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Thema: I've seen things you people wouldn't believe...

  1. #81
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    L'année dernière à Marienbad (1961) - Alain Resnais






    Alain Resnais hat mir gestern Abend wirklich das Leben schwer gemacht. So sehr ich L'année dernière à Marienbad auch mögen wollte - und beim Anblick obiger Bilder dürfte dies doch nicht schwierig sein - ich fand einfach keinen Zugang. Mir kam dieser Film wie ein Whirlpool aus Gedanken und Erinnerungen vor, in den man als Zuschauer hineingeworfen wird und vergebens nach dem Ausgang sucht. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein vermeintliches Liebespaar, das sich in einem barocken Hotelpalast begegnet. Er (X) ist davon überzeugt, dass sie sich im vorherigen Jahr schon einmal trafen und eine Affäre hatten, was sie (A) jedoch vehement bestreitet. Rückblenden durchmischen sich daraufhin mit der gegenwärtigen Geschichte auf eine Weise, dass weder eine Chronologie noch eine Differenzierung zwischen Traum und Wirklichkeit mehr auszumachen ist.

    Soweit hat man dies vielleicht in einem anderen Film auch schon gesehen, aber was Marienbad nun speziell macht, ist seine irgendwie gespenstische Aura. Die Handlung wird fast durchgehend von einem monotonen Off-Kommentar begleitet, während sich die Hotelgäste merkwürdig träge verhalten. Sie stehen die meiste Zeit passiv irgendwo herum, spielen Glücksspiele oder gehen im Garten spazieren. Nie sieht man irgendwen rennen oder aktiv handeln, sie schweben fast schon durch diese nicht enden wollenden Hotelgänge, was auf mich unglaublich ermüdend wirke. Der Film ist quasi von der Zeit losgelöst. Man findet weder einen Anfang noch ein Ende, vielmehr stellt das ganze eine Momentaufnahme dar. Am ehesten hatte ich das Gefühl, hier irgendwelche verlorene Seelen zu beobachten, die entweder ihr Dasein absitzen oder auf etwas warten, was Resnais jedoch nie offenbart.

    Müsste ich den Film auf irgendeine Weise interpretieren, sähe ich darin wohl eine Reflexion über die Fadenscheinigkeit unseres Erinnerungsvermögen und damit verbunden, die Gefahr vergangene Ereignisse richtig einorden zu können. Aber überzeugt bin ich davon noch nicht. Für mich ein klarer Fall von: Einmal gesehen, ist noch gar nicht gesehen. Nächster Hitchcock bitte.

    ?/10

  2. #82
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 1: Bob

    Ludwig (1972) - Luchino Visconti



    Wahrscheinlich müsste ich jetzt hier schreiben, wie bewegend ich Helmut Bergers Performance als Märchenkönig Ludwig II fand, wie genial die Musik Wagners das Geschehen ständig untermalte, und wie sehr mich Viscontis Regiehandschrift erneut erstarren ließ. Tu' ich aber nicht, denn der Film ließ mich gestern leider völlig regungslos zurück. Die 4 Stunden liefen an mir vorbei und hängen geblieben ist so gut wie gar nichts, was merkwürdig ist, denn bisher fand ich alles von Visconti grandios.

    Mir fehlte an diesem Film wohl irgendwie die Orientierung, denn er deutet zwar auf mehrere Charakteristiken von Ludwigs Leben hin - seine Homosexualität, sein Zurückziehen in eine imaginäre Märchenwelt, die Liebe zu Wagners Musik - nur fehlte mir dann letztlich die Konsequenz Viscontis, diese Aspekte auch bis zum Ende überzeugend festzuhalten. Ich wusste nie so recht, worum es gerade ging. Dass Romy Schneider Sissi spielte, erfuhr ich beispielsweise auch erst, nachdem ich anschließend die Inhaltsangabe gelesen habe.

    Ein weiteres Problem hatte ich mit der Inszenierung. Ludwig findet nahezu vollständig in geschlossenen Räumen statt und wirkte dadurch natürlich sehr kammerspielartig. Für einen 90-minütigen Spielfilm hätte ich sicherlich nichts dagegen gehabt, aber bei einem 4 Stunden Epos? Irgendwie fehlte mir bei diesem Film auch die geographische Orientierung, die weiten Totalen zwischen den einzelnen Szenen, damit ich auch mal weiss, wo ich mich gerade befinde.

    Auch die Synchronisation tat mir keinen Gefallen. Ich hab ihn auf Italienisch synchronisiert gesehen, was scheinbar die gängigste Variante ist, nur hatte ich fortlaufend das Gefühl, dass auch dort irgendetwas nicht passte. Aber ein gutes Wort möchte ich zum Schluss doch noch verlieren: Richard Wagner war wirklich super getroffen. Zum einen rein optisch, aber dann auch die Art und Weise sich auszudrücken, kam meinem Bild von ihm wirklich sehr nahe. Ok, vielleicht ein bisschen mehr Bart noch.

    Eigentlich würde ich den Film lieber nach einem gewissen zeitlichen Abstand nochmals sehen, um zu einem abschliessenden Urteil zu kommen, da ich doch das Gefühl hatte, hier einiges verpasst zu haben. Vorerst bleiben es daher leider nur nüchterne

    6/10

    Punkte.

  3. #83
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 3: KeyzerSoze

    Sleuth (1972) - Joseph L. Mankiewicz



    Sleuth, Sleuth... ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie man das wohl ausspricht. Ich glaub Michael Caine sagt es sogar in einer Szene. Sleuth. Leider habe ich's nicht mehr im Ohr. Aber egal, zum Film:

    Die erste Hälfte fand ich ein wenig überzeugender als die zweite. Wie Olivier Caine um den Finger wickelt, indem er ihm unter dem Vorwand eines inszenierten Einbruches einen Schrecken einjagen will, war wirklich großartig. Auch toll, was sich die beiden für Wortgefechte liefern und sich gegenseitig an die Wand spielen. Sehr speziell ist auch, dass der Film über seine gesamte Laufzeit nur mit zwei Schauspielern auskommt, obwohl die Handlung oft dazu verführte, eine 3. oder 4. Person in das Geschehen zu intergrieren.

    Ich kann dem Film auch (ausnahmsweise) nicht vorwerfen, nur abgefilmtes Theater zu sein, denn Mankiewicz fängt die Charakteristiken des Schauplatzes (und davon gibt es unzählige) sehr gekonnt ein, wie es nur dem Medium Film zusteht. Ständig sieht man irgendwelche Puppen tanzen oder sonstige Spielerein auftauchen, sodass dem abgelegenen Anwesen Oliviers wirklich ein Eigenleben verpasst wird.

    Leider etwas vorhersehbar fand ich dann die zweite Hälfte des Films. Achtung Spoiler: Caine, der sich als Detektiv maskiert, konnte ich leider viel zu schnell ausfindig machen. Auch fand ich ab hier die Motivationsgrundlage der beiden Charaktere nicht mehr so stimmig. Dass Caine vorgibt, Oliviers Geliebte ermordet zu haben, um ihm dann auch noch jenen Mord anzuhängen, fand ich dann doch ein wenig abgehoben. Dies hätte man meiner Meinung nach etwas eleganter lösen können. Das tragische Ende fand ich dann hingegen wieder gelungen.

    Alles in allem ein doch sehenswerter Film!

    7/10

  4. #84
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 4: Tetshuno

    Ruang rak noi nid mahasan / Last Life in the Universe (2003) - Pen-Ek Ratanaruang



    Last Life in the Universe scheint zu der Sorte Film zu gehören, bei dem es entweder von der ersten Minute Klick macht und man von dort an "drin" ist, oder aber man bemüht sich 100 Minuten lang in ihm einen Zugang zu finden, der einem bis zum Abspann verwehrt bleibt. Eigentlich müsste diese thailändische/japanische Produktion genau meine Sorte Film sein - asiatisch (selten enttäuscht), wenig Dialog, Stimmungsbilder - und ich wollte ihn auch wirklich mögen, trotzdem blieb ich am Ende erfolglos. Wenn ich will, kann ich es schon nachvollziehen, dass jemand von so einem Film begeistert ist, mir ergeht es nämlich oft so mit ähnlichen Filmen, bei denen ich euphorisch ins Schwärmen gerate, die jedoch bei anderen eher auf Nüchternheit und Ablehnung stoßen.

    Ingesamt kann ich sagen, dass mir Last Life in the Universe einfach zu wenig hergab, was bereits beim Plot anfängt. Dass sich diese beiden gegensätzliche Charaktere unter ihren jeweiligen schwierigen Umständen (wobei für mich die Probleme des männlichen Hauptdarstellers Kenji nicht einleuchtend waren) langsam annähern, ist ja wirklich ganz nett, aber letztlich habe ich soetwas schon in Dutzend Filmen gesehen und ich wüsste jetzt nicht, was Last Life nun dieser Sorte Film hinzugefügt hat. Daneben fand ich es ehrlich gesagt recht einfallslos, dass für die Rahmenhandlung wieder mal die alteingesessenen Yakuzas herhalten mussten. Warum müssen alle schweigsamen Japaner (ehemalige) Gangster sein? - irgendwie langweilt mich dies mit der Zeit.

    Mein vielleicht größtes Problem hatte ich dann aber doch mit dem bereits erwähnten Hauptdarsteller des Films. Seine Selbstmordabsichten verkamen meiner Meinung nach zur Beiläufigkeit und begründeten sich nie wirklich aus seiner Lebenshaltung heraus. Es ist nicht so, dass ich in Filmen immer alles erklärt haben möchte, aber ich brauche doch soetwas wie eine Mindestanzahl an Fixpunkten, an denen ich mich orientieren kann und welche ich bei hierbei vermisst habe. In Louis Malles Le feu follet z.B bleiben die Suizidgedanken des Hauptdarstellers ebenfalls der Interpretation offen, und trotzdem hat man hier als Zuschauer das Gefühl ständig einer Aura des Todes und des Schmerzes ausgesetzt zu sein. Last Life berührte mich hingegen zu keinem Zeitpunkt. Die einzige Szene, die ich wirklich herausragend fand, war die mit den herumfliegenden, selbstsortierenden Büchern.

    Insgesamt hatte für mich dieser Film etwas von einer hohen Dosis Valium. Der Film schafft es einen zwar mit seiner atmosphärischen, stillen Bildern wirklich zu beruhigen und in einen fast schon schwebenden Zustand zu versetzen, aber letztlich erschien er mir doch größtenteils bedeutungslos und inhaltsleer.

    5/10

  5. #85
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Andrey Rublyov (1966) - Andrei Tarkovsky



    Du gießt Glocken, ich male Ikonen - was für ein Festtag für die Menschheit!
    Andrey Rublyov stellt gemeinhin den Höhepunkt des künstlerischen Schaffens Tarkovskys dar und ist ein Film, den ich schon lange mal sehen wollte. Und erneut war ich begeistert von Tarkovskys visueller Opulenz, denn jede Einstellung strahlt wieder einmal eine solche Poesie aus, wie es nur wenig anderen Filmemachern vergönnt ist. Ich glaube mittlerweile sogar, dass Tarkovsky der stilistisch absolut bahnbrechendste Regisseur seiner (aller?) Zeit(en) war, und nicht mal mehr von Größen wie Stanley Kubrick übertroffen wird. Man denke nur an den Anfang, wo ein Mann von diesem Kirchenturm aus in einem Ballon flüchtet und man als Zuschauer das erste Mal das Gefühl bekommt, Schwerelosigkeit zu empfinden. Später sieht man Rublyov mit seinen Gefährten im strömenden Regen davon ziehen, während sich in einer Horizontlinie eine Reihe von Pferden fortbewegen - auch so ein wunderschönes Bild.

    Was die inhaltlichen Stärken anbelangt, ist, wie so oft bei Tarkovsky, nach der ersten Sichtung vieles noch recht unklar bei mir. Die Geschichte widmet sich einer Reihe von Ikonenmalern, in erster Linie Andrey Rublyov, und das Geschehen um sie herum zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Russland. Ein großes Thema, dass der Film dabei behandelt ist die Spiritualität und die religiösen Überzeugungen der damaligen Menschen - sicherlich einer der Gründe, warum mir der Film zum Großteil recht sperrig erschien. Trotzdem kann ich sagen, dass mich der Film an mindestens 2 Stellen stark berührt hat. Und zwar zunächst der Überfall der Tataren auf ein russisches Dorf, wo Tarkovsky in atemberaubenden Sequenzen die ganzen Schonungslosigkeiten dieses Kriegvolkes aufzeigt, und andererseits die letzte Episode, wo der Bau einer Glocke geschildert wird, die in der zuvor zerstörten Kirche Einzug erhalten soll. Der Moment, in dem die Glocke vor versammelter Menschenmenge mit einem ersten Glockenschlag eingeweiht wird und Rublyov, der zuvor ein Schweigegelübde abgelegt hatte, vor diesem von Menschenhand erschaffenen Wunder wieder die Sprache findet, kann dabei schlichtweg als einer der größten Momente des Kinos bezeichnet werden!

    8/10

  6. #86
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    Playtime (1967) - Jacques Tati



    François Truffaut bezeichnete Playtime als den ersten Film, der von einem anderen Planeten stammt, "Europe of 1968 filmed by the first Martian filmmaker", und wenn man sich diese gleichzeitig turbulente und sterile Welt anschaut, die Tati eigens für diesen Film entwarf, kann man ihm eigentlich nur recht geben.

    Playtime hat, wie auch bereits seine Vorgängerfilme, keine wirkliche Handlung. Der Film widmet sich erneut der Figur des Monsieur Hulot, der, begleiget von einer Scharr amerikanischer Touristen, sich den Hürden der modernen Zivilisation stellen muss. Nach der Landung auf einem Flughafen, verirrt sich Hulot zugleich in einem Bürokomplex und findet sich in einer abstrusen Warenmesse wieder. Im Höhepunkt des Films, einer chaotischen, einstündigen Restaurantszene, lernt Hulot schließlich das Pariser Nachtleben kennen.

    Was Playtime von anderen Filmen abhebt, ist sein Spiel mit den Ebenen eines Bildes. Wenn ein Film den Raum einer Szene wirklich ausnutzt, dann ist es dieser hier. In der ersten Hälfte mag dies vielleicht noch nicht so auffallen - auch wenn ich diese langen Gänge und Tiefenwirkung der Räume wirklich beeindruckend fand - im bereits erwähnten Restaurant wird dann die Aufnahmefähigkeit der Zuschauer jedoch wirklich auf die Probe gestellt. Das Bild unterteilt sich hier fast durchgehend in einen Vorder- Mittel- und Hintergrund und ständig passieren irgendwo irgendwelche Neckereien zwischen den Gästen oder kleinere Unfälle, welche einerseits sicherlich offensichtlich sind, oftmals jedoch auch von anderen Geschehnissen verschleiert werden.

    So konzentriert man sich beispielsweise auf ein Gespräch im Vordergrund, während im Hintergrund plötzlich jemand vom Barhocker fliegt. Dies fällt einem dann natürlich erst dann auf, als es bereits passiert ist, da man ja zuvor von einem anderen Ereignis abgelenkt wurde, und man fragt sich daraufhin, wie es zu besagten Unfall überhaupt kommen konnte? Genau dieser Art von Humor ist es, die Tatis Filme so einzigartig machen, und abseits davon gibt noch unzählige weitere Dinge zu bestaunen.

    Im Endeffekt lässt sich Playtime sicherlich wunderbar unter gesellschaftskritischen Kriterien interpretieren, für mich gleicht Tatis Werk eigentlich eher einem filmischen Experiment, das einem die Grenzen der eigenen menschlichen Wahrnehmung vor Augen führen möchte. Ein Film, den ich bestimmt nicht das letzte Mal gesehen habe.

    9/10

  7. #87
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 5: David_Aames

    Bis ans Ende der Welt (1991) - Wim Wenders



    Wieder mal ein Wenders von Aames, und leider hat er mir nicht viel besser gefallen als der Vorherige. Ich spare mir jetzt an dieser Stelle, auf die ganze Handlung dieses 280 minütigen Filmes einzugehen, und möchte nur erwähnen, dass er mir viel kürzer vorkam, als er es eigentlich ist. Normalerweise deute ich dies als ein positives Zeichen, bei Bis ans Ende der Welt bin ich mir jedoch unsicher. Eigentlich mag ich es, wenn Filme einen auf eine wirklich lange Reise mitnehmen und man am Ende das Gefühl hat, um die halbe Welt gekommen zu sein, doch genau dieses Gefühl, das Wenders einem bei diesem Film ja fast schon verspricht, und welches sich mir z.B. bei Paris, Texas einstellte, vermisste ich hier schmerzlich. Ich glaube sogar, dass Bis ans Ende der Welt auf 90 Minuten beschränkt, genau die gleiche Wirkung bei mir erzielt hätte.

    Worin mein Problem genau lag, weiss ich auch nicht, aber letztlich kann ich es wohl auf mein mangelndes Interesse gegenüber den im Film dargestellten Personen zurückführen. Wie auch schon bei manch anderen Wenders-Filmen, hatte ich hier erneut das Gefühl, dass mir die Charaktere recht gekünstelt und eindimensional vorkamen, ja fast schon comichaft. Irgendwie nahmen sie immer alles so hin, ohne sich wirklich über die Konsequenzen ihres Handelns im Klaren zu sein. Was mir fehlte, waren irgendwelche tiefschürfenden Konflikte und Erkenntnisse innerhalb ihrer Entwicklung, sodass ich mich für sie begeistern und ihnen auf ihrem langen Weg begleiten möchte.

    Visuell und akustisch konnte mich Wenders natürlich erneut überzeugen, so gefielen mir vorallem die wunderschönen Aufnahmen vom australischen Outback sehr. Gegen Ende wurde der Film für mich dann auch immer spürbar besser. Die Idee, die eigenen Träume mittels Hirnströme aufzunehmen, und die daraus folgende Konsequenz des Süchtigwerdens der Beteiligten nach ihrem eigenen verborgenem Inneren, war sogar großartig. Nur schade, dass der Film dann eben auch schon bereits zu Ende war.

    6/10

  8. #88
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 6: soulassassin

    Dead Man's Shoes (2004) - Shane Meadows



    God will forgive them. He'll forgive them and allow them into Heaven. I can't live with that.
    Von Shane Meadows kannte ich bereits einen seiner neueren Filme, This Is England, den ich mir aufgrund der vielen Lobeshymnen hier im Forum angeschaut hatte. Bei jenem Film gefiel mir vor allem die Darstellung der Clique mit all ihren gegensätzlichen Charakteren und Altersunterschieden, gleichzeitig hatte ich jedoch das Gefühl, nur die Hälfte ihrer Geschichte erzählt zu bekommen, da der Film, an seinem interessantesten Punkt angelangt, auch bereits zu Ende war.

    Dead Man's Shoes wirkte für mich in diesem Aspekt runder, die Handlung kommt zu einem Abschluss und lässt nur wenige Fragen offen. Ihr Hauptdarsteller ist der aus dem Militärdienst entlassene Richard, der sich an der örtlichen Drogengang für den Missbrauch an seinem geistig zurückgebliebenen Bruder rächen möchte. Ständig habe ich mich dabei gefragt, wie Richard seine Taten wohl rechtfertigt, denn die Vergehen an seinem jüngeren Bruder waren zwar schlimm, aber auch nicht in dem Maße, dass sie in einem Verhältnis zu Richards Mordgelüsten stehen. Gegen Ende des Films wird man jedoch klar eines Besseren belehrt und sieht Richard plötzlich aus ganz anderen Augen. Zwar ist man immer noch davon entfernt, Richards Taten gutzuheissen, nachvollziehbar sind sie jedoch allemal. Mit Sicherheit, ein toller Kniff der Drehbuchautoren!

    Paddy Considine, der den besagten Richard spielt, hatte zwar nicht unbedingt eine schwierige Rolle zu meistern, ließ mich jedoch alleine mit seinem schweigsamen Gesichtsausdruck seinen ganzen Zorn spüren. Gefallen finden konnte ich auch an der gelungenen Musikauswahl und den visuell teilweise sehr anmutenden Bildern Meadows. Dass der Film letztlich keine höhere Wertung von mir erhält, liegt wohl daran, dass ich es dann doch nur mit einem normalen Rachethriller zu tun hatte, der sich - abgesehen von seiner gelungener Schlusswendung - inhaltlich nicht wirklich von vergleichbaren Filmen abhebt. Gegen einen etwas differenzierteren Umgang mit dem Thema hätte ich sicherlich nichts gehabt, so bleibt aber ein allemal unterhaltsamer Film übrig.

    7/10

  9. #89
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 7: Fenrisulfr

    Waking Life (2001) - Richard Linklater



    On really romantic evenings of self, I go salsa dancing with my confusion.
    Waking Life verschafft einem einen kaleidoskopartigen Blick in den Kopf eines namenlosen Protagonisten zu werfen, oder besser gesagt, in dessen Traumwelt, wo wir, mit ihm gemeinsam, teils amüsanten, teils philosphischen Gesprächen über den Sinn des Lebens und darüber hinaus lauschen. Dabei wird Linklaters Film nie langweilig, ja eigentlich fühlt man sich als Zuschauer durch die raschen Themenwechsel und immer wieder neu auftauchenden Fragen fast schon überfordert. Ab und zu bin ich rausgeflogen, das gebe ich gerne zu, aber das schöne an diesem Film ist, dass man quasi überall wieder neu einsteigen kann und immer wieder Folgen findet, die einem auf Anhieb eher zusagen werden. Und sollte es einem doch mal zu schnell gehen, schaut man sich Waking Life einfach nochmal von vorne an. Besonders Gefallen finden konnte ich an dem Gespräch über die Willensfreiheit, der Aussage, dass sich der Mensch bzgl. seiner Werte nicht groß seit den alten Griechen weiterentwickelt hat, und dem Epilog, mit Linklater selbst am Flipperautomaten, dem ich kaum folgen konnte, seine Erzählung aber trotzdem hochinteressant fand.

    Die Comic-Optik des Film trägt ihren Teil zur traumartigen Grundstimmung des Films natürlich ebenfalls bei. Komischerweise fand ich diese Technik bei A Scanner Darkly mit der Zeit störend, hier hingegen ging es für mich voll und ganz auf. Wahrscheinlich lag dies daran, dass der Zeichenstil abwechslungsreicher eingesetzt wurde, alles ein wenig gemalter aussieht und in Bewegung ist. Sehr schön fand ich übrigens noch die Idee, die musikalische Begleitung des Films persönlich zu Beginn vorzustellen und ihr in einen späteren Szene sogar einen Auftritt zu gewähren. Die Musik selbt (Nuevo Tango) war natürlich ebenfalls hervorragend.

    Was die Aussage des Films betrifft - neben seinen vielen kleinen Weisheiten - reicht denke ich bereits ein Blick auf seinen Titel: Waking Life, erwecke dein Leben. Ich glaube letztlich geht es Linklater um Selbsterkenntnis, dass man sein Leben bewusster wahrnehmen und sich nicht von Automatismen diktieren lassen soll. Der Hauptprotagonist des Films erfährt dies gleich auf doppelte Weise, einerseits indem er aus seinem surrealen Trip wieder erwachen und zurück zur Realität gelangen möchte, und andererseits indem der Traum der Ort ist, an dem die Selbsterkenntnis bereits beginnt. Wenn wir in unseren Träumen all jene Dinge ausleben können, die uns beschäftigen, warum nicht auch in der richtigen Welt?

    8/10 (mit Tendenz nach oben)

  10. #90
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    Re: I've seen things you people wouldn't believe...

    OMFE #2 Round 8: VJ-Thorsten

    The Big Sleep (1946) - Howard Hawks



    I collect blondes in bottles, too
    In The Big Sleep geht es um allerlei interessante Dinge: Verschwundene Detektive, drogen- und spielsüchtige Frauen, zwielichtige Personen, grössere und kleinere Sümpfe des Verbrechens... und mittendrin die Ermittlung, wie dies alles miteinander zusammenhängt. Leider bekam ich davon im Film selbst nicht viel mit. Dafür spielt Humphrey Bogart die Hauptrolle. Der mimt einen äussert sympathischen Privatdetektiv, Philip Marlowe, der immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen hat und weiss, wie man Frauen um den Finger wickelt. Teilweise musste ich echt lachen, und diese ungezwungene, lockere Atmosphäre des Film trägt wohl auch viel zum Charme dieses Klassikers bei.

    Mit zunehmender Lauflänge sehnte ich mich dann aber auch nach so etwas wie einer Story. Die kam zwar recht schnell ins Rollen, wirklich folgen konnte ich ihr jedoch nicht. Mein Problem: Ich wusste schlichtweg nicht, was Bogart hier eigentlich die ganze Zeit aufzudecken versucht. Am Anfang kam ich noch mit: Er muss den Buchhändler finden, bei dem die Tochter seines Auftraggebers Spielschulden hat. Nun, es kommt ja dann recht schnell zu einem Zwischenfall, und der Buchhändler ist erstmal aus dem Rennen. Danach verstrickten sich die Personen jedoch fortan immer wieder in neue Situationen, und ich verlor schliesslich recht schnell den Faden. Weshalb plötzlich der verschwundene Detektiv wieder ein Thema ist, oder der Chauffeur der Familie ermordet wird, blieb mir ein Rätsel. Am Ende war ich genauso schlau wie zu Beginn des Films.

    Ich möchte es nicht abstreiten, dass ich die Handlung vielleicht durchaus zu unaufmerksam verfolgt habe, nur frage ich mich dann auch, weshalb es einem das Drehbuch so schwer macht und quasi keinerlei Anhaltspunkte liefert, an denen man sich als Zuschauer zwischenzeitlich wieder am Geschehen orientieren kann. Später hatte ich dann die Theorie, dass es wohl tatsächlich von den Filmemachern so beabsichtigt war, den Film nicht verstehen zu können. Immerhin handelt es sich bei The Big Sleep um einen Vertreter des Film Noirs und die Ungewissheit des Hauptdarstellers wird auf diese Weise regelrecht erfahrbar gemacht. Andererseits, die Tatsache, dass Bogart im Film eigentlich immer genau weiss, was er gerade als nächstes tun muss, widerspricht dem jedoch wieder. Ich lasse mein endgültiges Urteil mal für weitere Sichtungen offen...

    Davon abgesehen konnte mich der Film seltsamerweise trotzdem irgendwie begeistern, und dies lässt sich sogar auf eine einzige Szene zurückführen: Bogart findet eines verregneten Nachmittags im Laufe seiner Ermittlungen den Weg in eine alte Buchhandlung und trifft dort auf eine wahnsinnig attraktive Dorothy Malone. Als ich die Szene das erste Mal gesehen habe, bin ich fast vom Sofa gefallen. Was sich die beide für Blicke zuwerfen, unglaublich, für diese Szene wurde wohl der Begriff "Sexy" erfunden. Aber nicht irgendwie ein plumpes oder aufdringliches "Sexy", sondern ein äusserst subtiles, das viel Spielraum übrig lässt. Einfach umwerfend!

    Zusammen mit der Einsicht, dass der Film sicherlich noch einiges an Potential besitzt, reicht es letztlich also doch noch auf eine

    7/10.

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