108. Zodiac - Die Spur des Killers
(Zodiac) USA 2007 R: David Fincher
(g. a. 15.11.2007)
D: Jake Gyllenhaal, Robert Downey jr., Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Brian Cox, John Carroll Lynch, Chloë Sevigny, Ed Setrakian, John Getz, Elias Koteas, Dermot Mulroney, Donal Logue, Philip Baker Hall, Zach Grenier, Adam Goldberg, James le Gros, Clea du Vall
There's more than one way to lose your life to a killer
B: Einerseits schwer über einen Film zu urteilen, über den viele Forumsmitglieder voll des Lobes sind weil man deren Meinung sehr respektiert und natürlich weiß, dass die Geschmäcker verschieden sind aber irgendwie sich manchmal auch ein bisschen klein hält und denkt „hmm, also wenn User X und User Y den Film so toll fanden, dann muss er ja auch gut sein. Dass es bei mir nicht so war liegt nicht am Film sondern an mir, irgendwas muss ich übersehen haben, irgendwas konnte mich nicht erreichen weil ich wohl nicht aufnahmefähig genug war... *grübelgrübel*“. Andererseits habe ich aber keine andere Wahl als meine eigene Meinung hier kundzutun, ehrlich und ungeschminkt. Soviel als Vorwort.
Dabei kann ich noch gar nicht mal sagen, woran es gelegen hat, dass der Film mich nicht so dermaßen mitreißen und überzeugen konnte wie erwartet. Sind es am Ende überzogene Erwartungen, die gar nicht erfüllt werden konnten; ich denke nein, denn ich hatte die Erwartungen im Vorfeld manuell runtergeschraubt. Liegt es daran, dass ich einen klaren Thriller mit klarer Auflösung erwartet hatte; nein, denn der Fall war mir vorher schon bekannt und der Film bietet fast sogar mehr Auflösung als es nach tatsächlichem polizeilichen Ermittlungsstand der Fall ist und ich habe auch kein Grundsatzproblem damit, wenn ein „Thriller“ nicht der ihm zugewiesenen direkten Route folgt sondern hin und wieder Schleichwege, Abkürzungen und neue Wege begeht. Warum also ? Dieses Rätsel wird möglicherweise so ungeklärt bleiben wie der Zodiac-Fall selbst.
Zum Fall: Im Prinzip erfahre ich in gut 2 ½ Stunden Film nicht wahnsinnig viel mehr, als im entsprechenden Eintrag in meinem „Lexikon der Serienmörder“. Natürlich einige Details in Richtung möglicher Verdächtiger und alles was die mit dem Fall betrauten Personen betrifft, aber an sich zu wenig. Dies selbst mit dem Hintergrund, dass der Film von vornherein gar nicht diesen streng kriminalistischen „Wer hat was wem angetan und wie wurde dies bewerkstelligt“-Weg gehen wollte sondern der Fall an sich nur Grundgerüst für eine ganz andere Geschichte bzw. das Zeigen ganz anderer menschlich-dramatischer Entwicklungen ist (ähnlich wie bei „Summer of Sam“).
Die dem Zuschauer letztlich eindeutig präsentierte „Lösung“ ist fast ein bisschen fahrlässig, zwar werden dem Zuschauer viele schlüssige Indizien geboten, aber es sind eben nur Indizien. Der Zuschauer müsste sich schon durch Bergeweise Polizeiakten durcharbeiten um sinnvoll mitreden zu können. Nur gut, dass Robert Graysmith dies schon getan hat, doch ich bin letztenendes skeptisch, denn letztlich bleiben es subjektive Halbfakten und da sich der Film offenbar an die Buchvorlage von Robert Graysmith hält, gilt für den Film selbiges.
Aber wie schon gesagt ist die „Mörder-Jagd“ durch den Zuschauer nicht das Hauptanliegen des Filmes. Vielmehr soll gezeigt werden, wie zwei Polizisten und zwei Zeitungsmitarbeiter an dem Fall mehr oder weniger zerbrechen. Die Bessessenheit, die mehr oder weniger auferlegte Passion der Hauptfiguren Licht in das Dunkle des Falles zu bringen. Doch mich persönlich hat das nicht angesprochen, dies wurde zu wenig gezeigt, dieses Wenige aber extrem ausgewälzt. Wie ein Teig, der solange plattgewerkelt wird um viel Masse zu haben, bis er seiner Funktion als Backware nicht mehr nachkommen kann oder einfach seinen Geschmack verliert.
Natürlich gibt es an „Zodiac“ auch einiges Gutes, daher ja auch eine überdurchschnittliche Bewertung, u. a. regt er auch im Nachhinein zum Nachdenken an, was fast immer für einen Film spricht. Die Schauspielerleistungen von Gyllenhaal, Downey jr., Ruffalo und nicht zu vergessen Carroll Lynch sind überaus gut. Ebenso auch die Atmosphäre, typisch Fincher-like: düster, steril und unbehaglich. Die sehr gut nachempfundenen Sets der 60er + 70er (wobei es relativ wenig Außenaufnahmen gibt) und das Aussehen (Kleidung, Haarschnitt) der Personen passt perfekt in die damalige Zeit. Allerdings die „Taxi aus der Vogelperspektive“-Szene konnte mich wenig begeistern, ganz im Gegenteil. Die Idee an sich ist ja klasse, keine Frage, aber die Umsetzung mau. Ich laß mittlerweile im Topic, dass es ein computeranimierter Effekt sei... als ich es sah wirkte es wie Modellautos in einer Modellwelt, wie aus der „Wunderbaren Märklin-Modellwelt New York“. Grauslig.
Natürlich ist ein Kernpunkt auch die Darstellung der zu der Zeit recht schlechten Zusammenarbeit der einzelnen Polizeistationen, teilweise mangelt es da an technischen „Neuerungen“, teilweise an der Bereitschaft Ermittlungskenntnisse vorbehaltlos und ungefragt mit anderen Polizeidienststellen zu teilen. Früher wurde es einem Killer doch vergleichsweise leicht gemacht, man bedenke nur, Zodiac hätte sein Unwesen nicht nur in Kalifornien sondern noch in anderen Bundesstaaten getrieben, das Chaos wäre perfekt gewesen. Zu heutigen Zeiten der Vernetzung zwischen Ermittlungsbehörden ganzer Länder und den pfiffigen CSI-Teams fast undenkbar; annähernd steinzeitlich damals. Erlaubt sei auch die Frage, weshalb man einem Überlebenden, der den Täter mehr oder weniger klar gesehen hat, erst fast 20 Jahre nach der Tat Bilder des Hauptverdächtigen für eine mögliche Identifikation oder eben auch Ausschließung vorlegt.
Wie gesagt, zum Nachdenken regt er an - nicht mehr und nicht weniger.
Benotung: 7,5/10


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