seinen unbekannten Jungdarstellern eine Frische in die Kinolandschaft, welche noch lange nach dem Kinobesuch anhält.



    10/10

  2. #72
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 15: NY152

    Gerry (2002) - Gus Van Sant



    Irgendwie verstehe ich Gus' filmische Sprache nicht so ganz, und was den Zuschauern, denen seine Filme gefallen, daran so fasziniert. Der Film beginnt mit einer Einstellung, die das Auto, mit dem die beiden Hauptprotagonisten zu einer Wanderung (?) fahren, 5 Minuten lang von hinten filmt. Danach, wie originell, 5 Minuten von vorne. Die restlichen 90 Minuten sieht man die Gerrys durch eine Landschaft irren, zwischenzeitlich bleibt Casey Affleck noch 10 Minuten lang auf einem Fels sitzen, da er nicht mehr weiss, wie er runterkommt. Bei Elephant (sein einziger Film, der mir sogar richtig gut gefiel) ist diese Inszenierungsweise komischerweise bei mir aufgegangen. Wahrscheinlich lag dies schlichtweg an der heikleren Thematik des Amoklaufs, der Tatsache, dass hier ein Drehbuch existiert (die einzelnen Handlungsstränge kreuzten sich immer wieder untereinander) und dem Herannahen der bevorstehenen Eskalation, welche durchaus für Spannung sorgte.

    In Gerry erfährt man von den Hauptdarstellern, wie auch bei Elephant so gut wie nichts, wahrscheinlich sogar noch weniger. Wenn die beiden miteinander reden, murmeln sie meist etwas völlig banales und uninteressantes vor sich hin. Der Zuschauer erfährt nie, wie die beiden denken, wer sie sind, was sie fühlen, ja warum sie überhaupt hier sind. Bis zur letzten Einstellung bleiben Affleck und Damon zwei Unbekannte. Und genau deshalb, weil man sich nicht für sie interessiert, und auch ihre Reise keinen bedeutsamen Konflikt aufweist, geht es einem auch nicht nahe, dass einer der beiden am Ende stirbt.

    Im glaube durchaus, dass so eine Art Geschichte - zwei Menschen verlaufen sich einer kargen Gegend und finden nicht mehr zu ihrem Auto zurück - funktionieren würde, nur müsste ich mich mit den Darstellern auch identifizieren können. Z.B schlichtweg durch Dialog, indem man einen Konflikt innerhalb des Konflikts porträtiert. Dass sich die beiden evtl. zu Beginn der Reise nicht ausstehen können, dann jedoch fortwährend zussamenwachsen, bis sie feststellen, dass sie nun nur noch sich selbst haben. Oder aber man denkt sich irgendeine Rahmenhandlung aus: Dass für den einen am nächsten Tag ein wichtiger Termin stattfindet, sodass ihr Orientierungsverlust noch drastischer wirkt.

    Solche grundsätzlichen dramaturgischen Kniffe fehlen bei Gerry völlig, was das Filmerlebnis für mich zu einer sehr, sehr zähen Angelegenheit machte. Daneben finde ich es ehrlich gesagt reichlich bescheuert, dass sich die beiden überhaupt verirren: Wenn ich mich immer im gleichen Terrain bewegt und auch dort verlaufen habe, erkunde ich doch nicht plötzlich eine Berglandschaft, eine Wüste? Stattdessen würde man doch vielmehr sein vorangegangenes Gebiet besser erkunden?

    Schöne Landschafftsaufnahmen und eine stimmungsvolle Musikuntermalung besitzt Gerry, über die inhaltlichen Mängel täuscht dies, für mich jedenfalls, nicht hinweg.

    4/10

  3. #73
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 16: VJ-Thorsten

    El Espinazo del diablo / The Devil's Backbone (2001) - Guillermo del Toro



    Hm ja, solider Film, der mich primär wegen seines stimmigen Settings angesprochen hat. Einige wahllose Gedanken:

    Die Handlung dreht sich um den Jungen Carlos, der während der Zeit des spanischen Bürgerkriegs in ein entlegenes Waisenhaus abgesetzt wird. Fortan macht er Bekanntschaft mit dem Geist eines verstorbenen Waisenkindes und gerät in die Interessenkonflikte der Betreiber und Erzieher des Internats.

    Ich mag es, wenn Filme immer in den gleichen Gefilden spielen. Indem bestimmte Räume/Orte immer wieder aufgesucht werden, erhalten sie einen ganz eigenständigen Charakter, was del Toro bei The Devil's Backbone sehr gelungen ist. Ebenfalls ansprechend fand ich, dass den Film eine gewisse Mythologie umgibt: So taucht das titelgebende "Rückgrat des Teufels" in einer Szene des Film als Teil eines eingemachten Embryo-Babys auf. Leider wird darauf im Film nicht mehr groß eingegangen, jedoch reichte dies bereits, um die Erziehungspersonen in ein dubioses Licht zu stellen und die Atmosphäre des Films zu unterstreichen.

    The Devil's Backbone
    vollzieht gegen Ende eine recht dramatische Wendung, deren Ausmaß ich so gar nie erwartet hätte. Die Ereignisse, die zu jener Szene führen, konnte ich aber nicht wirklich nachvollziehen: Jacintos plötzlicher radikaler Sinneswandel blieb mir schleierhaft und seine Absicht stand, wie ich finde, in keinerlei Verhältnis zu den Schäden, die er verursacht hat.

    Die Inszenierung hat mir zwar durchaus zugesagt, als Horrorfilm konnte ich den Film aber nicht so ganz ernst nehmen. Leider bedient er sich zu vielen Klischees, sodass die Überraschungsmomente bereits vorweg genommen werden. Was darf man wohl bei einem langsamen Zoom auf ein Schlüsselloch erwarten, wenn sich der Hauptdarsteller gerade in einem Abstellraum eingesperrt hat?

    Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass Guillermo del Toro mit Pan's Labyrinth eine ähnliche Thematik 10 Mal vielschichtiger und schlichtweg überzeugender verarbeitet hat.

    6/10

    Ich hoffe stark, dass sich hinter den letzten Empfehlungen noch der erwartete Hammer-Titel verbirgt, ansonsten hat sich das Spiel für mich leider nicht so ganz gelohnt...

  4. #74
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 17: Danwalker

    The Last King of Scotland (2006) - Kevin Macdonald



    Der Film blieb mir zwar nicht allzu lange in Erinnerung, trotzdem konnte ich während des Betrachtens eigentlich nichts negatives feststellen. Im Gegenteil, er hat mir sogar sehr gefallen!

    Anfangs fand ich die Rolle von James McAvoy noch unglaubwürdig. Den fürsorglichen Arzt, der extra nach Afrika reist, um den dortigen Kindern zu helfen, hatte ich mir doch ein wenig anders vorgestellt. Während des weiteren Verlauf musste ich jedoch feststellen, dass es von den Machern wohl so geplant war, ihm gerade nicht dieses gängige Ärzte-Bild zu verpassen. Sein gewitzter Umgang mit anderen Personen ist schließlich auch der Grund, weshalb er Berater von Idi Amin wird.

    Auf die falsche Fährte gelockt wurde ich darüberhinaus auch von dem charismatischem Spiel Whitakers, der eben genannten Diktator von Uganda spielt. Richtig böse konnte man ihm zu Beginn noch nicht sein, so fürsorglich er sich um McAvoy kümmert. Die Beziehung zwischen den beiden ging vollends auf, sie ist der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, und als sich Idi plötzlich als brutaler Mörder entpuppt, ist man in dem Moment genauso geschockt wie der Hauptdarsteller.

    Forest Whitaker spielt dabei mehr als beeindruckend. In seinen Szenen hat er eine Präsenz, mit der er allen anderen die Show stiehlt. Teilweise vergisst man es fast, dass man es mit einem Schauspieler zu zun hat.

    8/10

  5. #75
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 18: TheUsualSuspect

    Le Salaire de la peur (1953) - Henri-Georges Clouzot



    Mit Le Salaire de la peur habe ich nun endlich den erwarteten "Übertitel" aufgezwungen bekommen, den ich auch ohne weiteres weiterempfehlen würde. Dabei hätte doch tatsächlich nicht mehr viel gefehlt, und ich hätte ihn nach einer halben Stunde Laufzeit bereits entnervt abgestellt. Irgendwie passte mir zu Beginn vieles noch nicht an dem Film: Einen zentralen Handlungsstrang suchte man vergebens, die Darsteller wirkten alle blass und uninteressant, während es die Inszenierung bewerkstelligte, gleichzeitig hektisch und langatmig zu sein.

    Zum Glück änderte sich dies alles schlagartig, sobald die Story mal in den Gang kommt. Vier Freiwillige melden sich um eine in Flammen aufgehende Erdölquelle durch eine gezielte Explosion zu löschen. Dazu müssen sie zwei Lastwagen, vollbeladen mit Nitroglyzerin, durch eine bergige und gefahrenreiche Strecke manövrieren. Bei jeder kleinsten Erschütterung müssen sie damit rechnen, dass ihnen gleich ihr Fahrzeug um die Ohren fliegt.

    Plötzlich machte die anfänglich so träge Einleitung Sinn: Im Prinzip legt sie die Motivationsgrundlage der Darsteller, dieses halsbrecherische Jobangebot überhaupt anzunehmen. Denn wie soviele andere möchten sie aus dieser trostlosen Gegend in Venezuela endlich abhauen und wittern mit dem Löschen des Ölbrands ihre große Chance. Den gesichtslosen Charakteren werden auf einmal menschliche Züge zugeteilt, und es war irrsinnig spannend mitanzusehen, wie sie sich untereinander schlagen und die drohenden Gefahren umgehen. Bei der berühmten Ölszene hatte mich Le Salaire de la peur dann komplett: Yves Montand und Charles Vanel von Kopf bis Fuß in Öl getränkt - selten eine so spannende und ergreifende Szene gesehen! Manchmal sind die geradlinigen Geschichten einfach die besten.

    Das Ende sorgte bei mir dann zunächst zur Verwirrung, im Nachhinein empfinde ich es jedoch als perfekt. Leichter Spoiler: Yves Montand hat bei diesem Höllenritt letztlich alles verloren, was es zu verlieren gibt, und müsste bis an sein Lebensende mit seinem Gewissen kämpfen. Ein friedvoller Abgang wäre einfach unpassend gewesen.

    Vielen Dank an Usual für diesen grandios inszenierten, mordsspannenden Film! Er stand zwar schon seit einiger Zeit auf meiner To-See-Liste, in absehbarer Zeit hätte ich ihn aber wahrscheinlich trotzdem nicht gesehen.

    9/10

  6. #76
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE Round 19: JFK

    23 (1998) - Hans-Christian Schmid



    Zum Abschluss des OMFE-Spieles noch eine positive Überraschung: 23 ist ein wirklich guter, deutscher Film! Vorallem die erfrischende Inszenierung und die überzeugend agierenden Schauspieler sagten mir mehr als zu. Als ich danach einen näheren Blick auf den Regisseur warf, war ich jedoch nicht mehr ganz so überrascht: Hans-Christian Schmid ist auch für Crazy verantwortlich, der mir damals ebenfalls sehr gefiel. Ein Regisseur, der sein Handwerk scheinbar versteht, und es vorallem weiß, mit Jungdarstellern umzugehen.

    Gegenüber dem amerikanischen "Pendant" gefiel mir an 23, dass hier die Verschwörung um die geheimnisvolle Zahl nur eine Rahmenhandlung bildet und nie zum Selbstzweck verkommt. Im Film unterstreicht sie die aufkommende Paranoia des Hauptdarstellers Karl Koch, der sich durch seine illegalen Geschäfte mit der KGB ständig bedroht fühlt, genau im richtigen Maße. Die Verschwörung um seine Machenschaften (ausgehend von den Illuminaten) bleibt letztlich ein Hirngespinst des Hackers, welches immerzu packend in Szene gesetzt wurde.

    Durch die Verbindung mit reellen, historischen Ereignissen bekam das Ganze einen für mich noch unerwarteten Dreh, welcher darüberhinaus auch für ein authentisches Zeitgefühl sorgte. Gelungen - und studienbedingt nicht ganz uninteressant - war auch der Einblick in die damalige Computerszene mitsamt den ersten PCs.

    23 ist ein Film, der vielleicht nie überragend ist, aber ganz klar seine Stärken und Qualitäten besitzt. Ja, kann man weiterempfehlen.

    8/10

    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Abschließendes Ranking:

    • 1. Le Salaire de la peur (TheUsualSuspect)

      2. Il Gattopardo (Bob)

      3. The Three Burials of Melquiades Estrada (Daniel)

      4. 23 (JFK)
      5. Ladri di biciclette (Moociloc)
      6. 11:14 (soulassassin)
      7. The Last King of Scotland (Danwalker)
      8. Box of Moon Light (Kalervo)
      9. Bringing Out the Dead (Thomas.Schutte)
      10. To Be or Not to Be (KeyzerSoze)
      11. Die Jungfrauenquelle (Ali)
      12. Blowup (Chefkoch)
      13. Return to Paradise (Argonaut)
      14. In weiter Ferne, so nah! (David_Aames)
      15. El Espinazo del diablo (VJ-Thorsten)
      16. Enigma (Julia)
      17. Gerry (NY152)
      18. Cannibal! The Musical (TheCrow)

  7. #77
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Voyna i mir / Krieg und Frieden (1967) - Sergei Bondarchuk








    Seize the moments of happiness, love and be loved! That is the only reality in the world, all else is folly.
    - LEO TOLSTOY
    Gestern Abend den vierten und letzten Teil dieser epochalen russischen Verfilmung gesehen. Voyna i mir, mit Produktionskosten von über 700 Millionen $, ist der teuerste Film aller Zeiten und wurde seinerzeit von der gesamten sowjetischen Armee unterstützt, sodass zeitweise über 100.000 Soldaten auf den Kriegsfeldern taumeln. Während man manchen heutigen Großproduktionen ihr Budget kaum anmerkt, sieht man bei dieser hingegen wirklich jeden Cent verpuffen. Die Bilder bestechen durch eine schier unendliche Größe und eine Regiearbeit, die in der Filmlandschaft absolut ihresgleichen sucht!

    Über die Laufzeit von 400 Minuten werden dabei abwechselnd Ereignisse der Napoleonischen Kriege (Schlacht bei Austerlitz, Borodino, Brand von Moskau) und das Leben russischer Adeliger geschildert. Ich müsste lügen, wenn ich schreibe, dass ich mich in alle diese vielzählige Charaktere hineinversetzen konnte, jedoch besitzt der Film eine solche Ausdrucksstärke, dass man sich ihm einfach nicht entziehen kann. Irgendwie scheint es wohl mit der russischen (Film-)Tradition zusammenzuhängen, dass mir manche Personen oftmals sperrig erscheinen, andererseits könnte es auch durchaus damit zu tun haben, dass Bondarchuk Vorkenntnisse des Romans vorraussetzt. Vielleicht war ich aber auch selbst etwas ungeduldig, da ich mich ständig nach der nächsten Massenszene gesehnt habe.

    Trotzdem hat mich der Film durchaus berührt. Bondarchuk gelang es selbst in den Kriegsszene für eine intime, warmherzige Atmosphäre zu sorgen, indem er die Zuschauer die ganze Zeit durch die Gedanken anderer kreisen lässt. Bondarchuk selbst spielt ebenfalls eine Hauptrolle und man nimmt das Geschehen großteils aus seiner Sichtweise wahr. Wirklich bemerkswert, dass hier der Regisseur den Zuschauer quasi an die eigene Hand nimmt, um ihm seinen Film sogar persönlich zu zeigen!

    Eine der einprägsamsten Szenen stellt die Schlacht von Borodino (die größte je gedrehte Kriegsszene!) dar. Wenn man jedoch denkt, dass der Film damit seinen Höhepunkt erreicht hat, setzt er im letzten Teil sogar noch einen drauf: Für den Brand von Moskau baute Bondarchuk das ganze Zentrum der Stadt nach und lässt es in einer atemberaubenden Sequenz komplett in Flammen aufgehen. Dabei ist die ganze Luft mit Asche durchzogen, während man überall Soldaten und zurückgebliebene Einwohner durch Feuerherde stampfen sieht. Unglaublich! Wer das aufwendigste Filmmaterial sehen möchte, das je auf Zelluloid gebannt wurde, muss Voyna i mir sehen!

    9/10

  8. #78
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Les diaboliques (1955) - Henri-Georges Clouzot



    The greatest film Hitchcock NEVER made!
    - ANONYM
    Clouzot scheint ein feines Händchen für mordsspannend inszenierte Filme zu haben, denn nach Le Salaire de la peur konnte er mich nun auch mit Les diaboliques mehr als überzeugen. Evtl. hat mich ersterer noch ein wenig mehr an den Rand meiner Couch gezerrt, dafür verzichtet er bei diesem hier auf eine langatmige Einleitung. Die Handlung dreht sich um einen Mord an einen sadistischen Direktor einer Internatschule, der letztlich von seinen beiden Liebhaberinnen in einer Badewanne ertränkt wird. Alleine diese Ausgangslage finde ich für einen Film aus den 50ern bereits ungewöhnlich "diabolisch" (schließlich sieht man den kompletten Film aus den Augen zweier Mörderinnen!), aber wie der Regisseur dann auch noch den Spannungsbogen bis zum Ende halten kann, ist schlichtweg grandios.

    Gegen Ende des Films gibt es eine Sequenz, in der die Ehefrau des Ermordeten eines Nachts von seiner Vision geplagt wird (ohne zuviel zu verraten). Jedenfalls ist die Inszenierung - dieser lange Gang mit den Schattenspielen, das Klappern der Schreibmaschine aus seinem Arbeitszimmer, der herannahende Türspalt - sowas von packend, dass sie selbst mit heutigen Thrillern konkurrieren kann. Ich hab selten eine solch nervenauftreibende Sequenz gesehen, und dabei verwendet Clouzot noch nicht mal irgendwelche Musik, um den Spannungsgrad (künstlich) nach oben zu schrauben!

    Das Ende ist dann bitterböse und zynisch - dieses Gesicht von ihr wird mir wohl lange nicht mehr aus dem Kopf gehen. Und was für eine Schlusswendung! Hitchcock hätte es wirklich nicht besser machen können und Clouzot schlug ihn sogar nur um wenige Stunden, als es darum ging die Romansrechte zu sichern. Gäbe es Psycho nicht, Les diaboliques hätte seinen Platz in der Filmgeschichte mehr als verdient.

    9/10

  9. #79
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    The Man Who Knew Too Much (1956) - Alfred Hitchcock



    Der Auftakt meiner Hitchcock-Box machte gestern The Man Who Knew Too Much. Auch wenn der Film gewohnt spannend und souverän von Hitch inszeniert wurde, im Vergleich zu seinen großen Meisterwerken lässt so mancher Storytwist doch arg zu wünschen übrig. So fand ich es beispielsweise recht konstruiert, dass sich in Marrakesch ausgrechnet das Ehepaar als Mitwirkende des Attentats offenbart, dass sich gerade mit den Hauptdarstellern angefreundet hatte. Und der Geheimagent, der stirbt natürlich auch just in dem Moment, als James Stewart gerade den Basar aufsucht. Dann das Ende mit Qué será, será und der Treppe-runter-schupps-Szene: Selbst in einem Hitchcock-Film wirkte dies leicht befremdlich.

    Dafür gibt es dann auch wieder Szenen, die Hitch von seiner besten Seite zeigen. So stellte für mich der Konzertbesuch in der Royal Albert Hall ganz klar der Höhepunkt des ganzen Filmes dar. Einfach grandios wie sich hier das bevorstehende Ereignis langsam zuspitzt, während Hichcock die Musik von Beginn an einfach laufen lässt. Jeder zweitklassige Regisseur hätte hier wohl zwischenzeitlich auf Dialog umgeschnitten und die Szene ruiniert. Auch der Besuch bei diesem Tierpräparator, der mich von der Atmosphäre ein wenig an Vertigo erinnerte, hatte etwas. Vielleicht gerade deshalb, weil die Szene mal nicht zur Haupthandlung beitrug und konstruiert wirke.

    Im Endeffekt kann man sich The Man Who Knew Too Much sicherlich anschauen, aber ich erwarte doch noch einiges mehr von den restlichen Filmen.

    7/10

  10. #80
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Frenzy (1972) - Alfred Hitchcock



    Frenzy war Hitchcocks vorletzter Film und obwohl er zunächst etwas befremdlich auf mich wirkte, gegen Ende waren dann doch die Suspense-typischen Elemente eines guten Hitchcocks wieder enthalten. Was mich irritiert hat: Zur Abwechslung wird hier einem kein sympathischer Hauptcharakter à la James Stewart vorgeführt, der von Beginn an Mitleid erregen soll, denn mit Jon Finch identifiziert man sich doch nur ungern. Dazu noch der leicht dreckige 70er Jahre Look.

    Spätestens beim erstklassigen Drehbuch merkt man jedoch wieder, mit welcher Regiegröße man es hier zu tun hat. Die Geschichte um den Krawattenmörder entwickelt sich zwar zunächst etwas schleppend, ab dem 2. Drittel schafft es Hitchcock hingegen die Spannung bis zum Filmende, ja sogar bis zur allerletzten Szene, kontinuierlich zu steigern. Plot holes sucht man vergebens, die Story ist nahezu perfekt durchkomponiert und mit "Rusk" gibt es auch einen Gegenspieler der aller übelsten Sorte, der nicht davor scheut seine Taten Unschuldigen anzuhängen (und sich sogar deren Frauen schnappt).

    Gewohnt hervorragend ist dann auch wieder die Regiearbeit. Man denke nur an die Szene des zweiten (ungesehen) Mordes, wo die Kamera, nachdem sie den Darstellern bis zur Wohnungstür gefolgt ist, wieder rückwärts nach draussen fährt und den Mörder mit seiner Tat alleine lässt. Auch die Schlussszene hatte etwas minimalistisch geniales: Wie Rusk diesen riesen Koffer in sein Apartment zieht, um sein neuestes Opfer zu verstauen und dann vom Inspektor überwältigt wird: Mr. Rusk - you're not wearing your tie. Der Koffer fällt darafhin zu Boden und ein Sarg offenbart sich darin. Rusks Sarg. Freez-frame, Credits drüber. Fertig ist das perfekte Ende.

    8/10 (mit Tendenz nach oben)

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