Slumdog Millionaire (2008) - Danny Boyle
Slumdog Millionaire stellt so ziemlich das Beste dar, was ich seit langer, langer Zeit im Kino gesehen habe. Ich kann es mir gut vorstellen, wenn jemand beim Anblick dieser bezaubernden Bildern zum Bollywood-Fan mutiert. Mich persönlich hat jedenfalls nach Verlassen des Kinos stark die Reiselust überkommen, die Koffer zu packen und (wieder) nach Indien zu fliegen. Auch wenn dieses Land - wie es im Film auch zu Genüge zum Ausdruck kommt - natürlich von vielen weniger erfreulichen Aspekten wie Armut geprägt ist, die Menschen strahlen eine solch lebens-bejaendenes Gefühl aus, das man hier in Europa schmerzlich vermisst.D: It's destiny.
Dannys Film ist dabei wie für's Kino gemacht: Diese treibenden Beats, immer wieder mit Aufnahmen gekoppelt, in denen die Darsteller in den verkommendsten Slum-Gegenden um ihr Leben laufen, muss man einfach auf der großen Leinwand gesehen und gehört haben. Slumdog ist dabei nicht nur exzellent gefilmt, sondern weiss auch seine Geschichte perfekt zu erzählen. Das Leben des Hauptdarstellers Jamal wird dabei in Rückblenden erzählt, welche immerzu passend zu den ihm in der Sendung Wer wird Millionär gestellten Fragen eingebettet werden. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl, dass der Film ständig einen erzwungenen Bezug den Fragen herstellen will. Die Handlungsebene um Jamal, seinem Bruder und seiner Freundin, gestaltet sich mit der Zeit völlig frei und unabhängig, und rückt schließlich in den Mittelpunkt des Geschehens.
Der Film ist so viel in einem: Spannende Quizshow, Familiendrama, Gangsterfilm, Liebesgeschichte, und trotzdem fühlt man sich nie von diesen ganzen Eindrücken erschlagen. Danny Boyle gelingt hier die perfekte filmische Balance, ein erzählerisches Meisterstück, und haucht mit seinen unbekannten Jungdarstellern eine Frische in die Kinolandschaft, welche noch lange nach dem Kinobesuch anhält.
10/10


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