137. Bleeder
(Bleeder) DK 1999 R: Nicolas Winding Refn
(g. a. 12.1.2008)
D: Kim Bodnia, Mads Mikkelsen, Zlatko Buri?, Rikke Louise Andersson, Liv Corfixen, Levino Jensen, Claus Flygare, Ole Abildgaard, John Barimani
B: Welches "L" wird gesucht ?
Ein Film von Winding Refn mit Bodnia, Mikkelsen und Buri?... wer die Pusher-Reihe auch nur ansatzweise mag kann hier eigentlich im Vorfeld nur mit der Zunge schnalzen. Doch der Film bewegt sich diesmal nicht in einem kriminellen Millieu, wenngleich diverse Gesetze und Gebote gebrochen werden.
In dem Film werden im Grunde zwei Geschichten erzählt. Da ist auf der einen Seite Leo (Bodnia), der mit seinem Leben incl. der Beziehung zu seiner Freundin Louise (Andersson) unzufrieden scheint, das Ganze gerät außer Kontrolle, als Louise ungeplant schwanger wird. Dann gibt es den sehr schüchternen und in einer Film-Traum-Welt lebenden Lenny (Mikkelsen), der Gefallen an der Verkäuferin Lea (Corfixen) findet, seine Gefühle aber nicht wirklich zum Ausdruck bringen kann. Leo und Lenny sind befreundet und teilen gemeinsame Unternehmungen (hauptsächlich Filme schauen) zusammen mit Louise’s Bruder Louis (Jensen) und Kitjo (Buri?).
Sehr schwer diesen Film einzuschätzen und zu erfassen. Denn er ist eben nicht in typischer Hollywood-Manier gegliedert sondern die Geschichte(n) werden zunächst einfach so erzählt ohne dass zunächst klar wird, worauf der Film hinaus läuft. Zwar nähere ich mich diesem Erzählstil immer mehr an und gewinne gefallen daran aber doch braucht es immer ein wenig um sich darauf einzustellen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass einige Szenen für den Verlauf bzw. das Vorankommen der Story nicht wirklich notwendig gewesen wären; dennoch sind sie Teil des Filmes und somit unverzichtbar.
Schwierig auch genau darzustellen, was der Film eigentlich will bzw. welche Aussage er treffen möchte, nicht dass eine solche Erkenntnis unbedingt von Nöten ist, aber ich suche doch immer danach und erst dann wird so was für mich rund. Da mir keinerlei Erklärungen oder Infos seitens des Regisseurs bekannt sind, bleibt so viel Raum für eigene Interpretationen. Eine geht dahin, dass ein aktuelles Bild der Gesellschaft gezeigt werden soll. Da gibt es Rassisten; wirklichkeitsfremde „Freaks“ die sich in einer Film-Phantasiewelt am Wohlsten fühlen (kommt mir irgendwie bekannt vor...); mit sich selbst und dem Leben unzufriedene die Angst vor der Zukunft haben aber dies nicht äußern können und so ihren Gefühlen nur mit Gewalt Ausdruck verschaffen können, etc.
Oder ist es der Versuch einer Gegenüberstellung zwischen einer unschuldigen, schüchternen Liebe, die sich ganz zart zwischen zwei Menschen anbahnt und bei der jeder professionelle Verkuppler eine Mörder-Kohle scheffeln würde weil seine Hilfe mehr als gebraucht wird; und andererseits die Darstellung einer ernüchternden Beziehung, die von Missverständnissen, Ängsten und kleinen Abhängigkeiten getragen wird. Was beide Beziehungen jedoch eint ist die Unfähigkeit mit einander zu reden, eine vernünftige aber doch so wichtige Kommunikation bleibt aus und scheint nicht möglich. Und wenngleich dies im ersteren Fall noch in gewisser Weise nachvollziehbar ist und der Beziehung zwar im Weg steht aber sie nicht unmöglich macht, bedeutet es im zweiten Fall das Ende der Partnerschaft.
Obwohl eine genaue Einordnung nicht möglich ist, der Film lange offen lässt, worauf es hinausläuft, wuchs in mir während des Sehens eine Begeisterung heran, welche sich in einer sehr hohen Wertung niederschlagen musste, wenngleich aber dann eine Szene bzw. Story-Entwicklung mir sehr missfiel und ich somit eine kleine Abwertung vornehmen muss.
Highlights des Filmes ist eine lückenlos scheinende Aufzählung der großen Film-Regisseure des vergangenen Jahrhunderts, die wohl bei so manchem Filmliebhaber Tränen der Rührung auslöst sowie die wunderschöne Szene, als Lenny und Lea ein Stück gemeinsam durch einen idyllischen Friedhofsweg gehen. Sehr schön auch die Bruce Lee vs. Steven Seagal-Unterhaltung zwischen Leo und Lenny. Auch zeigt Winding Refn wieder eine schöne Idee bezüglich des „Vorspanns“ in dem die wichtigsten Personen unter Einsatz von Musik und mit Einblendung ihrer Namen eingeführt werden, im Vergleich zu den Pusher-Filmen abgeändert, aber dennoch typisch für „Jang“.
„Hast Du Wild at heart gesehen?“
„Also ich kenn’ das Buch!“
„Davon gibt’s ein Buch?“
Vielleicht mache ich mir keine Freunde mit dem folgenden, aber im Gegensatz zu Leo möchte ich mit meinen Gedanken und Gefühlen nicht hinterm Berg halten und so wage ich zu behaupten, dass Bleeder eine dänische Variante von Menschenfeind ist. Nicht ganz so drastisch und kompromisslos wie der Film von Noé, aber gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen.
Benotung: 8,7/10
Passender Song: „Lifelines“ von A-ha


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Wenngleich das Ende vllt. ein wenig untypisch ist doch auch hier gleicht es sich unserer Welt sehr an, denn immer öfters gibt es neben den tatsächlichen sportlichen Siegern auch die „Sieger der Herzen“. 






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